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Pflegeheim als Ort aufsuchender Psychotherapie

Subjektive Wahrnehmung und Bedeutung des Ortes Pflegeheim im psychodynamisch-psychotherapeutischen Setting

  • Open Access
  • 07.10.2024
  • Psychotherapie
  • Schwerpunkt: Psychotherapie mit älteren Menschen – Originalien
Erschienen in:

Zusammenfassung

Hintergrund

Hochaltrige im Pflegeheim lebende Patienten werden durch negative gesellschaftliche Altersstereotype und Mobilitätseinschränkungen weitestgehend strukturell von psychologischen Versorgungsangeboten ausgeschlossen. Das zeigt sich auch in der kaum vorhandenen Forschungslage zu Psychotherapie im Pflegeheim, obwohl es Hinweise darauf gibt, dass das Konzept der aufsuchenden Psychotherapie, sowohl verhaltenstherapeutisch als auch psychodynamisch, bei Hochaltrigen bereits Erfolge zeigt.

Fragestellung

Phänomenologische Erscheinungsform, Bedeutung und Probleme des Pflegeheims als Ort der aufsuchenden psychodynamischen Psychotherapie.

Material und Methode

Einzelprotokolle von 374 Sitzungen mit 10 Patienten in tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie und Arztbriefe. Auswertung mithilfe der inhaltsanalytischen Methode der Grounded Theory. Entwickelt wurden theoretische Aspekte der Erscheinungsform, Bedeutung und miteinhergehende Probleme des Pflegeheims in der Psychotherapie.

Ergebnisse

Das Pflegeheim erscheint psychotherapeutisch sowohl hinderlich als auch förderlich. Ein dynamisch verstehbarer Ort mit einer Vielzahl räumlicher Reize, organisatorischer Hürden und persönlicher Schwierigkeiten für den Therapeuten. Es zeigt sich ein Ort der Inszenierung und des therapeutischen Geschehens.

Schlussfolgerung

Psychotherapie im Pflegeheim ist möglich, muss aber sowohl organisatorisch als auch im therapeutischen Kontakt modifiziert stattfinden. Eine subjektive Auseinandersetzung ermöglicht einen Zugang zur Alterspsychotherapie, der durch gesellschaftliche Stigmatisierung erschwert ist.

Reflective Statement

Dieser Beitrag basiert auf einer Abschlussarbeit der Autorin I.T. unter Betreuung des Co-Autoren R.L. Die Autorin I.T. ist zum Zeitpunkt der Forschung Psychologiestudentin im 6. Bachelorsemester und 22 Jahre alt. Thematische Vorerfahrungen bestehen durch Hospitationen psychiatrischer Visiten zweier niedergelassener Psychiater und Psychotherapeuten/Psychoanalytiker in Pflegeheimen in Kassel. Der Co-Autor R.L. ist Facharzt für Neurologie und Psychiatrie sowie Facharzt für Psychosomatik und Psychotherapie. Während den zugrunde liegenden in Hamburg stattfindenden Psychotherapien ist er Ende 50-jährig. Die Bewertungssituation durch die Bachelorarbeit bei gleichzeitiger intensiver Auseinandersetzung mit den persönlichen Psychotherapieprotokollen R.L.s wurde während der Zusammenarbeit und Betreuung fortlaufend reflektiert. Durch die Perspektive der Autorin I.T. als Studentin ohne wesentliche beruflich-therapeutische Erfahrungen liegt das Augenmerk dieser Forschung unweigerlich auf Aspekten, die, beeinflusst von (un)bewussten Vorannahmen, unerwartet überraschten.
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Hinweis des Verlags

Der Verlag bleibt in Hinblick auf geografische Zuordnungen und Gebietsbezeichnungen in veröffentlichten Karten und Institutsadressen neutral.
Hochaltrige im Pflegeheim sind eine Patientengruppe, die noch immer in mehrfacher Hinsicht strukturell und stigmatisierend von psychotherapeutischer Versorgung ausgeschlossen wird. Wahrnehmungsbasierte Eindrücke eines aufsuchenden Psychotherapeuten und einer Psychologiestudentin am Ort des Geschehens beschreiben die Bedeutung und Schwierigkeiten der dort stattfindenden therapeutischen Arbeit. Es sind Eindrücke, die das Spannungsfeld zwischen hochaltrigem Patienten in der Institution Pflegeheim, aufsuchendem jüngeren Psychotherapeuten und gemeinsam geteilten Altersstereotypen beleuchten.
Stereotype alter Menschen bilden sich oftmals in einem sozial konstruierten Negativbild im Sinne eines Defizitmodells ab (Peters und Lindner 2019). Gerade Hochaltrige werden durch Krankheit, Einsamkeit und Hilfslosigkeit negativ stigmatisiert, während den jungen Alten ab 65 Jahren das Positivbild von autonomen, engagierten und aktiven Alten zuteilwird (Pichler 2020). Zwischen Psychotherapeuten und älteren Menschen lässt sich ein regelrechtes Vermeidungsbündnis (Peters und Lindner 2019), das die geringe Inanspruchnahme von Psychotherapie im hohen Lebensalter begründen kann, beschreiben. Auch im Pflegeheim scheinen negative Stigmatisierungen gesellschaftlich noch immer vorzuherrschen; das ausgeprägte Stereotyp des Heims zeigt sich in der Beschreibung Jugendlicher als „Gefängnis für alte Menschen“ (Folkins et al. 2020).

