Überweisung zur Psychoonkologie und psychoonkologische Versorgung aus Sicht behandelnder Psychoonkolog*innen
Eine Common practice Analyse
- Open Access
- 08.07.2025
- Psychoonkologie
- Psychoonkologie
Zusammenfassung
Hinführung zum Thema
Hintergrund
Ziel der Arbeit
Methoden
Ablauf der Studie
Stichprobe
Berufsausbildung | % (n) |
Hochschulabschluss Psychologie | 100 (9) |
Approbation vorliegend/in Ausbildung | 88,9 (8) |
Psychoonkologische Zertifizierung vorliegend/in Ausbildung | 66,6 (6) |
Teilnahme an Inter- und Supervision (wöchentlich) | 88,9 (8) |
Teilnahme an psychoonkologischen Fortbildungen (mind. jährlich) | 55,5 (5) |
Berufliche Tätigkeit | % (n) |
Tätig im psychoonkologischen Dienst >1 Jahr | 55,5 (5) |
Tätig im psychoonkologischen Dienst >15 h pro Woche | 66,6 (6) |
Messinstrumente
Themenbereiche | Inhalt | Item | Antwortskalierung |
|---|---|---|---|
Soziodemografie | Geschlecht | – | Einfachauswahl |
Alter | – | Offene Frage | |
Onkologiea | Tumorentitäten | – | Offene Frage |
Diagnoseart | – | Einfachauswahl | |
Behandlungsprognose | – | Einfachauswahl | |
Distress-Screening | Vorliegen Distress-Screening | – | Einfachauswahl |
Distress-Wert | – | Offene Frage | |
Gründe für Fehlen des Screeningbogens | – | Offene Frage | |
Konsilablauf | Gesprächsdauer | – | Offene Frage |
Gesprächsperson | – | Einfachauswahl | |
Überweisende Person | – | Einfachauswahl | |
Beurteilung umgebender Faktoren | „Wie bewerten Sie die umgebenden Faktoren (Organisation, Materialien, Räumlichkeiten, Verfügbarkeit des Patienten/der Patientin, Dokumentation etc.), um eine psychoonkologische Unterstützung zu gewährleisten?“ | 1 „unzureichend“ bis 5 „sehr hochwertig“ | |
Art potenzieller unzureichender umgebender Faktoren | – | Mehrfachauswahl | |
Multiprofessioneller Austausch | Art | – | Einfachauswahl |
Professur | – | Mehrfachauswahl | |
Qualität | „Wie bewerten Sie den Austausch mit dem Behandlungsteam bzgl. dieser/dieses Patient*in?“ | 1 „unzureichend“ bis 5 „sehr hochwertig“ | |
Übereinstimmungen hinsichtlich des psychischen Belastungsausmaßes | „Gab es unterschiedliche Einschätzung hins. der psychischen Belastung dieser/dieses Patient*in zwischen Ihnen und dem medizinischen Behandlungsteam?“ | Einfachauswahl | |
Übereinstimmungen hinsichtlich des Behandlungsbedarfs | „Gab es unterschiedliche Einschätzung hins. des psychoonkologischen Versorgungsbedarfs dieser/dieses Patient*in zwischen Ihnen und dem medizinischen Behandlungsteam?“ | Einfachauswahl | |
Distress-Screening | Distress-Thermometer [26] in Fremdbeurteilung durch Psychoonkologin | „Bitte kreuzen Sie die Zahl an (0–10), die am besten beschreibt, wie psychisch belastet Sie die/den Patient*in erlebt haben?“ | 0 „gar nicht belastet“ bis 10 „extrem belastet“ |
Distress-Thermometer [26] in Selbstbeurteilung durch die/den Patient*in | „Bitte kreuzen Sie die Zahl an (0–10), die am besten beschreibt, wie belastet Sie sich in den letzten Wochen einschließlich heute gefühlt haben?“ | 0 „gar nicht belastet“ bis 10 „extrem belastet“ | |
Gesundheitskompetenz | Item 2 des Health Literacy Survey Questionnaire [27] | „Wie einfach ist es Ihrer Meinung nach für die/den Patient*in herauszufinden, wo sie/er professionelle Hilfe erhält, wenn sie/er krank ist?“ | 0 „sehr schwierig“ bis 3 „sehr einfach“ |
