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01.03.2012 | Originalien | Ausgabe 3/2012

Der Anaesthesist 3/2012

Psychiatrische Versorgung in der Notaufnahme

Zeitschrift:
Der Anaesthesist > Ausgabe 3/2012
Autoren:
E. Puffer, T. Messer, Prof. Dr. F.-G.B. Pajonk
Wichtige Hinweise
Die Arbeit ist Teil eines Forschungsverbundes des Referats Notfallpsychiatrie der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN).

Zusammenfassung

Hintergrund

Psychiatrische Notfälle stellen in Notaufnahmen einen relevanten Anteil dar. Wissenschaftliche Untersuchungen zur Häufigkeit dieser Patienten sowie zu Standards in Diagnostik und Therapie sind aber nur selten. Im Sinne einer guten Versorgung psychisch Kranker ist es notwendig zu erfahren, welche diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten in allgemeinen Notaufnahmen vorhanden sind und wie die ambulante oder stationäre Weiterbehandlung erfolgt.

Material und Methode

Eine Fragebogenuntersuchung an allgemeinen Notaufnahmen im gesamten Bundesgebiet wurde durchgeführt. Dazu wurden 1073 Krankenhäuser angeschrieben und um Teilnahme gebeten. Im Fragebogen sollten Angaben zur Größe der Notaufnahme und der Klinik, zur Häufigkeit definierter psychischer Störungen und Krankheiten sowie zur Möglichkeit diagnostischer und therapeutischer Maßnahmen gemacht werden. Zum Schluss sollte die typische Versorgung anhand von 6 Fallbeispielen dargestellt werden.

Ergebnisse

Es nahmen 74 Notaufnahmen teil, davon 76% interdisziplinäre Notaufnahmen (durchschnittliche Patientenzahl/Jahr: 22.827 ± 12.303). Psychiatrische Kompetenz war an 84% der Standorte vorhanden. Die Teilnehmer berichteten im Durchschnitt über 15% psychisch auffällige sowie 9% psychiatrische diagnose- und therapiebedürftige Patienten. Etwa die Hälfte aller psychiatrischen Erkrankungen wurde auf Suchterkrankungen zurückgeführt. Etwa 2% der Patienten stellten sich nach einem Suizidversuch vor; zirka 3% der Patienten wurden als aggressiv eingeschätzt. Darüber hinaus wurde über 2,5 ± 4,2 (0–25) verletzte Mitarbeiter durch aggressive Handlungen von Patienten berichtet. Gerichtliche Unterbringungen führten 81% der Notaufnahmen durch. Standardisierte Screeningfragebogen oder Selbsteinschätzungsskalen zur Feststellung einer psychischen Erkrankung in der Notaufnahme wurden nur von 4 Notaufnahmen eingesetzt. Als diagnostische Standards wurden körperliche Untersuchung, die Bestimmung von Blutdruck und Puls sowie die Bestimmung von Blutbild, Glucose-, Elektrolytkonzentrationen und Retentionswerten berichtet. Als unverzichtbare Psychopharmaka wurden v. a. Diazepam (91%), Lorazepam (88%) und Haloperidol (87%) genannt.

Schlussfolgerungen

In den meisten teilnehmenden Notaufnahmen sind die diagnostischen Standards zur Behandlung psychiatrischer Patienten prinzipiell bekannt, werden aber in vielen Fällen nicht angewendet. Es ist davon auszugehen, dass viele psychiatrische Störungen, insbesondere auch Suizidalität, nicht erkannt werden. In vielen Notaufnahmen ist psychiatrische Kompetenz vor Ort gewährleistet, dennoch werden Konsilangebote zu selten genutzt. Die Rechtsunsicherheit im Umgang mit psychisch Kranken ist hoch. Der Einsatz von Screeningfragebogen wird empfohlen.

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