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Erschienen in: Prävention und Gesundheitsförderung 2/2024

Open Access 04.06.2023 | Pflege | Originalarbeit

Gesundheitsförderung und Prävention durch Gesundheitscoaches in der Routineversorgung – eine qualitative Interviewstudie mit Ärztinnen und Ärzten

verfasst von: Paula J. Waibl, B.Sc., Lena Rothenhäusler, M.Sc., Prof. Dr. rer. pol. Eberhard Nöfer, Prof. Dr. med. habil. Karin Meissner, M.Sc.

Erschienen in: Prävention und Gesundheitsförderung | Ausgabe 2/2024

Zusammenfassung

Hintergrund

Gesundheitsförderung und Prävention leisten wichtige Beiträge zur Vorbeugung von Krankheiten und Linderung von Krankheitsverläufen. Die Beratung von Patientinnen und Patienten zur Lebensführung erfordert Zeit, die in der medizinischen Routineversorgung häufig nicht ausreichend zur Verfügung steht. Einen möglichen Ansatzpunkt, um Maßnahmen der Prävention und Gesundheitsförderung stärker in die Routineversorgung zu integrieren, stellt die Einbindung eines Gesundheitscoaches dar. Die vorliegende qualitative Studie hatte zum Ziel, das Anforderungsprofil, den Bedarf und die Potenziale dieses noch nicht etablierten Berufsbilds aus ärztlicher Sicht zu untersuchen.

Methode

Mithilfe von halbstrukturierten, leitfadengestützten Interviews wurden 19 Ärztinnen und Ärzte aus dem stationären und ambulanten Setting zum möglichen Berufsbild des Gesundheitscoachs befragt. Die Interviews wurden aufgenommen, transkribiert und mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet.

Ergebnisse

Die befragten Ärztinnen und Ärzte sprachen sich deutlich für den Einbezug von Gesundheitscoaches in die Routineversorgung von Patientinnen und Patienten aus. An das Berufsbild wurden verschiedene fachliche, persönliche, soziale, methodische und formale Anforderungen gestellt, die in einer akademisch fundierten Ausbildung vermittelt werden sollten. Die Potenziale eines Gesundheitscoachs wurden auf der Ebene der Patientinnen und Patienten, des Gesundheitssystems, der Kliniken und Praxen, der Ärztinnen und Ärzte und der zukünftigen Gesundheitscoaches selbst gesehen und reichten von besserer Gesundheitsförderung und verminderten Kosten bis hin zur Entlastung des ärztlichen Personals.

Schlussfolgerung

Der aus Sicht der Befragten vorhandene Bedarf an Gesundheitscoaches und die ermittelten Potenziale unterstreichen die Bedeutung der Integration dieses neuen Berufsbilds in die ärztliche Versorgung. Vor der Umsetzung sind weitere Studien notwendig, z. B. hinsichtlich der Finanzierbarkeit und des tatsächlichen Nutzens eines Gesundheitscoaches für Patientinnen und Patienten und für das Gesundheitssystem.

Hintergrund

Die demografische Entwicklung und die Zunahme chronischer Krankheiten stellen eine große Herausforderung für das Gesundheitssystem dar [2]. Lösungen werden u. a. in einem Paradigmenwechsel hin zu einer integrierten medizinischen Versorgung gesehen, die neben kurativen, palliativen und pflegerischen Leistungen auch präventive und gesundheitsfördernde Maßnahmen umfasst [5, 14, 22, 25]. In einem systematischen Review untersuchten Baxter et al. [4] die Auswirkungen integrierter Versorgungsmodelle auf die Effektivität, Effizienz und Qualität von Gesundheitsdienstleistungen in Industrieländern. Relativ gut belegte positive Auswirkungen konnten in Studien mit Kontrollgruppe (in der Regel die Standardversorgung) und/oder in systematischen Reviews in Bezug auf die wahrgenommene Versorgungsqualität, die Patientenzufriedenheit und den Zugang zu Gesundheitsleistungen festgestellt werden. Für alle anderen Parameter, z. B. Häufigkeit der Inanspruchnahme und Kosten der Versorgung, waren die Ergebnisse nicht eindeutig. Die Autoren wiesen auch darauf hin, dass nicht immer klar sei, welche Effekte „positiv“ seien: So könnten positive Auswirkungen für die Patientinnen und Patienten auf der einen Seite mit höheren Kosten im Gesundheitssystem auf der anderen Seite verbunden sein.
Seit 2017 haben Ärztinnen und Ärzte in Deutschland die Möglichkeit, primärpräventive Maßnahmen in den Bereichen Bewegung, Ernährung, Stressbewältigung/Entspannung und Substanzmissbrauch auf Rezept zu verschreiben [11]. Der jüngste Präventionsbericht zeigt jedoch, dass diese Möglichkeit nur wenig genutzt wird [21]. Dies könnte nicht zuletzt auf Zeitmangel zurückzuführen sein, der sich auch in den vergleichsweise kurzen Konsultationszeiten in Deutschland widerspiegelt [17]. Je länger die Sprechzeit ist, desto mehr Zeit wird nachweislich für die Lebensstil- und Präventionsberatung aufgewendet [19, 22, 23, 29].
Um Gesundheitsförderung und Prävention stärker in die Routineversorgung zu integrieren, könnte eine Lösung in der Einführung einer neuen Berufsgruppe bestehen und zwar in Form von speziell für den Bereich der Prävention und individuellen Gesundheitsförderung ausgebildeten Fachkräften – sog. „Gesundheitscoaches“ [6, 28]. In einem Modellprojekt der Universität Witten-Herdecke arbeiten Gesundheitscoaches bereits jetzt mit Ärztinnen und Ärzten, medizinischen Fachangestellten sowie Therapeutinnen und Therapeuten zusammen [1]. Bisher liegen jedoch noch keine empirischen Untersuchungen zur professionellen Einschätzung des möglichen Berufsbilds eines Gesundheitscoaches und dessen Integration in die Routineversorgung vor. Ziel der vorliegenden qualitativen Studie war es daher, in einem ersten Schritt Ärztinnen und Ärzte aus dem stationären und niedergelassenen Bereich systematisch über den Bedarf an Gesundheitscoaches, ihr Anforderungsprofil und ihr Potenzial zu befragen.

