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24.01.2023 | Pneumothorax | Nachrichten

Nach Trauma

Geht es bei kleinem Pneumothorax auch ohne Drain?

verfasst von: Dr. Elke Oberhofer

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Bei ausgewählten Patienten mit geringgradigem traumatischem Pneumothorax ist ein beobachtendes Vorgehen möglicherweise von Vorteil. Darauf deuten die Ergebnisse einer kleinen Vergleichsstudie aus Kalifornien hin. Teilnehmende, die keine Thoraxdrainage erhalten hatten, konnten darin deutlich früher entlassen werden.

Das Wichtigste in Kürze zu dieser Studie finden Sie am Ende des Artikels.

Profitieren Patienten mit einem geringgradig ausgeprägten traumatisch bedingten Pneumothorax von einer abwartenden Strategie? Unter dieser Fragstellung hat ein Team der UCSF East Bay im kalifornischen Oakland insgesamt 73 Betroffene mit kleinem unilateralem Pneumothorax in einer retrospektiven Studie untersucht. 39 wurden rein konservativ behandelt, bei den übrigen wurde eine Thoraxdrainage (24 bis 32 French) angelegt. Die Ausgangskriterien, insbesondere die Verletzungsschwere, waren bei allen Beteiligten in etwa gleich. Im Röntgen betrug die Größe des Pneumothorax median 18 mm (Abstand von der Lungenspitze bis zur Thoraxkuppel), mit keinem signifikanten Unterschied zwischen den Gruppen, im CT wurden median 25 bzw. 37 mm gemessen. Patienten mit Hämatothorax und solche, die beatmet werden mussten und/oder intensivpflichtig waren, hatten Dr. Kian Banks und seine Mitforschenden ausgeschlossen.

Klinikaufenthalt um zwei Tage verkürzt

Als primären Endpunkt hatte das Team die Dauer des Klinikaufenthalts festgelegt. Diese war in der Gruppe ohne Drainage deutlich kürzer, und zwar um gut zwei Tage (median 3,6 gegenüber 5,8 Tage). In einer Analyse mit mehreren Variablen war das Anlegen einer Thoraxdrainage signifikant mit der Liegedauer assoziiert, nicht aber die Größe des Pneumothorax in Röntgen oder CT. Daraus schließen die Autoren, dass „ein im Röntgen als klein beurteilter Pneumothorax möglicherweise keine Drainage erfordert, unabhängig vom Messwert im CT“.

In beiden Gruppen hatte es jeweils einen Fall gegeben, in dem das jeweilige Vorgehen nicht erfolgreich war:

  • In der Beobachtungsgruppe hatte ein Patient ein subkutanes Emphysem entwickelt, das sich innerhalb von 18 Stunden zunehmend verschlechterte. Die Ärzte hatten daraufhin doch eine Drainage gelegt, der Verlauf war im Weiteren komplikationsfrei.
  • In der Gruppe mit primärer Drainage war es zu einem Empyem gekommen, welches eine thorakoskopische Dekortikation erforderte.

Komplikationen verhindert

Nach Banks und seinen Kollegen legen die Befunde das Fazit nahe, „dass ein beobachtendes Vorgehen bei kleinen traumatischen Pneumothoraces eine sichere Behandlungsstrategie sein kann“. Mögliche Komplikationen der Thoraxdrainage könnten auf diese Weise verhindert werden. Der um fast zwei Tage verkürzte Klinikaufenthalt spreche ebenfalls für das abwartende Vorgehen, ebenso wie die Kosteneffizienz.

Das Team weist darauf hin, dass alle Teilnehmenden mindestens einen Tag lang stationär behandelt wurden, mit jeweils einem abschließenden Röntgenbild. Wie lange man die Betroffenen bei konservativem Vorgehen jedoch optimalerweise beobachten sollte, sei nach wie vor unklar. Ein standardisiertes Protokoll habe es in der Studie nicht gegeben.

Das Wichtigste in Kürze

Frage: Ist ein abwartendes Vorgehen bei ausgewählten Patienten mit kleinem traumatisch bedingtem Pneumothorax der Anlage einer Thoraxdrainage überlegen?

Antwort: In einer kleinen retrospektiven US-Studie war die Dauer des Klinikaufenthalts in der abwartend behandelten Gruppe median um zwei Tage kürzer. In beiden Gruppen hatte es jeweils einen Fall eines Therapieversagens gegeben. Dabei war der Verlauf bei dem primär thorakotomierten Patienten deutlich schwerer.

Bedeutung: Das abwartende Vorgehen könnte in ausgewählten Fällen eine komplikationsarme Alternative zur Thoraxdrainage sein.

Einschränkung: Kleine retrospektive Studie; kurze Nachbeobachtung; Schwerverletzte ausgeschlossen; keine kleinlumigen Katheter für die Thoraxdrainage verwendet; kein standardisiertes Entlassungsprotokoll; Dauer der Überwachung bleibt unklar.

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Literatur

Banks KC et al. Comparison of outcomes between observation and tube thoracostomy for small traumatic pneumothoraces. Am J Emerg Med 2023; https://doi.org/10.1016/j.ajem.2023.01.017

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