Theoretische Hintergründe

Psychotherapie kann auch im hohen Alter indiziert sein. Sie ist jedoch gerade ab 80 Jahren in der Versorgungsrealität und der Forschung weiterhin unterrepräsentiert. Es gilt eine „treatment gap“ (u. a. Peters und Lindner 2019), die sich beispielsweise bei Gellert et al. (2021) in einer Untersuchung der Kohorten aus den Jahren 2014 und 2019 abbildet: Die Altersgruppe 75+ nimmt bei psychischen Problemen deutlich seltener eine Psychotherapie in Anspruch als die jüngeren Generationen. Die „jungen Alten“ über 60 Jahre sind in den letzten Jahren häufiger in Psychotherapiepraxen anzutreffen (Anteil 12 %), wohingegen der Anteil über 80-Jähriger 0,56 % beträgt (Peters et al. 2024). Immobilität und schwere Erkrankungen stellen für hochaltrige Patienten eine Hürde dar, der Kommstruktur psychotherapeutischer Versorgung zu folgen, gerade vor dem Hintergrund der Barrierefreiheit (Peters et al. 2024). Auf psychologischer Ebene besteht ein Vermeidungsbündnis, das gegenseitige Vorbehalte von älterem Patient und Therapeut beschreibt (Peters und Lindner 2019): Auf therapeutischer Seite ist ein oftmals unbewusstes Desinteresse an der Behandlung Älterer festzustellen; dieses könnte auf das generell negative Altersstereotyp, die z. T. großen Altersdifferenzen sowie Bedenken bezüglich der Multimorbidität zurückgeführt werden (Peters 2006). Weitere Unsicherheiten können durch massive ausbildungsbedingte Defizite (Kessler et al. 2014) bedingt sein. Bei hochaltrigen Patienten kann die geringere Therapiemotivation auf einer ausgeprägten Selbststigmatisierung psychischer Probleme beruhen. Der soziodemografische Wandel in Richtung einer älteren Gesellschaft erfordert, dass sich die Gap weiter schließt.

Aufsuchende Psychotherapie

Eine Lösung der strukturellen Versorgungsproblematik immobiler Hochaltriger bietet die aufsuchende Psychotherapie (z. B. Lindner 2021). Es handelt sich um eine Modifikation des psychotherapeutischen Settings und muss vom Therapeuten als „begründete Ausnahme“ durch Erkrankung oder Immobilität gerechtfertigt werden (Lindner 2021). Hierbei begibt sich der Therapeut in die soziale Welt des Patienten, was ein Vielfaches an neuen Eindrücken, denen sich der Therapeut im ambulanten Setting der eigenen Praxis nicht ausgesetzt sieht, mit sich bringt (Lindner und Sandner 2015).

Pflegeheim

Ein aufsuchend arbeitender Psychotherapeut kann bei hochaltrigen Patienten mit dem Pflegeheim in Kontakt kommen. Das Pflegeheim steht für eine vollinstitutionelle Pflegeform im Alter und ist abzugrenzen von alternativen Wohnformen wie betreutem Wohnen, Tagespflege, Wohngruppen und ambulanter Pflege. Um zu verstehen, welchen Einfluss dieser Ort haben kann, ist es unerlässlich, sich mit der institutionellen Struktur vertraut zu machen: In Deutschland gibt es 16.115 Pflegeheime, die eine Kapazität von 922.000 Pflegeplätzen bieten (Borchert 2023; Statistisches Bundesamt 2022a). Die Auslastung betrug 2021 ca. 89,3 % (Statistisches Bundesamt 2022b). Seit Jahrzehnten wird ein unterschiedlich determinierter „Pflegenotstand“ beschrieben (Schmidbauer 1992; Sahmel 2018). Vor diesem Hintergrund stellen psychische Schwierigkeiten der Bewohnenden eine zusätzliche Belastung für Pflegende dar (Pellerin und Guillaumot 2009).
Neben generellen psychischen Belastungen durch das Älterwerden können durch oder im Pflegeheim weitere Belastungsfaktoren, die eine Psychotherapie indizieren, entstehen. Der Umzug in ein Pflegeheim konfrontiert mit Themen des Abschieds und kann ein kritisches Lebensereignis darstellen (Perrez und Baumann 2011). Eine psychotherapeutische Indikation der Heimbewohnenden zeigt sich durch Anpassungsschwierigkeiten/‑störungen, soziale Verhaltensauffälligkeiten, schwieriges Verhalten im Kontext der Pflege und Versorgung, akute oder latente Suizidalität, weitere Verlusterfahrungen oder biografische Vorbelastungen (Rabaioli-Fischer und Söder 2021). Bei älteren Menschen in Langzeitpflege beträgt die Prävalenzrate depressiver Symptome im Schnitt 29 % (Seitz et al. 2010), was den psychotherapeutischen Bedarf im Pflegeheim verdeutlicht. Es gibt bereits vereinzelt Studien zu Psychotherapie im Pflegeheim, beispielsweise zur Behavioral Activities Intervention (BE-ACTIV) von Meeks et al. (2015), zum Restore-Empower-Mobilize(R-E-M)-Ansatz von Carpenter et al. (2013), zum Pilotprojekt zur aufsuchenden kognitiv-verhaltenstherapeutischen (KVT-)Depression-Behandlung im einzeltherapeutischen Setting in Pflegeheimen (Kessler 2016) oder die Forschung zu Gruppenpsychotherapie in Pflegeheimen (u. a. Schwartz 2007; Szczepańska-Gieracha et al. 2014).