Methoden

Im Rahmen eines qualitativen Forschungsansatzes wurden Experteninterviews mit Ärztinnen und Ärzten aus dem stationären und ambulanten Bereich mit heterogenem fachlichen Hintergrund und unterschiedlichen Bezügen zu Gesundheitsförderung und Prävention geführt. Vor den Befragungen erhielten die Interessierten schriftliches Informationsmaterial über Ziel und Inhalt der Studie. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer erteilten das schriftliche Einverständnis zur Studienteilnahme, Datenerhebung und Aufzeichnung der Interviews. Die Größe der Stichprobe wurde vorab nach Green und Thorogood auf 20 festgelegt, da es sich zum einen um eine sehr spezifische Fragestellung handelte und die Stichprobe zum anderen durch verschiedene Unterstichproben repräsentiert wurde [13]. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden aus bestehenden Kontakten der Autorinnen und Autoren rekrutiert. Dabei wurde auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen stationär und ambulant tätigen Ärztinnen und Ärzten sowie auf die Abdeckung verschiedener Fachbereiche geachtet.
Als Grundlage für die Interviews diente ein halbstrukturierter Interviewleitfaden, der aufbauend auf einer Literaturrecherche entwickelt, mit Hilfe von Pretests auf Verständlichkeit geprüft und nochmals geringfügig modifiziert wurde. Der Leitfaden setzte sich aus Fragen zu Bedarf und Potenzial eines Gesundheitscoaches in der Gesundheitsversorgung sowie deren Anforderungsprofil zusammen und enthielt auch Fragen zu Wirksamkeit und Barrieren präventiver und gesundheitsfördernder Maßnahmen in der Medizin. Soziodemografische und tätigkeitsbezogene Charakteristika wurden mit Hilfe eines Fragebogens erfasst. Die vorliegende Analyse konzentrierte sich auf das Anforderungsprofil von Gesundheitscoaches sowie deren Potenzial und den Bedarf an diesem Berufsbild.
Tab. 1
Charakteristika der Stichprobe (n = 19)
Variable
n (%)
Geschlecht
Männlich
16 (84)
Weiblich
3 (16)
Alter, MW±SD (R)
55 ± 12,4 (28–72)
Berufserfahrung [Jahre], MW±SD (R)
27 ± 11,9 (1–40)
Setting
Praxis
11 (58)
Klinik
5 (26)
Praxis und Klinik
3 (16)
Kassenzulassung
Ja
11 (58)
Nein
8 (42)
Facharztausbildung
Ja
16 (84)
Nein
3 (16)
Zusatzausbildung
Ja
15 (79)
Nein
4 (21)
n Anzahl, MW Mittelwert, SD Standardabweichung, R Spannweite
Die Interviews wurden im Juli 2021 von einer Projektmitarbeiterin und einer Studierenden der Gesundheitsförderung, die beide in der qualitativen Methode geübt sind, online mit Hilfe des Videokonferenzdienstes Zoom durchgeführt und aufgezeichnet. Alle Interviews wurden pseudonymisiert und nach vorab festgelegten Regeln transkribiert, personenbezogene Daten wurden dabei unkenntlich gemacht. Für die Auswertung mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring wurde die Technik der induktiven Kategorienbildung gewählt; bei diesem Verfahren werden die Kategorien aus dem Textmaterial heraus nach einem festgelegten Auswahlkriterium sowie unter Angabe der Abstraktionsebene entwickelt [20]. Zur Auswertung des Interviewmaterials wurde das Online-Tool QCAmap verwendet [10]. Aus der qualitativen Analyse resultierte für jede Forschungsfrage ein unabhängiges Kategoriensystem unter Angabe der Häufigkeiten zugeordneter Textstellen.
Tab. 2
Anforderungsprofil an einen Gesundheitscoach
Kategorie
Häufigkeit (n [%])
Interviews (n [%])
Alle Nennungen
219 (100)
19 (100)
Fachliche Anforderungen
138 (63)
19 (100)
Kommunikations- und Beratungskompetenz
24 (11)
13 (68)
(Gesundheits‑)psychologische und psychotherapeutische Kenntnisse
24 (11)
13 (68)
Didaktische und pädagogische Kompetenz
23 (10)
12 (63)
Grundwissen zur Gesundheitsförderung
22 (10)
14 (74)
Medizinisches Grundwissen
22 (10)
13 (63)
Strukturen des Gesundheitssystems kennen
8 (4)
8 (42)
EDV- und Internetkommunikationskenntnisse
5 (2)
3 (16)
Wissen über gesundheitsfördernde Infrastruktur außerhalb der Klinik/Praxis
3 (1)
3 (16)
Betriebswirtschaftliche Kenntnisse
3 (1)
3 (16)
Abläufe in Praxis und Klinik kennen und verstehen
1 (< 1)
1 (5)
Medizinische/technische Untersuchungsmethoden verstehen und anwenden können
1 (< 1)
1 (5)
Lebenshürden (z. B. geringes Einkommen) und Lösungsansätze kennen
1 (< 1)
1 (5)
Profil wie Ordnungstherapeutinnen/Ordnungstherapeuten
