Real World Evidence (RWE) in der Phytotherapie
Perspektiven für den Aufbau eines Registers zur Nutzung von Phytopharmaka
- Open Access
- 03.03.2023
- Phytotherapie
- Der besondere Artikel
Zusammenfassung
Hintergrund
Herausforderungen der Phytotherapie
Herausforderungen der Generierung und Nutzung von RWE-Daten
Ziele des vorliegenden Workshops
Methodik des Workshops
Ergebnisse
Positionsreferate
Thema und Referent | Inhaltliche Argumente |
|---|---|
Schnittmenge Praxis/Register (Dingermann) | Phytopharmaka müssen vom Evidenzansatz völlig neu gedacht werden |
Registerdaten werden zukünftig klassische klinische Studien grundsätzlich ergänzen und Anwendungsstudien weitgehend ersetzen | |
Wichtig bei Phytopharmaka: Responder und Nonresponder, aber Placeboproblem bei der Messung | |
Phytotherapie (Habs) | Problem der Hersteller von Phytopharmaka heute: Verbraucher können nur schwer zwischen Nahrungsergänzungsmitteln (NEM) und Arzneimitteln unterscheiden |
Die Wirkung und Wirkungsweise von Phytopharmaka ist schwer abbildbar → Mehrinvestition in Arzneimittel lohnt sich aus Sicht der Hersteller kaum | |
Im Zusammenhang mit der Konzeption eines Phytoregisters: Wo lässt sich hinsichtlich des jeweiligen Anwendungsgebiets eine gewisse Homogenität des Effekts erwarten? | |
Praxis der Registererstellung (Prantl) | Zeitdauer und Komplexität spielen bei der Konzeption und Realisierung eines Registers eine herausragende Rolle (Implantateregister: Vorstoß für ein bundesweit verbindliches Register in 2013 gestartet → Umsetzung wohl in 2024) |
Gesetzliche Grundlage kann als Katalysator wirken. Einbezug der Presse war zusätzlich hilfreich. Verunsicherung der Öffentlichkeit förderte politisches Handeln zur Umsetzung von Implantateregister | |
Arzt ist als Gatekeeper bei Phytopharmaka nicht unbedingt nötig. Wie motiviert man Patienten, ihre Verwendungsdaten im Zusammenhang mit Phytotherapien zur Verfügung zu stellen? | |
Patientennutzen soll bei Registern im Mittelpunkt stehen | |
Versorgungsforschung (Bachmeier) | Betonung der Patientenorientierung und des Patientenoutcome |
Wie lassen sich Aussagen zur Lebensqualität als Outcome definieren? | |
Verschiedene Komplexitätsaspekte im Spannungsfeld von Selbstberichten und objektivierbaren Parametern und der Auswertung der Datenfülle | |
Vgl. Viterio-Datenbanka als Vorlage für ein Phytoregister | |
Künstliche Intelligenz/Machine Learning (Eskofier) | Konstruktion eines Datenraums analog zu Amazon als mögliche Orientierung für ein Register |
Kunden/Nutzer mit ähnlichen Eigenschaften werden bezüglich zukünftiger Kaufentscheidungen verglichen | |
Dabei zählt ein erfolgreicher Verkauf (→ Ware wird nicht wieder zurückgeschickt) an einen Kunden als mögliche Empfehlung für Kunden mit Datenräumen ähnlicher Ausprägung | |
Apps/Telemedizin (Friedrich) | Empfehlung, mit einer Indikation und in der Indikation mit einem klaren Ziel anzufangen (vgl. Ansatz des „minimal viable product“) |
Wahrscheinlichkeiten, mit denen in der Therapie heute gearbeitet wird, basieren auf großen Gruppen. Kleinere Gruppen lassen höhere Wahrscheinlichkeiten für einzelne Individuen zu | |
Klinische Studien → hohe interne, aber geringe externe Validität (mittelgroße Fallzahlen) | |
„Patient-centered insights“ → geringe interne, aber hohe externe Validität (sehr große Fallzahlen > 1 Mio.) | |
Kombination der beiden Ansätze | |
Daten befinden sich in nichtzugänglichen Silos. → Silos müssen aufgebrochen und Daten nutzbar gemacht werden |
Nominaler Gruppenprozess
Chancen und Risiken der Phytotherapie | Chancen |
Verbesserung der Lebensqualität bei erwiesener Wirksamkeit | |
Patient Empowerment durch Mitgestaltung der Therapie | |
Risiken | |
Ausreichende Definition des Begriffs Phytotherapie | |
Mangelhafte wissenschaftliche Basis | |
Inhaltliche Schwerpunkte eines Phytoregisters | Nachweis der Wirksamkeit |
Komedikationen | |
Wechselwirkungen/Nebenwirkungen | |
Compliance | |
Dokumentation von Quality of Life | |
Spezifische Indikationen für Phytotherapie | |