Subjektivität aus psychodynamischer Perspektive

Subjektivität ist ein essenzieller Aspekt des Denkens und in der Praxis der Psychoanalyse. Sie ist Mittel zum Erkenntnisgewinn, wenn sie etwas Latentes und Unsagbares zwischen Menschen „fühlbar“ macht (Sell 2012). Es entsteht ein Gefüge aus Übertragung (Patient) und Gegenübertragung (Therapeut), in der Psychotherapie mit Hochaltrigen beispielsweise in Form der Eltern- oder Großelterngegenübertragung (von der Stein 2023). In dieser Beziehung können sich subjektive Vorannahmen über das Alter und Vorbehalte im Sinne des Vermeidungsbündnisses entfalten.
Subjektive Wahrnehmung bezieht sich nicht nur auf das menschliche Gegenüber, sondern auch auf die räumliche Umwelt. Ein Modell für den Einfluss des Ortes in der Psychotherapie bietet das psychodynamische Dreieck der Einsicht (Menninger und Holzman 1977) mit den folgenden Komponenten:
  • Übertragungssituation im Hier und Jetzt,
  • Realitätssituation aktueller Lebens- und Beziehungsumstände, Symptome und Probleme des Patienten,
  • Kindheitssituation und Lebensgeschichte des Patienten.
Das Dreieck der Einsicht, angewendet auf die Situation einer Psychotherapie im Pflegeheim, lässt folgende Überlegungen zum Einfluss des Ortes zu: Das Heimzimmer des Patienten ist implizit der Austragungsort der (Gegen‑)Übertragungssituation im Hier und Jetzt, in die Stereotype und Vorannahmen bezüglich des Heims einfließen können. Die Realitätssituation der aktuellen Lebens- und Beziehungsumstände sowie die Symptomatik des Patienten inszenieren sich im Pflegeheim mit den Heimmitbewohnenden und Pflegenden. Kindheitserfahrungen können sich möglicherweise vor dem Hintergrund der Pflegebedürftigkeit und Versorgung im Heimkontext reaktualisieren.
Ausgehend von den vorangegangenen Überlegungen liegt diesem Beitrag die Fragestellung nach der phänomenologischen Erscheinungsform, Bedeutung und Problemen des Pflegeheims als Setting in aufsuchender psychodynamischer Psychotherapie vor Ort zugrunde.

Methode

Material und Stichprobe

Das Material besteht aus 374 Einzelpsychotherapieprotokollen des Co-Autoren R.L. im Rahmen von aufsuchender psychodynamischer Psychotherapie mit hochaltrigen Patienten zwischen 2010 und 2018 sowie Arztbriefen. Die Protokolle enthalten im freien Textformat intuitive Schilderungen über die Begrüßungs- und Abschiedssituation, räumliche Informationen, Inhalte des Therapiegesprächs sowie persönliche und situative Eindrücke und Reflexionen im Fachjargon des Therapeuten (R.L.). Der Therapiezeitraum erstreckte sich von 7 Monaten bis hin zu 7 Jahren und 3 Monaten (M = 2,5 Jahre). Die psychodynamische Ausrichtung des Psychotherapeuten (R.L.) ermöglicht in besonderer Weise eine subjektiv wahrnehmungsbasierte Herangehensweise an das Pflegeheim im psychotherapeutischen Kontext.
Die untersuchte Stichprobe setzt sich aus 9 für den Großteil der Therapiezeit im Pflegeheim lebenden Patientinnen und einem Patienten zusammen. Zu Beginn der Psychotherapie waren die Patienten zwischen 60 und 90 Jahre alt (M = 79,14, SD ± 7,15; Tab. 1). Der Erstkontakt mit dem Psychotherapeuten fand im Rahmen seiner Tätigkeit als Konsiliarius im Zentrum für Geriatrie und Gerontologie des Albertinen-Hauses in Hamburg statt.
Tab. 1
Patientendaten
Patienta
Fr. A
Fr. B
Fr. C
Fr. D
Hr. E
Fr. F
Fr. G
Fr. H
Fr. I
Fr. J
Jahrg., Alter (Jahre) zu Beginn der Psychotherapie
1932; 83
1930; 84
1941; 69
1935; 79
1944; 73
1924; 90
1939; 76
k. A.
k. A.
k. A.
Familienstand, Anzahl (n) der Kinder
Alleinstehend, 2
Verwitwet, 2
Verheiratet, 2
Verheiratet, 2
Verwitwet, /
Verwitwet, 1
Verwitwet, 2
Verwitwet, 3
Verwitwet, 2
Verwitwet, /
Psych. Diagnose
Depressiv-amnestisches Syndrom
Traumatisch bedingte Depression im Sinne einer Dysthymie
Depressive Episode
Depressive Verstimmung
Reaktive Depression mit Suizidalität, V. a. schizoid, abhängige PS
Mittelschwere Depression, Suizidversuch
Schwere depressive Episode mit psychotischen Anteilen
Reaktive Depression
Dysthymie, DD Panikattacke bei somatisierter Depression
Emotional instabile PS mit Suizidalität, Suizidversuche
Zahl amb. Sitzungen
26
17
66
34
18
36
29
13
91
44
Frequenz der Sitzungen
14-tägig
14-tägig
14-tägig
14-tägig
14-tägig
14-tägig
14-tägig
14-tägig
Wöchentlich
14-tägig
Verstorben
/
/
/
/
/
/
/
Ja
/
/
DD Differenzialdiagnose, PS Persönlichkeitsstörung
aAnonymisiert

