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Über dieses Buch

Dieses Buch beschreibt die plastisch-rekonstruktive Chirurgie in der besonderen Situation: Kinder und Jugendliche als Patienten. Die rekonstruktiven Techniken zur Behandlung von Fehlbildungen, Tumoren, Traumata und thermischen Verletzungen werden detailliert dargestellt. Zahlreiche Fallbeispiele illustrieren die Abläufe mit vielen Abbildungen, teilweise wird der Verlauf bis ins Erwachsenenalter der Patienten dokumentiert. Das Buch bietet eine Orientierung für die interdisziplinäre Zusammenarbeit aller beteiligten Fachgruppen und ist für Plastische und Ästhetische Chirurgen, Kinderchirurgen, Kinder- und Jugendmediziner, MKG-Chirurgen sowie Physio- und Ergotherapeuten geeignet.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Allgemeiner Teil

Frontmatter

1. Geschichte der plastischen Chirurgie im Kindesalter

Der Begriff plastische Chirurgie leitet sich aus dem griechischen Wort πλαστικη für formen, bilden, gestalten her. Er bezeichnet die chirurgische Disziplin, welche aus funktionellen oder ästhetischen Gründen formende oder wiederherstellende Eingriffe durchführt. Nach heutigem Verständnis besteht die plastische Chirurgie aus den vier Säulen der rekonstruktiven Chirurgie, der Verbrennungschirurgie, der Handchirurgie und der ästhetischen Chirurgie, wobei insbesondere im angelsächsischen Sprachraum auch die kraniofaziale Chirurgie als weitere Säule genannt werden muss. Eine wesentliche Technik der plastischen Chirurgie, welche in allen genannten Säulen zur Anwendung kommt, ist die Mikrochirurgie.

Georgios Koulaxouzidis, G.Björn Stark

2. Kindgerechte Behandlung und Betreuung

Zweimal in der Woche kommen die Clowns ins Krankenhaus – für viele ist dies »von außen gesehen« etwas, was das Prädikat »kindgerecht« verdient. Dies steht außer Zweifel. Die Forderung nach einer kindgerechten Behandlung und Betreuung stellt jedoch besondere Anforderungen an das gesamte Behandlungsteam.

Clemens Schiestl, Dania Strobel, G.Björn Stark

3. Untersuchung von Kindern und Jugendlichen

Die genaue Systematik der Untersuchung und Befunderhebung beim Kind und Jugendlichen ist in vielen Büchern über Kindermedizin strukturiert beschrieben. Darum fanden wir es nicht notwendig, auch hier nochmals alles aufzuführen, was anderenorts bereits bestens niedergeschrieben ist. Wir fanden es weit wichtiger, vor allem für die Kollegen, welche nicht regelmäßig Kinder und Jugendlichen untersuchen, oder noch unerfahren darin sind, die wesentlichen Punkte herauszustellen, in denen sich das Untersuchungs-Setting von dem des Erwachsenen unterscheidet.

Ulrich Lips

4. Kinderanästhesie

Die Analyse abgeschlossener Anästhesiehaftpflichtfälle der »American Society of Anesthesiology« (ASA) zeigt deutliche Unterschiede im »Risikoprofil« bei der Anäs thesie von Kindern im Gegensatz zur Anästhesie bei erwachsenen Patienten. Anästhesie bei Kindern umfasst meist Anästhesie bei primär gesunden Patienten, während der Anteil schwerkranker Patienten im Erwachsenenalter deutlich höher liegt (6 % schwerkranke Kinder vs. 41 % schwerkranke Erwachsene). Im Kindesalter sind respira torische Komplikationen im Rahmen der Anästhesie jedoch deutlich häufiger (43 % vs. 30 %) und die Narkoseführung wird von Seiten der Gutachter aufgrund mangelnder Ausbildung des Anästhesisten bei Kindern öfter als »inadäquat« bezeichnet (54 % vs. 44 %). In diesem Zusammenhang ist besonders die Mortalität bei Kinder-Haftpflichtfällen mit 50 % versus 35 % bei Erwachsenen, als dramatisch anzusehen!

Diego Neuhaus

5. Schmerzmanagement

Die perioperative Schmerztherapie im Kindesalter hat in den vergangenen Jahren große Fortschritte gemacht. Dennoch ist sie immer noch weit davon entfernt optimal zu sein. Erst seit den frühen 1980 Jahren gilt es als allgemeine Erkenntnis, dass unbehandelter Schmerz bereits im Neugeborenenalter zu tiefgreifenden und chronifizierenden Veränderungen neuroendokriner Reflexbögen führen kann sowie Veränderungen des Schlafrhythmus und des Appetits, der Wahrnehmung und des Verhaltens nach sich ziehen kann.

