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Über dieses Buch

Als interdisziplinär ausgerichtetes Nachschlagewerk für die tägliche Praxis wendet sich dieses Buch an alle Ärzte, zu deren Tätigkeit die proktologische Diagnostik gehört. Die einzelnen Verfahren, von der Basisuntersuchung bis zur speziellen Diagnostik, sind systematisch beschrieben, ebenso das diagnostische Vorgehen bei allen relevanten Erkrankungen, den typischen Leitsymptomen und bei individuellen Patientengruppen wie Schwangeren, Kindern und alten Patienten. Die Bewertung der Verfahren orientiert sich an den Leitfragen: was ist wichtig, was ist sinnvoll und was ist klinisch relevant?

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Diagnostische Verfahren

Frontmatter

1. Proktologische Basisdiagnostik: Anamnese, Scores und klinische Untersuchung

Die proktologische Basisdiagnostik umfasst die präzise An amneseerhebung und die sorgfältige klinische Untersuchung inklusive Proktoskopie und Rektoskopie. Sie ist von entscheidender Bedeutung für die Diagnose und Therapie anorektaler Erkrankungen, anhand derer bereits der überwiegende Anteil proktologischer Krankheitsbilder diagnostiziert werden kann. Zur Objektivierung subjektiver, häufig komplexer Beschwerdebilder und deren Auswirkung auf die Lebensqualität der Patienten dienen Messinstrumente der Darmfunktion und der krankheitsspezifischen Lebensqualität, sogenannte Scoring-Systeme. Im Zuge immer differenzierterer, operativer Therapiemöglichkeiten insbesondere der funktionellen Darmerkrankungen – Stuhlinkontinenz und Obstipation – sind sie wegweisend für die Einleitung weiterer, über die Basisdiagnostik hinausgehender, diagnostischer Maßnahmen zum einen und zum anderen für die Indikationsstellung operativer Interventionen und die Bewertung ihres Therapieerfolgs. Im Spannungsfeld zwischen Scham-behafteten Beschwerden, komplexen funktionellen Krankheitsbildern und mannigfaltigen therapeutischen Optionen, stellt die proktologische Basisdiagnostik auch den geübten Proktologen immer wieder vor Herausforderungen und ist maßgeblich für eine exakte Patientenselektion und den Behandlungserfolg des Patienten verantwortlich.

M. Kim

2. Proktologische Diagnostik: Proktoskopie, Rektoskopie und Endosonografie

Eine endoskopische Diagnostik (Proktoskopie, Rektoskopie) ist bei allen proktologischen Patienten durchzuführen, bei denen der Verdacht auf eine organische oder funktionelle Erkrankung des Rektums oder des Analkanals besteht. Somit kann sich die Indikation zur Endoskopie aus der Anamnese des Patienten ergeben (z. B. Blutung, Schmerzen, Entleerungsstörung, etc.) oder aus Auffälligkeiten der vorangegangenen digital-rektalen Untersuchung (z. B. Palpation eines Tumors). Die anale oder rektale Endosonografie ist Bestandteil der erweiterterten proktologischen Diagnostik. Hauptindikationen stellen neben dem Staging (Rektumkarzinom) die Abszess- und Fisteldiagnostik sowie der Ausschluss bzw. Nachweis eines Sphinkterdefekts bei der Abklärung einer Stuhlinkontinenz dar.

J. Reibetanz, C. Isbert

3. Anorektale Manometrie

Die anorektale Manometrie kann bei Erwachsenen einen relevanten Bestandteil der Diagnostik einer Stuhlinkontinenz oder Entleerungsstörung darstellen. Mit der anorektalen Manometrie sollten folgende Parameter bestimmt werden: Ruhedruck, maximaler Kneifdruck, der rektoanale Inhibitionsreflex (»RAIR«) sowie die sensorischen Schwellenwerte der Rektumdehnung und die rektale Compliance. Weitere Messparameter gehören nicht zur manometrischen Routinediagnostik und bleiben speziellen Fragestellungen vorbehalten. Sowohl klinische Relevanz als auch therapeutische Konsequenzen der Manometrie im Rahmen der proktologischen Diagnostik bleiben kontrovers.

