Patientinnengruppe/Patientengruppe über 18 Jahre
In jedem Spezialbereich ist jeweils die Anzahl der 16–18 und > 18-Jährigen sowie der prozentuelle Anteil der über 18-Jährigen angeführt. Die Patientinnen- und Patientengruppe über 18 Jahre ist dabei die, bei der bereits der Transfer in die Erwachsenenmedizin erfolgt sein sollte. Bei den Bereichen Gastroenterologie und Hepatologie, Nephrologie, Endokrinologie, Diabetologie, Rheumatologie, Pneumologie und Allergologie ist diese erfolgt, es werden zwar noch ein paar wenige Prozent über 18-Jährige erfasst, allerdings zeigt der Median von 18 bis 18,5 Jahren, dass die Transition bevorsteht, und meist aus logistischen Gründen (gerade 18 geworden, Termin an Erwachsenenmedizin vereinbart, aber noch nicht stattgefunden) noch nicht vollzogen ist.
Im Bereich z. B. Diabetologie sind 41 (14,91 %) der Patientinnen und Patienten über 18 Jahre alt. Von diesen 41 Betroffenen sind 23 Patientinnen und Patienten gerade 18 Jahre, 16 sind 19 Jahre und 2 sind 20 Jahre alt. Ein zeitnaher Transfer dieser Patientinnen und Patienten wird angestrebt.
In den anderen Bereichen, in denen die Transition erfolgt ist, liegt der Anteil der über 18-Jährigen unter 10 %.
In der Rheumatologie sind 23 (6,44 %) Patientinnen und Patienten über 18 Jahre. Von diesen 23 Patientinnen und Patienten waren 7 gerade 18 Jahre und wurden kurz anschließend transferiert, 3 Erwachsene wurden nur einmal im Rahmen einer Familienuntersuchung vorstellig, bei 2 wurde die Behandlung mit 19 Jahren abgeschlossen, und 11 weitere befinden sich noch in Behandlung, wobei alle unter 20 Jahre alt sind und individuell zeitnah transferiert werden.
In der Neuropädiatrie sind 107 (3,54 %) Patientinnen und Patienten über 18 Jahre. Dabei handelt es sich vor allem um Patientinnen und Patienten mit syndromalen Erkrankungen, die mehrere Organsysteme betreffen und mit einer geistigen Behinderung einhergehen, für die (noch) keine geeignete Anlaufstelle an der Erwachsenenmedizin gefunden wurde.
In der Gastroenterologie und Hepatologie sind 11 (1,97 %) Patientinnen und Patienten über 18 Jahre. Von diesen 11 wurden fünf mit 18 Jahren an die Erwachsenenmedizin transferiert, zwei waren zu einem einmaligen Konsil vorstellig und vier benötigten keine Transition, da sie aufgrund der bei ihnen vorliegenden Erkrankung (Lebertransplantation, entzündlicher Pseudotumor, Kurzdarmsyndrom und Chloriddiarrhoe) an der Pädiatrie in Betreuung bleiben. Diese vier Betroffenen haben ein Alter von 18,18,19 und 31 Jahren.
In der Endokrinologie sind 11 (1,58 %) Patientinnen und Patienten über 18 Jahre. Von diesen 11 Betroffenen wurden neun kurz nach ihrem 18. Geburtstag transferiert und zwei befinden sich noch in Behandlung (42 und 44 Jahre alt) (genetischer Kleinwuchs, CPOX-Defizienz).
In der Nephrologie sind fünf (1,37 %) Patientinnen und Patienten über 18 Jahre. Davon sind alle fünf gerade erst 18 Jahre alt geworden. Von diesen fünf 18-Jährigen wurde einer austherapiert, drei wurden im selben Jahr transferiert und ein weiterer steht kurz vor der Transferierung und ist mit 18 Jahren wegen einer Nierendysplasie noch an der Nephrologie in Behandlung.
Die Pneumologie und Allergologie ist der Bereich mit dem kleinsten prozentuellen Anteil der Patientinnen und Patienten über 18 Jahre. Dort sind 11 Patientinnen und Patienten (0,77 %) über 18 Jahre. Diese 11 wurden alle mit 18 Jahren transferiert.
Die Bereiche Cystische Fibrose, Hämatologie & Onkologie, Kardiologie und Angeborene Stoffwechselstörungen zeigen hingegen Besonderheiten, was den Transfer an die Erwachsenenmedizin betrifft.
Der Bereich Cystische Fibrose (CF) ist der mit den meisten Patientinnen und Patienten über 18 Jahre. In diesem Spezialbereich sind 53,87 % (n = 160) Patientinnen und Patienten über 18 Jahre. Vereinbarungsgemäß werden CF Patientinnen und Patienten in der pädiatrischen CF Ambulanz weiterbetreut, wobei innerhalb der pädiatrischen Ambulanz ein klarer Transitionsprozess definiert ist. Da CF Patientinnen und Patienten laut Leitlinien in entsprechenden Zentren betreut werden sollen und bisher keine Möglichkeit auf der Inneren Medizin besteht, bleiben sie vereinbarungsgemäß langfristig an der CF Ambulanz der Klinik für Pädiatrie in Betreuung.
