Skip to main content
main-content

Tipp

Weitere Artikel dieser Ausgabe durch Wischen aufrufen

01.11.2016 | Psychopharmakotherapie | Erratum | Ausgabe 11/2016

DNP - Der Neurologe und Psychiater 11/2016

Erratum zum Beitrag: Off-Label bei Manie und Depression?

Zeitschrift:
DNP - Der Neurologe & Psychiater > Ausgabe 11/2016
Autor:
Prof. Dr. med. Heinz Grunze
Wichtige Hinweise

Zitierweise: Grunze H. Off-Label bei Manie und Depression? DNP — Der Neurologe & Psychiater 2016; 17 (11): 32 – 33 DOI: 10.1007/s15202-016-1059-7

The online version of the original article can be found at http://​dx.​doi.​org/​10.​1007/​s15202-016-1357-0

Die Einschätzung des Autors der Relevanz der Indikationseinengung von Valproinsäurederivaten für den klinischen Alltag ist wie folgt:
  • Aufgrund der gewachsenen Erkenntnislage zu Teratogenität und Entwicklungsverzögerungen bei Kindern von Müttern unter Valproinsäuretherapie während der Schwangerschaft ist ein restriktiver Gebrauch von Valproat bei Frauen im gebärfähigen Alter klar zu befürworten und in der Praxis so zu handhaben.

  • Unstrittig ist auch, das die gegenwärtige Studienlage den De-novo-Einsatz von Valproat zur Phasenprophylaxe nicht oder höchstens sehr bedingt unterstützt [2], sowohl im Placebovergleich [3] als auch unter naturalistischen Bedingungen im Vergleich zu Lithium [4, 5] — siehe dazu auch die Empfehlungen der DGPPN-/DGBS-S3-Leitlinie [6] und der World Federation of Societies of Biological Psychiatry (WFSBP)[7]. Insofern ist sicher das Nichtansprechen beziehungsweise die Unverträglichkeit von Lithium eine sinnvolle conditio sine qua non für den primären Einsatz von Valproinsäure als Phasenprophylaxe.

  • Wenig verständlich erscheint allerdings, dass das BfArM diese Voraussetzung bereits an die Maniebehandlung und es spezifisch an Lithium geknüpft hat. Aufgrund der Vielzahl mindestens gleich wirksamer, aber besser steuerbarer Alternativen in der akuten Maniebehandlung, insbesondere der verschiedenen atypischen Neuroleptika, ist Lithium nur ein Mittel der ersten Wahl unter mehreren Alternativen, wenn es allein um die akute Maniebehandlung geht. In evidenzbasierten Guideline-Algorithmen zur Akutbehandlung wird es gleichrangig mit Valproinsäure empfohlen (z. B. [6, 8]). Im Algorithmus der jüngsten britischen NICE-Guidelines zur Maniebehandlung wird Lithium dem Einsatz von atypischen Antipsychotika sogar nachgeordnet und nur dann zur Therapie empfohlen, wenn zuvor zwei Antipsychotika wirkungslos waren, oder der Patient bereits auf Lithium bei insuffizienten Plasmaspiegeln eingestellt ist. Ein analoges Vorgehen sieht NICE auch für Valproat vor — Nachrangigkeit gegenüber atypischen Neuroleptika, es sei denn, es besteht bereits eine (insuffiziente) Vorbehandlung, dann Dosissteigerung [9]. Die aktuellsten internationalen Guidelines des Collegium Internationale Neuropsychopharmacologicum (CINP) empfehlen einige atypische Neuroleptika oder Valproat (bei nicht psychotischer Manie) als ersten Behandlungsschritt. Lithium stellt hier nur eine nachgeordnete Alternative dar, sollten diese Medikamente nicht den gewünschten Erfolg zeigen [10].

  • Die Verknüpfung des Valproateinsatzes an eine zuvor nicht erfolgreiche Behandlung mit Lithium als Akuttherapie macht somit für sich allein wenig Sinn; sie wird nur dann verständlich, wenn bereits a priori eine weitere phasenprophylaktische Behandlung mit Lithium geplant ist. Streng genommen vermengt hier das BfArM zwei unabhängige Zulassungsindikationen, die Behandlung der akuten Manie und die Phasenprophlaxe, zu einer Mischindikation. Diese wiederum erlaubt dem Arzt nicht, Patienten mit Valproinsäure als evidenzbasiertes antimanisches Medikament zu behandeln, auch wenn nur die kurzfristige Beherrschung eines Akutzustandes angestrebt wird, etwa durch eine Valproat-Loading-Therapie bei Durchbruchsmanie bei ansonsten zufriedenstellender Phasenprophylaxe, oder wenn eine Phasenprophylaxe nicht oder mit einer anderen Substanzgruppe als Lithium angestrebt wird. Ein Beispiel hierfür wäre etwa eine geplante langfristige Weiterbehandlung mit Lamotrigin bei überwiegend depressiven Rückfällen in der Vorgeschichte.

  • Der Evidenzlage und dem klinischen Gebrauch entsprechend wäre es daher sicher verständlicher gewesen, den Einsatz von Valproat nur in der Langzeitbehandlung an einen vorausgehenden, nicht erfolgreichen Therapieversuch mit Lithium zu koppeln. Somit wird auch der Einsatz von Valproat in der Akuttherapie der Manie unnötigerweise wieder in die Grauzone des Off-Label-Gebrauches gerückt.

...

Bitte loggen Sie sich ein, um Zugang zu diesem Inhalt zu erhalten

Literatur
Über diesen Artikel

Weitere Artikel der Ausgabe 11/2016

DNP - Der Neurologe und Psychiater 11/2016Zur Ausgabe

Neu in den Fachgebieten Neurologie und Psychiatrie

Meistgelesene Bücher in der Neurologie & Psychiatrie

  • 2016 | Buch

    Neurologie

    Das Lehrbuch vermittelt Ihnen das gesamte Neurologie-Prüfungswissen für Ihr Medizinstudium und bereitet auch junge Assistenzärzte durch detailliertes Fachwissen optimal auf die Praxis vor. Die komplett überarbeitete Auflage enthält sechs neue, interdisziplinäre Kapitel.

    Herausgeber:
    Werner Hacke
  • 2016 | Buch

    Komplikationen in der Neurologie

    Das Buch schildert Ereignisse im Rahmen der Neuromedizin, die während der Diagnostik und Therapie neurologischer Erkrankungen und Symptome auftreten können. Die Fallbeispiele sensibilisieren Sie für mögliche Risikofaktoren, um das Auftreten solcher Komplikationen zu vermeiden.

    Herausgeber:
    Frank Block
  • 2017 | Buch

    Facharztwissen Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie

    Leitsymptome, Untersuchungsmethoden, Krankheitsbilder, Notfälle & Co. – mit der Neuauflage des "Facharztwissens" sind Sie auf die Facharztprüfung in Psychiatrie und Psychotherapie optimal vorbereitet. In dieser 2. Auflage sind die Kapitel zu psychosomatischen Störungen deutlich ausgebaut.

    Herausgeber:
    Frank Schneider
  • 2012 | Buch

    Kompendium der Psychotherapie

    Für Ärzte und Psychologen

    Wer in den vorhandenen Lehrbüchern der Psychotherapie den Brückenschlag zur täglichen praktischen Arbeit vermissen – ist mit diesem Werk gut bedient. In knapper, manualisierter Form werden verständlich und übersichtlich die Schritte, Techniken und konkreten, evidenzbasierten Vorgehensweisen beschrieben.

    Herausgeber:
    Prof. Dr. med. Tilo Kircher