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Erschienen in: Forum der Psychoanalyse 4/2021

26.03.2021 | Psychoanalyse | Originalarbeit

„Errare humanum est“? Selbstbildung und Subjektivierung durch Fehlleistung

120 Jahre Zur Psychopathologie des Alltagslebens – Teil II

verfasst von: Prof. Dr. Gerald Poscheschnik, MMag. Dr. Gianluca Crepaldi

Erschienen in: Forum der Psychoanalyse | Ausgabe 4/2021

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Zusammenfassung

Freuds Forschung an Fehlern war nicht therapeutisch, sondern von einem Interesse am „Menschlichen, Allzumenschlichen“ und der Suche nach Selbsterkenntnis motiviert. In diesem Sinne ist das psychoanalytische Konzept der Fehlleistung nach wie vor für interdisziplinäre Fragestellungen relevant. Mit vorliegendem Beitrag wollen die Autoren dies anhand von zwei exemplarischen Bereichen verdeutlichen. Im ersten Abschnitt werden Fehlleistungen als möglicher Ausgangspunkt für selbstanalytische bzw. Selbstbildungsprozesse diskutiert und damit als Gegenstand bildungswissenschaftlicher Fragen ausgewiesen. Im zweiten Abschnitt wird im Rahmen von psychoanalytisch-kulturtheoretischen Überlegungen der Bedeutung von Fehler und Fehlleistung bei der Genese des Subjekts (Subjektivierung) auf den Grund gegangen.
Fußnoten
1
Das von Althusser im Französischen gebrauchte Wort „interpellation“ ist zugleich ein Begriff für (polizeiliche) „Festnahme“.
 
2
Dieser psychische Zustand ließe sich auch in Begriffen der Mentalisierung (Fonagy et al. 2004) beschreiben: Der Modus der psychischen Äquivalenz besteht in der Gleichsetzung der psychischen Realität innerer Zustände mit der äußeren Wirklichkeit. Fantasien und Außenwelt sind nicht unterscheidbar, „alles, was im Geist existiert, muss auch in der Außenwelt vorhanden sein“ (Fonagy et al. 2004, S. 17). Auf einer reiferen Entwicklungsstufe können wir allmählich eigene mentale Zustände als abgekoppelt von der äußeren Realität erleben.
 
Literatur
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Metadaten
Titel
„Errare humanum est“? Selbstbildung und Subjektivierung durch Fehlleistung
120 Jahre Zur Psychopathologie des Alltagslebens – Teil II
verfasst von
Prof. Dr. Gerald Poscheschnik
MMag. Dr. Gianluca Crepaldi
Publikationsdatum
26.03.2021
Verlag
Springer Medizin
Schlagwort
Psychoanalyse
Erschienen in
Forum der Psychoanalyse / Ausgabe 4/2021
Print ISSN: 0178-7667
Elektronische ISSN: 1437-0751
DOI
https://doi.org/10.1007/s00451-021-00429-6

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