1 (< 1)
1 (5)
Persönliche Anforderungen
16 (7)
9 (47)
Motivieren können
5 (2)
9 (26)
Hohe Frustrationstoleranz und Geduld
3 (1)
5 (11)
Lebenserfahrung
2 (1)
2 (5)
Selbsterfahrung mit dem salutogenetischen Konzept
2 (1)
2 (5)
Offenheit für verschiedene Behandlungsansätze im Gesundheitsbereich
2 (1)
1 (5)
Authentizität und Ehrlichkeit
1 (< 1)
1 (5)
Überzeugungskraft
1 (< 1)
1 (5)
Soziale Anforderungen
28 (13)
13 (68)
Menschliche Befähigung/Beziehungskompetenz
15 (7)
9 (47)
Empathie
9 (4)
6 (32)
Teamfähigkeit
2 (1)
2 (11)
Gerne mit Menschen arbeiten
2 (1)
2 (11)
Methodische Anforderungen
5 (2)
4 (21)
Organisationfähigkeit
5 (2)
4 (21)
Formale Anforderungen
35 (16)
15 (79)
Akademische Fundierung und wissenschaftliche Qualitätssicherung
13 (6)
7 (37)
Praxisbezogene Ausbildung
6 (3)
6 (32)
Medizinischer Bildungshintergrund wünschenswert
5 (2)
5 (26)
Zusatzausbildungen
4 (2)
3 (16)
Breit aufgestelltes, weniger tiefes Wissen
3 (1)
2 (11)
Unabhängigkeit des Gesundheitscoaches von Krankenkassen
2 (1)
1 (5)
Kernkompetenzen und wählbare Vertiefungen
2 (1)
1 (5)
Metaebene
2 (1)
1 (5)
Abhängig davon, wie zukünftiges Gesundheitssystem aussehen soll
2 (1)
1 (5)
Tab. 3
Bedarf an Gesundheitscoaches
Kategorie
Häufigkeit (n [%])
Interviews (n [%])
Alle Nennungen
32 (100)
19 (100)
Bedarf (sehr) hoch
14 (44)
12 (63)
Bedarf vorhanden
9 (28)
6 (32)
Bedarf zunehmend
1 (3)
1 (5)
Bedarf in Klinik höher als in Praxen
1 (3)
1 (5)
Bedarf auch in Schulen
1 (3)
1 (5)
Persönliche Überzeugung vom Konzept eines Gesundheitscoaches
6 (19)
4 (21)
Tab. 4
Potenziale eines Gesundheitscoachs
Kategorie
Häufigkeit (n [%])
Interviews (n [%])
Alle Nennungen
116 (100)
19 (100)
Patientinnen und Patienten
59 (51)
18 (95)
Verbesserung der Gesundheit der Patientinnen und Patienten oder Vermeidung von (chronischen) Erkrankungen
28 (24)
16 (84)
Qualitativ hochwertigere Behandlung und bessere Versorgung der Patientinnen und Patienten
10 (9)
7 (37)
Mehr Lebensqualität
6 (5)
5 (26)
Potenzial durch ergänzende/weitere Kompetenzen eines Gesundheitscoaches
6 (5)
4 (21)
Menschen lernen mit Krankheiten umzugehen und erwerben Gesundheitskompetenz
4 (3)
4 (21)
Höhere Lebenserwartung
2 (2)
2 (11)
Gesundheitscoach hat mehr Zeit für Patientinnen und Patienten als ärztliches Fachpersonal
2 (2)
1 (5)
Begleitung der Patientinnen und Patienten bei der Umsetzung von gesundheitsförderlichen Maßnahmen
1 (1)
1 (5)
Gesundheitssystem
20 (17)
13 (68)
Mittelfristig/langfristig weniger Kosten
8 (7)
8 (42)
Weniger Krankenhausaufenthalte und/oder Medikamentenbedarf
5 (4)
5 (26)
Drehtüreffekte reduzieren
3 (3)
3 (16)
Kontrolle über Umsetzung von gesundheitsförderlichen Maßnahmen
2 (2)
2 (11)
Einläuten eines Kulturwandels
1 (1)
1 (5)
Ausgleich des sozialen Gefälles
1 (1)
1 (5)
Praxis/Klinik
12 (19)
7 (37)
Höhere Patientenzufriedenheit durch bessere Betreuung
6 (5)
5 (26)
Gesteigerte Patientenbindung und guter Ruf, attraktive Praxis/Klinik
6 (5)
3 (16)
Ärztinnen und Ärzte
22 (19)
16 (84)
Entlastung und Unterstützung der Ärzteschaft
16 (14)
13 (68)
Zeitersparnis
4 (3)
3 (16)
Kollegialer Austausch
2 (2)
2 (11)
Zukünftige Gesundheitscoaches
2 (2)
2 (11)
Erfüllende Tätigkeit
1 (1)
1 (5)
Arbeitsplatz
1 (1)
1 (5)
Metaebene
1 (1)
1 (5)
Wirkliches Potenzial kann erst durch die Etablierung von Gesundheitscoaches und deren wissenschaftlicher Evaluierung festgestellt werden
1 (1)
1 (5)
Die Qualität der Analyseergebnisse wurde mittels der Intercoder-Reliabilität nach Holsti [16] überprüft. Hierfür wurden sieben von 19 Interviews (37 % des Datenmaterials) durch die jeweils andere Kodiererin erneut kategorisiert. Zur Berechnung der Intercoder-Reliabilität wurden der Interkodiererin das unkategorisierte Datenmaterial zusammen mit dem Auswahlkriterium, dem Abstraktionsniveau sowie den inhaltsanalytischen Analyseeinheiten (Kodier‑, Kontext- und Auswertungseinheit) zur Verfügung gestellt. In der abschließenden Kodierungskonferenz wurden die markierten Textstellen der Primärkodiererin und der Interkodererin besprochen und die Kodierungen bei Bedarf angepasst [8]. Die Intercoder-Reliabilität lag im Anschluss bei 99 %, d. h. 256 der insgesamt 258 kategorisierten Textpassagen waren deckungsgleich kategorisiert worden.

