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Optische Kohärenztomographie in der Dermatologie: Präzision in Lichtgeschwindigkeit

  • 14.08.2025
  • Online-Artikel

Die optische Kohärenztomographie (OCT) hat sich in den letzten Jahren von einer ophthalmologischen Technik zu einem unverzichtbaren Werkzeug in der Dermatologie entwickelt. Insbesondere die dynamische OCT (D-OCT) ermöglicht eine detaillierte Darstellung der Hautstruktur und -vaskularisation in Echtzeit. PD Dr. Sandra Schuh, Oberärztin der Klinik für Dermatologie und Allergologie am Universitätsklinikum Augsburg, betont die Bedeutung dieser Technologie für die moderne Hautdiagnostik – und zeigte in ihrer Publikation, wohin die Reise geht: In Richtung präziser Echtzeitdiagnostik bei gleichzeitig maximaler Schonung der Patient:innen.

Von Hautkrebs bis Entzündung: Neue Dimensionen für die Bildgebung

Ursprünglich vor allem zur Identifikation von Basalzellkarzinomen (BZK), aktinischen Keratosen(AK) und spinozellulären Karzinomen eingesetzt, hat sich das Anwendungsspektrum der OCT durch die dynamische Variante (D-OCT) deutlich erweitert. Entzündliche Dermatosen wie atopische Dermatitis, Psoriasis oder Rosazea lassen sich inzwischen ebenso detailliert darstellen – in 3D und in Echtzeit.

Auch neue Studien unterstreichen das Potenzial: So konnten OCT und D-OCT kürzlich genutzt werden, um vaskuläre und dermale Unterschiede bei verschiedenen Typen der lichtbedingten Hautalterung sichtbar zu machen – ein Schritt hin zur individualisierten Anti-Aging-Medizin. Gleichzeitig etabliert sich die Line-field konfokale OCT (LC-OCT) als vielversprechende Weiterentwicklung, die horizontale und vertikale Hautschnitte in hoher Auflösung kombiniert – fast auf histologischem Niveau, aber nichtinvasiv.

Standardisiert, objektiv, reproduzierbar: Was die D-OCT messbar macht

Dank intelligenter Analysesoftware gelingt es heute, objektive Hautparameter zu erfassen und zu quantifizieren. Damit lassen sich Therapieverläufe verlässlich dokumentieren – etwa bei der Anwendung von Biologika – oder alters- und umweltbedingte Veränderungen der Haut strukturiert erfassen. Ein Auszug der wichtigsten Parameter:

Parameter

Aussagekraft

Anwendung

Epidermisdicke (ED)

Alters- & Krankheitskorrelation

Monitoring bei AK, BZK, Psoriasis

Optische Absorptions- und Streukoeffizienten (OAC)

Streuung & Absorption von Licht

Differenzierung zwischen Fibrose und Ödem

Blutfluss (D-OCT)

Gefäßdichte, -tiefe, -muster

Vaskuläre Pathologien, entzündliche Prozesse

Rauheit (Ra, Rq, Rz)     

Struktur der Hautoberfläche

Verlaufskontrolle ästhetischer Behandlungen

Von Rosazea bis Wundheilung: Neue Perspektiven

Insbesondere bei gefäßbetonten Erkrankungen wie Rosazea, Naevus flammeus oder chronischen Wunden punktet die D-OCT. Ob oberflächliche Teleangiektasien oder tiefere vaskuläre Veränderungen – das System erkennt morphologische Muster, die in der klinischen Untersuchung oft verborgen bleiben. Auch bei venösen Ulzera lassen sich typische Gefäßkonfigurationen identifizieren, die Rückschlüsse auf die Heilungsprognose erlauben.

Mehr von Frau PD Dr. Schuh: Strukturiertes Lernen, gezielte Diagnostik

„Strukturiertes Lernen statt Zufallskompetenz“ – unter diesem Leitsatz entwickelte das Team um PD Dr. Sandra Schuh (Uniklinikum Augsburg) ein praxisnahes Curriculum zur Dermatoskopie. Ziel: Diagnostische Sicherheit nachhaltig stärken. Die begleitende Studie zeigt, dass strukturierte Lehrinhalte sich wirksam in die Facharztausbildung integrieren lassen – und echte Kompetenz fördern. Hier mehr erfahren!

Auch in der Onkologie denkbar: D-OCT bei melanozytären Läsionen

Neben entzündlichen und vaskulären Dermatosen rückt zunehmend auch die Diagnostik melanozytärer Läsionen in den Forschungsfokus. Die klassische OCT stößt hier an Grenzen – doch die dynamische Gefäßdarstellung der D-OCT und v.a. die LC-OCT zeigen hier Potenzial. Erste Studien deuten darauf hin, dass sich je nach Breslow-Tiefe typische Gefäßmuster abbilden lassen: von „dots“ bis hin zu „coiled“ und „serpiginous“ Strukturen. Mit der LC-OCT können auch zelluläre Strukturen dargestellt werden und die Unterscheidung zwischen Nävi und Melanomen erforscht werden. Das eröffnet neue Möglichkeiten zur nichtinvasiven Einschätzung der Tumoraggressivität – ganz ohne Biopsie.

Fazit: Die Haut im Fokus – ohne Biopsie

Die OCT hat sich weit über die klassische Hautkrebsdiagnostik hinaus etabliert – als vielseitiges, präzises und patientenschonendes Verfahren. Besonders in Kombination mit der dynamischen Bildgebung und leistungsstarker Software ergeben sich neue Möglichkeiten in der Differenzialdiagnose, im Therapiemonitoring und in der Hautforschung.

Literatur:

Ruini, C. et al. (2021): Neues von der optischen Kohärenztomographie. Die Dermatologie, DOI: 10.1007/s00105-021-04905-2.

Guida, S. et al. (2025): Correlating Optical Coherence Tomography and Other Noninvasive Imaging Features With Atrophic and Hypertrophic Skin Photoaging. International Journal of Dermatology, DOI: 10.1111/ijd.17799.

Cappilli, S. et al. (2024): Line-Field Confocal Optical Coherence Tomography: A New Skin Imaging Technique Reproducing a “Virtual Biopsy” with Evolving Clinical Applications in Dermatology. Diagnostics, DOI: 10.3390/diagnostics14161821.

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Ärztin wertet Bilder am Computer aus/© Mariia Vitkovska | iStock (Symbolbild mit Fotomodell)