Item 8 des Health Literacy Survey Questionnaire [27] | „Wie einfach ist es Ihrer Meinung nach für die/den Patient*in, Informationen über Unterstützungsmöglichkeiten bei psychischen Problemen, wie Depression, zu finden?“ | 0 „sehr schwierig“ bis 3 „sehr einfach“ | |
Kompetenz, eigenen psychoonkologischen Unterstützungsbedarf zu erkennen | „Wie schätzen Sie die Kompetenz der/des Patient*in ein, den eigenen psychoonkologischen/psychotherapeutischen Unterstützungsbedarf zu erkennen?“ | 1 „sehr gering“ bis 5 „sehr hoch“ | |
Informiertheit | Informiertheit der/des Patient*in über das Stattfinden des Konsils | „Patient*in über Konsil vorab informiert?“ | Einfachauswahl |
Informationserhalt schriftlich über psychosoziale Angebote | „Patient*in vorab Flyer zu psychosozialen Angeboten erhalten?“ | Einfachauswahl | |
Informationserhalt mündlich und/oder schriftlich über psychosoziale Angebote durch ärztliches Personal | „Wie viel Information hat die/der Patient*in Ihrer Meinung nach vom ärztlichen Personal hins. psychoonkologischer Unterstützung vorab erhalten?“ | 1 „sehr wenig“ bis 4 „sehr viel“ | |
Informationserhalt mündlich und/oder schriftlich über psychosoziale Angebote durch pflegendes Personal | „Wie viel Information hat die/der Patient*in Ihrer Meinung nach vom Pflegepersonal hins. psychoonkologischer Unterstützung vorab erhalten?“ | 1 „sehr wenig“ bis 4 „sehr viel“ |
Statistische Auswertung
Ergebnisse
Überweisung zur Psychoonkologie
Gesamt | Weiblich | Männlich | |
|---|---|---|---|
N | 1048 | 536 | 489 |
Diagnoseart nach ICD-10 [30] | % (n) | ||
C00–C14 Bösartige Neubildungen der Lippe, der Mundhöhle und des Pharynx | 4,8 (49) | 3,3 (17) | 6,7 (32) |
C15–C26 Bösartige Neubildungen der Verdauungsorgane | 28,1 (289) | 26,2 (137) | 29,5 (142) |
C30–C39 Bösartige Neubildungen der Atmungsorgane und sonstiger intrathorakaler Organe | 9,3 (95) | 10,1 (53) | 8,3 (40) |
C43–C44 Melanom und sonstige bösartige Neubildungen der Haut | 6,3 (65) | 7,8 (41) | 4,6 (22) |
C45–C49 Bösartige Neubildungen des mesothelialen Gewebes und des Weichteilgewebes | 5,2 (53) | 5,0 (26) | 5,4 (26) |
C64–C68 Bösartige Neubildungen der Harnorgane | 4,6 (47) | 3,6 (19) | 5,6 (27) |
C81–C96 Bösartige Neubildungen des lymphatischen, blutbildenden und verwandten Gewebes | 15,3 (157) | 13,8 (72) | 16,8 (81) |
Andere onkologische Neubildungen (Häufigkeit je < 4,5 %) | 17,8 (182) | 18,0 (94) | 18,1 (87) |
Diagnoseart | % (n) | ||
Erstdiagnose | 66,6 (679) | 64,0 (332) | 69,7 (333) |
Rezidiv | 21,6 (220) | 22,0 (114) | 20,7 (99) |
Weitere onkologische Diagnose (Zweittumoren) | 11,8 (120) | 14,1 (73) | 9,6 (46) |
Behandlungsprognosea | % (n) | ||
Bekannt | 68,5(708) | 70,0 (369) | 66,3 (321) |
– kurativ | 39,6 (409) | 43,3 (228) | 36,0 (174) |
– palliativ | 27,0 (279) | 25,4 (134) | 27,7 (134) |
– supportiv | 1,9 (20) | 1,3 (7) | 2,7 (13) |
Unbekannt | 31,5 (326) | 30,0 (158) | 33,7 (163) |
Distress-Screening vor dem Konsil | % (n) | |
Vorhanden | 27,5 (286) | |
Nicht vorhanden | 32,1 (334) | Summe aus „nicht vorhandenen“ und „nicht auffindbaren“ Distress-Screenings: 72,5 % (754) |
Nicht auffindbar/unklarer Verbleib | 40,4 (420) | |
Gründe für fehlendes Distress-Screening | % (n) | |
