Diagnostik und Therapie der Otitis externa necroticans
- Open Access
- 12.12.2025
- Otitis externa
- CME
Zusammenfassung
Lernziele
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sind die in der Lage, eine Otitis externa necroticans zuverlässig zu erkennen,
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können Sie Risikopatient:innen rechtzeitig identifizieren,
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wissen Sie die richtigen diagnostischen Schritte einzuleiten,
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können Sie die korrekten therapeutischen Maßnahmen veranlassen.
Kasuistik
Verlauf der Otitis externa necroticans
Definition
OEN definitiv vorliegend bei Erfüllung aller 4 folgenden Kriterien | |
|---|---|
1. | Otalgie und Otorrhö oder Otalgie und vorhergehend Otorrhö in der Anamnese |
2. | Granulationsgewebe oder diffuse Entzündung des Gehörgangs |
3. | Histopathologischer Ausschluss von Malignität bei klinischem Verdacht |
4. | Radiologische Befunde passend zur OEN in der CT und/oder MRT (knöcherne Arrosionen/Knochenmarködem im Felsenbein und Weichteilentzündung des äußeren Gehörgangs) |
OEN möglicherweise vorliegend bei einer schweren Gehörgangsentzündung ohne bildmorphologische Zeichen einer OEN in der CT oder MRT, wenn alle 3 der folgenden Kriterien erfüllt sind | |
|---|---|
1. | Otalgie und Otorrhö oder Otalgie und vorhergehend Otorrhö in der Anamnese |
2. | Granulationsgewebe oder diffuse Entzündung des Gehörgangs |
3. | Eines der folgenden Kriterien: |
Immundefizienz (insbesondere Diabetes mellitus) | |
Nachtschmerz | |
Erhöhte laborchemische Entzündungsparameter (Blutsenkung, CRP) ohne erkennbare andere Ursache | |
Therapieversagen auf topische Antiinfektiva und Ohrtoilette > 2 Wochen | |
Anatomie und Pathogenese
Komplikationen
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Schädelbasisosteomyelitis mit Hirnnervenparesen (N. VII, N. IX, N. X, N. XI, N. XII)
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Septische Sinusvenenthrombose
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Intrakranielle Abszesse/Empyeme
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Meningitis
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Phlegmone/Abszesse der Halsweichteile mit retro-/parapharyngealer Ausbreitung
Epidemiologie
Diagnostik
Klinische Untersuchung
Differenzialdiagnosen
Laborchemische Untersuchung
Mikrobiologie
Bildgebung
Therapie
Antimikrobielle Therapie
Chirurgie
Hyperbare Sauerstofftherapie
Nachsorge
Fazit für die Praxis
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Die Otitis externa necroticans (OEN) ist eine potenziell lebensbedrohliche Infektion des Gehörgangs, welche zu einer Osteomyelitis der lateralen Schädelbasis führen kann.
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Meist tritt die OEN bei älteren, immunsupprimierten Patient:innen auf.
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Eine frühe Diagnosestellung ist entscheidend, um Komplikationen (Hirnnervenparesen, intrakranielle Abszesse, Meningitiden, Sinusvenenthrombosen) zu verhindern.
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Eine empirische antibiotische Therapie sollte mit einer Pseudomonas-wirksamen Kombination (z. B. Ceftazidim + Ciprofloxacin) eingeleitet und frühestmöglich antibiogrammgerecht angepasst werden.
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Klinische Symptome und Laborwerte sind zur Beurteilung der Krankheitsaktivität unzuverlässig, die 18F‑Fluordesoxyglukose-Positronenemissionstomographie-Computertomographie (18F‑FDG-PET-CT) ermöglicht eine verlässliche Beurteilung des Therapieerfolgs und unterstützt die Entscheidung zum Behandlungsende.
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Die antibiotische Therapie muss über mindestens 6 Wochen, in schwereren Fällen häufig auch über mehrere Monate fortgeführt werden, um Rezidive zu verhindern.
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Chirurgische Eingriffe sind bei Hirnnervenbeteiligung und intrakranieller Ausbreitung zusätzlich indiziert.
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Betroffene Patient:innen sollten lebenslang an engmaschigen HNO-fachärztlichen Nachsorgekontrollen teilnehmen, um Rezidive frühzeitig zu erkennen.