Ergebnisse

Stichprobe

An der Studie 19 Ärztinnen und Ärzte nahmen an der Studie teil. Die Interviews dauerten im Durchschnitt 46 (Spannweite: 29 bis 91) min. Die Charakteristika der Stichprobe sind in Tab. 1 zusammengefasst. Die Teilnehmenden waren überwiegend männlich (84 %), im Durchschnitt 55 (SD 12,40) Jahre alt und die durchschnittliche Berufserfahrung lag bei 27 (SD 11,88) Jahren. Die Mehrheit der Befragten war in einer Praxis tätig (58 %) und hatte eine Kassenzulassung (58 %). 84 % der Befragten gaben mindestens einen Facharzttitel an, am häufigsten wurden Allgemeinmedizin (n = 6) und Innere Medizin (n = 6) genannt, gefolgt von Anästhesie (n = 2) und (je einmal) Angiologie, Geriatrie, Gynäkologie, Kardiologie, Palliativmedizin, psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Psychotherapie und Zahnmedizin (Mehrfachnennungen möglich). Die Mehrheit der Befragten (79 %) gaben Zusatzausbildungen an, am häufigsten im Bereich der Komplementärmedizin (53 %).

Anforderungsprofil eines Gesundheitscoachs

Die von den Interviewteilnehmenden genannten Fähigkeiten und Kompetenzen eines Gesundheitscoaches konnten fünf Bereichen zugeordnet werden: fachliche, persönliche, soziale, methodische und formale Anforderungen (s. Tab. 2).

Fachliche Anforderungen

Zu den am häufigsten genannten fachlichen Anforderungen zählten Kommunikations- und Beratungskompetenz, (gesundheits)psychologische und psychotherapeutische Kenntnisse, didaktische und pädagogische Kompetenzen sowie Grundwissen zu Gesundheitsförderung und Medizin. Die Bedeutung von Beratungs- und Kommunikationskompetenz wurde z. B. darin gesehen, dass „Begleitung […] nur über Kommunikation und über das Verstehen des Individuums [geht]“ (I8 Z. 369f). Gesundheitspsychologisches, psychologisches und psychotherapeutisches Wissen seien für einen Gesundheitscoach elementar, um auf Patientinnen und Patienten eingehen, Probleme erkennen und Widerstände gegen eine Verhaltensänderung abbauen zu können. Die didaktische und pädagogische Kompetenz sei wichtig, um Sachverhalte auf einfache und alltagstaugliche Weise vermitteln zu können. Unter Grundwissen zur Gesundheitsförderung wurde Fachwissen zu einem gesunden Lebensstil verstanden, z. B. „was der Patient verändern soll, also Bereiche, zum Beispiel Rauchen, Übergewicht, Bewegungsmangel, Stressabbau“ (I19 Z. 321f). Das erforderliche medizinische Grundwissen beinhalte u. a. Kenntnisse zu Krankheiten, Anatomie und Medikamenten. Weitere Anforderungen zu weiteren Bereichen sind Tab. 2 zu entnehmen.