Diego Neuhaus

6. Pflege von Kindern und Jugendlichen

Seit dem Ende des zweiten Weltkrieges hat sich das Pflegeverständnis vom angelsächsischen Raum ausgehend stetig verändert, von der Funktionspflege, basierend auf arztund technikorientierter Assistenz, hin zur ganzheitlichen Pflege. Im deutschsprachigen Raum war Schwester Liliane Juchli maßgeblich an diesem Denkwandel beteiligt. Sie stellte den Patienten als ganzheitliches Individuum in den Mittelpunkt. In den 1970er Jahren entwickelte sich das Berufsbewusstsein der Pflege als ein Beruf mit eigenen Zielen, Aufgaben und Kompetenzen. Es wurden Pflegetheorien, Pflegemodelle und Pflegekonzepte entwickelt oder aus dem englischsprachigen Raum übernommen. In den darauffolgenden Jahren emanzipierte sich die Pflege bis hin zur Anerkennung von Studiengängen an Universitäten und Fachhochschulen.

Iris Zikos-Pfenninger

7. Physiotherapie

Die Physiotherapie ist schon seit vielen Jahren ein wichtiges Element der stationären und ambulanten Behandlung. In der Pädiatrie beinhaltet dies die Therapie vom Neugeborenen – bis ins Erwachsenenalter durch PhysiotherapeutInnen mit einer pädiatrischen Zusatzausbildung. Im Idealfall ist eine solche KinderphysiotherapeutIn festes Mitglied des multiprofessionellen Teams. Die Behandlung von schweren Verbrennungen folgt dem Leitsatz »Rehabilitation beginnt am Unfalltag« – ein Standard, der in vielen Zentren gilt. Dies bedeutet, dass PhysiotherapeutInnen bereits in der Akutbehandlung konsequent involviert werden. Für andere Therapien (Ergotherapie, Logopädie usw.) ist das noch nicht überall selbstverständlich.

Rahel Riggenbach, Eva Stoffel

8. Ergotherapie

In den für das Individuum bedeutsamen Betätigungen lernen, erproben, festigen und erweitern Kinder und Jugendliche ihre kognitiven, emotionalen, sozialen und motorischen Fähigkeiten und Fertigkeiten (Abb. 8.1). Ergotherapie in der Pädiatrie wird eingesetzt, wenn ein Kind aufgrund eines Geburtsgebrechens, einer Entwicklungsstörung, einer Krankheit oder einer Verletzung in seiner physischen, kognitiven oder sozio-emotionalen Entwicklung beeinträchtigt ist und damit die seinem Wesen entsprechende Entfaltung auf der Ebene der Handlung, Interak tion und Partizipation gefährdet ist.

Renate Pfann, Salome Kurth

9. Psychologische Aspekte

Die medizinische Behandlung von äußeren angeborenen Fehlbildungen oder von unfallbedingten Verletzungen kann für das betroffene Kind und seine Familie mit einer Reihe von psychologischen Belastungen einhergehen. Deren angemessene Berücksichtigung in modernen Behandlungskonzepten setzt den Einbezug von psychologischen Fachpersonen voraus.

Markus Landolt

10. Ästhetische Maßnahmen bei Minderjährigen – eine ethische Annäherung

Wie weit gehen mit ästhetischen Eingriffen bei Minderjährigen? Eine spannende Frage, weil zu deren Beantwortung gleich zwei große ethische Themenfelder zusammenkommen. Da ist auf der einen Seite die Spezifität des Minderjährigen, der eben eine besondere ethische Reflexion notwendig macht, eine ethische Reflexion, die nicht einfach aus der Erwachsenenmedizin auf das Kind übertragen werden kann. Und da ist auf der anderen Seite die ethische Frage nach der Vertretbarkeit ästhetischer Maßnahmen von Seiten der Medizin. Auch diese Frage stellt eine sehr komplexe dar, die nicht einfach mit Pauschalurteilen abgetan werden kann. Nähern wir uns also der Ethik ästhetischer Eingriffe bei Minderjährigen, indem wir uns sukzessive beiden benannten Themenfeldern widmen.

Giovanni Maio

11. Ethische Aspekte aus der Sicht des Klinikers

Die plastische Chirurgie umfasst Eingriffe, die sich mit der Wiederherstellung und Verbesserung der Körperform und sichtbar gestörten Funktion befassen. Sie sucht die Folge von Krankheit, Trauma und angeborenen Anomalien sowie Veränderungen, die durch regressive Vorgänge des äußeren Erscheinungsbildes entstanden sind, zu korrigieren (Lösch 1989).

