Biliodigestive Anastomose – Technik und Outcome
- Open Access
- 09.09.2025
- Pankreaskopfresektion
- Aktuelle Operationstechnik
Zusammenfassung
Chirurgische Techniken
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Spannungsfreiheit: Mit an oberster Stelle steht die spannungsfreie Anlage der Anastomose. Nur so kann eine sichere Heilung gewährleistet und das Risiko von Nahtinsuffizienzen minimiert werden.
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Optimale Durchblutung: Ebenso entscheidend ist eine gute Durchblutung der anastomosierten Strukturen – sowohl des Gallengangs als auch des Dünndarms. Hierbei ist die Kenntnis der Gefäßversorgung des extrahepatischen Gallenwegssystems von essenzieller Bedeutung. Während das proximale Gallenwegssystem, also die Ductus hepaticus dextra und sinistra sowie der Ductus hepaticus communis (DHC), von proximal aus der A. hepatica dextra versorgt werden, wird das distale Gallenwegssystem, also der Ductus choledochus, insbesondere vom Duodenum bzw. Pankreaskopf her versorgt (Abb. 1). Daher stellen Kompromittierungen bzw. Verletzungen der A. hepatica dextra, welche nicht selten im Rahmen von Gallenwegsverletzungen simultan einhergehen, ein besonderes Problem dar, da eine biliodigestive Anastomose in diesen Fällen mit einer signifikant höheren Komplikationsrate, insbesondere Insuffizienzrate, assoziiert ist [3]. Des Weiteren impliziert die dargestellte Gefäßversorgung des Gallenwegssystems, dass die biliodigestive Anastomose optimalerweise an einem kurzen DHC-Stumpf erfolgen sollte, da hier die Durchblutung des DHCs am besten ist. Ziel ist es, die Anastomose proximal der Einmündung des Ductus cysticus und etwa 1–2 cm distal der Ductus-hepaticus-Gabelung anzulegen. Bezüglich der hochgezogenen Dünndarmschlinge ist ebenso auf eine adäquate Durchblutung zu achten.
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Exakte Mukosa-Mukosa-Adaptation: Für eine dichte und funktionelle Verbindung ist die präzise Anpassung der Schleimhautränder entscheidend. Dabei ist eine atraumatische Nahttechnik unerlässlich, um Gewebequetschungen zu vermeiden.
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Feines Nahtmaterial: Zum Einsatz kommt feines, monofiles, resorbierbares Nahtmaterial, üblicherweise 5‑0 oder 6‑0. Beim minimal-invasiven Vorgehen kommen auch häufig Fäden mit Widerhaken zum Einsatz, da sie das Halten der Nahtspannung erleichtern.
Technik der Hepatikojejunostomie
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Fixierung der Eckfäden: Beide Eckfäden werden nun gestochen und unter Sicht verknotet. Bei fortlaufender Nahttechnik wird der Hinterwandfaden mit dem entsprechenden Eckfaden verknotet.
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Schlussknoten: Am Ende erfolgt der finale Knoten der Vorderwandnaht.
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Dichtigkeitsprüfung: Abschließend wird ein Weißkompressentest durchgeführt (Einlegen einer trockenen Kompresse zur Prüfung auf Galleleckage).
Durchmesser des Gallengangs
Art der biliodigestiven Anastomose
Einzelknopfnahtechnik versus fortlaufende Nahttechnik
Autor | Jahr | Art der Studie | n | Insuffizienz (%) | Stenose/Striktur (%) | Cholangitis (%) | Kosten | Zeit (min) | ||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
EKN | FN | EKN | FN | EKN | FN | FN vs. EKN | EKN | FN | ||||
Tatsuguchi et al. [6] | 2018 | Retrospektiv | 228 | 1,2 | 1,2 | 8,6 | 6,2 | 11,1 | 7,5 | −92 % | 27,0 | 16,2 |
Saxena et al. [7] | 2021 | Retrospektiv | 556 | 10,2 | 6,8 | 4,6 | 4,7 | NA | NA | −83 % | 44,6 | 21,4 |
Natsume et al. [8] | 2021 | Retrospektiv | 172 | 0 | 0 | 1,8 | 15,6 | 0 | 6,0 | NA | NA | NA |
Seifert et al. [9] | 2022 | RCT | 82 | 10,3 | 14,6 | 0 | 0 | 0 | 2,4 | NA | 12,0 | 22,4 |
Yadav et al. [10] | 2024 | Retrospektiv | 34 | 11,1 | 6,2 | 0 | 0 | NA | NA | −75 % | 38,6 | 16,2 |
Brunner et al. [11] | 2024 | RCT | 100 | 2,0 | 2,0 | 0 | 0 | NA | NA | −68 % | 17,5 | 11,6 |
Einreihig versus zweireihig
Minimal-invasiv oder offen
Autor | Jahr | Art der Studie | n | Minimal-invasives Vorgehen | Biliäre Insuffizienzrate (%) | ||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
Offen | MI | p | |||||
Palanivelu et al. [14] | 2017 | Monozentrisch | 64 | Laparoskopisch | 6,3 | 9,4 | 0,419 |
Poves et al. [15] | 2018 | Monozentrisch | 61 | Laparoskopisch | 10,3 | 3,1 | 0,13 |
van Hilst et al. [16] | 2019 | Multizentrisch | 99 | Laparoskopisch | 10 | 12 | 0,78 |
Wang et al. [17] | 2021 | Multizentrisch | 594 | Laparoskopisch | 14 | 13 | 0,72 |
Liu et al. [19] | 2024 | Multizentrisch | 161 | Robotisch | 23 | 16 | 0,30 |
Klotz et al. [18] | 2024 | Monozentrisch | 62 | Robotisch | 9,1 | 17,2 | 0,339 |
Outcome
Anastomoseninsuffizienz
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Frühe Insuffizienzen (innerhalb der ersten 72 h postoperativ) sollten in der Regel chirurgisch revidiert werden, idealerweise mit einer Neuanlage der Hepatikojejunostomie (Abb. 7).
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Späte Anastomoseninsuffizienzen stellen eine Domäne der interventionellen Therapie dar. Hier kommt primär die perkutane transhepatische Cholangiographie mit Drainage (PTCD) zum Einsatz, welche sowohl die Galle ableitet als auch die Anastomose schient und so die Heilung unterstützt (Abb. 8). In ausgewählten Fällen mit gut zugänglicher Hepatikojejunostomie kann auch eine endoskopische Stenteinlage (via ERCP) erfolgen. Zudem sollten durch die Insuffizienz entstandene Verhalte bzw. Biliome adäquat z. B. CT-gesteuert drainiert werden (Abb. 9).
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Bei kleinen, lokal begrenzten Insuffizienzen ohne Sepsiszeichen kann unter Antibiotikatherapie und enger klinischer Überwachung ein konservatives Vorgehen mit Drainagetherapie ausreichend sein.