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Die Onkologie

Immunonkologie – Paul Ehrlichs Traum wird wahr

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Der Verlag bleibt in Hinblick auf geografische Zuordnungen und Gebietsbezeichnungen in veröffentlichten Karten und Institutsadressen neutral.
Die Beiträge des vorliegenden Themenhefts zeigen die Breite und Tiefe der immunonkologischen Ansätze – von Zelltherapien und Strahlungskombinationen bis hin zu molekularen Zielstrukturen. Zu den wichtigsten Herausforderungen zählen nach wie vor Therapieresistenzen, immunologische Komplexität und die Notwendigkeit einer präzisen Patientenauswahl (Abb. 1).
Abb. 1
Die Komplexität immunonkologischer therapeutischer Behandlungsstrategien – von Zelltherapien, (kombinierten) Bestrahlungsoptionen zu molekularen Zielstrukturen. Herausforderungen bleiben bestehen: Resistenz, immunologische, suppressive Gegenreaktionen im Tumormikromilieu sowie die Notwendigkeit präziser Patientenselektion (diese Abbildung wurde mithilfe Künstlicher Intelligenz, Google Gemini, erstellt). Von Lewinski.Gabriela@mh-hannover.de. CART-T-Zelle Chimeric Antigen Receptor modified T-Cell
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In „Immunologische Grundlagen“ gibt Wölfel eine umfassende Übersicht über die immunologischen Grundlagen und aktuellen Anwendungen der Krebsimmuntherapie. Er beleuchtet sowohl aktive Strategien, die das körpereigene Immunsystem rekrutieren, als auch passive Ansätze, bei denen Immuneffektoren von außen zugeführt werden. Der Fokus liegt auf Antikörper- und T‑Zell-basierten Verfahren, einschließlich auf der Basis synthetischer Biologie entwickelter Effektoren wie chimärer Antigenrezeptoren (CAR) und bispezifischer Moleküle. Darüber hinaus werden verschiedene Antigenkategorien und immunologische Zielstrukturen sowie die Herausforderungen und Zukunftsperspektiven in der Steuerung dieser vielfältigen Therapieoptionen durch Biomarker und kombinierte Modalitäten erörtert.
Zu den Herausforderungen zählen Therapieresistenzen, immunologische Komplexität, präzise Patientenauswahl
Die komplexen Mechanismen der Immunresistenz bei Krebserkrankungen, die auch erklären, warum Immuntherapien nicht bei allen Patienten wirken, werden von Halama und Halama diskutiert. Beleuchtet werden sowohl primäre Resistenzen, die bereits vor Behandlungsbeginn existieren, als auch erworbene Resistenzen, die sich während der Therapie entwickeln. Schlüsselbereiche der Resistenz umfassen die Maskierung von Tumorzellen, die direkte und indirekte Inaktivierung des Immunsystems, Gewebeschutzmechanismen sowie die Bildung physischer Barrieren. Es wird hervorgehoben, dass unterschiedliche Tumorentitäten und Organe verschiedene immunologische Eigenschaften und Charakteristika aufweisen, welche die Entwicklung individueller Therapiestrategien für die Zukunft unerlässlich machen.
Nicht zuletzt führt auch eine Strahlentherapie zu immunonkologischen Systemeffekten, wie Gaipl et al. aufzeigen. Insbesondere können auch lokale radioonkologische Behandlungen systemische Wirkungen gegen Tumoren hervorrufen. Herausgestellt wird das Phänomen der „abskopalen Effekte“, bei denen Strahlentherapie, oft in Kombination mit Immuntherapien, eine Antitumorimmunität auslöst, die auch nicht bestrahlte Tumormassen, wie Metastasen, beeinflusst. Es wird auf die immunaktivierenden und -unterdrückenden Mechanismen der Strahlentherapie eingegangen und die Bedeutung des Verständnisses von T‑Zell-Aktivierung und der Rolle von Immuncheckpointmolekülen betont. Ferner werden Herausforderungen bei der Optimierung von Radioimmuntherapien beleuchtet, einschließlich Dosis, Fraktionierung und Lymphknotenbestrahlung, und die Relevanz der Prädiktion immunologischer Antworten durch Biomarker und maschinelles Lernen für personalisierte Therapieansätze hervorgehoben.
Aktuelle Entwicklungen in der Immunonkologie, insbesondere bei der Optimierung von Therapien, die auf Immuncheckpoints (IC) abzielen, werden von Yesilyurt et al. untersucht. Es werden neue IC-Ziele wie LAG‑3, TIGIT und TIM‑3 sowie der Adenosinsignalweg beleuchtet, die das Potenzial haben, die Wirksamkeit bestehender Behandlungen zu verbessern. Der Beitrag erörtert auch innovative Kombinationsstrategien, darunter bispezifische Antikörper, Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADC) und Tyrosinkinaseinhibitor(TKI)-Kombinationen, die alle darauf abzielen, die Antitumorantwort zu verstärken und Resistenzen zu überwinden. Trotz erheblicher Fortschritte bleiben Herausforderungen wie Patientenselektion, Resistenzmechanismen und immunvermittelte Nebenwirkungen (irAE) bestehen, die weitere Forschung und präzisere therapeutische Ansätze erfordern.
CAR-T-Zell-Therapien, beginnend bei ihrer Entwicklung und den verschiedenen Generationen von CAR-Konstrukten bis hin zur klinischen Anwendung, werden umfassend von Mougiakakos dargestellt. Es werden die Herstellungsprozesse, die aktuell zugelassenen Produkte für verschiedene hämatologische Neoplasien wie B‑ALL, Non-Hodgkin-Lymphome und multiples Myelom sowie deren Indikationen detailliert beschrieben. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf den potenziellen Nebenwirkungen, insbesondere dem Zytokinfreisetzungssyndrom (CRS) und der Neurotoxizität (ICANS), sowie den Strategien zum Umgang mit Therapieversagen. Abschließend wird ein Ausblick auf zukünftige Entwicklungen und das immense Potenzial dieser personalisierten Zelltherapie aufgezeigt.
Die kombinierte Strahlen- und Immuntherapie (Radioimmuntherapie) bei soliden Tumoren mit Schwerpunkt auf der optimalen Reihenfolge der einzelnen Behandlungen wird von Schnellhardt et al. besprochen. Aktuelle klinische Studien und deren Ergebnisse für verschiedene Krebsarten, darunter Kopf-Hals-Tumoren, Lungen‑, Speiseröhren- und Gebärmutterhalskrebs sowie kutane Plattenepithelkarzinome, werden diskutiert. Die Autoren betonen die Komplexität der Radioimmuntherapie und heben hervor, dass die richtige Therapiesequenz, die Patientenselektion durch Biomarker und die Reduktion der Tumorlast entscheidende Faktoren für den Therapieerfolg sind. Trotz Fortschritten wird weiterer Forschungsbedarf zur Optimierung der Wechselwirkungen zwischen Strahlen- und Immuntherapie festgestellt.
Immunonkologie hat heute einen sehr hohen Stellenwert in der Krebsbehandlung. Sie zählt zu den modernsten Ansätzen und wird oft als „vierte Säule“ der Krebstherapie bezeichnet (neben Operation, Bestrahlung und Chemotherapie).
Die Beiträge des vorliegenden Themenhefts zeigen: Paul Ehrlichs Traum wird greifbar: eine präzise, hochwirksame und individuelle Therapie – eine echte „Zauberkugel“.
Prof. Dr. Matthias Theobald
Prof. Dr. Markus Hecht
PD Dr. Hans Schlösser
Für die Schriftleitung des Themenhefts
Prof. Dr. Klaus Höffken
Für die Herausgebenden