G.Björn Stark, Clemens Schiestl

12. Soziokulturelle Aspekte

Von Kindern und Jugendlichen aus bildungsnahen Familien mit sozio-ökonomisch hohem Status bis zu jenen, welche in armen, beengten Verhältnissen leben – die Herkunft der jungen Patienten ist äußerst vielfältig. Gewalt, psychischer Stress und Vernachlässigung gibt es in allen Schichten. Sicher ist jedoch, dass Menschen mit Migra tionshintergrund Ressourcen, wie soziale Sicherheit und Vernetzung, Zugang zu Bildung, Gesundheit und Mit sprache oft erschwert oder gar verwehrt werden (Abb. 12.1).

Renate Pfann

13. Palliative Care

Als dieses Buch fast fertig war, ist uns aufgefallen, dass ein noch junges Gebiet der Medizin nicht angesprochen wird, das der Palliativmedizin. Dies ist für Fachgebiete, bei denen wenige Erkrankungen lebensbedrohlich sind, nicht untypisch.

Eva Bergsträsser

14. Kinderschutz

In der Kindermedizin hat das Thema Kinderschutz in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Es gibt aber immer noch große Unterschiede in den strukturellen Bedingungen in den einzelnen europäischen Ländern wie auch im deutschsprachigen Raum (Abschn. 14.3). Besonders in den Kinderkliniken hat sich viel getan, in der Schweiz und in Österreich fordert der Gesetzgeber, dass jede größere Kinderklinik eine Kinderschutzgruppe haben sollte. Damit wird der Kinderschutz von Freiwilligenarbeit zu einer festen Einrichtung und hängt nicht vom freiwilligen Engagement einzelner Mitarbeiter ab.

Clemens Schiestl, Yvonne Lenz

15. Photodokumentation

In vielen Gebieten der Chirurgie lassen sich der Ausgangsbefund und das postoperative Ergebnis eines chirurgischen Eingriffs nicht mit einer Photographie belegen. Im Gegensatz hierzu ist es in der plastischen Chirurgie meist möglich, den Ausgangsbefund, das funktionelle und auch das ästhetische Ergebnis nach einer chirurgischen Intervention durch eine Photographie zu dokumentieren. Somit ist die Photodokumentation im Rahmen der plastischen Chirurgie mit der Röntgenaufnahme im Rahmen der Traumatologie oder Orthopädie ohne weiteres zu vergleichen.

Clemens Schiestl, Gabriela Acklin, Valérie Jaquet

Chirurgische Techniken

Frontmatter

16. Wundheilung und Wundmanagement

Auf dem Gebiet der Wundbehandlung hat sich in den letzten Jahren sehr viel verändert. Die etwas profane Ansicht, dass jeder erfahrene Arzt oder jede erfahrene Pflegende auch komplexe Wunden behandeln kann, ist schon lange nicht mehr haltbar. Hinzu kommt, dass jeder sein eigenes so genanntes »Geheimrezept« für »schwierige« Wunden hatte. In den heutigen Zeiten einer evidenzbasierten Medizin ist diese Haltung nicht mehr nachvollziehbar. Wir haben in diesem Kapitel versucht, dieses »weite Feld« des Wundmanagements so zu strukturieren, dass der Leser sich einen Überblick verschaffen kann. Dieses Kapitel ist auch ein Beispiel der interprofessionellen Zusammenarbeit, so wie sie heute in vielen Kinderkliniken bei der Wundbehandlung gelebt wird, so sind die Autoren Grundlagenforscher, Pflegende und Ärzte.

Kathrin Neuhaus, Agnes S. Klar, Sophia Mirtschink, Anna-Barbara Schlüer, Clemens Schiestl

17. Narbenbehandlung

Die Narbenbehandlung bei Kindern und Jugendlichen stellt eine besondere Herausforderung in der plastischen Chirurgie dar. Zum einen haben Kinder eine wesentlich größere Tendenz hypertrophe Narben zu bilden und zum anderen kommt es bedingt durch das Wachstum wesentlich schneller zu einer Funktionseinschränkung aufgrund eine Narbe.

Ingo Königs, Clemens Schiestl

18. Spalthauttransplantation

Die Spalthauttransplantation stellt nach wie vor die wichtigste Methode zur Deckung großflächiger Hautdefekte dar.