U. J. Roblick, K. F. Meyer

4. Radiologische Diagnostik in der Proktologie

Die radiologische Diagnostik bei proktologischen Fragestellungen fokussiert sich auf 3 Hauptbereiche: die Bildgebung bei perianaler Sepsis (Abszesse und Fisteln), die dynamische radiologische Bildgebung im Bereich des Beckenbodens (Defäkografie, MR-Defäkografie) sowie die radiologische Diagnostik bzw. Intervention bei Komplikationen (z. B. Anastomoseninsuffizienz, Blutung).

N. Zorger

5. Stellenwert der neurologischen Diagnostik

Die neurologische Diagnostik bei proktologischen Erkrankungen, vornehmlich bei Beckenbodeninsuffizienz und Stuhlinkontinenz, hat infolge der einerseits geringen Verbreitung »proktoneurologischer« Zentren mit somit begrenzter Verfügbarkeit und des andererseits zunehmenden Einsatzes der diagnostischen sakralen Neuromodulation nur einen bedingten Stellenwert und bleibt speziellen Fragestellungen vorbehalten. Bei komplexen neurologischen Fragestellungen bzw. neurologischen Grunderkrankungen, die mit proktologischen Erkrankungen vergesellschaftet sein können, ist eine interdisziplinäre Diagnostik mit neurologischer Expertise unverzichtbar.

O. Schwandner, H.-J. Pels

6. Dermatoproktologische Diagnostik

Die Diagnostik peri- bzw. intraanaler Hautveränderungen orientiert sich primär am klinischen Aspekt, also an den morphologischen Veränderungen des Hautorgans (Hautstatus). Die anodermale Auskleidung des Analkanals (schwach verhornendes Plattenepithel) kann bei verschiedenen Dermatosen beteiligt sein. Differenzialdiagnostische überlegungen können im zweiten Schritt mikrobiologische, molekularbiologische, serologische, allergologische, zytologische oder histopathologische Untersuchungen notwendig machen.

B. H. Lenhard

Diagnostik proktologischer Erkrankungen

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7. Hämorrhoidalleiden, perianale Thrombosen, Marisken

Das Hämorrhoidalleiden ist nach wie vor das häufigste Leiden im proktologischen Bereich mit zirka 2 Mio. betroffenen Patienten in Deutschland. Entsprechend häufig werden Patienten beim Hausarzt, in den Ambulanzen und beim Proktologen vorstellig. Das Kapitel soll strukturiert die anatomischen und (patho-)physiologischen Grundlagen beleuchten und die Diagnostik der Hämorrhoiden darstellen. Nach ausführlicher Darstellung der Differenzialdiagnosen sollen aber auch die Komplikationen der Hämorrhoiden u. a. mit Blickwinkel auf das Kindesalter und die Gravidität sowie postoperative Gegebenheiten dargestellt werden.

V. Kahlke, J. Jongen

8. Analfissur

Die Analfissur gehört zu den häufigsten Erkrankungen in der Proktologie und ist durch einen Riss (Längsriss oder Ulkus) im Analkanal gekennzeichnet. Typisch ist der Schmerz während oder nach der Defäkation. Im klinischen Alltag wird zwischen der akuten und der chronischen Analfissur differenziert, die Diagnose kann bei fast allen Patienten durch die Anamnese und eine klinisch-proktologische Untersuchung gestellt werden.

O. Dietl, O. Schwandner

9. Analabszess und Analfistel

Analabszesse und Analfisteln gehören zu den häufigsten proktologischen Erkrankungen. Ausgangspunkt ist i. d. R. eine lokale Infektion der Proktodealdrüsen, die durch den Intersphinktärraum zu Abszess- und Fistelbildung führen. Analabszesse stellen hierbei die akute Form dar, während Analfisteln das chronische Stadium sind. Insbesondere bei den abszedierenden Entzündungen bzw. Fisteln sind hinsichtlich der ätiologie und klinischen Präsentation anatomisch- topografische Grundlagen von entscheidender Bedeutung und die Grundlage der adäquaten Therapie. Die Diagnostik ist im Wesentlichen rein klinisch zu stellen. Im folgenden Kapitel sollen die wichtigsten diagnostischen Schritte Befund-adaptiert vor dem Hintergrund anatomisch- topografischer Aspekte erläutert werden.

