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Unkomplizierte Harnwegsinfekte leitliniengerecht behandeln Phytotherapie statt Antibiotikum

  • 15.05.2025
  • Online-Artikel

Viel zu oft werden akute unkomplizierte Harnwegsinfekte mit Antibiotika behandelt, obschon es Alternativen gibt. Doch nun bringen gleich 2 aktuelle Leitlinien Bewegung in das Management unkomplizierter Zystitiden, indem sie sich klar für den Einsatz evidenzbasierter Phytotherapeutika wie der pflanzlichen Dreierkombination BNO 1045 aussprechen, um den Antibiotikaeinsatz zu reduzieren.

Jährlich ereignen sich allein in Deutschland bis zu 9700 Todesfälle, die direkt auf antimikrobielle Resistenz zurückzuführen sind [1]. Weltweit sind es rund 1,3 Mio. Fälle [1]. Wird der übermäßige Einsatz von Antibiotika nicht eingedämmt, sind im Jahr 2050 ca. 10 Mio. Todesfälle durch multiresistente Keime zu erwarten [2]. Unkomplizierte Harnwegsinfektionen (uHWI) gehören zu den häufigsten bakteriellen Infektionen im ambulanten Bereich – insbesondere bei Frauen – und ebenfalls zu den häufigsten Erkrankungen, die mit Antibiotika behandelt werden [3]. Dabei gibt es schonende und zugleich wirksame phytotherapeutische Alternativen. Diese wurden sowohl in der aktualisierten S3-Leitlinie als auch in der neuen Leitlinie der europäischen Fachgesellschaft EAU aufgewertet [4, 5].

Die S3-Leitlinie hat die Therapieoptionen zur nicht-antimikrobiellen Behandlung der uHWI aufgrund neuer Evidenz bestärkt [4]. Statt der bisherigen „Kann“-Empfehlung spricht sich die DGU mit dem zweithöchsten Empfehlungsgrad (B) dafür aus, dass bei nicht-geriatrischen Patienten mit akuter unkomplizierter Zystitis eine alleinige nicht-antibiotische Therapie als Alternative zu Antibiotika erwogen werden sollte [4]. Mit dieser neuen „Sollte“-Empfehlung wurde die Phytotherapie bei uHWI auf Augenhöhe zu Antibiotika angehoben.

Ausschlaggebend für die höhere Empfehlung nicht-antibiotischer Alternativen in der S3-Leitlinie ist die überzeugende Evidenzbasis (Evidenzlevel 1A) [4]. Eine unabhängige Meta-Analyse verglich verschiedene Strategien zur Reduktion des Antibiotikaeinsatzes bei Frauen mit uHWI mit einer sofortigen Antibiotikabehandlung [6]. Das Ergebnis: Sowohl mit nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) als auch mit einer pflanzlichen Dreierkombination aus Rosmarin, Tausendgüldenkraut und Liebstöckel (BNO 1045; Canephron® Uno*) sowie weiteren Therapieoptionen konnte der Antibiotikaverbrauch um insgesamt 63 % reduziert werden [6].

Allerdings gab es hinsichtlich der Wirksamkeit zum Teil deutliche Unter-schiede zwischen den Präparaten [6]. Von den in der aktuellen S3-Leitlinie aufgeführten Therapien erreichte der Einsatz von BNO 1045 (gemäß den Daten der CanUTI-7-Studie) mit 83,5 % die höchste Antibiotikaeinsparung [6, 7]. Auch die aktuelle Leitlinie der EAU [5] stützt sich bei ihrer Empfehlung von BNO 1045 auf die Ergebnisse der CanUTI-7-Studie [7] sowie auf die nachgewiesene Wirksamkeit der Dreierkombination zur Reduktion von Rezidiven [8].

CanUTI-7: BNO 1045 und Antibiotikum gleichauf

Die randomisierte, doppelblinde Phase-III-Nichtunterlegenheitsstudie Can UTI-7 verglich BNO 1045 bei insgesamt 659 Patientinnen (18–70 Jahre) mit dem Standardantibiotikum Fosfomycin [7]. Einschlusskriterium war eine uHWI mit ≥ 6 Punkte beim Acute Cystitis Symptom Score (ACSS). In diesen Score gehen Harndrang, Pollakisurie und Dysurie ein. Die Teilnehmerinnen erhielten entweder BNO 1045 (3× 2 Tabletten/Tag für 7 Tage) oder Fosfomycin (3 g als einmalige Einnahme). An die Therapiephase schloss sich eine 30-tägige Nachbeobachtung an.