Persönliche Anforderungen

Hinsichtlich der persönlichen Anforderungen an einen Gesundheitscoach nannten die Ärztinnen und Ärzte am häufigsten die Fähigkeit zu motivieren (s. Tab. 2): „Also der muss die Leute verstehen und für seine Ideen, die er dann hat, begeistern können, für sie selber, und nicht ihnen Vorschläge machen, die sie dann dankend ablehnen oder nicht durchhalten“ (I1 Z. 386ff). Zwei Teilnehmende äußerten, wie wichtig eine hohe Frustrationstoleranz und Geduld seien, z. B. wenn der Erfolg ausbleibe. Auch ein gewisses Maß an Lebenserfahrung sei notwendig, um die Patientinnen und Patienten verstehen zu können und von ihnen akzeptiert zu werden. Je einmal genannt wurden Selbsterfahrung mit dem Konzept der Salutogenese, Authentizität und Ehrlichkeit, die Überzeugung vom eigenen Tun und die Offenheit gegenüber verschiedenen Behandlungsansätzen; komplementärmedizinisch aber auch medizinisch.

Soziale Anforderungen

Als wesentliche soziale Anforderungen an Gesundheitscoaches wurden menschliche Befähigung und Beziehungskompetenz gesehen (s. Tab. 2). Dazu zählen ein echtes Interesse an den Patientinnen und Patienten, aufmerksames Zuhören, Verständnis und ein offenes Ohr für ihre Sorgen. Auch die Bedeutung von Empathie als Fähigkeit, sich in den Patienten/die Patientin einfühlen zu können, wurde mehrmals hervorgehoben. Zudem sollte ein Gesundheitscoach teamfähig sein und Freude an der Arbeit mit Menschen haben.

Methodische Anforderungen

Als wesentliche methodische Anforderung an einen Gesundheitscoach zeigte sich die Fähigkeit zur Organisation. Wichtig seien hierbei eine gute Selbstorganisation, die Fähigkeit, organisatorische Aufgaben in der Arbeit mit den Patientinnen und Patienten und in der Zusammenarbeit mit anderen Professionsgruppen erfolgreich zu bewältigen sowie allgemeine organisatorische Fähigkeiten.

Formale Anforderungen

Die am häufigsten genannten formalen Anforderungen an einen Gesundheitscoach waren die akademische Fundierung der Ausbildung und die wissenschaftliche Qualitätssicherung. So sollten ausgebildete Gesundheitscoaches ihre Arbeit und ihre Empfehlungen auf wissenschaftliche Erkenntnisse stützen und auf Grundlage des aktuellsten Stands der Wissenschaft agieren. Sechs der befragten Ärztinnen und Ärzte sprachen die Bedeutung einer praxisbezogenen Ausbildung an. Ein medizinischer Ausbildungshintergrund für angehende Gesundheitscoaches sei von Vorteil, aber keine zwingende Voraussetzung. Wünschenswert seien Zusatzqualifikationen im Anschluss an die Ausbildung. Weitere Unterkategorien sind Tab. 2 zu entnehmen.

Metaebene

Auf der Metaebene äußerte ein Teilnehmer, dass wichtige Voraussetzungen für das Erstellen eines Anforderungsprofils an einen Gesundheitscoach noch nicht erfüllt seien: „Und deswegen braucht es neben vielleicht Ideen für eine Ausbildung, auch tatsächlich erstmal eine Idee von zukünftiger Versorgung. Auf welchen Gebieten sollte überall versorgt werden? Um dann zu gucken: Welche Gesundheitsberufe gibt es und welche Facetten decken die ab? Und ich glaube, dass dann noch genügend Lücken übrigbleiben, wo neue Arbeitsprofile entstehen, und diese müssen sicherlich auch gefüllt werden.“ (I8 Z. 398ff).

Bedarf an Gesundheitscoaches

Alle befragten Ärztinnen und Ärzte gaben an, dass der Bedarf an Gesundheitscoaches vorhanden sei (s. Tab. 3). Zwölf Befragte äußerten sogar spontan einen (sehr) hohen Bedarf, wie zwei Textbeispiele verdeutlichen: Dieser Bedarf [an einem Gesundheitscoach] ist unabdingbar da“ (I5 Z. 530), und „Ich glaube, dass es dafür einen sehr, sehr hohen Bedarf gibt.“ (I1 Z. 716). Ein Befragter erläuterte den Bedarf folgendermaßen: „Ja, also auf jeden Fall [ist der Bedarf an einem Gesundheitscoach] sehr stark wachsend.“ (I17 Z. 596). Von einem Interviewten wurde angeführt, dass der Bedarf an Gesundheitscoaches in Kliniken höher sei als in Praxen, in denen Gesundheitsförderung bereits eine Rolle spiele, und ein anderer Befragter sprach sich zu Gesundheitsförderung in Schulen aus. Darüber hinaus äußerten vier Ärztinnen und Ärzte ihre persönliche Überzeugung vom Konzept des Gesundheitscoachs: „[…] also insofern fände ich das eine ganz ausgezeichnete Idee und ich finde es auch den richtigen Weg in die Zukunft.“ (I4 Z. 565f).

Potenziale eines Gesundheitscoaches

Die Potenziale eines Gesundheitscoaches wurden für Patientinnen und Patienten, das Gesundheitssystem, Kliniken und Praxen, Ärztinnen und Ärzte sowie die zukünftigen Gesundheitscoaches selbst gesehen (s. Tab. 4).