Forschungsablauf

Die Analyse erfolgte in Anlehnung an die deskriptive und explorierende Grounded Theory Methodology (GTM) nach Glaser und Strauss (1967) mithilfe der Software MAXQDA (VERBI Software 2021) zur qualitativen Datenauswertung. Die GTM ist eine qualitative Forschungsmethode und besteht aus einem dreistufigen Codierprozess aus offenem, axialem und selektivem Codieren (Heiser 2018).
In der ersten Phase des offenen Codierens (Heiser 2018, S. 223–230) wurden kleinschrittig und induktiv In-vivo-Codes als direkte Zitate und konstruierte Codes als abstrakte Umschreibungen bis zur theoretischen Sättigung (Heiser 2018, S. 222) gebildet. Das Zwischenergebnis erscheint als Grundbestand von ungefähr 2700 Codes. Im folgenden zweiten Schritt der axialen Codierung (Heiser 2018, S. 230–233) wurden die Codes zu übergeordneten Konzepten und Kategorien mit Subkategorien zusammengefasst und immer weiter „eingedampft“. Als Ergebnis zeigt sich ein gesamttheoretischer Zusammenhang von aufsuchender Psychotherapie im Pflegeheim. Anschließend wurde jede einzelne Kategorie in Anlehnung an eine selektive Codierung (Heiser 2018, S. 233–234) hinsichtlich ihrer Relevanz zur dreiteiligen Fragestellung reflektiert, was z. T. eine intuitive Abstraktion von Phänomenen ermöglichte. Final resultierte die Darstellung des Pflegeheims als Ort aufsuchender psychodynamischer Psychotherapie.
Begleitend zur theoretischen Auseinandersetzung fanden regelmäßige Forschungssupervisionen der Autoren statt. Die subjektive Grundeinstellung, Vorannahmen und Vorerfahrungen der Forscherin (I.T.) wurde im Vorhinein formuliert. Subjektive Eindrücke während des Forschungsprozesses wurden in Memos dokumentiert und so reflexiv zugelassen und einbezogen (Heiser 2018, S. 234–238).

Ergebnisse

Das Pflegeheim als Ort aufsuchender Psychotherapie ist anhand von verschiedenen Konzepten und besonderen „Phänomenen“ in seiner phänomenologischen Erscheinungsform, Bedeutung und in seinen möglichen Problemen für den Psychotherapeuten in Abb. 1 dargestellt. Die Ergebnisdarstellung1 erfolgt chronologisch nach der zugrunde liegenden dreiteiligen Fragestellung. Es wird zunächst deskriptiv an das Pflegeheim in der Psychotherapie und das Aufsuchen dort herangeführt, und die inhaltliche Bedeutung für den Patient sowie die organisatorische Bedeutung für den Therapeuten werden beleuchtet. Schließlich werden mögliche Probleme dargestellt, die sich für den Therapeuten durch die Arbeit im Pflegeheim ergeben können.
Abb. 1
Das Pflegeheim in aufsuchender psychodynamischer Psychotherapie. Die Verbindungslinien verdeutlichen, dass die Konzepte und Phänomene einander beeinflussen und bedingen können – unabhängig von der durch die Fragestellung gewählten Struktur
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Phänomenologische Erscheinungsform

In 44 % der Sitzungsprotokolle wird das Heim direkt genannt und fließt in Erwähnung von Dekorationen, Einrichtung und Wohnlichkeit ins Therapieprotokoll mit ein, was den Grad des Einlebens und den Umbruch zwischen altem und neuem Zuhause widerspiegeln kann: „Wir können klären, dass sie in einer Umbruchsphase ist und sich dies auch in der spärlichen Möblierung des Raumes zeigt“.
Phänomen: Die therapeutische Situation muss erst hergestellt werden.
Die institutionelle Heimstruktur führt zum (Auf‑)Suchen der Patienten zu Beginn der Sitzung, wahlweise beim Nachmittagskaffee, im Restaurant, im Gemeinschaftsraum oder beim „‚Mittagsschlaf‘, sagt Frau C., im Bett, als sie erwacht.“ Eine nötige Privatsphäre muss erst hergestellt werden und wird nicht selten durch Pflegende oder Angehörige gestört: „Er (Sohn) kommt nämlich nach 25 min Gespräch und nimmt seinerseits vollen Raum ein, hat nicht das Gefühl zu stören, berichtet von eigenen Schwierigkeiten ….“ Die Sitzordnung gibt zumeist die Patientin im eigenen Heimzimmer vor, wobei sie zuweilen auch im Bett liegt: „Da ist sie dann, liegend, ich in einem Sessel sitzend.“ Nicht selten fällt eine durch das Aufsuchen bedingte Unpünktlichkeit des Therapeuten nicht auf, da dieser nicht erwartet oder schlichtweg vergessen wird: „Sie hatte mich überhaupt nicht auf dem Schirm gehabt, erneut.“

