Kommentar
Eine erste Analyse der CONVERT-Studie war bereits im Jahre 2023 publiziert worden und zeigte eine Rate an pathologischer Komplettremission (pCR) nach TME von 11 % nach nChT und 13,8 % nach nRChT (
p = 0,33), die Rate an perioperativ erkannter distanter Metastasierung betrug 0,7 % vs. 3,1 % (
p = 0,03). Die Grad-3–4-Akuttoxizität (CTCAE, v4) trat bei 12,3 % Pat. im nChT-Arm und bei 8,3 % im nRChT-Arm (
p = 0,11) auf [
1]. Nun liegen Langzeitergebnisse für den primären Endpunkt, das lokoregionär rezidivfreie Überleben, vor. Bemerkenswert ist die insgesamt sehr niedrige Lokalrezidivrate (absolut 3 % nach nChT und 2 % nach nRChT), was den Stellenwert der qualitätsgesicherten MRT-basierten Risikostratifikation unterstreicht [
2].
In einem solchen Patientenkollektiv mit a priori niedrigem Lokalrezidivrisiko wird zunehmend deutlich, dass nicht die generelle Kombination zweier lokaler Therapieverfahren (nRChT obligat gefolgt von TME), sondern deren risikostratifizierter und Response-adaptierter Einsatz mit Option auf einen funktionellen Organerhalt ohne TME angestrebt wird. Parallel zur Diskussion um eine Deeskalation einzelner Behandlungsbausteine der multimodalen Therapie haben sich die Therapieoptionen seit Beginn der CONVERT-Studie im Jahr 2014 substanziell weiterentwickelt. Internationale Leitlinien – einschließlich ESMO [
3], NCCN [
4], SEOM [
5] und französischer Intergroup-Empfehlungen [
6] – sowie nationale Empfehlungen wie die S3-Leitlinie Kolorektales Karzinom [
7] und Onkopedia [
8] betonen daher zwei klar definierte Behandlungsalgorithmen: einen Algorithmus für das chirurgische Setting und einen eigenständigen Algorithmus für das Setting des intendierten Organerhalts.
Eine Fülle von Studien zum Organerhalt mittels Radio(chemo)therapie, totaler neoadjuvanter Therapie (TNT) sowie zur Dosisintensivierung mittels endorektaler Brachytherapie zeigt Raten an klinischen Komplettremissionen von 25 bis 80 % der so behandelten Pat. mit langfristigem Organerhalt bei exzellenter Funktion und Lebensqualität [
3‐
9]. Für rein chemotherapeutische Strategien existieren für dieses Therapieziel bislang keine vergleichbar belastbaren prospektiven Daten. Vor diesem Hintergrund bestätigt die CONVERT-Studie – wie zuvor schon die PROSPECT- und FORWARC-Studie [
10,
11] – die Notwendigkeit einer differenzierten, risikoadaptierten Therapieentscheidung im obligat chirurgischen Setting, stellt jedoch die zentrale Rolle der Radiotherapie insbesondere bei intendiertem Organerhalt nicht infrage.
Emmanouil Fokas und Claus Rödel, Köln/Frankfurt
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