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17.02.2021 | Praxismanagement in der Zahnmedizin | Nachrichten

Die ePA ist da: Was Zahnarztpraxen wissen sollten

Die Einführung der ePA bringt nicht nur Vorteile für Patientinnen und Patienten, sondern auch für das deutsche Gesundheitssystem insgesamt, da sich Informationen schneller austauschen, Prozesse effizienter gestalten und sich im Ergebnis die Qualität der medizinischen Versorgung deutlich verbessern lassen. 

Das klingt erstmal gut – doch gibt es dabei einen Haken? Zu den Nachteilen der ePA gehört ganz klar die auf einer zentralen Architektur beruhende Datenhaltung, die weit hinter dem zurückbleibt, was technisch möglich wäre. Der Hintergrund: Die den ePA-Anwendungen zugrunde liegende Telematik-Infrastruktur (TI) wird seit über 20 Jahren spezifiziert, viele ihrer fundamentalen Basistechnologien wurden seitdem nicht mehr diskutiert und beruhen auf der korrekten Einhaltung von Regeln, die Dienstleister, Konnektoren-Hersteller und ePA-Anbieter festlegen und deren Einhaltung aufwändig überwachen müssen.

Die Telematik-Infrastruktur verknüpft gesundheitsrelevante Daten der Patientinnen und Patienten und speichert sie auf Server-Systemen, die außerhalb der Kontrolle des Nutzers liegen. Das ist datenschutzrechtlich fragwürdig: Auf zentralen Servern können persönliche Daten wesentlich leichter gestohlen werden, da Hacker klare Ziele haben, die sie angreifen können. Zudem liegt die Datenhoheit nicht bei den Nutzerinnen und Nutzern, sondern bei der verwaltenden Organisation. Gerade bei hochsensiblen Gesundheitsdaten ist das langfristig nicht der richtige Weg.

Die ePA in der Zahnarztpraxis: Jetzt vorbereiten
Was bedeuten diese technischen Rahmenbedingungen künftig für die Zahnarztpraxen? Die zentralen Punkte zur ePA sind im Patientendaten-Schutzgesetz verankert. Fest steht: Die Krankenkassen sind verpflichtet, ihren Versicherten ab dem 01. Januar 2021 eine elektronische Patientenakte (ePA) anzubieten. Diese muss jedoch erst noch mit Patientendaten befüllt werden. Deshalb haben die Patientinnen und Patienten einen Anspruch darauf, dass die Ärztinnen und Ärzte ihre medizinischen Daten aus dem aktuellen Behandlungskontext auf Wunsch in die ePA überführen. Dafür bekommen die Ärzte und Krankenhäuser, die die ePA erstmals mit Daten befüllen, 10 Euro.

Wichtig ist für die Praxen insbesondere, dass sie bis zum 30. Juni 2021 startbereit sein müssen, diesen Prozess umzusetzen, denn andernfalls drohen ihnen Sanktionen von einem Prozent Honorarabzug. Deshalb empfiehlt die Kassenärztliche Bundesvereinigung, dass sich die Verantwortlichen ab Beginn des Jahres bei ihrem Konnektoren-Hersteller um ein Update bemühen, um die Patientenakte pünktlich befüllen zu können. Auch für die Unterstützung der Versicherten für die darauffolgende Verwaltung der ePA erhalten Ärztinnen und Ärzte eine Vergütung, deren Höhe jedoch noch zwischen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und den Krankenkassen verhandelt wird. Das Speichern der Daten wird dann weiter ausgeweitet: Ab dem 01. Januar 2022 soll das strukturierte Speichern des Zahn-Bonusheftes, von Befunden, Röntgenbildern und weiteren Daten möglich sein. Vorher funktioniert das Speichern zwar auch, aber in einer “ungeordneten” Form.

Die Patienten sollen die Hoheit über ihre Daten behalten, die Nutzung der digitalen Patientenakte für die Versicherten ist vollständig freiwillig. Sie entscheiden selbst, welche Daten gespeichert werden dürfen, ab dem 01. Januar 2022 soll das auch mit einzelnen Dokumenten wie Befunden funktionieren, ab 2022 sollen auch die Daten bei einem Krankenkassenwechsel übertragen werden können. Für die Umsetzung von elektronischen Rezepten soll es ab Mitte 2021 eine App geben, mit der sich Patientinnen und Patienten E-Rezepte direkt auf dem Smartphone anzeigen lassen und in einer selbst gewählten Apotheke einlösen können.

Vermeidbarer Verwaltungsaufwand für die Praxen
Mit der ePA ist einiges an bürokratischem Aufwand verbunden – auch für die Zahnarztpraxen, wie die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) kritisierte. In einer Stellungnahme zum Gesetzentwurf bemängelte diese vor allem die zahlreichen bürokratischen Lasten für Zahnärztinnen und Zahnärzte, die mit dem Patientendaten-Schutz-Gesetz verbunden sind. Positiv bewertet wurde die Tatsache, dass die Verantwortung der Arztpraxen nur die Installationen der IT in der Praxis betrifft und somit am Konnektor endet. Denn das Missachten von Mängeln kann teuer werden: Die Betreiber von Diensten und Komponenten der Telematikinfrastruktur sind verpflichtet, bei Störungen oder Sicherheitsmängeln umgehend der Gematik Bescheid zu geben, ansonsten droht ein Bußgeld von bis zu 300.000 Euro.

Die Einführung der ePA kann nur der erste Schritt sein
Diese Ausführungen zeigen: Auch wenn die ePA ein richtiger und wichtiger Schritt zur Digitalisierung des Gesundheitswesens ist, gibt es noch einiges zu verbessern. Dabei kann die ePA zum Beispiel von der Corona-Warn-App lernen. Denn nachdem die App zunächst ebenfalls auf Basis einer zentralen Infrastruktur geplant war, wurde nach Kritik am Datenschutz auf eine dezentrale Lösung umgestellt.

Auch bei einer künftigen Weiterentwicklung der ePA sollte deshalb ein dezentraler Ansatz unbedingt in Erwägung gezogen werden. Dieser verschiebt alle Daten in den Informationsraum der Patientinnen und Patienten und übergibt ihnen die volle Kontrolle über die sie betreffenden Daten. Alle Informationen werden beim Urheber verschlüsselt und von Patienten Ende-zu-Ende-verschlüsselt ausschließlich an Parteien übertragen, denen sie vertrauen. 

Die dabei zum Einsatz kommende Blockchain erhöht durch ihre garantiert manipulationssichere Struktur das Sicherheitslevel und löst das grundsätzliche Problem des digitalen Vertrauens zwischen Identitäten. Davon profitieren auch Praxen: ein verteiltes, peer-to-peer-basiertes Informationsnetzwerk ermöglicht den direkten Austausch auch sehr großer Datenmengen zwischen den Beteiligten. Das beschleunigt Prozesse, ist systemisch bedingt unkompromittierbar und nicht vom guten Willen und dem korrekten Verhalten der Akteure abhängig. So könnte das deutsche Gesundheitssystem den lang benötigten digitalen Schub erhalten und gleichzeitig sicher und zukunftsorientiert agieren.



Stefan Adolf, Turbine Kreuzberg

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