Bedeutung des Pflegeheims

„Abgeschoben und aufs Altenteil verlegt“ oder „hier dem Alter auf eine Weise ausgesetzt zu sein, wie sie es nicht mag: eingeschränkt, zurückhaltend, vorsichtig und ohne Engagement“:
Pflegeheimspezifische Therapieindikationen bestehen u. a. in dem Übergang ins Heim, damit einhergehenden Belastungsfaktoren im oder durch das Heim und sozialen Schwierigkeiten. Die Auflösung und der Abschied vom alten Leben im Rahmen der Ambivalenz zwischen „Zuhause“ und dem Heim werden thematisiert, was den Übergang ins Heim moduliert. Häufig klingen gleichzeitig Wünsche nach Eigenständigkeit und nach Unterstützung und Versorgung an, eine „starke Unabhängigkeitssehnsucht“ bei gleichzeitigem „Bedürfnis nach direktem Halt im hohen Alter“. Das Pflegeheim kann als „Lösung“ erarbeitet werden: Aktivitätsangebote, soziale Kontakte und korrigierende Beziehungserfahrungen werden mit der nötigen Sicherheit der pflegerischen Fürsorge kombiniert. „Das Gute sei, dass sie hier Freiheit hat und – das sage ich – zugleich geborgen ist.“ Organisatorisch ergibt sich im Heim ein verstärktes Arbeiten im Versorgungsnetz rund um den hochaltrigen Patienten aus Pflegenden, Angehörigen und anderen Behandelnden. Zum Teil erfordert das die Kommunikation mit Dritten über Therapierelevantes.
Phänomen: modifizierte therapeutische Funktion.
Mehrere Faktoren im Pflegeheim mit hochaltrigen und z. T. multimorbiden Patienten erfordern eine Modifizierung der sonst gängigen psychotherapeutischen Arbeit. Schwerhörigkeit oder Sprachstörungen können den verbalen Austausch beeinträchtigen. Vor dem Hintergrund massiv einschränkender Erkrankungen können pflegerische Handlungen durch den Therapeuten nötig werden, um in einen therapeutischen Kontakt zu treten: „Ich fange an zu singen, es ist ihm nicht unangenehm, gebe ihm auch etwas guten Saft zu trinken.“ Das Phänomen therapiebeeinflussender (körperlicher) Ereignisse während der Therapie nimmt direkten Einfluss auf die Flexibilität des Therapeuten und die Art der Modifizierung. Beispielsweise bei Herrn E., der nach einem schweren Sturz während der laufenden Therapie unter deutlichen Konzentrationsstörungen sowie massiv verwaschener Sprache leidet und fortan bettlägerig ist. Die zuvor rein gesprächstherapeutische Basis wird durch einen pflegerischen Zugang und unter Einbezug Pflegender modifiziert, um den nun schwer körperlich und kognitiv eingeschränkten Patienten, bei bekannter Suizidalität, weiterhin psychotherapeutisch begleiten zu können.
Über den reinen Patientenkontakt hinaus ergeben sich vermehrt organisatorische Anliegen im institutionellen Kontext und im Versorgungsnetz. Zudem können wiederholte Beziehungsmuster und Verkennungen geschehen: Der Psychotherapeut wird allgemein für den „Herrn Doktor“ oder konkret für den „Hausarzt“ gehalten, oder auch für einen angenehmen männlichen Besuch, der mit Kaffee und Keksen versorgt und bedient wird, bis hin zu einer erotisch anmutenden Beziehungsaufnahme.

Probleme

Der aufsuchende Psychotherapeut wird im Pflegeheim mit gewissen Schwierigkeiten konfrontiert. Beispielsweise kann die Beteiligung Dritter, u. a. als Kommunikation über Dritte, an der Behandlung als störend und aufdringlich empfunden werden. Bei schwer erkrankten Patienten kann dies allerdings eine zusätzliche Stütze bieten. Manchmal fühlt sich der Therapeut als „Eindringling“ im Versorgungsnetz mitunter „merkwürdig ablehnend behandelt“.
Phänomen: Müdigkeit des Therapeuten.
Eindrücke übertragener Schwäche und Resignation der Patienten sowie ein „Nicht-Verstehen“ können beim Therapeuten zu „Rêverie“ bis hin zu einer bleiernen Müdigkeit führen: „Ich werde in dieser Resignation und Aggressionsverleugnung immer müder; meine Augen fallen schier zu.“ Diese Reaktion kann von bestimmten räumlichen Gegebenheiten wie gedimmtem Licht, warmer und/oder stickiger Luft im Heimzimmer befördert werden.
Phänomen: Vorkommnis therapiebeeinflussender (körperlicher) Ereignisse.
Im Heim können grassierende infektiöse Erkrankungen auftreten, „wegen dem ich mich deutlich verkleiden muss, mit Mundschutz, Handschuhen und Schutzhülle“. Durch kognitive Einschränkungen wird der Therapeut nicht immer erkannt: „Er hatte mich nicht erkannt, erlebte mich diesmal fremd.“
„Vergessen? Krank? Gestorben?“ sind nicht selten die ersten Assoziationen, sollte ein Patient nicht anzutreffen sein. Eine plötzliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes kann das Therapiegeschehen nachhaltig verändern, was den Therapeuten betroffen und traurig zurücklässt.

