Anlässlich der 108. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Pathologie fanden die beiden Sitzungen der AG Kinder- und Fetalpathologie am Samstag, 14.06.2025, in Leipzig statt.
Im Rahmen der ersten Sitzung gab der eingeladene Keynote Speaker PD Dr. Thomas Menter (Basel) im Hauptvortrag einen ausführlichen Überblick zum Thema „Intestinal motility disorders in children: Morbus Hirschsprung and a leap beyond“. Dabei folgte nach einer kurzen Einführung in die Pathophysiologie des Morbus Hirschsprung eine Übersicht zur diagnostischen Herangehensweise, wobei Dr. Menter sowohl auf die Anforderungen der erforderlichen Biopsieproben als auch auf die Morphologie, Enzymhistochemie und neu entwickelten immunhistochemischen Assays einging. Darüber hinaus wurden mehrere andere Formen von Motilitätsstörungen des Magen-Darm-Trakts bei Kindern anhand von Fallbeispielen behandelt, unter anderem die eosinophile Ganglionitis, die lymphozytäre Ganglionitis sowie ein Fall von schwerer Leiomyositis. Abschließend erfolgte eine ausführliche und lebhafte Diskussion mit dem Publikum hinsichtlich der diagnostischen Erfahrungen zu diesem Krankheitsbild in den verschiedenen pathologischen Instituten.
Danach stellte als zweiter eingeladener Redner der Kinderchirurg PD Dr. Richard Wagner (Leipzig) Forschungsergebnisse zum Thema „Alveolar macrophages are enriched pre- and postnatally in hypoplastic lungs from patients with congenital diaphragmatic hernia“ vor. Die vorgestellte Studie fokussierte sich auf die Untersuchung von Alveolarmakrophagen im Kontext proinflammatorischer Signalwege in tierischen und menschlichen Stammzellmodellen der angeborenen Zwerchfellhernie (CDH) und assoziierter Lungenhypoplasie. Hierbei konnte ein signifikanter Anstieg der Alveolarmakrophagen und ihrer Mediatoren, wie z. B. MIF, sowohl in fetalen als auch in neonatalen menschlichen CDH-Lungen bestätigt werden, was die Erkenntnisse aus vorab untersuchten Tiermodellen erweitert und die zentrale Rolle der Makrophagen-gesteuerten Entzündung bei der CDH-assoziierten Lungenhypoplasie unterstreicht. In der anschließenden Diskussion entwickelte sich ein interessanter und konstruktiver interdisziplinärer Austausch zwischen dem Referenten und dem Auditorium, insbesondere auch hinsichtlich eines möglichen Aufbaus eines Lungenhypoplasie-Netzwerks.
In der zweiten Sitzung präsentierte zunächst Ella Hullmeine (Frankfurt a. M.) die Ergebnisse ihrer Arbeit „Phenotyping placental histiocytes in the presence of villitis of unknown etiology and chronic histiocytic intervillositis, as well as in the presence of proven maternal Sars-CoV‑2 infection“. Hierin zeigte sich, dass sich das immunhistochemische Profil von Makrophagen bei Bestehen einer chronischen histiozytären Intervillositis oder Villitis unklarer Ätiologie signifikant von dem in einer histopathologisch gesunden Plazenta unterscheidet, insbesondere hinsichtlich der Expressionsniveaus der Marker und der Lokalisierung der Histiozyten. Darüber hinaus zeigte sich, dass das Vorliegen einer mütterlichen SARS-CoV-2-Infektion nicht zwangsläufig zu einer histiozytären Plazentaveränderung führt, SARS-CoV‑2 also nicht zwangsläufig eine spezifische immunologische Reaktion in der Plazenta auslöst.
Als Beitrag der Kategorie „Rare Diseases“ stellte Katharina Wineberger „A fatal case of diffuse alveolar hemorrhage in a 3 months old male infant with mitochondrial myopathy“ vor, bei dem durch klinische Obduktion des Säuglings und die anschließende histologische Auswertung der Gewebeproben nach Ausschluss vaskulärer und pulmonaler Differentialdiagnosen diese seltene Krankheit diagnostiziert werden konnte. Dieser Fall zeigt, dass Obduktion und Histologie nach wie vor wichtige diagnostische Instrumente sind, um Todesursachen zu klären und seltene Krankheiten auszuschließen oder eben zu bestätigen, die teilweise nur in Verbindung mit einer Histologie diagnostiziert werden können und unterstreicht parallel die Wichtigkeit, solche Fälle in nationalen/internationalen Registern zu sammeln.
Die sich jeweils anschließende Publikumsdiskussion der beiden ausgewählten Vorträge trug maßgeblich zum Verständnis der vorgestellten und spezifischen Themen bei.
In der zweiten Hälfte der Nachmittagssitzung gingen Dr. Elise Gradhand (Frankfurt a. M.) und Dr. Ruth Hiller (Leipzig) auf folgendes Thema ein: „Digital pathology, a long overdue tool for rapid diagnostic consultation and networking in paediatric and fetal pathology – Establishment and implementation“. Die Referentinnen stellten 2 Optionen für die Umsetzung einer digitalen Plattform für die pädiatrische und fetale Pathologiediagnostik vor (iPath und VMscope) und nannten jeweils die Vor- und Nachteile der Systeme. Die digitale Pathologie ist eine bislang wenig genutzte Technologie in der deutschsprachigen pädiatrischen und fetalen Pathologie, ist für diesen Zweig jedoch von besonderem Wert, da es sich insgesamt um ein Netzwerk mit nur wenigen spezialisierten Pathologinnen und Pathologen handelt und der diagnostische Austausch mittels digitaler Plattform niedrigschwelliger umsetzbar wäre. In der sich unmittelbar anschließenden Mitgliederversammlung wurden der aktuelle Stand der Nutzung der digitalen Pathologie und die Vorteile einer digitalen Plattform, aber auch organisatorische Fragen zur Umsetzung und Instandhaltung teils kritisch diskutiert. Es wurde beschlossen, eine der Plattformen im Rahmen eines Schnittseminars bei der gemeinsamen Herbsttagung der Fachgesellschaft für Kinderpathologie und der AG Kinder- und Fetalpathologie am 26./27.09.2025 in Bayreuth zu testen und bei der dortigen Mitgliederversammlung die Nutzung abschließend zu diskutieren.
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Für diesen Beitrag wurden von den Autor/-innen keine Studien an Menschen oder Tieren durchgeführt. Für die aufgeführten Studien gelten die jeweils dort angegebenen ethischen Richtlinien.
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