Trauma durch Herzereignis – wie weiter?
- Open Access
- 15.08.2025
- Posttraumatische Belastungsstörung
- Schwerpunkt: Psycho-Somatik – Übersichten
Zusammenfassung
Grundlagen
Warum kann ein Herzereignis traumatisieren?
Was sind die spezifischen Symptome der KI-PTBS?
Kriterium | DSM-5 (APA 2013) | ICD-10 (2019) | KI-PTBS-spezifische Merkmale | |
|---|---|---|---|---|
A. | Traumaexposition | Konfrontation mit tatsächlichem oder drohendem Tod, ernsthafter Verletzung oder sexueller Gewalt (direkt, indirekt oder als Zeuge) | Ein außergewöhnlich bedrohliches oder katastrophales Ereignis, das nahezu bei jedem tiefgreifende Verzweiflung auslösen würde | Kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkt, Reanimation, Defibrillatorschocks als Traumaquelle |
B. | Wiedererleben (Intrusionen) | Wiederkehrende, belastende Erinnerungen, Flashbacks, Albträume, emotionale oder physiologische Reaktionen auf Traumaerinnerungen | Andauernde Erinnerungen oder Wiederinszenierungen des Traumas in Form von Flashbacks oder Albträumen | Häufig zukunftsgerichtete Intrusionen („Flashforwards“): Ängste vor einem erneuten kardialen Ereignis, Vorstellung eines plötzlichen Herztods |
C. | Vermeidung | Vermeidung traumaassoziierter Gedanken, Gefühle oder externer Reize | Anhaltende Vermeidung von Reizen, die an das Trauma erinnern | Vermeidung gesundheitsrelevanter Aktivitäten, z. B. Sport, ärztliche Kontrollen, Medikamenteneinnahme, da sie als Trigger empfunden werden |
D. | Negative Veränderungen in Kognition und Stimmung | Negative Gedanken/Gefühle, Schuldgefühle, Entfremdung, verminderte positive Emotionen, Gedächtnislücken bezüglich des Traumas | Nicht explizit enthalten, jedoch emotionale Taubheit und soziale Rückzugstendenzen erwähnt | Katastrophisierende Gedanken über die eigene Gesundheit, Angst vor völliger Hilflosigkeit, depressive Verstimmung durch anhaltende Bedrohungswahrnehmung |
E. | Erhöhtes Erregungsniveau (Hyperarousal) | Reizbarkeit, Wutausbrüche, übermäßige Wachsamkeit, starke Schreckreaktionen, Konzentrationsprobleme, Schlafstörungen | Anhaltende Symptome von erhöhter psychischer Sensibilität und Erregung mit Schlafproblemen, Reizbarkeit und Hypervigilanz | Dauerhafte kardiovaskuläre Hyperarousal-Symptome (z. B. Herzrasen, Brustschmerzen), die als erneute Herzprobleme fehlinterpretiert werden |
F. | Dauer der Symptome | Symptome bestehen länger als einen Monat | Symptome treten innerhalb von 6 Monaten nach dem Trauma auf und dauern länger als einen Monat | Symptome können chronischer verlaufen, da die Bedrohung als anhaltend erlebt wird |
G. | Beeinträchtigung | Klinisch bedeutsames Leiden oder Einschränkungen in sozialen, beruflichen oder anderen Lebensbereichen | Erhebliche Beeinträchtigung in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Lebensbereichen | Einschränkungen in Alltag und Beruf durch Vermeidungsverhalten und körperliche Symptome, häufige Arztbesuche |
H. | Ausschluss anderer Ursachen | Symptome sind nicht durch Substanzen, Medikamente oder andere psychische Störungen erklärbar | Keine alternative Erklärung durch eine andere psychische Störung oder organische Ursache | Abgrenzung zu primären kardiologischen Erkrankungen notwendig (z. B. Panikattacken vs. echte kardiale Symptome) |
Wie hängt die PTBS mit der kardiovaskulären Gesundheit zusammen – Pathophysiologie?
Wie häufig tritt eine KI-PTBS auf?