Diskussion

Das Pflegeheim erscheint als Ort aufsuchender psychodynamischer Psychotherapie phänomenologisch in Form der räumlichen Umgebung und institutionellen Struktur. Organisatorisch ergibt sich ein (Auf‑)Suchen des Patienten mit einem Arbeiten im Versorgungsnetz. Inhaltlich findet das Pflegeheim durch die Umbruchsituation mitsamt dem Einleben Einzug in die Psychotherapie. Der Therapeut sieht sich durch körperliche Erkrankungen, die Nähe zum Lebensende und eine eigene Müdigkeit mit gewissen persönlichen Herausforderungen im Pflegeheim konfrontiert.

Phänomenologische Erscheinungsform

Bereits Datler et al. (2012) bieten in ihrem 3‑monatigen Beobachtungsprojekt dementer Pflegeheimbewohnender wertvolle psychoanalytisch geprägte Einblicke in den Alltag und die Lebensqualität im Pflegeheim. Der vorliegende Beitrag teilt die durch das Aufsuchen bedingten Alltagseindrücke und beleuchtet darüber hinaus, welche Rolle das Pflegeheim für die Patienten und noch mehr für den Therapeuten im psychotherapeutischen Arbeiten spielt. Über das Alltagsgeschehen hinaus werden seltene Einblicke in die Psychotherapie mit hochaltrigen Menschen im Pflegeheim gewährt. Statt des eigenen, persönlich gestalteten Therapieraums findet sich der aufsuchende Therapeut im Bewohnerzimmer mit eigener Ästhetik, speziellem Geruch und meist erhöhter Temperatur wieder (Kessler und Agines 2015). All die neuen sinnlichen Eindrücke können den Reflexionsraum des Therapeuten „vollstellen“ (Lindner und Sandner 2015), was ein aktives Abgrenzen von der Umwelt erfordert. Gleichzeitig kann die räumliche Umgebung des Patienten im Heim psychodynamisch gedeutet werden und gibt Auskunft über das Einleben und Wohlfühlen. Spezifisch in der Institution Heim ist zu beachten, dass als einziger Therapieraum das Heimzimmer des Patienten, welches zumeist (beachte) das Schlafzimmer darstellt, infrage kommt. Krankheitsbedingt ist es möglich, dass der Patient die Sitzung liegend im Bett verbringt. Dabei wirkt das liegende Setting als Spezifikum der Psychoanalyse regressionsfördernd (Benecke 2014), was hier weder forciert wird noch indiziert scheint. Zu diskutieren wäre zudem, inwieweit das Pflegeheim allein als Institution bereits regressionsfördernd wirkt, indem Autonomie und Selbstversorgung „abgegeben“ werden. Zuletzt findet sich der Therapeut im Heim in der ortsunspezifischen Rolle des Besuchers wieder, was mit entsprechenden sozialen Konventionen einhergeht (Lindner 2014).
Phänomenologisch ergibt sich die Rolle des Pflegeheims als Institution der sozialen Welt des Patienten, in der der Therapeut über die entstehenden Einflüsse des ortsunspezifischen Aufsuchens (z. B. Lindner und Sandner 2015) hinaus mit eigenen Assoziationen über das Heim konfrontiert werden kann. Vor dem Hintergrund der negativen Stereotype gegenüber alten Menschen, aber spezifisch gegenüber dem Pflegeheim (Folkins et al. 2020) kann dies durchaus seine Gegenübertragung negativ beeinflussen und sollte ausreichend reflektiert werden.

