Zum Inhalt
Rechtsmedizin

Leibzeichen in Norddeutschland – ein (fast) vergessener Rechtsbrauch

Erschienen in:

Zusammenfassung

Hintergrund

Ab dem Mittelalter wurden in Nordeuropa bei Totschlagprozessen oft konservierte Hände der Geschädigten verwendet, um den Kläger zu vertreten und die Tat zu beweisen. Diese zumeist rechten Hände werden als Leibzeichen bezeichnet. Die vorliegende Arbeit untersucht ihre historisch-rechtliche Bedeutung und interpretiert Funde aus Mecklenburg-Vorpommern.

Material und Methoden

Im Einzugsgebiet des Instituts für Rechtsmedizin Rostock wurden mehrere Standorte, insbesondere Kirchen, als mögliche Fundorte von Leibzeichen kontaktiert, die vermeintlichen Leibzeichen erfasst und mit historischen Quellen verglichen. Hierzu gehörten zwei Hände aus dem Museum in Wismar sowie eine rechte Hand in Petschow. Es wurden Berichte über zwei in Damshagen 1926 eingemauerte und heute als Sühnehände bekannte Funde recherchiert. Zudem wird über einen Fund aus Hessen berichtet, um die Bedeutung von Leibzeichen für die Einordnung heutiger Funde aufzuzeigen.

Ergebnisse

Die drei untersuchten Hände zeigen übereinstimmende Merkmale, die mit historischen Aufzeichnungen korrespondieren: rechte Hand, deutliche Mumifizierung, glatte Abtrennungsflächen an den Handgelenken und fehlende Fingerglieder. Obwohl einige der beschriebenen Funde in der Vergangenheit bereits als Leibzeichen klassifiziert wurden, werden sie heute häufig fälschlicherweise als Sühnehände interpretiert.

Diskussion

Die Abtrennung und Aufbewahrung von vorzugsweise rechten Händen könnte auf einer biblischen Symbolik beruhen und auf die Rolle der Kirche als Ort göttlicher Rechtsprechung oder als Bestattungsort hinweisen. Eine eindeutige Einordnung bleibt jedoch schwierig, da klare Belege und Wissen über diesen Brauch fehlen. Gemeinsame Merkmale könnten jedoch als zentrale Kriterien zur Klassifikation solcher Funde dienen.
Titel
Leibzeichen in Norddeutschland – ein (fast) vergessener Rechtsbrauch
Verfasst von
A. Gesiorowski
V. Kolbe
R. Bingert
A. Büttner
A. M. Begerock
Publikationsdatum
24.09.2025
Verlag
Springer Medizin
Schlagwort
Rechtsmedizin
Erschienen in
Rechtsmedizin / Ausgabe 6/2025
Print ISSN: 0937-9819
Elektronische ISSN: 1434-5196
DOI
https://doi.org/10.1007/s00194-025-00800-5
Dieser Inhalt ist nur sichtbar, wenn du eingeloggt bist und die entsprechende Berechtigung hast.
Dieser Inhalt ist nur sichtbar, wenn du eingeloggt bist und die entsprechende Berechtigung hast.

Die CME App von Springer Medizin

CME-Punkte sammeln leicht gemacht – Fortbildung, wann und wo Sie wollen

Die CME-App bietet einen schnellen Zugang zu über 500 zertifizierten medizinischen Fortbildungen aus Springer-Publikationen und deckt über 35 Fachbereiche ab. Sie gibt einen perfekten Überblick über das Kursangebot, ermöglicht einfaches Vormerken, Teilnehmen und CME-Punkte-Sammeln.
 

Laden im App Store        Laden bei Google Play

Mehr Infos
Bildnachweise
CME App