Ähnlich wie im Bereich Cystische Fibrose ist es in der Hämatologie und Onkologie, in der 19,67 % (n = 166) der Patientinnen und Patienten über 18 Jahre alt sind. In diesem Bereich werden die Patientinnen und Patienten seit 2021 durch das Programm „ZONE“ (= Zentrum für onkologische Nachsorge für junge Erwachsene) weiterbetreut. Dieses Programm übernimmt die Funktion der Transition, jedoch auch die Langzeitnachsorge der Patientinnen und Patienten. Die Betroffenen bleiben an der Klinik angebunden, da es eine Indikation für eine Langzeitnachsorge für onkologische Patientinnen und Patienten laut aktuellen Leitlinien gibt. Aktuell wird das Programm ZONE durch Pädiaterinnen und Pädiater geleitet. Eine Externalisierung aus der Kinderklinik sowie eine gemeinsame Betreuung mit der Inneren Medizin der Erwachsenenmedizin wird in Kürze umgesetzt. Dadurch kann die Transition und die Langzeitnachsorge komplett außerhalb der Kinderklinik von Seiten der Pädiaterinnen und Pädiater eingeleitet und weiterführend gemeinsam mit den Internistinnen und Internisten durchgeführt werden. Aktuell ist das mediane Alter mit 22 Jahren (Range 18–42) im Bereich Hämatologie und Onkologie deutlich niedriger als das im Bereich Cystische Fibrose mit 33 Jahren (18–70).
In der Kardiologie ist der Anteil an Patientinnen und Patienten über 18 Jahre 14,01 % (n = 544). Dabei handelt es sich Großteils um Betroffene mit angeborenen Herzfehlern bzw. chronischen seltenen Erkrankungen (Marfan-Syndrom), welche nicht transferiert werden können, da es keine passende Anlaufstelle in der Erwachsenenmedizin gibt.
Der Bereich mit dem zweitgrößten prozentualen Anteil von Patientinnen und Patienten über 18 Jahre ist der Bereich der Angeborenen Stoffwechselstörungen mit 21,83 % (n = 76). Von diesem Bereich konnten bisher z. T. aus Kapazitätsgründen von Seiten der Erwachsenenmedizin nur Patientinnen und Patienten mit den drei Krankheitsbildern Phenylketonurie, Propionazidämie und Morbus Fabry transferiert werden. Für manche andere Krankheitsbilder wird noch nach entsprechenden Ressourcen gesucht. Da es sich oft um Multisystemerkrankungen handelt, ist es nicht ganz einfach, die geeignete Anlaufstelle dafür zu finden.
Herausforderungen des Transitionsprozesses
Die Interviews zum Thema Transition mit den jeweiligen Ansprechpersonen zeigten unterschiedliche Problematiken des Transitionsprozesses. Gewisse Gemeinsamkeiten gibt es dennoch in allen Fachbereichen.
Eine beständige Herausforderung ist das oft vorliegende mangelnde Selbstmanagement bzw. eine unzureichende Selbstständigkeit der Patientinnen und Patienten mit chronischen Erkrankungen. Außerdem besteht im Jugendalter auch häufig das Problem der Krankheitseinsicht – auch wenn sich die Betroffenen der Krankheit bewusst sind, wird diese oft verdrängt und andere – für dieses Lebensalter wichtigere – Prioritäten gesetzt. Eine weitere Herausforderung ist das überlastete Gesundheitssystem, d. h. fehlende, vor allem zeitliche und personelle Ressourcen, die den Transitionsprozess erschweren. Der Transitionsprozess wird sowohl von medizinischen sowie gesellschaftlichen Faktoren beeinflusst.
Es gibt unterschiedliche Verbesserungsansätze für den Transitionsprozess, um eine sichere und kontinuierliche Versorgung zu gewährleisten. Einerseits muss das medizinische Personal sowohl der Kinder und Jugendmedizin wie auch der Erwachsenenmedizin gezielt auf den Transitionsprozess geschult werden. Nur dadurch kann den Patientinnen und Patienten mit chronischen Erkrankungen eine passende Anlaufstelle angeboten werden für eine sichere Versorgung über das 18. Lebensjahr hinaus. Andererseits wird der Transitionsprozess positiv beeinflusst, wenn er stufenweise erfolgt, indem der Patientin oder dem Patienten genügend Zeit zum Loslassen von Seiten der Pädiatrie gegeben wird, jedoch auch ausreichend Zeit zum Ankommen in der Erwachsenenmedizin besteht. Nicht nur die Betroffenen, auch die Eltern, Geschwister und die erweiterte Familie, müssen stufenweise in einem strukturierten, standardisierten Prozess auf die Transition vorbereitet werden. Schließlich sind Absprachen und Austausch zwischen den Pädiaterinnen und Pädiatern mit den Internistinnen und Internisten und ein gegenseitiges Feedback wichtig. Eine enge Zusammenarbeit und ein beidseitiges Interesse tragen dazu bei, auf wichtige, individuelle und patienteninnen- und patientenbezogene Erkenntnisse Rücksicht zu nehmen. Es ist essenziell Ressourcen wie Zeit und Personal bereitzustellen, um weitere Unterstützungsangebote zu schaffen. All dies sind Voraussetzungen für eine gelungene Transition.