Bereiche in der kardiovaskulären Medizin | Ereignis/Erkrankung | KI-PTBS-Prävalenz |
|---|---|---|
Akute Herzereignisse | Akutes Koronarsyndrom (ACS) | 4–12 % (Edmondson et al. 2013a)
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Kardiopulmonale Reanimation (nach Herzstillstand) | 20–38 % (Yaow et al. 2022) | |
Schlaganfall/transitorische ischämische Attacke (TIA) | 13–23 % (Edmondson et al. 2013) | |
Spontane Koronardissektion („spontaneous coronary artery dissection“, SCAD) | 28 % (Johnson et al. 2020) | |
Eingriffe (Operationen und Transplantationen) | Koronare Bypass-Operation | 8–44 % (Rawashdeh et al. 2021) |
Herztransplantation | 13,5 % (Loh et al. 2020) | |
Unterstützungssystem | Implantierbarer Kardioverter-Defibrillator (ICD) | |
Angehörige | Angehörige von Patienten mit ventrikulärem Unterstützungssystem (VAD) | 23 % (Weerahandi et al. 2017) |
Angehörige von Überlebenden eines Herzstillstands | 35 % (Presciutti et al. 2021) | |
Eltern von Kindern mit angeborenen Herzfehlern | Bis zu 30 % (Meentken et al. 2017) |
Wie kann eine KI-PTBS diagnostiziert werden?
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„Wie hoch war Ihre Angst während des Ereignisses auf einer Skala von 0–10, wenn 10 maximale Angst bedeutet?“
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„Wie hilflos fühlten Sie sich während des Ereignisses auf einer Skala von 0–10, wenn 10 maximal hilflos bedeutet.“
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„Wie stark waren Ihre Schmerzen während es Ereignisses auf einer Skala von 0–10, wenn 10 maximale Schmerzen bedeuten.“
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Albträume darüber hatten oder sich ungewollt daran erinnern mussten?
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sich bewusst bemüht haben, nicht daran zu denken, oder Situationen vermieden haben, die Sie daran erinnern?
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sich ständig auf der Hut gefühlt, schreckhaft oder überwachsam waren?
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sich taub oder von Menschen, Aktivitäten oder Ihrer Umgebung distanziert gefühlt haben?
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sich schuldig gefühlt oder sich selbst oder anderen die Schuld für Ihre Herzerkrankung oder deren Folgen gegeben haben?
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Auch eine Nonadhärenz von Patient:innen kann als Folge einer KI-PTBS resultieren.
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Das Verweigern von Medikamenten, der Abbruch einer kardialen Rehabilitation, unregelmässige körperliche Untersuchungen oder unzureichende weiterführende Behandlungen können im Rahmen einer KI-PTBS vorkommen und sollten diagnostisch mitberücksichtigt werden.
Therapeutische Implikationen
Frühe Interventionen
Traumafokussiert interventieren
Medikamentöse Empfehlungen
Ausblick
Forschungsbedarf
Implikationen für die klinische Praxis
Fazit für die Praxis
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Die kardial-induzierte posttraumatische Belastungsstörung (KI-PTBS) weist im Vergleich zur klassischen PTBS besondere Merkmale auf, insbesondere in Bezug auf die empfundene Bedrohung, die Art der Intrusionen, das Vermeidungsverhalten und die Interpretation körperlicher Symptome.
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Die Prävalenzen von KI-PTBS variieren stark zwischen 4 % und 44 %. Eine KI-PTBS kann in unterschiedlichen Bereichen der kardiovaskulären Medizin auftreten – Angehörige sind häufig mitbetroffen.
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Die PTBS stellt nicht nur einen Risikofaktor für die Entwicklung kardiovaskulärer Erkrankungen dar, sondern verschlechtert auch maßgeblich den Verlauf und die Prognose bei bereits bestehenden Herzerkrankungen.
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Die Diagnose einer KI-PTBS ist besonders herausfordernd, da die bestehenden diagnostischen Instrumente ursprünglich für klassische PTBS konzipiert wurden.
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Traumafokussierte und achtsamkeitsbasierte Interventionen sind vielversprechende Therapieoptionen für KI-PTBS.
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Der Einbezug von Angehörigen und die Entwicklung geeigneter Diagnoseinstrumente sollten in zukünftigen Studien untersucht werden.