Potenziale für Patientinnen und Patienten

Die meisten Befragten sahen das Potenzial eines Gesundheitscoaches in der Verbesserung der Gesundheit der Patientinnen und Patienten bzw. der Vermeidung und Linderung der Folgen von (chronischen) Erkrankungen: „Natürlich sehe ich, […] ist das übergeordnete Ziel, dass wir Gesundheit auch dahingehend fördern, um Risikofaktoren kleiner zu machen, oder auch sogar Krankheiten verhindern oder natürlich auch, dass wir Komplikationen als Folge von chronischen Erkrankungen deutlich reduzieren können.“ (I8 Z. 581ff). Weitere Potenziale wurden in einer qualitativ hochwertigeren Behandlung und einer besseren Versorgung sowie einer Steigerung der Lebensqualität gesehen. Auch ein verbesserter Umgang der Patientinnen und Patienten mit der Erkrankung und der Erwerb von Gesundheitskompetenz wurden als Potenziale genannt. Weitere Potenziale für Patientinnen und Patienten sind Tab. 4 zu entnehmen.

Potenziale für das Gesundheitssystem

Geäußerte Potenziale für das Gesundheitssystem reichten von mittel- bzw. langfristig geringeren Kosten über weniger Krankenhausaufenthalte und/oder Medikamentenbedarf bis hin zur Vermeidung von Drehtüreffekten: „Aber da gibt es immer schon seit Langem gute Ansätze, um diese Drehtüreffekte zu vermeiden, dass wenn jemand für eine Kniearthrose bei OP-Vorbereitung auffällig schlechte Risiken hat, dass man da dann gleichzeitig die Risiken aber abbaut, damit er nicht nach dem Eingriff am Gelenk vielleicht zwei Monate später mit einem Herzinfarkt zur gleichen Tür hereinkommt. Da wird extrem viel verpasst.“ (I5 Z. 238ff).
Als weitere Potenziale eines Gesundheitscoaches für das Gesundheitssystem wurden die Kontrolle über die Umsetzung von gesundheitsfördernden Maßnahmen, das Einläuten eines Kulturwandels zur Integration der Gesundheitsförderung in die Lebenseinstellung, und der Ausgleich des sozialen Gefälles genannt.

Potenziale für Kliniken und Praxen

Kliniken und Praxen profitieren aus Sicht der Befragten von einem Gesundheitscoach v. a. durch die höhere Zufriedenheit der Patientinnen und Patienten, die aus der verbesserten Betreuung resultieren würde. Auch könne durch die Mitarbeit eines Gesundheitscoaches die Bindung an eine Klinik bzw. Praxis verstärkt und diese somit attraktiver werden.

Potenziale für Ärztinnen und Ärzte

Das meist genannte Potenzial eines Gesundheitscoaches für die Ärztinnen und Ärzte selbst war ihre antizipierte Entlastung und Unterstützung. Ebenfalls genannt wurden Zeitersparnis und kollegialer Austausch: „[…] in einem Behandlerteam gibt es einfach unterschiedliche Expertisen und diese Expertisen werden auf einer kollegialen Austauschebene gemeinsam bewertet und dann auch mit oder im Sinne oder im Wunsch des Patienten auch umgesetzt. Und […] ich wär’ tatsächlich froh, wenn ich wüsste, ich könnte jemand anrufen, um für Herrn XY eine Schnittstelle zu weiteren Informationen, zu weiteren Ressourcen, die ihm da helfen könnten, zu vermitteln, und dass ich da auch eine Rückmeldung dann über den Kanal kriege, was hat geklappt, was hat da nicht gut geklappt. Das ist natürlich super.“ (I8 Z. 568ff).

Potenziale für Gesundheitscoaches

Als Potenziale für die Gesundheitscoaches selbst wurden die Schaffung von Arbeitsplätzen sowie die Ausübung einer erfüllenden Tätigkeit genannt: „Also für den Coach selber ist es extrem befriedigend […]“ (I3 Z. 376ff).

Metaebene

Ein Teilnehmer merkte an, dass das wahre Potenzial von Gesundheitscoaches erst durch deren Einsatz und die begleitende wissenschaftliche Evaluierung festgestellt werden könne: „Das muss man dann vergleichen. […] Wie sieht eine Praxis aus, die es nicht hat? […] Wie groß ist der Erfolg? Was kann man dadurch tatsächlich erreichen? Das kann ich jetzt natürlich nur aus dem Bauch heraus sagen, dass ich sag ‚Ok, ganz tolle Sache‘, aber die Frage ist natürlich, nehmen es die Patienten auch so an, wie wir uns das vorstellen oder wie ich mir das jetzt wünschen würde? Und das geht halt nur über Studien.“ (I4 Z. 405ff).