O. Schwandner, T. Wedel

10. Rektovaginale und rektourethrale Fistel

Rektovaginale Fisteln stellen ein seltenes Krankheitsbild dar, die Häufigkeit wird mit weniger als 5 % aller anorektalen Fisteln angegeben. Sie sind i. d. R. keine kryptoglanduär entstandenen Fisteln. Die Mehrzahl der rektovaginalen Fisteln sind traumatisch bedingt (postpartal bzw. operativiatrogen) oder mit einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung assoziiert. Rektourethrale Fisteln sind extrem selten. Neben kongenitalen rektourethralen Fisteln im Rahmen angeborener Malformationen (z. B. Analatresie) werden erworbene, d. h. meist iatrogen induzierte Fisteln beobachtet. Generell kommen beim Erwachsenen rektourethrale Fisteln am häufigsten iatrogen vor. So kann es intraoperativ (z. B. bei radikaler Prostatektomie) zu einer Verletzung des Rektums kommen. Rektourethrale Fisteln sind jedoch auch nach einer Kryotherapie, transurethralen Opera tionen oder einer Bestrahlung bei Prostatakarzinom beschrieben.

O. Schwandner, W. Leicht

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11. Gastroenterologische Diagnostik bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen

Häufig ist es der Proktologe, der Patienten mit Hämatochezie oder neu aufgetretenen perianalen Fisteln oder Abszessen als erster spezialisierter Arzt untersucht und behandelt. Diese Symptome sind oft auch Ausdruck der Erstmanifestation einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung (Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa). Deshalb ist es wichtig, dass der Proktologe mit diesen Erkrankungen vertraut ist und – falls erforderlich – weitere diagnostische Schritte einleitet. Ziel des folgenden Kapitels ist es, Symptome und Befunde zu illustrieren, bei denen eine weitere differenzialdiagnostische Abklärung hinsichtlich einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung erforderlich ist und einen Leitfaden für den Ablauf der weiteren Diagnostik zur Ver fügung zu stellen.

F. Obermeier, F. Klebl

12. Peri- bzw. intraanale Tumoren und PAIN/AIN

Peri- und intraanale Tumoren des Hautorgans sind häufig und meist gutartig. Die klinische Blickdiagnose ist die primäre Entscheidungshilfe und wird gefolgt vom histopathologischen Befund. Verschiedene Hauterkrankungen in dieser Lokalisation, die einen progredienten, aber auch regredienten Verlauf des intraepithelialen Dysplasiegrads nehmen können, werden nach neuer Nomenklatur ausschließlich nach dem Grad der dysplastischen Veränderung klassifiziert. Die bisherigen Krankheitsbezeichnungen (z. B. bowenoide Papulose, Morbus Bowen), dienen peri- und intraanal nur noch der Beschreibung des klinischen Bildes und werden von der histomorphologischen Klassifikation abgelöst. Die meisten dieser Veränderungen sind HPV-assoziiert.

B. H. Lenhard

13. Analstenose und anorektale Tumoren

Analstenosen stellen eine besondere Herausforderung für die proktologische Diagnostik dar. Die gängigen proktologischen Basisuntersuchungen wie rektal-digitale Untersuchung, Rekto-/Proktoskopie und endorektaler Ultraschall sind wegen ihres den Analkanal passierenden Wesens nur eingeschränkt nutz- und verwertbar. Analstenosen eigen sind oft Schmerzen und perifokale Vulnerabilität. Das schränkt die invasive Untersuchung zusätzlich ein.

G. Aumann

14. Rektumadenome und Rektumkarzinom : Morphologie, Staging mit Endosonografie

Die Prävalenz kolorektaler Adenome steigt mit zunehmendem Alter. Man geht davon aus, dass in der westlichen Welt ab einem Alter von 50–60 Jahren bei etwa 30 % der Bevölkerung ein kolorektales Adenom vorhanden ist. Adenome sind Neoplasien, da es in etwa 5 % der Fälle über die Adenom- Dysplasie-Karzinom-Sequenz zu einer malignen Entartung kommt. Anders betrachtet ist davon auszugehen, dass etwa 60 % aller sporadischen kolorektalen Karzinome über die Adenom-Dysplasie-Karzinom- Sequenz entstehen. Die erste Mutation auf dem Weg zum kolorektalen Karzinom ist der APC-Gen-Verlust. Weitere Mutationen, wie die von TP53 und KRAS folgen. Darüber hinaus entwickelt sich meist eine chromosomale Instabilität.

