Eine chronische Opioidintoxikation kann zu lebensbedrohlichen Fehldiagnosen bei Palliativpatienten führen
- 27.01.2026
- Opioide
- Der interessante Fall
- Verfasst von
- Maja Falckenberg
- Friedemann Nauck
- Prof. Dr. Christoph Maier
- Erschienen in
- Der Schmerz
Auszug
Opioide sind unverzichtbar bei starken Schmerzen, auch im Endstadium inkurabler Erkrankungen. Sowohl zur Schmerztherapie und Behandlung von Atemnot als auch im Rahmen einer medikamentösen Sedierung gehören sie auf Palliativstationen und in Hospizen zu den am häufigsten verabreichten Pharmaka [2]. Zumindest bei vorher opioidnaiven Patienten sind hierfür niedrige Dosierungen des Opioids ausreichend [4]. Nebenwirkungen wie Obstipation, Juckreiz, Übelkeit und Erbrechen können zumeist erfolgreich behandelt werden, sodass die Opioidtherapie deswegen nicht beendet werden muss [1, 2]. Anders als die akute Ateminsuffizienz bei unsachgemäßem Vorgehen entwickeln sich andere Symptome oftmals schleichend nach Wochen oder Monaten. Insbesondere die Kombination von paradoxer Hyperalgesie und konsekutiver Erhöhung der Opioiddosis vermag psychische Veränderungen mit Antriebslosigkeit, Halluzinationen, Inappetenz, Erschöpfung, Schlaflosigkeit, nächtlichen Atemstörungen und körperlichem Abbau zu generieren [6]. Diese Symptomkonstellation, von uns im Folgenden als chronische Opioidintoxikation bezeichnet, erschwert, behandelbare Schmerzursachen zu erkennen, und begünstigt potenziell lebensbedrohliche Fehldiagnosen, falls infolge inadäquater Diagnostik der körperliche Verfall fälschlich als Zeichen einer beginnenden Sterbephase bei inkurabler Tumor‑, Herz- oder Lungenerkrankung interpretiert wird [5]. Genannt sei als Beispiel der Fall eines Patienten, der wegen therapieresistenter Schmerzen unter Fentanyl-Spray bei einem angeblich metastasierten Pankreaskarzinom zur palliativen Sedierung eingewiesen wurde. Nach einem Opioidentzug stellten sich kurativ behandelbare Bauchwandhernien als Schmerzursache heraus. Er lebte jahrelang ohne Rezidiv weiter [5]. Die Klinik der chronischen Opioidintoxikation ist facettenreich und abhängig von Grund- und Begleiterkrankungen. Bei Lungenerkrankungen kann sich eine schwere Ateminsuffizienz entwickeln, in anderen Fällen stehen scheinbar therapieresistente Schmerzen im Vordergrund, oft kombiniert mit kognitiven Einschränkungen und Zeichen der Abhängigkeit wie dem Einfordern höherer Dosen oder einer parenteralen Applikation, wie der folgende Fallbericht demonstriert. …
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- Titel
- Eine chronische Opioidintoxikation kann zu lebensbedrohlichen Fehldiagnosen bei Palliativpatienten führen
- Verfasst von
-
Maja Falckenberg
Friedemann Nauck
Prof. Dr. Christoph Maier
- Publikationsdatum
- 27.01.2026
- Verlag
- Springer Medizin
- Schlagwörter
-
Opioide
Intoxikationen
Palliative Schmerztherapie
Palliative Therapie
Schmerzen in der Hausarztpraxis
Tumorschmerz
Opioide
Morphin - Erschienen in
-
Der Schmerz
Print ISSN: 0932-433X
Elektronische ISSN: 1432-2129 - DOI
- https://doi.org/10.1007/s00482-026-00925-w
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