Diskussion

Die qualitative Befragung von Ärztinnen und Ärzten zum Bedarf an Gesundheitscoaches in Kliniken und Praxen sowie zu deren Anforderungsprofil und Potenzial ergab wertvolle Hinweise, die in Summe den Mehrwert einer integrierten Versorgung unter Einbezug eines Gesundheitscoaches aus ärztlicher Sicht nahelegen und das mögliche Profil eines Gesundheitscoaches näher beschreiben.
Die International Union for Health Promotion and Education (IUPHE) entwickelte in den Jahren 2009 bis 2012 einen Kompetenzrahmen für Gesundheitsförderung in Europa. Er gibt einen Überblick über v. a. fachliche Kompetenzen für Praktikerinnen und Praktiker der Gesundheitsförderung, welche sich an der Ottawa-Charta orientieren [3]. Soziale oder persönliche Anforderungen können nach Karg et al. dabei bestenfalls indirekt abgelesen werden [18]. Die Ergebnisse dieser empirischen Untersuchung erweitern diesen Kompetenzrahmen um ein sehr eng an die Praxis und den spezifischen Berufskontext eines Gesundheitscoaches angelehntes Kompetenzmodell.
So zeichnete sich in den Interviews eine Vielzahl an Fähigkeiten und Kompetenzen eines Gesundheitscoaches ab, die als besonders relevant für die Arbeit mit Menschen gewertet werden können. Soziale Kompetenzen, wie Empathie und die Fähigkeit Beziehungen zu gestalten, aber auch didaktische oder pädagogische Kompetenz, Kommunikations- und Beratungskompetenz sowie psychologische Grundkenntnisse wurden besonders häufig von den Befragten genannt. Die Bedeutung dieser Faktoren für die Gesundheitsförderung bzw. die Arbeit mit Patientinnen und Patienten ist allgemein bekannt [26]. Erst durch diese Fähigkeiten und Kompetenzen können attraktive, niedrigschwellige und gut in den Alltag integrierbare Angebote geschaffen werden, aber auch der Mensch und seine Bedürfnisse gesehen und verstanden sowie patientenspezifisch, situationsgerecht und individuell reagiert werden. Dies ist sehr wichtig, wenn es darum geht, nicht nur Gesundheitswissen zu vermitteln, sondern auch Verhalten zu modifizieren oder Menschen zu einer eigenverantwortlichen gesunden Lebensweise zu befähigen [15].
Neben sozialen und auf den Umgang mit Menschen ausgerichteten Kompetenzen wurden von vielen Befragten auch Fachkenntnisse in der Gesundheitsförderung sowie medizinisches Grundwissen und Kenntnisse über die Strukturen des Gesundheitswesens als besonders wichtig erachtet. Dieses Wissen befähigt den Gesundheitscoach, partnerschaftlich mit Ärzten, aber auch mit anderen Berufsgruppen des Gesundheitswesens zusammenzuarbeiten, um Patienten effektiv und umfassend begleiten und zur Gesundheitsförderung bei Krankheiten beraten zu können. Der Gedanke einer integrierten Versorgung findet dabei in der Literatur einigen Zuspruch und wird bereits in mehreren Ländern umgesetzt [9]. Gerade die Abstimmung zwischen den einzelnen Fachbereichen wird dabei jedoch häufig als Hürde oder Schwierigkeit identifiziert [7]. Der Gesundheitscoach könnte hier, nach Meinung der Befragten, eine vermittelnde Rolle einnehmen, Behandlungen koordinieren und Behandlungsergebnisse einordnen. Des Weiteren könnte der Coach bei entsprechendem Bedarf auch auf die Fähigkeiten und Kompetenzen anderer Professionsgruppen und Akteure im Gesundheitswesen zurückgreifen und die Patientinnen und Patienten innerhalb des Netzwerks weiterverweisen (s. Abb. 1). Werdecker und Esch halten eine kooperative Zusammenarbeit von pathogenetisch ausgerichteten Professionsgruppen und Experten für Gesundheitsförderung für besonders wichtig, um ein „Nebeneinanderher zwischen den Berufsgruppen“ zu vermeiden und Potenziale durch eine Integration der salutogenetischen Perspektive in das Gesundheitssystem effektiv nutzen zu können [28]. Die Herausarbeitung entsprechender Versorgungspfade und die Einarbeitung in Leitlinien könnten an dieser Stelle hilfreich sein, um Strukturen und Abläufe zur Integration von Gesundheitscoaches zu festigen. Dabei ist zu beachten, dass sich der Gesundheitscoach nach Vorstellung einiger Befragter durch ein umfangreicheres, dafür aber weniger tiefes Fachwissen auszeichnet, mit Ausnahme von bestimmten Kernkompetenzen im Bereich Gesundheitsförderung und Prävention. Entsprechend beschrieben Werdecker und Esch Gesundheitscoaches als „Spezialisten für den Bereich der Vermittlung von Techniken und der Anwendung von Gesundheitsförderungs- oder Präventionsmaßnahmen; in Bezug auf Zielgruppen und Indikationen wären sie hingegen als Generalisten der Gesundheitsförderung anzusehen.“ [28]. Dies unterstreicht den Wunsch nach einem eigenständigen Berufsbild im Gegensatz zur Integration der Kompetenzen in einen bestehenden Gesundheitsberuf, wie z. B. den des/der medizinischen Fachangestellten. Gerade vor dem Hintergrund des aktuellen Fachkräftemangels im Gesundheitssektor hat diese Überlegung ihre Berechtigung und könnte diese Berufe weiter aufwerten.
Der Einfluss von Gesundheitscoaches bleibt auf die individuelle Verhaltensprävention beschränkt. Das volle Potenzial der Gesundheitsförderung entfaltet sich jedoch erst im Verbund mit Maßnahmen der Verhältnisprävention, wie z. B. der Einführung einer Zuckersteuer, der Einschränkung des Zugangs zu Suchtmitteln sowie durch finanzielle Anreize zur Steigerung der körperlichen Aktivität. Die derzeitige Bedeutung der Gesundheitsförderung im Gesundheitssystem wird sowohl in der Literatur als auch von den befragten Ärzten als gering eingeschätzt [12]. In der Gesundheitsausgabenrechnung des Bundes wurden die Ausgaben für Gesundheitsförderung für das Jahr 2020 mit rund 4,5 Mrd. € beziffert. Dies entspricht 1,2 % der Gesamtausgaben von 410 Mrd. €. Auch wenn Ausgaben für Gesundheitsschutz und Prävention hinzugerechnet werden, ergibt sich ein nur geringfügig höherer Prozentsatz von 4,7 % [27]. Auch der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen unterstrich vor Kurzem die Relevanz von Gesundheitsförderung und Prävention bei der Optimierung der Gesundheitsversorgung [24]. Diese finanzielle Unterversorgung trägt wohl auch dazu bei, dass der Bedarf an Gesundheitscoaches aus Sicht der Befragten als sehr hoch, und ihr Potenzial als sehr vielfältig beschrieben wurde.
Die Abb. 1 soll den Mehrwert und die Integration von Gesundheitscoaches in die Gesundheitsversorgung weiter verdeutlichen.

