Zum Inhalt

30. Pulmonale Hypertonie

  • 2022
  • OriginalPaper
  • Buchkapitel
Erschienen in:

Zusammenfassung

Während früher oft der Begriff Cor pulmonale verwendet wurde, spricht man heute meist von der pulmonalen Hypertonie (PH), wenn es um die Belastung des rechten Ventrikels durch geschädigte Lungen geht. Die Welt-Symposien für Pulmonale Hypertonie (WSPH) sind maßgeblich für die internationalen Definitionen und die Klassifikation der pulmonalen Hypertonie. Die aktuelle WSPH-Leitlinie aus dem Jahr 2015 definiert eine PH durch einen pulmonalen Mitteldruck ≥25 mmHg in Ruhe, mittels Rechtsherzkatheter gemessen, aber im letzten WSPH, 2018, wurde beschlossen, die Definition auf einen pulmonalen Mitteldruck >20 mmHg zu ändern. Wenn dabei der linksatriale Druck im Normalbereich ist (PAWP ≤15 mmHg) und der pulmonale Gefäßwiderstand erhöht ist (PVR >3 WU), spricht man von einer „präkapillären PH“. Die Subgruppe der präkapillären PH-Patienten, ohne zugrunde liegende Lungen- oder Herzerkrankung und ohne chronische Thromboembolie oder sonstige seltene Ursachen (Gruppe 5) definiert die „pulmonal-arterielle Hypertonie“ (PAH). Für die PAH gibt es mehrere zugelassene Medikamente, aber für die anderen Formen der PH gibt es das nicht, abgesehen von der nicht operablen chronisch thromboembolischen PH (CTEPH). Für die CTEPH ist die Therapie der Wahl die Pulmonalisendarterektomie, die in Expertenzentren gegenwärtig eine Mortalität <5 % aufweist. Die PH bei Lungenkrankheiten wird seit der WSPH 2013 so eingeteilt, dass bei chronisch obstruktiver Lungenkrankheit (COPD), idiopathischer Lungenfibrose (IPF) und kombinierter pulmonaler Fibrose mit Emphysem (CPFE) von einer schweren PH-COPD/PH-CPFE/PH-CPFE gesprochen wird, wenn in Ruhe ein pulmonaler Mitteldruck ≥35 mmHg oder ≥25 mmHg bei einem erniedrigen Herzindex ≤2,0 l/min vorliegt. Ist bei einer schweren PH-Lungenerkrankung nur eine gering bis mittelgradig eingeschränkte Lungenfunktion vorhanden, so ist es auch möglich, dass eine PAH mit begleitender Lungenerkrankung vorliegt. Solche Patienten sollen sich in einem Zentrum vorstellen, welches nicht nur für pulmonale Hypertonie, sondern auch für Lungenkrankheiten ausgewiesen ist. Nach wie vor wird die Diagnose der idiopathischen PAH spät gestellt. Es besteht ein Bedarf sowohl an weiteren nichtinvasiven diagnostischen Methoden als auch an Bewusstsein unter den Ärzten und in der Bevölkerung für diese bedrohliche Krankheit. Luftnot bei Belastung, die weder durch einen kardialen oder pulmonalen Befund noch durch Hypertonie oder Anämie zu erklären ist, sollte den Verdacht auf eine pulmonale Hypertonie lenken und die Überweisung an ein Expertenzentrum nach sich ziehen.
Titel
Pulmonale Hypertonie
Verfasst von
Horst Olschewski
Copyright-Jahr
2022
Verlag
Springer Berlin Heidelberg
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-662-63651-0_30
Dieser Inhalt ist nur sichtbar, wenn du eingeloggt bist und die entsprechende Berechtigung hast.

Kompaktes Leitlinien-Wissen Innere Medizin (Link öffnet in neuem Fenster)

Mit medbee Pocketcards schnell und sicher entscheiden.
Leitlinien-Wissen kostenlos und immer griffbereit auf ihrem Desktop, Handy oder Tablet.

Neu im Fachgebiet Innere Medizin

Fokale Salvage-Therapie bei lokalem Prostatakrebsrezidiv langfristig wirksam

Bei einem nach Radiotherapie lokal rezidivierten Prostatakarzinom sind fokale Salvage-Therapien mit einer guten Prognose verbunden: Das krebsspezifische Zehn-Jahres-Überleben ist einem retrospektiven Vergleich zufolge ebenso hoch wie nach Salvage-Prostatektomie.

Relacorilant verlängert Überleben bei platinresistentem Ovarialkarzinom

Durch Hinzunahme des Glukokortikoid-Rezeptor-Antagonisten Relacorilant zu nab-Paclitaxel wird bei Frauen mit platinresistentem Ovarialkarzinom nicht nur das progressionsfreie, sondern auch das Gesamtüberleben verlängert. Laut finaler Analyse der ROSELLA-Studie gewinnen sie vier Monate an Lebenszeit.

ICI-induzierte Dermatitis: Upadacitinib als vielversprechende Therapieoption

Immunvermittelte Hautreaktionen gehören zu den häufigsten Nebenwirkungen von Immun‑Checkpoint‑Inhibitoren. Eine offene Phase‑2‑Studie untersuchte den JAK‑1‑Inhibitor Upadacitinib bei schwerer ICI‑assoziierter Dermatitis. Die Hautsymptome gingen rasch zurück, schwerwiegende therapieassoziierte Nebenwirkungen wurden nicht beobachtet.

Extrapulmonale Befunde beim Lungenkrebs-Screening – Krebsverdacht gerechtfertigt?

Der Umgang mit Zufallsentdeckungen ist ein vieldiskutiertes Thema im Zusammenhang mit dem Low-Dose-CT-Screening auf Lungenkrebs. Eine Studie hat sich nun speziell mit inzidentellen Befunden befasst, die auf ein extrapulmonales Malignom verdächtig sind.

Update Innere Medizin

Bestellen Sie unseren Fach-Newsletter und bleiben Sie gut informiert.

Bildnachweise
Die Leitlinien für Ärztinnen und Ärzte, Eine Person kratzt sich am Rücken über der Schulter/© ryanking999 / stock.adobe.com (Symbolbild mit Fotomodell), Mann erhält einen CT-Scan /© Mark Kostich / stock.adobe.com (Symbolbild mit Fotomodell)