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26.01.2024 | Periimplantäre Erkrankungen im Mund-Kiefer-Bereich | Online-Artikel

Neue 5- bis 12-Jahres-Daten der Universität Graz

Langzeitstudie: Keine Periimplantitis um zweiteilige Implantate

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Eine jüngst im International Journal of Oral & Maxillofacial Implants 38 erschienene Langzeitstudie der Medizinischen Universität Graz bestätigt die klinische Performanz eines zweiteiligen Implantatsystems [1]. Das Team um Dr. Sofia Karapataki untersuchte 39 Patienten mit 91 Implantaten (Patent™ Implantatsystem, Zircon Medical, Zürich, Schweiz) nach 5 und bis zu 12 Funktionsjahren auf biologische Komplikationen.

Infektionen der Weich- und Hartgewebe sind weit verbreitet: Bei etwa 43–47 % der Patienten und 29 % der Implantate tritt Perimukositis auf, die sich in geschätzten 50 % der Fälle zu einer Periimplantitis ausweitet [2, 3]. Im Gegensatz zu dieser allgemeinen Prävalenz liefert die vorliegende Langzeitstudie als bedeutendstes Ergebnis: Es kam zu keinem einzigen Fall von Periimplantitis.

Studiendesign und Stichprobe

Für eine bessere Übertragbarkeit der Ergebnisse auf den implantologischen Alltag wurden die Studienteilnehmer aus den Patientenstämmen zweier unabhängiger, niedergelassener Praxen in Österreich und Griechenland rekrutiert. Folgerichtig wurden auch Patienten mit Allgemeinerkrankungen und unter entsprechender Medikation (u. a. Antihypertensiva, Antidepressiva, Immunsuppressiva), Parodontitis, dünnem Gingivatyp sowie Raucher inkludiert.

Die Implantate wurden zwischen 2009 und 2016 gesetzt, und die letzte Nachsorgeuntersuchung wurde im Mai 2021 durchgeführt. Initial wurden 47 Patienten mit 108 Implantaten versorgt. Für eine finale Untersuchung waren davon noch 39 mit insgesamt 91 Implantaten verfügbar. Periapikale Röntgenbilder sowie die klinischen Daten wurden an 2 Zeitpunkten erfasst: In der Regel galt das Implantationsdatum als Baseline und die letzte Nachsorgeuntersuchung als Vergleichspunkt. Erfasst wurden Knochenverlust (MBL), Taschentiefe (PD), Sondierungsblutung (BOP) an 4 Stellen (mesial, distal, bukkal, oral) sowie die Mundhygiene (Simplified Oral Hygiene Index [OHI-S] [4]). Alle chirurgischen und prothetischen Behandlungsmaßnahmen sowie die Nachsorgeuntersuchungen wurden in den beiden Praxen von stets den 2 gleichen Ärzten durchgeführt.

Die Abb. 1 veranschaulicht die untersuchten zweiteiligen Implantate mit Soft-Tissue-Level-Design: Sie verfügen über eine Oberflächentopographie, die die Anlagerung der Hart- und Weichgewebe unterstützt. Der enossale Anteil mit und ohne Gewinde erzielt dank seiner sehr rauen Oberfläche eine schnelle und vorhersagbare Osseointegration [5]. Der transmukosale Anteil ist in seiner Oberflächenchemie und Struktur sowie seiner Materialkomposition auf die schnelle und dauerhafte Anlagerung von Fibroblasten und Saumepithelzellen abgestimmt und erreicht in Folge eine starke Weichgewebsanheftung, die die periimplantären Gewebe vor dem Eindringen von Bakterien schützen kann.

Ergebnisse nach 5 und bis zu 12 Jahren

Während des gesamten Studienzeitraums musste keines der 91 Implantate entfernt werden. Weiter berichtet die Studie von geringen prothetischen und biologischen Komplikationen: 5 bis 12 Jahre nach der Implantation trat kein einziger Fall von Periimplantitis auf. Bei 36 Patienten (81 Implantate) wurden gesunde Weichgewebe beobachtet (Abb. 2). Lediglich 3 Patienten (7,7 %, 9 Implantate) zeigten Symptome einer Perimukositis. Zwei davon (8 Implantate) hatten keinen MBL, lediglich 1 Implantat – neben einem Zahn mit wiederkehrender Parodontitis – wies eine Taschentiefe (PD) von 4 mm und einen MBL von 1,4 mm auf. Dies war auch das einzige Implantat mit BOP. Bei 85 von 91 Implantaten wurden kein MBL bzw. nur leichte Knochenveränderungen (< 0,7 mm) beobachtet. Sechs Implantate zeigten einen Knochenverlust größer als 0,7 mm; der maximale MBL lag bei 1,67 mm. Das System zeigte somit Überlebens- und Erfolgsraten von 100 % [6, 7] (Tab. 1).

