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Vor weiterführender Diagnostik Muss ein erhöhter PSA-Wert immer bestätigt werden?

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Ein PSA-Wert über 3 ng/ml soll vor einer weiteren Abklärung zunächst erneut kontrolliert werden. Eine Analyse von PLCO-Daten stützt dieses Vorgehen – und weist zugleich auf eine Ausnahme hin.

Das Wichtigste in Kürze zu dieser Studie finden Sie am Ende des Artikels.

Die Ergebnisse von PSA-Messungen können intraindividuell stark schwanken, im Schnitt von Woche zu Woche um rund 15%. Aus diesem Grund empfehlen Leitlinien bei erhöhten PSA-Werten zunächst eine Wiederholungsmessung. In der deutschen Leitlinie heißt es dazu: „Ein erhöhter PSA-Wert ≥ 3 ng/ml soll vor der weiteren Diagnostik unter Berücksichtigung von Einflussfaktoren innerhalb von drei Monaten kontrolliert werden.“

Eine Neuauswertung von PLCO-Daten spricht dafür, dass diese Empfehlung „für die meisten Patienten“ von Nutzen ist. Eine Ausnahme gibt es allerdings: Männer, bei denen ein früherer PSA-Score über der Biopsiegrenze lag und kein neuerer Messwert diese Grenze unterschritten hat. Sie können laut der Studiengruppe um Nicholas Pickersgill vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center „ohne weitere Tests direkt mit der weiterführenden Diagnostik beginnen“.

Auf jeden vierten erhöhten PSA-Wert folgt ein niedrigerer Wert

Das Team hatte sich für seine Analyse auf die Daten von Teilnehmern (Alter 54–75 Jahre) des PLCO-Screening-Arms beschränkt, bei denen also sechs Jahre lang jährlich der PSA-Wert gemessen worden war und die zudem keine Krebsdiagnose erhalten hatten.

Von den mehr als 11.000 Männern hatten 2700 mindestens einmal die PSA-Grenze von 2,5 ng/ml überschritten. Auf einen solchermaßen erhöhten Messwert folgte in 22% der Fälle im Jahr darauf ein PSA-Wert unter 2,5 ng/ml. Bei Messwerten über 3,0 ng/ml (1928 Männer) bzw. über 4,0 ng/ml (952 Männer) war dies noch etwas häufiger der Fall: Im Folgejahr blieben 25% bzw. 30% der Messwerte unter den jeweiligen Grenzen. Von den Patienten mit mindestens einmalig erhöhtem PSA-Wert hatten 54% (2,5-ng/ml-Grenze) bzw. 58% (3,0 ng/ml) bzw. 62% (4,0 ng/ml) im Lauf der Studienzeit im jeweils folgenden Jahr eine entsprechende Absenkung erlebt.

So wahrscheinlich ist ein PSA-Rückgang

In einer multivariablen Analyse erwiesen sich vor allem zwei Parameter als wichtig für die Vorhersage eines PSA-Abfalls im Jahr nach einem erhöhten Messwert: ein früherer PSA-Wert unterhalb sowie ein früherer Wert oberhalb der jeweils gewählten Grenze. Die Höhe des aktuellen PSA-Werts verbesserte die Vorhersage nur geringfügig; Alter, Ethnie und Familienanamnese besaßen keinen zusätzlichen prädiktiven Wert. Zur Vorhersage des PSA-Verhaltens nach einem zu hohen Wert entwickelte die Studiengruppe folgenden Score:

  • Keine frühere PSA-Messung: +0 Punkte
  • Eine frühere PSA-Messung unter dem Grenzwert: +2 Punkte
  • Eine frühere PSA-Messung über dem Grenzwert: –3 Punkte

Bei Männern mit einem Score-Wert von –3 bestand eine geringe Wahrscheinlichkeit (< 10%) für ein nachfolgendes Abrutschen des PSA-Spiegels unter die jeweilige Grenze. „Bei diesen Patienten ist es unwahrscheinlich, dass sie von einer erneuten PSA-Messung profitieren, sie sollten direkt mit der weiteren Abklärung fortfahren“, lautet die Empfehlung von Pickersgill und seinem Team.

Die Wahrscheinlichkeit eines nachfolgenden PSA-Abfalls erhöhte sich auf ungefähr 20% bei einem Score von –1. Bei Score-Werten von 0 bzw. 2 erreichte sie 30% bzw. 50%. Bei all diese Patienten rät die Studiengruppe daher weiter zur Wiederholung des PSA-Tests. Der optimale Zeitpunkt für die erneute Messung sei allerdings noch zu klären.

Limitationen

Die Aussagekraft der Studie mit Bezug auf nötige Bestätigungsmessungen für erhöhte PSA-Werte ist u. a. dadurch limitiert, dass nur in Ein-Jahres-Intervallen gemessen wurde und Angaben zu anderen Einflüssen auf den PSA-Wert (z. B. Einnahme von 5-Alpha-Reduktase-Inhibitoren, Behandlung von Blasenentleerungsstörungen) nicht verfügbar waren. Vor allem aber hatte man, um die krebsunabhängige PSA-Variabilität zu erfassen, für die Analyse nur Männer berücksichtigt, die in der Studienzeit nicht an Prostatakrebs erkrankt waren.

Das Wichtigste in Kürze

Frage: Ist bei allen Männern mit erhöhtem PSA-Wert eine Kontrollmessung erforderlich, bevor eine weiter Diagnostik erfolgen kann?

Antwort: In der Screening-Gruppe der PLCO-Studie folgte auf 25% der PSA-Messungen ≥ 3 ng/ml im Jahr danach ein niedrigerer Wert. Das Risiko für einen nachfolgenden Abfall eines zu hohen PSA-Wertes war jedoch gering, wenn der Wert zuvor (anhaltend) erhöht war.

Bedeutung: Für die meisten Männer mit erhöhtem PSA-Wert ist eine Bestätigungsmessung sinnvoll. Bei Männern mit durchgängig erhöhtem PSA kann dagegen direkt mit der weiterführenden Diagnostik begonnen werden.

Einschränkung: Nur PLCO-Teilnehmer berücksichtigt, die im Studienzeitraum nicht an Prostatakrebs erkrankt waren.


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Pickersgill NA et al. Prostate-Specific Antigen Levels Among Participants Receiving Annual Testing. JAMA Oncol 2025; https://doi.org/10.1001/jamaoncol.2025.3386

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