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Psychiatrie und medizinische Psychotherapie – (K)ein Fach wie alle anderen?

Erschienen in:

Auszug

Unsere Patientinnen und Patienten bekommen Diagnosen und biologische Therapie wie in anderen Fächern der Medizin. Darüber hinaus benötigen unsere Patienten zusätzliche psychotherapeutische und sozialpsychiatrische Hilfen, die leider wie in anderen Fächern der Medizin oft zu kurz kommen. Unsere Diagnosen sind vielleicht weniger zeitstabil als interne oder neurologische Diagnosen und die Therapierbarkeit hängt stärker von intrapsychischen Faktoren sowohl der Kranken als auch der Behandelnden ab. Erst die Qualität und Quantität unserer Beziehungsarbeit ermöglicht valide Diagnosen und nachhaltige Therapieerfolge, die damit stark von der Personaldichte und dem Zeitaufwand aller unserer Berufsgruppen abhängen. Sowohl das neue Arbeitszeitgesetz als auch die enorm zunehmende digitalisierte Dokumentation stören gegenwärtig die Beziehung zu unseren Patientinnen und Patienten. Das Interview eines Patienten durch einen Psychiater, der dabei auf den Bildschirmarbeitsplatz blickt und Kästchen ankreuzt oder kurze Textfelder ausfüllen muss, lässt kein Gespräch mit Beziehungscharakter zu. Ohne ausreichend Zeit droht die Individualität einzelner betroffener Menschen verloren zu gehen. Unsere wunderbaren, in dieser Häufung in keinem anderen Fach zu erlebenden Begegnungen machen unser Fach einzigartig, spannend und gesellschaftspolitisch faszinierend. Als Beispiel seien die aktuellen Flüchtlingsschicksale oder Traumatisierungen von Opfern des Faschismus oder deren Kinder und Enkelkinder angeführt. …
Titel
Psychiatrie und medizinische Psychotherapie – (K)ein Fach wie alle anderen?
Verfasst von
Univ.-Prof. Dr. Dr. Peter Fischer
Publikationsdatum
01.02.2019
Verlag
Springer Vienna
Erschienen in
psychopraxis. neuropraxis / Ausgabe 1/2019
Print ISSN: 2197-9707
Elektronische ISSN: 2197-9715
DOI
https://doi.org/10.1007/s00739-018-0535-6

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