Clemens Schiestl, Kathrin Neuhaus

19. Vollhauttransplantation

In diesem Kapitel sollen dem Leser die Grundlagen einer erfolgreichen Vollhauttransplantation von der Indikationsstellung über die Wahl des Spenderareals bis hin zu Tipps und Tricks näher gebracht werden.

Clemens Schiestl, Miriam Fattouh, Kathrin Neuhaus

20. Hautersatz – Tissue Engineering

Um in das Thema einzusteigen, bedarf es einer Begriffsklärung. Hautersatz im strengen Sinne bezieht sich auf alle Methoden zur Behandlung eines Hautdefektes, egal welcher Größe, um die einmal vorhandene Haut zu ersetzen und so die Wunde definitiv zu verschließen. Dies würde aber bedeuten, dass eine autologe Hautverpflanzung auch unter diesen Begriff fallen würde, so wie es im Englischen der Begriff »skin replacement« beinhaltet. Daher sprechen wir in diesem Kapitel von einem »modernen Hautersatz« und meinen ausschließlich die Methoden, bei denen zur Deckung des Defektes das Verfahren des Tissue Engineering zur Anwendung kommt. Diese Methoden können sowohl autologe, allogene als auch xenogene Komponenten beinhalten.

Thomas Biedermann, Ernst Reichmann, Clemens Schiestl

21. Gewebeexpansion

Die Gewebeexpansion hat sich zu einem der wichtigsten rekonstruktiven Verfahren in der plastischen Chirurgie bei Kindern und Jugendlichen entwickelt. Insbesondere in den letzten zwei Jahrzehnten hat sich dieses Verfahren vor allem in den Gebieten der Chirurgie großflächiger kongenitaler melanozytärer Nävi sowie der Rekonstruktion nach großflächigen thermischen Verletzungen im Kindesalter etabliert, während in der Erwachsenenchirurgie nach wie vor die Gewebeexpansion im Rahmen der Brustrekonstruktion das Hauptanwendungsgebiet bleibt.

Clemens Schiestl, Carolin Meyer zu Spradow, Dirk Möllmeier, Kathrin Neuhaus

22. Gestielte Lappenplastiken

Als Lappenplastiken (engl. »flap«, franz. »lambeau«) bezeichnet man die Verschiebung oder Verpflanzung von Haut oder anderem Gewebe unter Erhaltung oder Wiederherstellung einer nutritiven Blutversorgung. Im Gegensatz hierzu basiert die Einheilung von (Voll- oder Spalt-)Hauttransplantaten völlig auf deren Revaskularisation durch Angiogenese aus dem Empfängerbett. Diese beiden Grundtechniken der autologen Gewebetransposition stellen letzten Endes das Fundament allen plastisch chirurgischen Tuns dar.

G.Björn Stark, Yvonne Lenz

23. Gewebetransfer

Bereits Ende des 19. Jahrhunderts wurde über die erfolgreiche End-zu-End-Anastomose der A. carotis bei Schafen berichtet. Im Jahre 1902 beschrieb Alexis Carrel die Technik der Durchführung von Gefäßanastomosen basierend auf der Platzierung von 3 Ecknähten. Für seine bedeutsamen Arbeiten wurde ihm schließlich 1912 der Nobelpreis verliehen. Neben der Etablierung von standardisierten Techniken zur Gefäßversorgung bedurfte es weiterer Entwicklungen um mikrochirurgische Verfahren einsatzfähig zu machen. Ein Meilenstein war die Einführung des Operationsmikroskops in die klinische Praxis durch den schwedischen Otologen Nylen im Jahre 1921. Die klinische Einführung des Mikroskops in der Augenheilkunde erfolgte 1946 durch Perritt.

Arash Momeni, G.Björn Stark

24. Lasertherapie

Seit der Konstruktion des ersten Lasers durch den amerikanischen Physiker Theodore Maiman im Jahr 1960 ist diese Technologie aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Das Wort »Laser« stellt ein Akronym dar und steht für »light amplification by stimulated emission of radiation «, was mit »Lichtverstärkung durch stimulierte Emission elektromagnetischer Strahlung« übersetzt werden kann.