Interessenkonflikt

M. Theobald, M. Hecht und K. Höffken geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
Open Access Dieser Artikel wird unter der Creative Commons Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitung 4.0 International Lizenz veröffentlicht, welche die nicht-kommerzielle Nutzung, Vervielfältigung, Verbreitung und Wiedergabe in jeglichem Medium und Format erlaubt, sofern Sie den/die ursprünglichen Autor(en) und die Quelle ordnungsgemäß nennen, einen Link zur Creative Commons Lizenz beifügen und angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden. Die Lizenz gibt Ihnen nicht das Recht, bearbeitete oder sonst wie umgestaltete Fassungen dieses Werkes zu verbreiten oder öffentlich wiederzugeben. Die in diesem Artikel enthaltenen Bilder und sonstiges Drittmaterial unterliegen ebenfalls der genannten Creative Commons Lizenz, sofern sich aus der Abbildungslegende nichts anderes ergibt. Sofern das betreffende Material nicht unter der genannten Creative Commons Lizenz steht und die betreffende Handlung nicht nach gesetzlichen Vorschriften erlaubt ist, ist für die oben aufgeführten Weiterverwendungen des Materials die Einwilligung des jeweiligen Rechteinhabers einzuholen. Weitere Details zur Lizenz entnehmen Sie bitte der Lizenzinformation http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/4.0/.

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Titel
Immunonkologie – Paul Ehrlichs Traum wird wahr
Verfasst von
Univ.-Prof. Dr. med. Matthias Theobald
Markus Hecht
Klaus Höffken
Publikationsdatum
01.10.2025
Verlag
Springer Medizin
Erschienen in
Die Onkologie / Ausgabe 10/2025
Print ISSN: 2731-7226
Elektronische ISSN: 2731-7234
DOI
https://doi.org/10.1007/s00761-025-01821-1

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