Update Post-COVID-19 in der ambulanten Versorgung
Interaktiver Fall zur S1-Leitlinie Post-COVID/Long-COVID
- 07.09.2022
- Post-COVID
- CME-Kurs
Long-/Post-COVID ist ein neues, komplexes Krankheitsbild. Die Zahl der Betroffenen nimmt stetig zu, das Wissen über Epidemiologie, Pathogenese, Diagnose und Therapie ist jedoch noch sehr lückenhaft. Epidemiologische Untersuchungen in Deutschland weisen eine Häufigkeit von ca. 6% nach SARS-CoV-2-Infektion aus. Dabei ist die Gefahr nach Infektion mit den neuen Varianten, z. B. Omikron, niedriger als z. B. bei den Delta-Infektionen. Durch die hohe absolute Zahl an Infektionen ist jedoch mit einer großen Zahl an Long-/Post-COVID-Patienten zu rechnen.
Als Long-COVID werden gesundheitliche Beeinträchtigungen ab vier Wochen nach einer SARS-CoV-2-Infektion bezeichnet, als Post-COVID-Syndrom ab 12 Wochen. Die Symptome umfassen fortbestehende, ebenso wie neue gesundheitliche Einschränkungen oder die Verschlechterung einer vorbestehenden Grunderkrankung nach einer COVID-19-Erkrankung. Die Pathogenese ist vermutlich multifaktoriell. Als entscheidende Faktoren gelten Viruspersistenz bzw. Persistenz von Virusbestandteilen (z. B. Spikeproteine), andauernde Entzündungsreaktionen bzw. Autoimmunreaktionen, Gefäßveränderungen sowie mögliche psychosomatische Komponenten.
Die bisher bekannten häufigsten Symptome sind Fatigue mit und ohne Dyspnoe, Leistungseinschränkungen, Kopfschmerzen und Riech- sowie Schmeckstörungen, allerdings kann insgesamt eine Vielzahl physischer, psychischer und kognitiver Beschwerden auftreten. Für die Diagnose gibt es bislang keine verlässlichen Marker oder Untersuchungsergebnisse, weder auffällige noch unauffällige Laborwerte sind dafür wegweisend. Das Post-COVID-Syndrom ist daher eine Ausschlussdiagnose. Auch kausale Therapien fehlen bislang. Empfohlen wird eine symptomorientierte, multimodale Behandlung.
Eine zentrale Rolle nimmt die hausärztliche-allgemeinmedizinische Versorgung bei der Betreuung, interdisziplinären Koordination und Kommunikation ein. Eines der Ziele ist, sowohl die Über- als auch die Unterversorgung zu verhindern. Bei auffälligen Befunden oder Warnhinweisen sollte eine ambulante fachärztlich-spezialisierte Mitbetreuung erwogen werden, falls möglich auch in einer spezialisierten Post-COVID-Ambulanz.
Durch das Post-COVID-Syndrom könnte das Gesundheitssystem dauerhaft stark belastet werden, was einen deutlichen ökonomischen Schaden nach sich ziehen kann.
Die S1-Leitlinie dient als Leitfaden, um trotz der begrenzten Datenlage klinisch-praktische Orientierung zu geben. In diesem Online-Kurs wird sie an einem Fallbeispiel erläutert. Das Thema Post-COVID bei Kindern und Jugendlichen wird hier nicht behandelt.
Wenn Sie diese Lerneinheit beendet haben, kennen Sie ...
- die wichtigsten Aussagen der S1-Leitlinie,
- die aktuell empfohlenen Diagnose- und Therapieansätze,
- den Algorithmus zum hausärztlich-allgemeinmedizinischen Vorgehen.
Die Bayerische Landesärztekammer vergibt für diese Fortbildungseinheit der Kategorie I 4 Fortbildungspunkte. Die Fortbildung ist damit auch für andere Ärztekammern anerkennungsfähig. Anerkennung in Österreich: Für das Diplom-Fortbildungs-Programm (DFP) werden die von deutschen Landesärztekammern anerkannten Fortbildungspunkte aufgrund der Gleichwertigkeit im gleichen Umfang als DFP-Punkte anerkannt [§ 14, Abschnitt 1, Verordnung über ärztliche Fortbildung, Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) 2013].