Zum Inhalt

„Moral injury“ bei kriegstraumatisierten deutschen Bundeswehrsoldaten

Wirksamkeit der wertebasierten kognitiv-behavioralen Gruppentherapie

Erschienen in:

Zusammenfassung

Hintergrund

Die Verletzung innerer Werteorientierungen, moralischer Überzeugungen und Erwartungen kann zu einer tiefgreifenden moralischen Erschütterung, der „moral injury“ (MI), führen. Diese MI verursachen im Rahmen der kriegsbedingten Traumatisierungen bei Soldaten einen hohen Leidensdruck, der oft mit starken Schamgefühlen einhergeht. Die Therapie der MI wurde bisher bei traumatisierten deutschen Soldaten nicht untersucht.

Fragestellung

Die vorliegende Pilotstudie untersucht die Wirksamkeit einer wertebasierten kognitiv-behavioralen Gruppentherapie auf das Coping-Verhalten von Scham im Zusammenhang mit kriegsbedingter MI.

Material und Methode

Es wurden 21 Soldaten mit MI und chronischer posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) im Rahmen einer 3‑wöchigen, stationären, halbstandardisierten Gruppentherapie behandelt. Die Soldaten wurden vor (t1) und nach (t2) der Intervention sowie nach 3 Monaten (t3) hinsichtlich ihrer Coping-Strategien für maladaptives Schamerleben mit der Compass of Shame Scale (COSS) untersucht. Der Fokus der Therapie lag auf einem wertebasierten Ansatz in Verbindung mit gezielter Entwicklung von „compassionate imagery“.

Ergebnisse

Die maladaptiven Coping-Strategien „attack other“, „attack self“ sowie „withdrawal“ im COSS zeigen nach der wertebasierten kognitiv-behavioralen Gruppentherapie eine Veränderung in Richtung eines funktionaleren Umgangs mit Schamerleben bei kriegsbedingter MI. Die psychische Gesamtbelastung sinkt unmittelbar nach der Therapie signifikant. Die depressive Begleitsymptomatik zeigt unter der Therapie positive Veränderungstendenzen.

Schlussfolgerung

Die wertebasierte kognitiv-behaviorale Gruppentherapie könnte in Zukunft eine wertvolle Erweiterung des Versorgungsangebotes für chronisch kriegstraumatisierte Soldaten mit speziellen moralischen Verletzungen darstellen.
Titel
„Moral injury“ bei kriegstraumatisierten deutschen Bundeswehrsoldaten
Wirksamkeit der wertebasierten kognitiv-behavioralen Gruppentherapie
Verfasst von
Dr. Christina Alliger-Horn
Isabel Hessenbruch
Christian Fischer
Thomas Thiel
Alexander Varn
Gerd Willmund
Peter Zimmermann
Publikationsdatum
24.04.2018
Verlag
Springer Medizin
Erschienen in
Die Psychotherapie / Ausgabe 4/2018
Print ISSN: 2731-7161
Elektronische ISSN: 2731-717X
DOI
https://doi.org/10.1007/s00278-018-0287-z
Dieser Inhalt ist nur sichtbar, wenn du eingeloggt bist und die entsprechende Berechtigung hast.
Dieser Inhalt ist nur sichtbar, wenn du eingeloggt bist und die entsprechende Berechtigung hast.

Neu im Fachgebiet Psychiatrie

Burn-out unter Hausarztinnen und Hausärzten gefährdet die Primärversorgung

Sich ausgebrannt zu fühlen kann nicht nur der eigenen Gesundheit schaden. Vielmehr führt der Burn-out oft zum ärztlichen Exit und bringt damit auch die Stabilität der medizinischen Versorgung ins Wanken, wie eine Studie zeigt.

Clozapin schon nach dem ersten Therapieversagen?

Sprechen Menschen mit einer ersten psychotischen Episode auf eine Standardtherapie nicht an, könnte sich ein früher Wechsel auf Clozapin lohnen. Damit war die Ansprechrate in einer kontrollierten Studie rund doppelt so hoch wie beim Wechsel auf Olanzapin oder Amisulprid.

Steaks gegen Alzheimer

  • 02.04.2026
  • Demenz
  • Nachrichten

Da schmeckt das Rinderfilet gleich doppelt so gut: Fleisch beugt einer aktuellen Studie zufolge einer Demenz vor. Allerdings gilt das nur für ApoE4-Träger. Diese haben sich im Laufe der Evolution offenbar an einen hohen Fleischkonsum angepasst – und brauchen ihre Steak-Rationen.

Residuelle Tagesschläfrigkeit trotz guter Compliance

Dass Tagesschläfrigkeit (EDS) nicht zwingend ein Compliance‑Problem ist und selbst umfangreiche Therapieversuche an Grenzen stoßen können, zeigt der auf dem DGP‑Kongress vorgestellte Fall eines 50‑jährigen LKW‑Fahrers. Letztendlich gab der Mann seinen Beruf auf und benötigte weitere Therapien.

Bildnachweise
Erschöpfter Mann am Arbeitsplatz/© filadendron / Getty Images / iStock (Symbolbild mit Fotomodell), Erschöpfter Mann im LKW/© Africa Studio / stock.adobe.com (Symbolbild mit Fotomodell)