O. Pech

15. Stuhlinkontinenz

Als Stuhlkontinenz wird die Fähigkeit bezeichnet, Ort, Zeitpunkt und Umstände der Darmentleerung willkürlich bestim men und steuern zu können (Löhnert 2009). Dementsprechend handelt es sich bei Inkontinenz um eine mangelnde Kontrolle der Entleerung des Darmes, also der Unfähigkeit, spontanen Stuhl- oder Windabgang zu unterdrücken oder zu kontrollieren (Thiede u. Sailer 1996).

M. Löhnert

16. Chronische Obstipation und Stuhlentleerungsstörung

Die chronische Obstipation ist mit einer Prävalenz von 5–15 % eine häufige Erkrankung in den westlichen Industrienationen. Generell muss die globale Transportstörung (»slow-transit-constipation«) von der Stuhlentleerungsstörung differenziert werden, wobei kombinierte Störungen häufig sind. Darüber hinaus ist die Differenzierung der chronischen Obstipation vom »Reizdarm-Syndrom« nicht selten eine Herausforderung. Die Einordnung der chronischen Obstipation umfasst subjektive (z. B. unvollständige Entleerung, heftiges Pressen zur Defäkation) und objektive (z. B. Stuhlfrequenz, Stuhlkonsistenz) Kriterien. Fokussiert man auf die Stuhlentleerungsstörung, so sind sowohl morphologische als auch funktionelle Ursachen möglich, wobei kombinierte Störungen häufig sind. Die Diagnostik hat zum Ziel, die chronische Obstipation (slow-transit) von der Stuhlentleerungsstörung zu differenzieren, wobei die gastroenterologisch- proktologische Diagnostik hier den höchsten Stellenwert besitzt. In der Differenzialdiagnose der Stuhlentleerungsstörung erlauben die Anamnese und die proktologische Basisuntersuchung in den meisten Fällen eine orientierende Differenzierung.

O. Schwandner, C. Isbert

17. Anorektaler Prolaps

Anorektale Prolapsformen sind häufige proktologische Befunde. Generell wird der Begriff »Prolaps« rein deskriptiv verwendet, es ist jedoch notwendig eine exakte Diagnostik hinsichtlich der erhobenen Befunde (z. B. Vollwandprolaps vs. Mukosaprolaps, Rektumprolaps vs. Analprolaps, innerer vs. äußerer Rektumprolaps, Prolaps des hinteren Kompartiments vs. kompletter Genitalprolaps) und der möglichen assoziierten Symptome durchzuführen, da die verschiedenen Prolapsformen unterschiedliche Behandlungsstrategien bedingen.

O. Schwandner

18. Beckenbodeninsuffizienz aus proktologischer Sicht

Die Genese der Beckenbodeninsuffizienz ist multifaktoriell, wobei physiologische Alterungsprozesse, Schwangerschaft und Entbindung, Disposition, übermäßiges Pressen bei Defäkation, Obstipation, übergewicht, prä- und postmenopausaler östrogenmangel sowie operative Eingriffe im kleinen Becken zu den häufigsten Ursachen zählen. Infolge der funktionellen Anatomie des weiblichen Beckenbodens und geschlechtsspezifischer Faktoren sind Frauen deutlich häufiger betroffen als Männer. Die klinischen Ausprägungsformen sind vielschichtig und reichen von der Stuhl- und Harninkontinenz bis zur Entleerungsstörung, vom Deszensus bzw. Prolaps (Vaginalprolaps, Rektumprolaps) bis hin zu Sexualstörungen oder pelvinen Schmerzsyndromen. Aus proktologischer Sicht stellt hierbei die Rektozele einen häufigen Befund dar, wobei die Frage, ob eine Rektozele Ursache oder Epiphänomen für Beschwerden ist, weiterhin eine Herausforderung bleibt. Aufgrund der Komplexität des anatomisch-funktionellen Zusammenspiels im Bereich des Beckenbodens kommt der Diagnostik eine Schlüsselrolle zu, wobei bei komplexer Beckenbodeninsuffizienz die interdisziplinäre Diagnostik (Proktologie und Urogynäkologie) den höchsten Stellenwert hat.

