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01.03.2012 | Leitthema | Ausgabe 3/2012

Der Nervenarzt 3/2012

Paul Nitsche – Reformpsychiater und Hauptakteur der NS-„Euthanasie“

Zeitschrift:
Der Nervenarzt > Ausgabe 3/2012
Autor:
Dr. B. Böhm
Wichtige Hinweise
Der vorliegende Beitrag ist eine gekürzte und überarbeitete Fassung des folgenden Artikels: Böhm B, Markwardt H (2004) Hermann Paul Nitsche (1876–1948). Zur Biographie eines Reformpsychiaters und Hauptakteurs der NS-„Euthanasie“. In: Stiftung Sächsische Gedenkstätten (Hrsg) Nationalsozialistische Euthanasieverbrechen. Beiträge zur Aufarbeitung ihrer Geschichte in Sachsen. Michel Sandstein, Dresden, S. 71–105.

Zusammenfassung

In Paul Nitsches Berufsleben zeigt sich der widersprüchliche Weg eines in seiner Zeit führenden deutschen Anstaltspsychiaters. In der Weimarer Republik setzte er sich für die Verbesserung des Anstaltswesens nach reformpsychiatrischen Prinzipien ein, war aber auch schon rassenhygienischen Gedanken gegenüber aufgeschlossen.
Nitsche war in Sachsen schon kurz nach der nationalsozialistischen Machtübernahme ein einflussreicher Befürworter und Akteur rassenhygienischer Maßnahmen und beteiligte sich aktiv an der Umsetzung des „Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“. Den Wert eines Patienten bemaß er immer mehr an seiner ökonomischen Leistungsfähigkeit.
Die Konsequenz dieser extremen Rationalisierung des Menschenlebens war auch für Nitsche das Eintreten für die Tötung des „lebensunwerten Lebens“. Als „T4“-Obergutachter entschied er als letzte Instanz über Leben und Tod tausender Menschen. Später war er als Medizinischer Leiter der „T4“-Organisation direkt verantwortlich für die Weiterführung der Mordaktion als „dezentrale Euthanasie“. Im Dresdner „Euthanasie“-Prozess wurde er zum Tode verurteilt und 1948 hingerichtet.

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