Martina Theiler, Juliane Quast, Laurence Imhof

Angeborene Erkrankungen des Integuments und der Weichteile

Frontmatter

25. Epidermolysis bullosa

Die Bezeichnung Epidermolysis bullosa (EB) umfasst eine Gruppe hereditärer, blasenbildender Hauterkrankungen, denen eine erhöhte Fragilität von Haut und hautnahen Schleimhäuten mit Blasenbildung bereits bei geringer mechanischer Belastung gemein ist. Die verschiedenen EB-Subtypen weisen ein breites Manifestationsspektrum auf, welches von geringfügigen, umschriebenen Hautveränderungen bis hin zu tödlichen Verlaufsformen reicht. Gemeinsames Merkmal aller EB-Formen ist der Defekt eines Strukturproteins der Epidermis oder der dermoepidermalen Junktionszone als pathophysiologisches Korrelat der mechanischen Vulnerabilität mit Abhebung der oberhalb der Spaltbildungsebene gelegenen Hautschichten bei Bagatelltraumata. Die Defektlokalisation innerhalb der Hautstratifikation bestimmt den klinischen Erscheinungstyp, wobei eine tiefer gelegene Spaltbildungsebene i. d. R. mit einer schwereren Befundausprägung einhergeht.

Florian Lampert

26. Vaskuläre Anomalien

Der Terminus »vaskuläre Anomalien« umschreibt ein großes Spektrum von Erkrankungen vom einfachen »Geburtsmal « bis hin zu einer lebensbedrohlichen Erkrankung. Die verwendete Nomenklatur zur Beschreibung vaskulärer Anomalien war über viele Jahrzehnte sehr unpräzise und verwirrend. Zahlreiche Begriffe wie »angiomas « oder »vascular birthmarks« wurden zur Beschreibung unterschiedlicher Entitäten teils vermischt, teils synonym oder auch falsch verwendet. Dies erschwerte eine zielführende Kommunikation unter Experten aus den verschiedenen Disziplinen (Pädiater, Chirurgen, Dermatologen, Radiologen, Angiologen, Ophthalmologen, Pathologen etc.) erheblich. Fehldiagnosen und konsekutiv fehlerhaftes Management waren die Folge.

Kathrin Neuhaus, Yvonne Lenz, Lisa Weibel, Jochen Rössler, Miriam Fattouh

27. Das Lymphödem

Das Lymphödem ist eine Symptombeschreibung einer chronisch-progredienten Erkrankung des Lymphgefäßsystems, bei der Lymphflüssigkeit im Interstitium akkumuliert wird und dies zu einer darauffolgenden lokalen Entzündung, Fettgewebshypertrophie und fibrosklerotischen Veränderungen führen kann. Es gibt unterschiedliche Lymphödemkombinationsformen und diese sind Folge einer Insuffizienz des Lymphgefäßsystems. Das insuffizient gewordene Lymphdrainagesystem ist nicht mehr in der Lage, die physiologischen lymphpflichtigen Lasten zu bewältigen mit der Konsequenz eines Rückstaus im Gewebe, was zu einer Schwellung führt.

Nestor Torio-Padron, Etelka Földi

28. Aplasia cutis

Bei der Aplasia cutis congenita (ACC) liegt zum Zeitpunkt der Geburt ein Fehlen von Hautarealen oder Hautschichten vor. Erstmalig beschrieben wurde sie von Cordon (Cordon 1767). Die ACC bündelt eine Gruppe von heterogenen Erscheinungsbildern. Der zur Geburt vorliegende Defekt kann unterschiedlich tief sein und alle Schichten der Haut betreffen. Es zeigen sich somit verschiedene Befunde von oberflächlichen Erosionen bis hin zu tiefen Ulzerationen. In seltenen Fällen kann sich der Defekt bis zum unterliegenden Knochen oder zur Dura erstrecken. Einige Fälle zeigen nach einer bereits intrauterin erfolgten Abheilung der Aplasia cutis zur Geburt eine abgeheilte Narbe. Bei der absoluten Mehrzahl der Patienten (>95 %) ist nur eine einzelne Lokalisation ersichtlich, dabei handelt es sich in 86 % um den Skalp (Frieden 1986), dort wiederum meist am Scheitel.

Ingo Königs

29. Kongenitale melanozytäre Nävi

Ein kongenitaler melanozytärer Nävus (Mehrzahl »Nävi«; KMN) ist ein pigmentiertes Hautmal, das bereits bei Geburt erkennbar ist oder spätestens in den ersten Lebenswochen in Erscheinung tritt. Nichtmelanozytäre Geburtsmale, z. B. epidermale Nävi und vaskuläre Malformationen, sind nicht Gegenstand dieses Kapitels.

Sven Krengel, Clemens Schiestl, Kathrin Neuhaus

Erkrankungen im Bereich des Kopfes

Frontmatter

30. Neurokranium, Viszerokranium und LKG-Spalten

Postnatal kommt es durch das nahezu exponentielle Wachstum zu einer Verdoppelung bis hin zu einer Verdreifachung des Hirnvolumens innerhalb des 1. und 2. Lebensjahres. Das Schädelwachstum erfolgt einerseits sutural, im Bereich der Schädelnähte; embryonal, im Bereich der embryonal angelegten Knorpelanteilen (enchondrale Ossifikation), v. a. im Bereich der Schädelbasis; sowie appositionell, im Bereich der Schädelkalotte (innere Resorption und äußere Apposition).