O. Schwandner

19. Akne inversa und Sinus pilonidalis

Sowohl Akne inversa als auch Sinus pilonidalis sind erworbene Erkrankungen der Haut bzw. Unterhaut, wobei bei der Akne inversa typischerweise die Terminalhaarfollikel an den Hautumschlagsfalten betroffen sind. Der Sinus pilonidalis ist gewissermaßen die »unizentrische« Form der Akne inversa und im Bereich der Rima ani lokalisiert. Differenzialdiagnostisch müssen insbesondere bei perianalem Befall Analabszesse bzw. Analfisteln sowie perianale Manifestationen eines Morbus Crohn abgegrenzt werden. Für beide Erkrankungen ist die klinische Diagnose für den weiteren Verlauf von entscheidender Bedeutung.

S. Mühl, O. Schwandner

20. Peri- und intraanale Dermatosen sowie venerische Erkrankungen des Anorektums (STI)

Erkrankungen des peri- bzw. intraanalen Hautorgans und deren Symptome sind oft der Grund für eine erste Konsultation des Koloproktologen. Solche Hauterkrankungen können als eigenständige Krankheitsentität imponieren, aber auch von einer koloproktologischen Grunderkrankung getriggert bzw. ausgelöst sein (z. B. Köbner-Phänomen). Die speziellen Terrainbedingungen der Analregion (intertriginöser Raum) mit Feuchtigkeitsretention und Sekretion der ekkrinen und apokrinen Schweißdrüsen unter Okklusivbedingungen vermögen die verschiedensten dermatologischen Erkrankungen dieser Lokalisation zu begünstigen oder gar auszulösen und darüber hinaus einen morphologischen Wandel zu bewirken. Eine frühzeitige zutreffende Diagnose kann dabei helfen, langzeitige Krankheitsverläufe und Chronifizierungen zu vermeiden.

B. H. Lenhard

21. Die Diagnostik bei der Pelvic Sepsis

Das angloamerikanische Schrifttum benennt lebensbedrohliche Infektionen im Beckenbereich mit dem Schlagwort »Pelvic Sepsis«. Darunter sind schwere Krankheits bilder zu verstehen, die sich im gesamten Beckenbereich ausbreiten können. Lipsky hat versucht, die Gesamtgruppe der lebensbedrohlichen nekrotisierenden Infek tionen unter der Benennung »necrotizing soft tissue in fections« (NSTI) zusammenzufassen (DiNubile u. Lipsky 2004). Da bei diesen Erkrankungen mehrere Organsysteme in komplexer Form einbezogen werden, erklärt sich der ebenfalls gebräuchliche Ausdruck »Complex Wounds« oder spanisch »Feridas Complexas «, die als Synonyme verwendet werden (Ferreira et al. 2006). Die dramatischen, nekrotisierenden Infektionen sowohl des Urogenital- sowie des Anorektalbereiches (Pelvic Sepsis) können diesen Begriffen zugeordnet werden.

P. Kujath, R. Czymek, E. Schlöricke

22. Anorektale Fehlbildungen

Auch wenn die primäre Behandlung der anorektalen Fehlbildungen in den Händen der Kinderchirurgen liegt, ist die Kenntnis der wesentlichen diagnostischen Maßnahmen und Behandlungsstrategien auch für die Erwachsenenproktologie von großer Bedeutung. Gerade in der Beschäftigung mit der Transitionsmedizin sind wir bei der Gestaltung des übergangs dieses sehr speziellen Patientengutes von der Kinderin die Bereiche der Erwachsenenmedizin gefordert, eine gemeinsame Sprache zu finden und die diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen zielführend und ressourcenschonend miteinander abzustimmen. Nicht zuletzt stellen die seltenen und teils hochkomplexen anorektalen Malformationen sowohl in ihrer chirurgischen Behandlung als auch gerade in ihrem großen und differenzierten Spektrum an Untersuchungsverfahren eine wesentliche Bereicherung der Diagnostik innerhalb der gesamten proktologischen Fachdisziplin dar.