Mehrwert eines Registers in Ergänzung zu klinischen Studien | Abbildung der Behandlungsrealität |
Laufende Qualitätssicherung und Wirksamkeitsbelege unter Alltagsbedingungen | |
Verbraucher- und Patientensicht | |
Hypothesengenerierung für weiterführende Forschungen | |
Methodische Standards | State of the Art der Datenerhebung gemäß den einschlägigen Publikationen |
Qualität der Datenquellen | |
Datenschutz und Rechtemanagement | |
Finanzierung | Drittmittelprogramme der öffentlichen Hand (BMG, BMBF, auf EU-Ebene IMI/Horizon Europe) |
GKV-Modellvorhaben | |
Stiftungen | |
Lobbying | |
Anschubfinanzierung durch KFN-Kuratorium/Mischfinanzierung | |
Kritikpunkte bei Registerdaten | Datenvollständigkeit |
Repräsentativität und Selektionsbias | |
Auswertungsstrategien | |
Marketingvehikel | |
Analysemethoden | Etablierte Analysemethoden |
Darstellung kleiner Unterschiede im Sinne von „minimal important differences“ (MID) | |
Erfahrene Methodiker mit vorab spezifizierten statistischen Analyseplänen (SAP) | |
Stellenwert von Registern in der Phytotherapie | Erfassung kleiner Effekte durch hohe Fallzahlen |
Mehrwert für Nutzer/Patienten durch Erhöhung der Selbstwirksamkeit | |
Erfassung chronisch fortschreitender Verläufe mit Abgrenzung der Wirksamkeit vom „natural course of disease“ | |
Offene Register vs. spezifische Extrakte |
Was sind die Chancen und Risiken der Phytotherapie im Kanon der medizinischen Therapieangebote?
Unter welchem Blickwinkel soll ein Phytoregister erstellt werden, beispielsweise in Bezug auf pharmakologische Aspekte, Patientenerwartungen, Patientennutzen oder Nebenwirkungen?
Welchen Mehrwert hat ein Register in Ergänzung zu klassischen klinischen Studien?
Welche methodischen Standards müssen bei Registern unbedingt eingehalten werden?
Modellkomponente | Zu klärende Punkte |
|---|---|
Wozu | Ziele des Registers klar benennen |
Nutzungszwecke sind für jedes Register individuell zu definieren | |
Anpassung der Nutzungszwecke an sich weiterentwickelnde Anforderungen | |
Wie | Das Registerprofil beschreibt die Charakteristika eines Registers und beschreibt sie in einem Registerprotokoll: Trägerschaft Fragestellungen Kontakt zu Patienten, Follow-ups Architektur, gewählte Verfahren Vernetzung, Teilen von Daten mit anderen Registern Gesetzlicher Auftrag Berichterstattung |
Womit | Strukturen und Prozesse zu konkreten Realisierungen eines Registers |
Die Messung von Performance und Qualität durch definierte Kennzahlen (z. B. die Vollständigkeit der Falldokumentation) | |
Einhalten der Berichtsfristen | |
Erforderliche Ausfallsicherheit der Datenbank und anderer IT-Komponenten | |
Outcome | Abgleich der erzielten Ergebnisse des Registers mit seinem Nutzungszweck |
Evaluation wird auf der Ebene der Träger und Nutzer durchgeführt |
Wie kann die Finanzierung eines Registers sichergestellt werden (Stichwort „Datenspende“)?
Mit welchen Kritikpunkten ist bei Registerdaten zu rechnen?
Welche Analysemethoden bieten sich für Registerdaten an? Gibt es hier Besonderheiten für ein Phytoregister?
Haben Register in der Phytotherapie einen besonderen Stellenwert (im Vergleich zu anderen medizinischen Bereichen)?
Diskussion
Schlussfolgerung
Fazit für die Praxis
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Pflanzliche Arzneimittel spielen in der Selbstversorgung und in der allgemeinmedizinischen Praxis eine wesentliche Rolle.
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Konventionelle klinische Studien bilden die Verwendung und Wirkweise von Phytopharmaka im Alltag nur unzureichend ab.
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Ein Phytoregister zur Erhebung von Real World Data oder versorgungsnahen Daten, unter Einbeziehung patientenzentrierter Endpunkte, bietet sich als neuer methodischer Zugang an.
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Anerkannte wissenschaftliche und forschungsethische Standards sind einzuhalten sowie ein nachhaltiger Betrieb des Registers sicherzustellen.