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11.10.2019 | Sonderbericht | Onlineartikel | Bionorica SE

Neue Perspektiven gewinnen

Paradigmenwechsel in der Therapie der akuten, unkomplizierten Zystitis

Antibiotika galten lange als Leitlinienstandard bei unkomplizierten Harnwegsinfektionen - doch Resistenzproblematik, Mikrobiomstörungen und nicht zuletzt neue Studiendaten, z. B. zur phytotherapeutischen Behandlungsoption, haben ein Umdenken bewirkt.

„Bei der unkomplizierten Zystitis kann bei einem Großteil der Patientinnen auf ein Antibiotikum verzichtet werden“, betonte Prof. Dr. Florian Wagenlehner, Direktor der Klinik und Poliklinik für Urologie, Kinderurologie und Andrologie am Universitätsklinikum Gießen und Marburg [1]. Dies ist nicht unbegründet, denn steigende Resistenzraten bei Escherichia coli und das zunehmende Wissen um „Kollateralschäden“ am Mikrobiom stellen die Antibiotikatherapie bei der akuten, unkomplizierten Harnwegsinfektion infrage.

So wird in der deutschen S3k-Leitlinie zum Management unkomplizierter Harnwegsinfektionen betont, dass bei der Therapie der unkomplizierten Zystitis die Symptombehandlung und nicht eine antibakterielle Intervention im Vordergrund steht [2].

Phytotherapie ist eine primäre, nicht antibiotische Behandlungsoption bei akuter, unkomplizierter Zystitis.
Prof. Dr. Florian Wagenlehner, Gießen

Phytotherapie vergleichbar mit Antibiotika

Daten einer Phase-III-Studie belegen nun, dass ein Phytotherapeutikum vergleichbar wirksam ist wie ein Antibiotikum [1, 3]. Untersucht wurde die Kombination aus Rosmarin, Tausendgüldenkraut und Liebstöckel BNO 1045 (Canephron® N, zur Fachinformation). An der randomisierten, placebokontrollierten Studie nahmen insgesamt 659 Patientinnen teil, die über einen Zeitraum von sieben Tagen entweder BNO 1045 (zwei Dragees, 3 x täglich) oder Fosfomycin (3.000 mg, 1 x täglich) erhielten. primärer Endpunkt der Studie war die Nicht-Unterlegenheit beim Bedarf von zusätzlichen Antibiotika nach 38 Tagen. Die Daten belegen, dass 83,5 % der Patientinnen im BNO 1045-Arm kein zusätzliches Antibiotikum benötigten. Dies war vergleichbar mit der Fosfomycin-Gruppe (89,8 %, p=0,0014 für Nicht-Unterlegenheit) [1, 3].

Auch bezüglich Symptomentwicklung und Lebensqualität variierten die Gruppen kaum. So reduzierte sich der Acute Cystitis Symptom Score (ACSS) in beiden Gruppen nahezu identisch.

Geringe Unterschiede gab es nur bezüglich der Häufigkeit der Progression zur Pyelonephritis (1,5 % der Patientinnen im BNO 1045-Arm versus 0,3 % der Patientinnen im Antibiotika-Arm) [3]. Wichtig sei es daher, über Symptomverlauf und Warnzeichen einer Pyelonephritis aufzuklären, um festzustellen, ob ein Wechsel auf ein Antibiotikum indiziert ist. Insgesamt sei das Risiko, an einer Pyelonephritis zu erkranken, aber sehr gering, sodass eine primär phytotherapeutische Versorgung bei akuten, unkomplizierten Harnwegsinfektionen eine evidenzbasierte Therapieoption darstelle, betonte Wagenlehner.

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Literatur