B. Reingruber, C. Kiese

Manual: Vorgehen nach Leitsymptomen

Frontmatter

23. Proktologische Diagnostik bei akuten Schmerzen

Anale Schmerzen sind, neben Blutabgang und Schwellung, das Hauptsymptom, welches den Pa tienten zum Proktologen führt. Die Schmerzschwelle, die den Patienten veranlasst, den Arzt zu konsultieren, liegt aber unterschiedlich hoch. Es ist immer wieder erstaunlich, wie lange manche Patienten in der Lage sind Schmerzen auszuhalten, um sich letztendlich mit grotesken Befunden vorzustellen (◘ Abb. 23.1). Genauso können aber auch kleine Befunde heftigste Schmerzen auslösen (◘ Abb. 23.2), diese gilt es aber ebenso schnell und korrekt zu erkennen, damit dem Patienten rasch geholfen werden kann.

R. Scherer, M. Keller, D. Sterzing

24. Proktologische Diagnostik bei Schwellung

Generell ist das Leitsymptom »Schwellung« unspezifisch. Häufig berichten Patienten, die sich in der Proktologischen Sprechstunde vorstellen, über eine Schwellung, Knotenbildung oder »Lappenbildung« am After. Die proktologische Diagnostik wird durch Anamnese und klinisch-proktologische Untersuchung bestimmt, wobei in vielen Fällen eine »Blickdiagnose« gestellt werden kann. Ursächlich für eine Schwellung können unterschiedliche Befunde wie z. B. Perianalabszesse, Hämorrhoiden, perianale Thrombosen, Marisken, aber auch selten Tumoren sein. Das folgende Kapitel soll einige wichtige »Blickdiagnosen« darstellen, die im Rahmen der proktologischen Diagnostik vorkommen.

O. Schwandner

25. Proktologische Diagnostik bei Fieber

Perianalabszesse, abszedierter Sinus pilonidalis und nekrotisierende Weichteilinfektionen (Fournier-Gangrän), die zu lebensbedrohlichen Verläufen infolge pelviner Sepsis führen können, gehören zu den klassischen proktologischen Notfällen, die mit Fieber einhergehen. Fieber ist i. d. R. kein isoliertes Symptom, sondern liegt mit anderen Leitsymptomen wie Schmerz, Schwellung oder Fluktuation vor. Die Diagnosestellung erfolgt meist klinisch.

O. Schwandner, A. Lorenz, P. Kujath

26. Proktologische Diagnostik bei unterer Gastrointestinalblutung

Die Einteilung der gastrointestinalen Blutung ist vielfältig. Einerseits teilt man in eine obere und untere gastrointestinale Blutung ein und neuerdings wurde auch der Terminus der mittleren gastrointestinalen Blutung definiert. Eine weitere Einteilung ist diejenige nach der Art des Blutverlustes. Gibt es klinisch eindeutige Zeichen einer gastrointestinalen Blutung wie Teerstuhl (Meläna) oder Hämatochezie spricht man von einer overten Blutung. Kommt es zu einem Blutverlust über den Gastrointestinaltrakt ohne makroskopische Zeichen, dann spricht man von einer okkulten Blutung. Diese wird in der Regel mit Hilfe von Stuhltests (FOBT) nachgewiesen.

O. Pech

Proktologische Diagnostik bei einzelnen Patientengruppen

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27. Proktologische Erkrankungen in der Schwangerschaft und im Wochenbett

Proktologische Erkrankungen in der Schwangerschaft und postpartal sind keine Seltenheit: Die Zahlenangaben schwanken zwischen 45 und 68 % (Abramowitz u. Batalan 2003; Bussen et al. 2008) Qualitätsgesicherte Prävalenzstudien liegen jedoch nicht vor. Ursache für die erhöhte Häufigkeit sind verschiedene physiologische Veränderungen des mütterlichen Organismus, die das Auftreten von proktologischen Erkrankungen begünstigen. Beginnend in der 6. Schwangerschaftswoche kommt es zu einem Anstieg des Blutvolumens mit einer kontinuierlichen Zunahme um 40–50 %. Gleichzeitig steigt das Herzzeitvolumen. Das Maximum ist erreicht in der 24. Schwangerschaftswoche. Dies bewirkt eine Zunahme des Flusses in den uteroplazentaren Gefäßen. Der erhöhte Einstrom und Druck im Bereich der Beckenvenen wird zu einem Abstromhindernis aus den unteren Extremitäten. Der Druck erhöht sich von 8 cm H2O bis auf 24 cm H2O. Im Beckenbereich bilden sich ödeme. Dazu kommt der Druck des sich vergrößernden Uterus auf den Beckenboden und später die mechanische Belastung durch die Geburt. Alle diese Faktoren lassen den Druck in den rektalen Kollateralvenen ansteigen. Hormonelle Ver änderungen vermindern zudem die Wandspannung der Gefäßwände im Plexus haemorrhoidalis. Das ansteigende Körpergewicht führt zu einer Minderbeweglichkeit und verstärkt die Obstipationsneigung. Weiterhin kommt es zu immunologischen und metabolischen Veränderungen (Schaefer et al. 2011; Wildt u. Grubinger 2006).