Wird von Station regulär nicht verwendet | 47,6 (160) | |
Wurde von Station bisher nicht ausgehändigt | 20,8 (70) | |
Nicht in Akte/Akte nicht auffindbar | 19,6 (66) | |
Von Patient*in nicht ausgefüllt | 8,6 (29) | |
Nicht vorhanden, da Spontangespräch | 0,9 (3) | |
Patient*in nicht fähig (kognitiv, körperlich, sprachlich), Screening auszufüllen | 0,9 (3) | |
Sonstige Gründe | 1,5 (5) | |
Ablauf von Erstkonsilgesprächen
Austausch erfolgta | % (n) |
Ja | 37,0 (382) |
Nein | 63,0 (650) |
Art des Austauschs | % (n) |
Persönlich | 87,8 (325) |
Telefonisch | 9,7 (36) |
E‑Mail | 2,4 (9) |
Profession | % (n) |
(Ober‑)Ärzt*in | 29,4 (111) |
Pflegekraft | 37,7 (142) |
Sozialdienst | 0,3 (1) |
Andere (Case-Management, Seelsorge, Physiotherapeut*in) | 16,0 (60) |
Mehrere Professionen/Teambesprechungen | % (n) |
(Ober‑)Ärzt*in und Pflegekraft | 12,5 (47) |
(Ober‑)Ärzt*in und Sozialdienst | 0,3 (1) |
(Ober‑)Ärzt*in, Pflegekraft und Sozialdienst | 2,1 (8) |
Pflegekraft und Case-Management | 1,3 (5) |
Einschätzung hins. Qualität des multiprofessionellen Austauschsb | % (n) |
Unzureichend – eher unzureichend | 7,4 (28) |
Teils, teils | 26,1 (99) |
Eher hochwertig – sehr hochwertig | 66,6 (253) |
Einschätzung hins. psych. Belastung des/der Patient*in | % (n) |
Übereinstimmende Einschätzung | 87,3 (473) |
Unterschiedliche Einschätzung | 12,7 (69) |
„Ich [Psychoonkologin] schätze die Belastung höher ein“ | 21,7 (15) |
„Ich schätze die Belastung niedriger ein“ | 78,3 (54) |
Einschätzung hins. psychoonkologischen Versorgungsbedarfs | % (n) |
Übereinstimmende Einschätzung | 88,1 (489) |
Unterschiedliche Einschätzung | 11,9 (66) |
„Ich sehe keinen Versorgungsbedarf“ | 83,3 (55) |
„Ich sehe einen Versorgungsbedarf“ | 9,1 (6) |
„Ich sehe einen anderen Versorgungsbedarf“ | 7,6 (5) |
Zusammenhänge zwischen Überweisungs- und Konsilabläufen
Diskussion
Limitationen
Fazit für die Praxis
-
Eine stringente Informationsvermittlung und Aufklärung über psychische Belastung und psychoonkologische Unterstützung (im Gespräch und als schriftliches Material) durch das medizinische Team und
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die systematische Erfassung der psychischen Belastung („Bedarf“) durch standardisierte Distress-Screenings sowie eine gezielte Erhebung des Patientenwunschs („Bedürfnis“) kann Fehlüberweisungen, verlängerte Konsilgespräche und erhöhte Belastungseinschätzungen des psychoonkologischen Teams reduzieren.
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Eine Ausarbeitung klarer struktureller und personeller Zuständigkeiten für die Durchführung, Auswertung und Folgeindikationen von Distress-Screenings ist erforderlich, um Überweisungsprozesse zu optimieren.
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Multiprofessionelle Austauschflächen sind notwendig, um heterogene Belastungseinschätzungen der Behandler*innen und damit Fehlüberweisungen zu vermeiden.
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Multiprofessionelle Austauschflächen sind dienlich, um Störungen im Überweisungsprozess rückbesprechen zu können.
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Die räumlichen und organisatorischen Bedingungen für Konsilgespräche sind bedarfsgerecht anzupassen.