Bedeutung des Pflegeheims

Belastungsfaktoren durch den Umzug ins Heim sowie die Konfrontation mit kranken oder dementen Mitbewohnenden stellen einen Risikofaktor für Depressionen dar. Im Rahmen des Pilotprojekts der KVT-Depression-Behandlung im Pflegeheim beschreibt Kessler (2016) die beiden therapeutischen Schwerpunkte der Normalisierung der Lebenssituation und Selbststabilisierung, was auch hier im Übergang ins Heim mit ambivalenter Umbruchsituation und einhergehenden Schwierigkeiten einen Fokus der Therapie bildet. Erfordert wird eine besondere therapeutische Haltung, bestehend aus „Holding“, Wertschätzung, emphatischem Beistand sowie Bestärkung und Bekräftigung (Kessler und Agines 2015). Im vorliegenden psychodynamischen Material äußert sich dies in direkt anerkennenden, Ich-stärkenden und stabilisierenden Interventionen. Der Wunsch nach Eigenständigkeit bei gleichzeitigem Wunsch nach Unterstützung und Versorgung zeigt sich als bekannter Autonomie-Abhängigkeit-Konflikt (Arbeitskreis 2023). Dieser ist bei hochaltrigen Patienten kein Novum, inszeniert sich im Heim allerdings unter dem Pflegeaspekt in besonderer Weise. Er kann unter Einbezug des institutionellen Umfelds therapeutisch bearbeitet werden.
Organisatorisch bedingt nimmt die Arbeit im Versorgungsnetz des Heims einen besonderen Stellenwert ein. Durch den Einzug in die Institution Pflegeheim überträgt der Bewohnende einen im Heimvertrag festgelegten Teil der Selbstverantwortung und -versorgung an Pflegende und Angehörige. Hierdurch ergibt sich eine eigenständige Funktion des Versorgungsnetzes, das zum Großteil durch das Heim selbst aufgespannt wird: Zumeist verfügen Pflegeheime über eigene (aufsuchende) Hausärzte, Psychiater, Physio- und Ergotherapeuten etc., die den Patienten gemeinsam versorgen. An diesem „Netz“ kann sich auch der aufsuchende Psychotherapeut beteiligen, durchaus zum Vorteil des Patienten. In dem Dreieck zwischen Institution, Patient und Therapeut können sich aber auch spezifische Beziehungskonflikte, die im Leben der Patienten zuvor schon eine Rolle spielten, reinszenieren. Bedingt durch das Aufsuchen können Patienten den Therapeuten anders erleben, als es dieser gewohnt ist – als ärztlicher Hausbesuch, oder, im Rahmen spezifischer Übertragungen, auch als mehr oder weniger erotisch erlebten freundschaftlichen Besuch. Das muss im Rahmen der Übertragungsanalyse genau reflektiert werden (Lindner 2014).
Das Phänomen der modifizierten therapeutischen Funktion wurde im Forschungsprozess vielfältig diskutiert, da der Autorin I.T. die fürsorglichen Handlungen wie Füttern oder Singen zunächst als „außertherapeutisch“ erschienen. Allerdings scheint die Frage berechtigt, was die Grenzen von Psychotherapie sind. Vor dem Hintergrund erschwerter verbaler Kommunikation oder plötzlicher Verschlechterung des Gesundheitszustandes kann es tatsächlich angebracht sein, die therapeutische Beziehung um nonverbale und pflegerische Momente zu erweitern, um überhaupt einen Kontakt zu ermöglichen. Diese Erkenntnis ist wertvoll und zeigt, wie individuell therapeutisches Arbeiten sein kann. Schließlich scheint es wichtig zu sein, dass der Therapeut selbst die Grenzen seiner Arbeit anerkennt und einhält, aber auch bewusst in speziellen Fällen professionell darüber hinausgehen kann (Briggs et al. 2022). Zudem schlägt bereits Kessler (2016) auf inhaltlicher Ebene vor, dass eine Modifikation des therapeutischen Arbeitens im Pflegeheim diskutiert werden muss. Eine Modifikation scheint auch hier bezüglich der Umstände des Aufsuchens im vollinstitutionellen Lebensumfeld des Patienten sowie seiner körperlichen und geistigen Verfassung notwendig.
Auch die Psychoedukation des Pflegepersonals erweitert das übliche ambulante Arbeiten und ist im Heimkontext immanent wichtig, um das direkt versorgende Umfeld des Patienten nachhaltig zu stärken. Das bereits erwähnte psychotherapeutische Programm BE-ACTIV (Meeks et al. 2015) und der R‑E-M-Ansatz (Carpenter et al. 2013) arbeiten aktiv mit dem Versorgungsnetz und binden auf unterschiedliche Weise das Pflegepersonal in die psychologische Versorgung mit ein. Auch in diesem Beitrag wird deutlich, dass das Pflegepersonal im einzelpsychotherapeutischen Setting eine stützende Rolle einnehmen kann, und dass es sich lohnt, im angemessenen Rahmen aktiv mit dem Versorgungsnetz in Kontakt zu treten.

„Probleme“ durch das Pflegeheim

Aufsuchende Psychotherapiesitzungen werden ab und an durch die soziale Umwelt des Patienten gestört, was im Heim durch eigene Regeln und Abläufe verstärkt zu sein scheint.
Das Phänomen der „quälenden, zerstörerischen und unerträglich erlebten“ Müdigkeit des Therapeuten ist als ein generelles Beziehungsphänomen bekannt (Zwiebel 1992), kann aber als individuelle Reaktion zwischen verschiedenen Psychotherapeuten variieren. Bestimmte Faktoren im Heim, wie die räumlichen Gegebenheiten (Temperatur, Lichtverhältnisse), ein verlangsamter Ablauf im Pflegeheim oder eine verlangsamte Interaktion mit der Patientin, vielleicht im Sinne einer „Todesmüdigkeit“, können zusätzlich auf ein von vornherein (unbewusst) bestehendes Schlafbedürfnis wirken.
Das Pflegeheim ist ein Ort für Pflegebedürftige und auch ein Ort zum Sterben. Der dort aufsuchende Therapeut muss sich der Vorbelastung der Patienten und der Nähe zum Lebensende bewusst sein. Die sich daraus ergebende Konflikthaftigkeit sollte zuvor in der Therapie nicht vermieden, sondern angesprochen werden, was den Entscheidungs- und Handlungsspielraum des Patienten, aber auch den des Therapeuten erweitert (Lindner und Sandner 2015). Wichtig ist, dass der Therapeut – in seiner Professionalität – als zurückbleibende Partei der therapeutischen Beziehung auch Abschied nehmen und trauern darf.

