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Q&A zur wissenschaftliche Fortbildung "Einsatz von Antibiotika? Zeit für einen Paradigmenwechsel!"

Webinar / Übertragung im Kino vom 29.05.2019:

Weitere Fragen wurden von den Experten schriftlich beantwortet:

Q&A zu „Antibiotika rational einsetzen – das Mikrobiom schützen“ von Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. André Gessner


1.  Auf welche Studie zum Thema Probiotika aus Israel bezog sich Prof. Gessner in seinem Statement in der Live-Übertragung?

Post-Antibiotic Gut Mucosal Microbiome Reconstitution Is Impaired by Probiotics and Improved by Autologous FMT, Suez et al., 2018, Cell

2. Hat ein Mikrobiomaufbau mit löslichen Ballaststoffen als Prebiotikum Vorteile gegenüber der Behandlung mit Probiotika?

Es gibt meines Wissens nach keine soliden, vergleichenden Studien hierzu.

3. Werden die Bakterien auf der Nahrung im Magen durch die Säure abgetötet, sodass diese, wenn sie im Darm ankommen sich nicht mehr vermehren können?

Hier kann keine generelle Aussage gemacht werden. Viele Bakterien überleben die „Säurebarriere“ des Magens nicht. Bakterielle Sporen und bestimmte Pathogene (Salmonellen, Campylobacter, Shigellen u.a. Darmpathogene) sind dagegen sehr erfolgreich in der Überwindung dieser Barriere. Ein mögliches Überleben der Bakterien ist vom jeweiligen Kontext (Mahlzeit-Pufferfunktion, Keimzahl usw.) abhängig.

4. Bei einer Studie wurden bei Flusswasserproben in 65% der Proben Antibiotikarückstände gefunden. Wirkt sich dies über das Trinkwasser auf das Mikrobiom aus?

Die in der Studie gemessenen Konzentrationen befinden meist in Bereichen, die für die meisten Bakterien weit unterhalb der minimalen Hemmkonzentration liegen. Problematischer sind in diesem Zusammenhang vorher angereicherte resistente Bakterien oder Resistenzgene. Die gefundenen Rückstände sind aber ein klarer Indikator für den Antibiotikaübergebrauch.

5. Inwieweit bietet die Wiederherstellung des gesunden Mikrobioms Ansätze zur Therapie von Allergien?

Höchstwahrscheinlich wird es hierzu in der Zukunft vielversprechende Ansätze geben. Derzeit sind aber noch keine evidenz-basierten Daten für die klinische Anwendung vorhanden.


 
Q&A zu „Paradigmenwechsel in der Therapie der akuten, unkomplizierten Zystitis“ Prof. Dr. med. Florian Wagenlehner
 

1. Besteht eine Möglichkeit, dass die RTL Behandlung von der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) übernommen wird?

Einige Arzneimittel sind für gesetzlich Krankenversicherte nicht verordnungsfähig, dürfen also grundsätzlich nicht zu Lasten der GKV auf „rotem“ Rezept verordnet werden. Dazu gehören apothekenpflichtige, nicht verschreibungspflichtige, sogenannte "OTC-Arzneimittel" (Ausnahme: Kinder bis 12 Jahre und Jugendliche bis 18 Jahre mit Entwicklungsstörungen). Eine RTL Behandlung kann daher für Erwachsene nicht zu Lasten der GKV auf einem Kassenrezept verschrieben werden. Möglich ist die Verschreibung auf einem sogenannten "grünen" Rezept. Ob gesetzliche Krankenkassen die Behandlung im Rahmen ihrer freiwilligen Leistungen bezahlen, muss mit der jeweiligen Kasse geklärt werden.

2. Ist der ACSS auf Deutsch frei zur Anwendung erhältlich?

Der ACSS-Fragebogen ist in mehreren Sprachen (unter anderem auch auf Deutsch) zum Download verfügbar unter: http://www.acss.world/downloads.html

3. Warum handelt es sich bei der vorgestellten klinischen Studie mit RTL versus Fosfomycin um eine multizentrische Studie? Sind die Gruppen in allen Zentren gleich aufgebaut? Warum kommen über 200 Teilnehmer aus der Ukraine?

