Das duktale Adenokarzinom des Pankreas (PDAC) zählt zu den aggressivsten Tumorerkrankungen mit einer 5‑Jahres-Überlebensrate von etwa 13 % [
1]. Die ungünstige Prognose ist v. a. auf die meist späte Diagnosestellung, aggressive Tumorbiologie, ausgeprägte Tumorheterogenität sowie hohe Therapieresistenz zurückzuführen.
Die besten Überlebenschancen werden durch eine chirurgische Tumorresektion erreicht
Anhand radiologischer Kriterien und der Beziehung zu lokalen Blutgefäßen werden Pankreastumoren als resektabel, grenzwertig resektabel, lokal fortgeschritten oder metastasiert eingestuft. Diese Klassifikation bestimmt zusammen mit biologischen Kriterien (Höhe des Tumormarkers CA 19‑9, Befall regionärer Lymphknoten) und patientenbezogenen Faktoren (Performance Status gemäß Eastern Cooperative Oncology Group, ECOG) die Resektabilität. Die besten Überlebenschancen werden durch eine chirurgische Tumorresektion erreicht, vorzugsweise in Kombination mit einer (neo)adjuvanten (Radio‑)Chemotherapie. Trotz Fortschritten in Operationsverfahren und perioperativen Systemtherapien zur Behandlung okkulter Mikrometastasen sind die Rezidivraten nach einer kurativ intendierten Operation weiterhin hoch und liegen nach 3 Jahren zwischen 60 und 79 % [
2]. Die Mehrzahl der Patienten (> 80 %) kommt jedoch für eine chirurgische Resektion nicht in Frage, da sich die Erkrankung zum Zeitpunkt der Diagnosestellung bereits in einem fortgeschrittenen Stadium befindet. In dieser Situation gilt die palliative Kombinationschemotherapie als Therapiestandard und kann das Überleben lediglich moderat verlängern. Zu den etablierten Erstlinientherapien im fortgeschrittenen Stadium gehören Gemcitabin [
3], Gemcitabin/Erlotinib [
4], Gemcitabin/nab-Paclitaxel [
5], (modifiziertes) FOLFIRINOX (5-Fluorouracil, Folinsäure, Irinotecan, Oxaliplatin) [
6] und NALIRIFOX (nanoliposomales Irinotecan, 5‑Fluorouracil, Folinsäure, Oxaliplatin) [
7]. Die Wahl des Therapieregimes richtet sich v. a. nach Performance Status und Komorbiditäten, da in der klinischen Praxis keine etablierten prädiktiven Biomarker existieren. Seit 2019 ist der Inhibitor der Poly(ADP-Ribose)-Polymerase (PARP) Olaparib als Erhaltungstherapie für Patienten mit Keimbahn BRCA1/2-Mutationen (etwa 4–7 % der PDAC-Patienten) neben Erlotinib als weitere zielgerichtete Therapieoption zugelassen [
8]. Jedoch spielen beim Pankreaskarzinom im Gegensatz zu anderen Krebserkrankungen zielgerichtete Therapien nur eine untergeordnete Rolle mit meist nur limitiertem Benefit für die Patienten. Daher bleibt die konventionelle Chemotherapie derzeit weiterhin die zentrale Therapiemodalität. Trotz intensiver Forschungsbemühungen ist das mediane Überleben mit weniger als 12 Monaten im metastasierten Stadium weiterhin extrem ungünstig [
1].
Um die Überlebenschancen zu erhöhen, sind insbesondere bei einem so heterogenen Tumor wie dem Pankreaskarzinom dringend personalisierte Therapiestrategien erforderlich. In diesem Kontext gewinnt die funktionelle Präzisionsonkologie zunehmend an Bedeutung: Durch die In-vitro-Modellierung individueller Tumoren bieten patientenabgeleitete Organoide („patient-derived organoids“, PDOs) eine vielversprechende Grundlage für Wirkstofftests und die Entwicklung personalisierter Therapien.