Philipp Metzler, Wanda Gnoinski, Joachim Obwegeser

31. Fehlbildungen der Lider

Die Lider haben ihre primäre Aufgabe im Schutz des Auges. Neben dem mechanischen Schutz der Bulbusoberfläche schützt die Bedeckung durch die Lider die Kornea und Konjunktiva auch vor dem Austrocknen. Durch den Lidschlag wird der Tränenfilm verteilt und die ausreichende Benetzung mit Tränenflüssigkeit aufrechterhalten. Fehlbildungen und Verletzungen der Lider sind im Kindesalter kritisch zu beurteilen und ggf. frühzeitig zu versorgen. Dies ist dem Umstand geschuldet, dass die regelrechte Entwicklung des Visus durch eine unzureichende Lidöffnung beim Neugeborenen gefährdet ist, da die Entwicklung der Sehkraft von regelrechtem visuellem Input in der sensiblen Phase der ersten vier Lebensmonate abhängig ist. Andererseits gefährdet eine zu weite Lid öffnung bzw. der inkomplette Lidschluss das Sehorgan, da hierdurch die notwendige Benetzung des Bulbus nicht gewährleistet ist und es zur kornealen Schädigung kommen kann.

Steffen U. Eisenhardt

32. Dermoidzysten

Die Dermoidzyste ist der häufigste benigne Tumor im Bereich der Orbita beim Kind. In der Regel stellt die Diagnose selten ein Problem dar. Bei dessen Entfernung ist die Präparation anspruchsvoll. Für den erfahrenen Chirurgen stellt sie eine gute »Fingerübung« dar, eignet sich aber auch sehr gut als »Teaching-Operation«.

Sophie Böttcher-Haberzeth

33. Nasendeformitäten

Die Nase stellt den zentralen Gesichtsteil dar und hat neben ihren Funktionen der Erwärmung, Reinigung und Befeuchtung der Atemluft eine wesentliche Bedeutung für das äußer liche Erscheinungsbild. Eine intakte Nasenfunktion ist für das Riechen, sowie wie für die Ausbildung von Reflexen, wie Niesen und Husten und für die Abwehr mechanismen der Schleimhaut verantwortlich. Auch bei der Bildung der Nasallaute (m, n und ng) fungieren die Nasenhaupthöhle und der Nasen-Rachen-Raum als Resonanz körper, was die gewollte Nasalität der Laute entstehen lässt.

Dusanca Jurkovic, Henning Freiherr von Gregory, Helmut Fischer, Wolfgang Gubisch

34. Angeborene Ohrdeformitäten

Morphologie Die Morphologie des Ohr es ist individuell und einzigartig und doch finden sich am normal entwickelten Ohr Erhebungen und Vertiefungen, die entsprechend anatomisch beschrieben werden können (Abb. 34.1).

Vincenzo Penna

35. Fazialisparese

Die Fazialisparese stellt eine ausgesprochen stigmatisierende Erkrankung dar und kann die gesichtsmotorische und psychosoziale Entwicklung von Kleinkindern und Adoleszenten äußerst negativ beeinflussen.

Steffen U. Eisenhardt, Holger Bannasch

Erkrankungen im Bereich des Stammes

Frontmatter

36. Trichterbrust

Die Trichterbrust (lat. Pectus excavatum) ist eine Deformität des Brustkorbes, bei der Sternum und angrenzende Rippenknorpel trichterförmig eingesunken sind. Seit Einführung der minimal-invasiven Operationsmethode durch Donald Nuss Ende der 1990er Jahre wird von Pa tienten immer häufiger die Frage nach einer operativen Korrektur ihrer Trichterbrust gestellt. Diese Entwicklung begründet sich nicht nur in der minimal-invasiven Operationsmethode, sondern spiegelt auch den heutigen Zeitgeist wider, bei dem ein makelloser Körper immer mehr zum Selbstverständnis unserer Gesellschaft gehört.