Bei der Studie handelt es sich um eine multizentrische Studie, da sie in mehreren Studienzentren durchgeführt wurde. Die Vergleichsgruppen sind dabei in allen Zentren gleich aufgebaut. Die Einbeziehung ausländischer Studienzentren erlaubt es, das geeignete Patientenkollektiv schneller zu rekrutieren und mögliche Auswahlverzerrungen bei der Rekrutierung zu minimieren. Das Minimieren der Auswahlverzerrung gilt dabei als Qualitätsfaktor. Auch für die Zulassung des Arzneimittels ist das multinationale Studiendesign vorteilig, da die Ergebnisse der Studie in den Dossiers der verschiedenen Teilnehmer-Länder Eingang finden.

4. Gibt es eine klinische Studie von RTL versus Placebo?

Es gilt in vielen Bereichen als unethisch, im Rahmen von Therapieprüfungen eine Placebo-Gruppe mitzuführen, wenn sich eine oder mehrere Behandlungen für das entsprechende Indikationsgebiet als wirksam erwiesen haben. Bei unkomplizierten Harnwegsinfekten gibt bereits mehrere Studien, in denen eine Behandlung mit Placebo der Behandlung mit Antibiotikum klar unterlegen war. Eine Testung von RTL als symptomorientierte nicht-antibiotische Therapiealternative erfolgte daher gegen eine etablierte Therapieoption, für welche die Wirksamkeit klar belegt ist.

5. Wieso wurde in der vorgestellten klinischen Studie mit RTL versus Fosfomycin die Studienmedikation über 7 Tage gegeben?

In der Studie wurde eine 7-tägige Behandlungsphase mit RTL durchgeführt, da nach spätestens 7 Tagen Behandlung klar ist, ob eine Therapie adäquat eingesetzt wurde.

6. Wird es eine klinische Studie geben, in welcher Ibuprofen mit einem Phytotherapeutikum verglichen wird? Wieso wurde das bis jetzt nicht gegenübergestellt?

Es ist eine Metaanalyse angestrebt, in der die nicht-antibiotischen Therapieoptionen verglichen werden. Da Antibiotika bisher den Standard der Therapie darstellten wurden bisher alle nicht-antibiotischen Optionen gegen Antibiotika getestet.

7. Macht es Ihrer Meinung nach Sinn RTL mit anderen nicht-antibiotischen Therapieoptionen, z.B. anderen Phytopräparaten zu kombinieren?

In mehreren präklinische Studien wurde das breite pharmakologische Wirkspektrum von RTL untersucht und belegt. Mit seinen nachgewiesenen analgetischen, spasmolytischen, antiadhäsiven und antiphlogistischen Effekten behandelt RTL die Symptome einer Zystitis bereits sehr umfassend.

8. Warum werden in den Leitlinien fast ausschließlich Antibiotika empfohlen?

In den Leitlinien wurden bisher fast ausschließlich Antibiotika empfohlen, da bisher die klinisch-wissenschaftliche Evidenz einer nicht-antibiotischen Therapie gefehlt hat. Für die Prophylaxe werden nicht-antibiotische Strategien schon jetzt in Leitlinien an erster Stelle empfohlen.

 9. Wie vermittelt man aus Ihrer Sicht die Mehrkosten einer Phytotherapie an antibiotikabeanspruchenden Patienten?

Antibiotika sind leider sehr billig. Der Hinweis auf Schädigung des körpereigenen Mikrobioms ist allerdings ein wichtiges Argument mit Antibiotika sparsam umzugehen.

10. Kann eine Phytotherapie auch bei einer Katheter-bedingten Harnwegsinfektion eingesetzt werden?

Hierzu gibt es keine ausreichende Datenlage.

11. Wann ist zu erwarten, dass die Phytotherapie umfangreicher in die S3 Leitlinien aufgenommen wird?

Neue Studienergebnisse werden in den Updates der S3 Leitlinie immer bewertet und berücksichtigt. Ein fester Termin für das nächste Update ist allerdings noch nicht geplant.

12. Warum wurde Ihrer Meinung nach bis vor kurzen Ciprofloxacin so gerne bei Harnwegsinfektionen angewendet?

Ciprofloxacin war lange Zeit sehr gut wirksam und ist in dieser Indikation gut untersucht und weiterhin in vielen Köpfen „verankert“.

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Vertreten durch Herrn Prof. Dr. M. A. Popp 
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