Limitationen

Die dargestellten Ergebnisse sind aufgrund der qualitativen Methodik und Subjektivität nicht repräsentativ, bieten aber explorativ zunächst die Möglichkeit, einen Einblick in ein Forschungsfeld ohne viele Vorprägungen zu erhalten. Es zeigt sich ein Abbild des aktuellen Stands im Prozess der Auseinandersetzung der Autoren mit eigenen Erfahrungen. Zweifelsfrei können andere Interpretanten zu divergierenden Sichtweisen gelangen. Die Subjektivität beider Autoren lässt keine allgemeine Schlussfolgerung zu. Im Zusammenspiel der intuitiven Betrachtung einer Berufsanfängerin und der Fachexpertise eines erfahrenen Psychotherapeuten ergibt sich aber eine neue Perspektive, die wertvolle Rückschlüsse auf das aufsuchende psychotherapeutische Arbeiten im Pflegeheim zulässt.
Inhaltlich wird die vornehmlich psychodynamische Sichtweise eines einzigen Therapeuten dem Spektrum des möglichen psychotherapeutischen Arbeitens nicht gerecht und sollte zukünftig aus der Perspektive anderer Verfahrensrichtungen und mehrerer Psychotherapeuten sowie aus Patientensicht ergänzt werden.

Fazit für die Praxis

  • Der vorliegende Beitrag ermöglicht einen Einblick in das psychotherapeutische Arbeiten in der Institution Pflegeheim.
  • Der Ort Pflegeheim inszeniert sich in der Wahrnehmung und Organisation, dem Therapieinhalt und in gewissen Herausforderungen für den Psychotherapeuten, die eine kreative Modifikation der therapeutischen Arbeit erfordern.
  • Eine vorsichtige Schlussfolgerung für die Praxis ist möglich: Psychotherapie im Pflegeheim lohnt sich und kann trotz und mit allen Hürden gelingen. Sie bereichert nicht nur die Patienten, sondern auch (junge) Psychotherapeuten.

Einhaltung ethischer Richtlinien

Interessenkonflikt

I. Theißen und R. Lindner geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
Für diesen Beitrag wurden von den Autor/-innen keine Studien an Menschen oder Tieren durchgeführt. Für die aufgeführten Studien gelten die jeweils dort angegebenen ethischen Richtlinien.
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Titel
Pflegeheim als Ort aufsuchender Psychotherapie
Subjektive Wahrnehmung und Bedeutung des Ortes Pflegeheim im psychodynamisch-psychotherapeutischen Setting
Verfasst von
Imke Theißen, B.Sc.
Prof. Dr. Reinhard Lindner
Publikationsdatum
07.10.2024
Verlag
Springer Medizin
Erschienen in
Die Psychotherapie / Ausgabe 6/2024
Print ISSN: 2731-7161
Elektronische ISSN: 2731-717X
DOI
https://doi.org/10.1007/s00278-024-00749-y
1
Die im Folgenden aufgeführten Zitate entstammen den Psychotherapieprotokollen, die in Gänze aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht öffentlich zugänglich sind. Auf Anfrage stellen die Autoren die Protokolle gern zur Verfügung.
 
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Zurück zum Zitat Zwiebel R (1992) Der Schlaf des Analytikers. Die Müdigkeitsreaktion in der Gegenübertragung. Verlag Internationale Psychoanalyse

Neu im Fachgebiet Psychiatrie

Mephedron und „Monkey Dust“ erobern das Nachtleben

Seit der Pandemie machen sich zunehmend synthetische Cathinone in der Partyszene breit. Die Amphetamine werden geraucht oder geschnupft, beim Feiern oder zum Sex konsumiert und sorgen in Kliniken für immer mehr drogeninduzierte Psychosen.

GHB als Partydroge im Aufwind

Billig und stimulierend, solange man nicht zu viel davon nimmt: Gamma-Hydroxy-Buttersäure (GHB) hat sich einen schlechten Ruf als K.o.-Tropfen erworben. Verwendet wird die Substanz jedoch meist als Partydroge. In der Szene hat sie schon gut ein Drittel probiert.

Dermatozoenwahn: frühes Anzeichen von Demenz?

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Psilocybin hält therapieresistente Depressionen ein Jahr lang in Schach

Ein bis zwei Sitzungen mit einer Psilocybin-augmentierten Psychotherapie lindern therapieresistente Depressionen deutlich und langfristig: Der Therapieeffekt hält auch nach einem Jahr noch an. Männer profitieren jedoch stärker als Frauen.

Bildnachweise
Disco Party Club DJ (generiert mit KI)/© joernueding / stock.adobe.com (Generated with AI / Symbolbild), Rauchende Teenies trinken Alkohol/© Joshua Resnick / Fotolia (Symbolbild mit Fotomodellen), Psilocybinhaltige Pilze/© kichigin19 / stock.adobe.com