Übersicht der verwendeten Kriterien des klinischen Implantaterfolgs

Buser et al. [5]

Kohal et al. [6] (modifiziert)

a)    Fehlen von anhaltenden subjektiven Beschwerden
b)    Fehlen periimplantärer Infektion mit Eiterung
c)    Fehlende Mobilität
d)    Fehlen von kontinuierlicher Radioluzenz um das Implantat
e)    Möglichkeit zur Restauration

a)    Grad 1 (kein Knochenverlust): Fehlen einer klinischen Erkrankung + Fehlen von sichtbarem MBL
b)    Grad 2 (Knochenrekonstruktion): Fehlen einer klinischen Erkrankung + MBL < 0,7 mm
c)    Grad 3 (Knochenverlust): Fehlen einer klinischen Erkrankung + MBL > 0,7 mm und < 2,1 mm

Tabelle 1: Kriterien des Implantaterfolgs nach Buser et al. und Kohal et al.

Einordnung der Evidenz

Vielen Implantatsystemen fehlt die Evidenz bezüglich ihrer klinischen Langzeitperformanz. Die vorliegende Studie sammelte für diese Diskussion wichtige Daten zur Evaluation von biologischen und prothetischen Komplikationen eines zweiteiligen Implantatsystems (Patent™ Implantatsystem, Zircon Medical, Zürich, Schweiz). Die Überlebensrate der Implantate schien vergleichbar mit der anderer Systeme [1]. Es wurden deutlich geringere Prävalenzen von Infektionen des Hart- und Weichgewebes beobachtet: Während die Prävalenz von Perimukositis üblicherweise auf 43–47 % auf Patienten- und 29 % auf Implantatebene geschätzt wird [2, 3], berichtete diese Studie von 7,7 % auf Patientenebene und 9,9 % auf Implantatebene. In der wissenschaftlichen Literatur wird die Prävalenz von Periimplantitis auf 20–22 % auf Implantatebene geschätzt [2, 3] – mit einem gesteigerten Risiko bei höherer Implantatanzahl [8]. In dieser Studie hatte die Anzahl der Implantate keinen Einfluss auf das Auftreten biologischer Komplikationen. Zudem wurde kein einziger Fall von Periimplantitis berichtet. Ebenso schienen die Implantatposition, die Mundhygiene, das Rauchverhalten, der Untersuchungszeitraum sowie Frequenz/Anzahl der Zwischenuntersuchungen keinen bedeutenden Einfluss auf den MBL gehabt zu haben.

Abschließend bestätigen die Ergebnisse von Karapataki et al. die positiven Befunde einer klinischen Langzeitstudie über 9 Jahre der Universität Düsseldorf, die Ende 2022 in Clinical Oral Implants Research publiziert wurde und die um dieses zweiteilige Implantatsystem ebenfalls keine Periimplantitis fand [9]. Die Studienergebnisse müssen nun von prospektiv kontrollierten Studien bestätigt werden.

Fazit für die Praxis

  • Zwei neue Langzeitstudien zeigen insbesondere hinsichtlich der Vermeidung biologischer Komplikationen wie Periimplantitis gute Ergebnisse für das untersuchte Implantatsystem.
  • Diese bestätigen den Erfolg des Patent™-Konzepts und berichten von gesunden Weichgeweben, überwiegend stabilen Knochenniveaus und keinerlei Anzeichen von Periimplantitis nach bis zu 12 Jahren [1, 9].
  • Langzeitstudien sind entscheidend zur Evaluation der klinischen Performanz von Implantatsystemen.
Literatur

1.    Karapataki S, Vegh D, Payer M, Fahrenholz H, Antonoglou GN (2023) Clinical performance of two-piece zirconia dental implants after 5 and up to 12 years. Int J Oral Maxillofac Implants 38:1105–1114. doi: 10.11607/jomi.10284
2.    Derks J, Tomasi C (2015) Peri-implant health and disease. A systematic review of current epidemiology. J Clin Periodontol 42(16):s158–s171
3.    Lee CT, Huang YW, Zhu L, Weltman R (2017) Prevalences of peri-implantitis and peri-implant mucositis: systematic review and meta-analysis. J Dent 62:1–12
4.    Greene JC, Vermillion JR (1964) The simplified oral hygiene index. J Am Dent Assoc 68:7–13
5.    Glauser R, Schupbach P (2022) Early bone formation around immediately placed two-piece tissue-level implants with a modified surface. An experimental study in the miniature pig mandible. Int J Implant Dent 8:37
6.    Buser D, Weber HP, Lang NP (1990) Tissue integration of non-submerged implants. 1-year results of a prospective study with 100 ITI hollow-cylinder and hollow-screw implants. Clin Oral Implants Res 1:33–40
7.    Kohal RJ, Knauf M, Larsson B, Sahlin H, Butz F (2012) One-piece zirconia oral implants: One-year results from a prospective cohort study. 1. Single tooth replacement. J Clin Periodontol 39:590–597
8.    Derks J, Schaller D, Håkansson J, Wennström JL, Tomasi C, Berglundh T (2016) Effectiveness of implant therapy analyzed in a Swedish population: prevalence of peri-implantitis. J Dent Res 95:43–49
9.    Brunello G, Rauch N, Becker K, Hakimi AR, Schwartz F, Becker J (2022) Two-piece zirconia implants in posterior regions: a cohort study with a follow-up period of 9 years. Clin Oral Implants Res 33:1233–1244

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