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Informelles Pflegepotenzial bei Älteren in Deutschland

Ergebnisse einer bevölkerungsrepräsentativen Befragung

  • 26.01.2017
  • Pflege
  • Originalien
Erschienen in:

Zusammenfassung

Hintergrund

Da aufgrund der demografischen Entwicklung die Zahl der pflegebedürftigen Personen in den nächsten Jahrzehnten deutlich zunehmen wird und betroffene Personen meist die häusliche Pflege präferieren, zielt diese Arbeit darauf ab, das informelle Pflegepotenzial aus der Sicht der älteren Bevölkerung in Deutschland abzubilden. Zudem werden die Prädiktoren des informellen Pflegepotenzials untersucht.

Methoden

Auf Grundlage einer repräsentativen Telefonbefragung wurden im Jahr 2015 n = 1006 ältere Personen (Mittelwert 75,2 Jahre ± Standardabweichung 6,6 Jahre; Range 65–96 Jahre) hinsichtlich des informellen Pflegepotenzials analysiert.

Ergebnisse

Es gaben 71,7 % der Befragten an, dass sie für den Fall der Pflegebedürftigkeit jemanden haben, der sich um sie kümmern könnte. Bivariat hängt das informelle Pflegepotenzial mit dem Familienstand, dem Vorhandensein von Kindern und dem subjektiven Gesundheitszustand zusammen. Darüber hinaus konnten multiple logistische Regressionen zeigen, dass das informelle Pflegepotenzial positiv mit dem Vorhandensein von Kindern („odds ratio“ [OR] 2,5; 95 %-Konfidenzintervall [95 %-KI] 1,7–3,7), einer privaten Krankenversicherung (OR 1,7; 95 %-KI 1,0–2,7), der Bereitstellung informeller Pflege für Freunde/Familie (OR 1,5; 95 %-KI 1,1–2,1) und einer Pflegestufe (OR 2,3; 95 %-KI 1,1–4,8) zusammenhängt.

Schlussfolgerung

Unsere Ergebnisse zeigen, dass neben familiären Umständen auch der Krankenversichertenstatus und die Pflegestufe für das informelle Pflegepotenzial von Relevanz sind. Da v. a. familiäre Ressourcen das Bild der informellen Pflege bestimmen und von einer wachsenden geografischen Distanz der Familienverbünde auszugehen ist, ist die Entwicklung von Strategien zur Deckung des steigenden Bedarfs an informeller Pflege in den nächsten Jahrzehnten wesentlich.
Titel
Informelles Pflegepotenzial bei Älteren in Deutschland
Ergebnisse einer bevölkerungsrepräsentativen Befragung
Verfasst von
Dr. André Hajek
Thomas Lehnert
Annemarie Wegener
Steffi G. Riedel-Heller
Hans-Helmut König
Publikationsdatum
26.01.2017
Verlag
Springer Medizin
Erschienen in
Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie / Ausgabe 6/2018
Print ISSN: 0948-6704
Elektronische ISSN: 1435-1269
DOI
https://doi.org/10.1007/s00391-017-1181-y
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Die Leitlinien für Ärztinnen und Ärzte, Älterer Mann schaut kritisch auf Tabletten/© Mediteraneo / stock.adobe.com (Symbolbild mit Fotomodell), Ein Kind wird von ärztlichen Personal geimpft/© kerkezz / stock.adobe.com (Symbolbild mit Fotomodellen), Junge Frau im Gespräch mit Ärztin/© Halfpoint / stock.adobe.com (Symbolbild mit Fotomodell), Ärztin im Gespräch mit älterem Patienten/© fizkes / stock.adobe.com (Symbolbild mit Fotomodellen)