Martina Hüging

37. Kielbrust

Typisch bei einer Kielbrust (lat. Pectus carinatum ) ist das Vorstehen des Sternums. Besteht zusätzlich noch eine Torsion kommt es zum Hervortreten der sternokostalen Uebergänge und somit zu einer asymmetrischen Deformität. Ein Pectus carinatum macht ca. 10–15 % aller Thoraxwandfehlbildungen aus. In seltenen Fällen besteht eine Kombination von Kiel- und Trichterbrust. Ein Pectus carinatum tritt etwa 3-mal häufiger beim männlichen als beim weiblichen Geschlecht auf. Die Kielbrust kann familiär gehäuft auftreten. Bis zu 25 % der Patienten haben eine positive Familienanamnese (Shamberger 1993). Ein dysproportionales Wachstum des Rippenknorpels bedingt durch eine Knorpelaufbaustörung wird heute als ursächlichen Grund für die Entwicklung einer Kielbrust angesehen. Die Ätiologie ist jedoch nicht eindeutige geklärt.

Guido Baumgartner

38. Poland-Syndrom

Das Poland-Syndrom ist eine seltene kongenitale Fehlbildung mit sehr unterschiedlichen klinischen Manifestations- bzw. Ausprägungsformen. Dieses Syndrom kann von einer isolierten Hypoplasie bzw. Aplasie der Brust sowie des Mamillen-Areolen-Komplexes bis zu einer Beteiligung des Musculus pectoralis major und minor, mehrerer Rippenknorpel sowie einer Brachysyndaktylie variieren (. Abb. 38.1). In seltenen Fällen können auch kraniofa ziale, urogenitale, kardiovaskuläre sowie vertebrale Anomalien vorliegen. Das Vorhandensein aller dieser Merkmale bei einem Individuum ist als eine absolute Rarität zu bezeichnen. Die Fehlbildungen treten ausschließlich unilateral auf. Sie wurden erstmalig durch Lallemand im Jahr 1826 benannt, jedoch war Alfred Poland, damals Medizinstudent und späterer Anatom, derjenige der 1841 dieses Syndrom genauer beschrieb (Poland 1841).

Nestor Torio-Padron, Ziad Kalash

39. Gynäkomastie

Die Gynäkomastie (griechisch γυνή (gynä) = Frau und μαστός (mastos) = Brust) wurde erstmalig von Galen im 2. Jhd. vor Christus beschrieben. Es handelt sich hierbei um eine gutartige Zunahme an Drüsengewebe und/oder Fettgewebe in der männlichen Brust. Physiologisch tritt die Gynäkomastie temporär nach der Geburt aufgrund zirkulierender Östrogene auf. Ein weiterer Inzidenzanstieg findet sich in der Pubertät und im höheren Alter (>65. Lebensjahr). Ursächlich ist meist eine hormonelle Dysbalance zugunsten des Östrogens. Im Jugendalter kommt es bei bis zu 66 % zur Entwicklung einer Gynäkomastie, die sich in der Regel komplett zurückbildet.

Nestor Torio-Padron

Erkrankungen der oberen Extremität

Frontmatter

40. Plexusparese

Die Plexusparese der oberen Extremität zeichnet sich durch variable neurologische Symptomatik in Abhängigkeit der genauen Lokalisation des Schadens im Plexus brachialis aus, wobei Läsionen intrathekal, aber auch im weiteren Verlauf der Fasern bis zu den infraklavikulären Endästen des Plexus brachialis auftreten können. Aus dem Nervengeflecht gehen die Arm und Hand versorgenden Nn. musculocutaneus, axillaris, ulnaris, medianus und radialis als Endäste hervor. Bereits vor der Aufspaltung in die Endäste gehen Nerven ab, die die Schulter- und Rumpfmuskulatur versorgen und die Stabilität von Skapula und Schultergelenk gewährleisten. . Abb. 40.1 zeigt die Standardanatomie. Es existieren zahlreiche anatomische Varianten im Bereich des Plexus brachialis von der prä- und postfixen Anlage über die Trunci und Faszikel bis hinein in die Endäste. Die Symptomatik der Plexusparese zeigt dynamische Aspekte, da bei mangelnder Regeneration die neurologischen und neuroorthopädischen Folgen der Denervation über Monate hinweg eintreten.

