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Die Onkologie

Spiritual Care und Judentum

Paradigma für einen religionsgeprägten Umgang mit kranken und sterbenden Menschen?

Erschienen in:

Zusammenfassung

Der Umgang mit Krankheit, Sterben und Tod im Judentum kann paradigmatisch für die Diversität von Wertebegründungssystemen innerhalb unserer Gesellschaft, aber auch für religions- bzw. kulturbezogene Spiritual Care betrachtet werden. In der religiösen Tradition des Judentums gilt, anders als in postmodernen säkularen Gesellschaften, nicht die Achtung vor der Autonomie und dem Selbstbestimmungsrecht des Individuums als höchstes moralisches Prinzip, sondern die Verpflichtung gegenüber dem Schöpfer des Lebens und dem leiblichen Leben selbst. In der Pflicht zur Fürsorge für das verletzliche und vom Tod bedrohte Leben des (Mit‑)Menschen gilt aber zugleich die Achtung vor dessen Würde und Einzigartigkeit auch aus jüdischer Sicht als ethisches Maß allen Handelns. Schließlich verleiht die Gottesebenbildlichkeit dem Menschen nach jüdischer Vorstellung seine Würde, und in der Begegnung mit dem Mitmenschen werden so auch transzendente Erfahrungen möglich. Deshalb misst das Judentum der Begleitung und der Fürsorge für kranke und auf Hilfe angewiesene Menschen eine mindestens so große spirituelle Bedeutung und Kraft bei, wie dem inbrünstigen Gebet oder der tiefsten Versenkung in Mystik oder dem Studium heiliger Schriften. Traditionell werden die religiösen Verpflichtungen zur Fürsorge im Gemeindeleben stellvertretend für die Gemeinschaft auch von ehrenamtlichen „Bruderschaften“ und „Schwesternschaften“, den sog. Bikkur-Cholim-Gruppen übernommen. Diese können als „Kulturdolmetscher“ die professionelle Begleitung schwerstkranker und sterbender Menschen ideal ergänzen und so zu einer gelingenden kultursensiblen Versorgung beitragen. Vor allem können sie Betroffene dazu befähigen, ihre authentische Autonomie zu realisieren.
Titel
Spiritual Care und Judentum
Paradigma für einen religionsgeprägten Umgang mit kranken und sterbenden Menschen?
Verfasst von
Dr. med. Stephan M. Probst
Publikationsdatum
26.09.2024
Verlag
Springer Medizin
Schlagwörter
Palliativmedizin
Onkologie
Erschienen in
Die Onkologie / Ausgabe 1/2025
Print ISSN: 2731-7226
Elektronische ISSN: 2731-7234
DOI
https://doi.org/10.1007/s00761-024-01614-y
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