Der primäre Endpunkt war die Nichtunterlegenheit von BNO 1045 gegenüber Fosfomycin hinsichtlich des Bedarfs einer zusätzlichen Antibiotikatherapie von Tag 1 bis 38. Die Nichtunterlegenheitsgrenze wurde auf –15 % festgelegt [7]. Bei initialer Therapie mit dem BNO 1045 benötigten 83,5 % der Patientinnen kein zusätzliches Antibiotikum im Vergleich zu 89,8 % im Fosfomycin-Arm (Abb. 1).

Somit war das Phytopharmakon dem Antibiotikum statistisch nicht unterlegen [7]. Auch der Verlauf der Symptomreduktion (gemessen am ACSS) war vergleichbar. Schon zu Tag 4 erreichten die Patientinnen eine Reduktion der Symptomlast um bis zu 50 % [7].

Ein weiterer Vorteil der Phytotherapie gegenüber Antibiotika ist die Schonung des Mikrobioms [9]. Während die Therapie mit Fosfomycin oder Nitrofurantoin zu massiven Mikrobiom-Verschiebungen führen kann, blieb das intestinale Mikrobiom unter Therapie mit dem Phytopharmakon weitgehend unbeeinflusst, selbst bei etwa 10-facher humaner Äquivalenzdosis [9]. In pharmakologischen Studien zeigte die pflanzliche Dreierkombination analgetische [10], spasmolytische [11], antiadhäsive [12] und antiinflammatorische [12] Eigenschaften.

Fazit für die Praxis

Die Evidenz für nicht-antibiotische Therapien bei uHWI hat sich deutlich verbessert, was sich in den Empfehlungen der aktualisierten Leitlinien widerspiegelt [4, 5]. Durch die gemeinsam mit den Patientinnen und Patienten getroffene Entscheidung zum Einsatz von Phytotherapeutika wie BNO 1045 können uHWI effektiv behandelt und der zunehmenden Antibiotikaresistenz entgegengewirkt werden.


* Canephron® Uno ist ein traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur unterstützenden Behandlung und zur Ergänzung spezifischer Maßnahmen bei leichten Beschwerden (wie häufigem Wasserlassen, Brennen beim Wasserlassen und verstärktem Harndrang) im Rahmen entzündlicher Erkrankungen der Harnwege.

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[1] Antimicrobial Resistance Collaborators. Lancet 2022; 399: 629–55

[2] O’Neill J: The Welcome Trust: London, UK, 2016

[3] https://register.awmf.org/de/statistik/top25 (letzter Zugriff: 15.04.2025)

[4] Deutsche Gesellschaft für Urologie e. V. (Hrsg.): S3 Leitlinie: Epidemiologie, Diagnostik, Therapie, Prävention und Management unkomplizierter, bakterieller, ambulant erworbener Harnwegsinfektionen bei Erwachsenen – Aktualisierung 2024. AWMF Registernummer: 043/044

[5]Guidelines on Urological Infections 2025, https://d56bochluxqnz.cloudfront.net/documents/full-guideline/EAU-Guidelines-on-Urological-infections-2025.pdf (letzter Zugriff: 15.04.2025)

[6] Kaußner Y et al.: Clin Microbiol Infect 2022; 28: 1558–66

[7] Wagenlehner FM et al.: Urol Int 2018; 101:327–36

[8 ]Sabadash M et al.: Clinical Phytoscience 2017; Nr. 3: pp 1–5, doi 10.1186/s40816–017–0046-7

[9] Nausch B et al.: Antibiotics 2022; 11: 1331

[10] Nausch B et al.: Phytomedicine 2019; 60: 152987

[11] Brenneis C et al.: Poster. 13th International Congress Ethnopharmacology 2012

[12] Künstle C et al.: Eur Urol 2013; 12 (Suppl.): e671

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