Limitationen

Die Stichprobe dieser Befragung ist nicht repräsentativ, sondern wurde anhand qualitativer Merkmale aus dem Bekanntenkreis der Autorinnen und Autoren gezogen. Die Ergebnisse bieten jedoch eine wertvolle empirische Grundlage für Folgestudien, wie z. B. eine quantitative Erhebung an einer größeren, repräsentativen Stichprobe. Des Weiteren ist die quantitative Auswertung des Materials unter Angabe von Häufigkeiten mit Vorsicht zu interpretieren. So ist zwar die subjektive Relevanz einer Kategorie, die von Befragten mehrfach genannt wurde, für diese Befragten höher. Jedoch könnten die weniger häufig genannten Kategorien deswegen nicht weniger bedeutsam sein. Kritisch ist zu sehen, dass für die vorliegende Studie ausschließlich Ärztinnen und Ärzte interviewt wurden. Dies sollte ein erster Schritt sein; in Folgestudien sollten auch Patientinnen und Patienten, medizinische Fachangestellte und andere Beteiligte des Gesundheitssystems zum potenziellen Berufsbild von Gesundheitscoaches befragt werden.

Fazit für die Praxis

  • Das deutsche Gesundheitssystem steht derzeit vor einer Reihe von Herausforderungen, wie der Zunahme chronischer Krankheiten oder dem Fachkräftemangel. Daher ist ein Wandel hin zu innovativen Versorgungsmodellen, wie z. B. einer integrierten Versorgung mit stärkerer Einbeziehung der Gesundheitsförderung, wichtig und unumgänglich.
  • Im Rahmen einer solchen integrierten Versorgung könnten „Gesundheitscoaches“ die Einbindung der salutogenetischen Perspektive gewährleisten. Die vorliegende Studie beleuchtete das Bedarfs‑, Potenzial- und Anforderungsprofil eines Gesundheitscoaches aus ärztlicher Sicht und liefert ein erstes Bild zur Integration dieses neuen Berufsbildes in das deutsche Gesundheitssystem.
  • Folgestudien an repräsentativen Stichproben sowie an anderen Akteuren des Gesundheitswesens und an Patientinnen und Patienten sind erforderlich, um den potenziellen Mehrwert von Gesundheitscoaches für das deutsche Gesundheitssystem weiter zu erforschen.

Förderung

Die Studie wurde aus intramuralen Projektmitteln von E. Nöfer und K. Meissner finanziert.

Einhaltung ethischer Richtlinien

Interessenkonflikt

P.J. Waibl, L. Rothenhäusler, E. Nöfer und K. Meissner geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
Die Untersuchung wurde im Einklang mit der Deklaration von Helsinki in ihrer aktuellen, überarbeiteten Fassung durchgeführt.
Open Access Dieser Artikel wird unter der Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz veröffentlicht, welche die Nutzung, Vervielfältigung, Bearbeitung, Verbreitung und Wiedergabe in jeglichem Medium und Format erlaubt, sofern Sie den/die ursprünglichen Autor(en) und die Quelle ordnungsgemäß nennen, einen Link zur Creative Commons Lizenz beifügen und angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden.
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Literatur
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Metadaten
Titel
Gesundheitsförderung und Prävention durch Gesundheitscoaches in der Routineversorgung – eine qualitative Interviewstudie mit Ärztinnen und Ärzten
verfasst von
Paula J. Waibl, B.Sc.
Lena Rothenhäusler, M.Sc.
Prof. Dr. rer. pol. Eberhard Nöfer
Prof. Dr. med. habil. Karin Meissner, M.Sc.
Publikationsdatum
04.06.2023
Verlag
Springer Berlin Heidelberg
Schlagwort
Pflege
Erschienen in
Prävention und Gesundheitsförderung / Ausgabe 2/2024
Print ISSN: 1861-6755
Elektronische ISSN: 1861-6763
DOI
https://doi.org/10.1007/s11553-023-01047-2

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