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07.10.2019 | Parodontologie | Nachrichten

Erhöht Parodontitis das Risiko für Hypertonie?

Weltweit haben 30 bis 45 Prozent aller Erwachsenen Bluthochdruck, während 50 Prozent von Parodontitis betroffen sind. Nun haben Forscher entdeckt, dass die Zahnfleischerkrankung mit einem erhöhten Risiko für Hypertonie assoziiert ist und dadurch mit einem gesteigerten Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall einherzugehen scheint. Auch frühere Untersuchungen hatten auf diesen Zusammenhang hingewiesen. „Wir beobachteten eine lineare Assoziation: Je schwerer die Parodontitis, desto höher die Wahrscheinlichkeit einer Hypertonie.

Die Ergebnisse legen nahe, dass Patienten mit Zahnfleischerkrankungen über ihr Risiko informiert und zu Lebensstiländerungen beraten werden sollten, um Bluthochdruck durch körperliche Aktivität und gesunde Ernährung zu verhindern“, so Studienautor Professor Francesco D’Aiuto vom UCL Eastman Dental Institute in Großbritannien in einer Mitteilung der ESC (European Society of Cardiology).

„Gravierende Unterschiede“

Die Arbeitsgruppe um D’Aiuto berücksichtigte in ihrer Metaanalyse 81 Studien aus 26 Ländern (Cardiovasc Res 2019; online 24. September). Ihr Ergebnis: Eine mittelschwere bis schwere Parodontitis war mit einem um 22 Prozent erhöhten Risiko für Bluthochdruck assoziiert und eine schwere Parodontitis mit einem um 49 Prozent erhöhten Hypertonierisiko. Im Vergleich zu Patienten ohne Zahnfleischerkrankung war der durchschnittliche systolische Blutdruck von Personen mit Parodontitis 4,5 mmHg höher und der diastolische Blutdruck 2 mmHg höher.

Die Autoren halten diese Unterschiede für gravierend, da ein durchschnittlicher Blutdruckanstieg von 5 mmHg mit einem um 25 Prozent erhöhten Sterberisiko durch Herzinfarkt oder Schlaganfall assoziiert sei. Jedoch senkte eine Zahnfleischbehandlung nicht immer den Blutdruck, dieser Effekt zeigte sich nur in fünf von zwölf interventionellen Studien, die Teil der Metaanalyse waren.

Als mögliche Ursache für die Assoziation zwischen Parodontitis und Hypertonie vermuten die Forscher, dass die Zahnfleischerkrankung und die entsprechenden Bakterien zu Entzündungsprozessen im Körper führen, was die Funktion der Blutgefäße beeinträchtigen kann. Ebenso könnte eine genetische Veranlagung eine Rolle spielen, genauso wie gemeinsame Risikofaktoren wie Rauchen und Übergewicht.

Weitere Studien notwendig

„In vielen Ländern wird die Mundgesundheit nicht regelmäßig überprüft und Zahnfleischerkrankungen bleiben viele Jahre unbehandelt. Die Hypothese ist, dass diese Situation der oralen und systemischen Entzündung gemeinsam mit den vorhandenen Risikofaktoren zu Bluthochdruck führt“, erläutert D’Aiuto.

Noch sei das Team nicht ganz sicher, ob Zahnfleischerkrankungen wirklich ein Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen sind, oder ob möglicherweise Patienten mit hohem Blutdruck ein erhöhtes Risiko für Zahnfleischerkrankungen haben. Weitere Studien seien notwendig, um das zu klären.

Mehr Infos zur Kardiologie auf www.kardiologie.org


Text: ÄrzteZeitung.de / Joana Schmidt


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