Christian Hagemann

41. Fehlbildungen der oberen Extremität

Die Geburt eines Kindes mit Handfehlbildungen kann für Familien sehr belastend sein. Bereits während der ersten Lebenstage oder gar während der pränatalen Diagnostik müssen sich die Eltern damit auseinandersetzen, dass ihr Kind nicht »perfekt« ist und oft auch chirurgischer Korrekturen bedarf. Die Komplexität einer Fehlbildung und die Belastung der Familie korrelieren nicht. Es ist sogar so, dass die psychologische Entwicklung von Jugendlichen mit komplexen, nicht vollständig korrigierbaren Fehlbildungen meist mindestens gleich gut ist wie diejenige von gesunden Gleichaltrigen. Im Gegensatz dazu sind Jugendliche mit weniger schweren, korrigierbaren Fehlbildungen, zum Beispiel Syndaktylien, dadurch trotz erfolgreicher Operation häufiger psychologisch beeinträchtigt (Andersson u. Gillberg et al. 2011). Daher ist es wichtig, dass sich handchirurgische Behandlungsteams nicht nur für die Korrektur der Hand verantwortlich fühlen, sondern sich für die vielschichtigen Herausforderungen von Familien und Kindern mit Handfehlbildungen interessieren und wo notwendig Hilfe anbieten oder vermitteln.

Daniel Weber

42. Verletzungen der Hand

Zu den typischen Verletzungsmustern der kindlichen Hand zählen vor allem Quetschverletzungen der Finger, wobei Nagelbett verletzungen mit evtl. zusätzlich vorliegenden Nagelkranzfrakturen durch zuschlagende Hausoder Autotüren v. a. bei Kleinkindern häufig auftreten. Mit zunehmendem Alter häufen sich aufgrund gesteigerter sportlicher Betätigung auch Frakturen der Finger, der Mittelhand sowie der Handwurzelknochen. Obwohl sich die Anamnese und die Erfragung des Unfallhergangs bei Schulkindern und Jugendlichen sehr viel einfacher gestaltet als bei Kleinkindern, bleiben insbesondere Frakturen der Handwurzelknochen, wie z. B. des Skaphoids, auch bei älteren Kindern gelegentlich unentdeckt.

Alba Fricke, Filip Simunovic, Horst Zajonc

Thermische und traumatische Verletzungen, Infektionen und Tumor chirurgie von Haut und Weichteilen

Frontmatter

43. Thermische Verletzungen

Die moderne chirurgische Therapie einer thermischen Verletzung eines Kindes oder eines Jugendlichen ist im Gegensatz zu vor 20 Jahren heute wesentlich differenzierter, insbesondere auch in Hinblick auf die verschiedenen Altersgruppen und die Verletzungsformen.

Clemens Schiestl, Veronica Cortes, Liv Mahrer, Kathrin Neuhaus

44. Traumatische Weichteildefekte

Als Weichteile werden das Skelett umkleidende und be deckende Gewebe wie Haut, Fett, Muskulatur, Sehnen etc. bezeichnet. Traumatische Weichteildefekte können je nach Ausmaß von banalen oberflächlichen Verletzungen, offenen Frakturen mit Weichteilschädigungen bis hin zu subtotalen oder vollständigen Amputationen reichen. Eine Defektverletzung stellt eine Verletzung mit Substanzverlust dar. Sonderfälle sind Avulsionsverletzungen, Bissverletzungen und Skalpierungsverletzungen.

Georgios Koulaxouzidis, Holger Bannasch, Sophie Böttcher-Haberzeth

45. Infektionen der Haut und Weichteile

In diesem Kapitel werden die Veränderungen der Haut und Weichteile im Rahmen von Infektionen abgehandelt. In schwerwiegenden Fällen kann es hierbei zu ausgedehnten Haut- und Weichteilnekrosen kommen, bei denen dann oftmals der plastische Chirurg oder Kinderchirurg Teil eines multidisziplinären Teams ist, jedoch nicht fall führend. Diese Patienten sind im fulminant ver laufenden Anfangsstadium intensivmedizinpflichtig. Viele dieser Situationen stellen eine große Herausforderung an das gesamte Behandlungsteam dar, aber auch insbesondere an den Chirurgen, der den richtigen Moment erkennen muss, in dem er oder sie von der »noch« abwartenden Haltung (»wait and see«, nicht »wait and sleep«) in eine aktive, oft beherzt-aggressive chirurgische Strategie übergeht.

Kathrin Neuhaus, Carolin Oliveira, Clemens Schiestl

46. Weichteiltumoren

In diesem Kapitel werden die Grundzüge der Weichteiltumorchirurgie bei Kindern primär aus plastisch-chirurgischer Sicht dargestellt. Epidemiologie, Klassifikation und Diagnostik werden auch unter kurzer Darstellung einiger kindestypischer Tumoren mit benigner und intermediärer Dignität besprochen. Der Hauptfokus liegt auf der onkochirurgischen und plastisch-rekonstruktiven Behandlung von Weichteilsarkomen an den Extremitäten. Die wesentlichen Prinzipien der interdisziplinären und multimodalen Behandlung werden erläutert.

Holger Bannasch, Christian Flotho, Georgios Koulaxouzidis

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