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01.06.2014 | Leitthema | Ausgabe 6/2014

Der Urologe 6/2014

Radikale Tumorchirurgie des Nierenzell- und Prostatakarzinoms bei hämatogener Metastasierung

Vorteile

Zeitschrift:
Der Urologe > Ausgabe 6/2014
Autoren:
Prof. Dr. A. Heidenreich, D. Pfister, D. Porres

Zusammenfassung

Der Stellenwert der zytoreduktiven Tumorchirurgie urologischer Malignome wird in der Literatur kontrovers diskutiert. In der vorliegenden Arbeit wird die Rolle der zytoreduktiven Chirurgie beim hämatogen und lymphogen metastasierten Nierenzell- bzw. Prostatakarzinom entsprechend der Literatur und eigener Erfahrungen kritisch reflektiert.
Die zytoreduktive Nephrektomie ist beim metastasierten Nierenzellkarzinom auch in der Ära der molekularen Therapie mit einem Überlebensvorteil gegenüber der alleinigen medikamentösen Therapie vergesellschaftet, wenn bei den Patienten ein guter Allgemeinzustand und eine günstige/intermediäre Prognose vorliegen, zerebrale oder Metastasen im zentralen Nervensystem (ZNS) ausgeschlossen sind und mindestens 90 % des Tumorvolumens durch die zytoreduktive radikale Nephrektomie (ZRN) reseziert werden können. Erste kleine Studien deuten darauf hin, dass eine präoperative medikamentöse Tumortherapie mit einer geringeren Einjahressterblichkeit assoziiert ist.
Beim Prostatakarzinom ist die zytoreduktive radikale Prostatektomie (RPE) eine leitlinienempfohlene Therapie bei Vorliegen von intrapelvinen Lymphknotenmetastasen, die mit einem Überlebensbenefit gegenüber der alleinigen Androgendeprivation verbunden ist. Die zytoreduktive RPE sollte unter den folgenden Bedingungen erfolgen: 1) limitierte, intrapelvine Metastasierung ohne „bulky disease“, 2) komplette Resektabilität des Primärtumors und der Metastasen durch extendierte radikale Prostatektomie und extendierte pelvine Lymphadenektomie, 3) Einbindung des Patienten in ein multimodales Therapiekonzept und 4) Lebenserwartung > 10 Jahre.
Der Stellenwert der zytoreduktiven RPE beim ossär metastasierten Prostatakarzinom (mPCA) ist aufgrund fehlender klinischer Studien noch unklar. Eine unreflektierte Indikationsstellung zur zytoreduktiven RPE ist derzeit nicht gerechtfertigt. Erste Studien weisen auf einen Benefit für Patienten mit günstigen Prognosefaktoren hin: minimale Tumorlast, PSA-Reduktion (prostataspezifisches Antigen) < 4 ng/ml nach 6-monatiger Androgendeprivation (ADT), komplette Resektabilität des Tumors.

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