H. Loch

28. Beckenbodeninsuffizienz und Inkontinenz aus urogynäkologischer Sicht

Harninkontinenz und Prolaps genitalis gehören neben Stuhlinkontinenz, Miktionsstörungen, Obstipation und »pelvic pain-Syndromen« zu den häufigsten Beckenbodenfunktionsstörungen. Die Lebensqualität der Betroffenen, in stetig ansteigender Anzahl, ist erheblich eingeschränkt. Im vorliegenden Kapitel wird die urogynäkologische Diagnostik im interdisziplinären Beckenbodenzentrum unter Einbeziehung zahlreicher Bilder aus der Praxis thematisiert.

C. Reisenauer

29. Proktologische Diagnostik bei Neugeborenen und Kindern

Bei proktologischen Erkrankungen in der Neugeborenenperiode handelt es sich fast ausschließlich um angeborene Fehlbildungen. Diese bedürfen meist einer raschen Dia gnostik und Therapie. Auch im Rahmen der Nachsorge dieser Patienten muss regelhaft eine proktologische Dia gnostik durchgeführt werden. Im Kindes- und Jugendalter nehmen erworbene Erkrankungen den größeren Stellenwert ein. Zu den häufigsten Erkrankungen im Kleinkindes- und Kindesalter gehören die perianalen Abszesse mit oder ohne Fistel. Mit zunehmendem Alter muss auch eine chronisch entzündliche Darmerkrankung ausgeschlossen werden. Analvenenthrombosen oder hämorrhoidale Erkrankungen sind im Kindesalter Raritäten, kommen aber vor.

C. Knorr

30. Proktologische Diagnostik im hohen Lebensalter – Geriatrische Aspekte

Jeder Proktologe behandelt alte Menschen und umgekehrt jeder Geriater Patienten mit proktologischen Erkrankungen. Beiden gemein ist das Ziel in Kenntnis der großen interindivduellen Unterschiede auf der Grundlage einer fundierten Einschätzung des Funktionszustandes durch ein geriatrisches Assessment einen individuellen Diagnostik- und Behandlungsplan mit dem Patienten auszuarbeiten, dessen Ziel die ganzheitliche Verbesserung und Aufrechterhaltung der Lebensqualität sowie der Autonomie ist. Dies gilt insbesondere bei der Diagnostik und Therapie der Stuhlinkontinenz und der besonders häufig vorkommenden chronischen Obstipation, die von den Betroffenen als außerordentlich belastend empfunden wird und sich erheblich auf die physischen, psychologischen und sozialen Aspekte des Patienten auswirkt.

S. Schlee, C. Bollheimer, C. Sieber, A. Haack

31. Besonderheiten der proktologischen Diagnostik bei HIV-infizierten Patienten

Grundsätzlich weicht das Spektrum proktologischer Erkrankungen bei Menschen mit HIV/AIDS nicht von dem nichtinfizierter proktologischer Patienten ab. Ein besonderes Augenmerk muss allerdings den sexuell übertragbaren Krankheiten gelten (STD), die sich immer auch anal manifestieren können. »Klassische« STDs treten bei HIV-positiven Männern gehäuft auf und können bei analer Infektion nicht selten komplett asymptomatisch verlaufen. Aus diesem Grund sollten bei HIV-positiven Männern regelmäßige klinische Kontrolluntersuchungen der Analregion erfolgen.

D. Leder

Backmatter

In b.Flat Gastrointestinale Chirurgie enthaltene Bücher

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