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Über dieses Buch

In diesem Buch finden Sie für Ihre Fort- und Weiterbildung rund um das Thema Hygiene und Infektionsprävention das geforderte Fachwissen. Ausgewiesene Experten für Hygiene, Infektiologie und Umweltmedizin fassen in Anlehnung an die Curricula die Inhalte zur Weiterbildung „Krankenhaushygiene“ und den Fortbildungskursen „Hygienebeauftragter Arzt“ und „ABS-beauftragter Arzt“ übersichtlich, praxisnah und umsetzbar zusammen. Die 2. Auflage wurde komplett aktualisiert und um den Themenkomplex „Antibiotika Stewardship“ und „ABS-beauftragter Arzt“ erweitert. Auch für Hygienefachkräfte in der Weiterbildung ideal zum Nachschlagen, Lernen und Wissenserweiterung.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Rechtliche Grundlagen und hygienerelevante untergesetzliche Regelwerke

Maßnahmen zur Infektionsvermeidung sind immer nur so wirksam, wie sie konsequenterweise angewendet werden. Nicht Gesetze, Verordnungen, Empfehlungen oder Handlungsanweisungen sind dafür das Entscheidende, sondern das ständige Bewusstsein der eigenen Verantwortung als permanenter Begleiter bei jedem Handgriff am Patienten und für den Patienten. Zunehmende Meldungen über Infektionen mit multiresistenten Infektionserregern und über angebliche Hygienemängel in deutschen Kliniken haben die Politik zu Verschärfungen des Infektionsschutzgesetzes bewogen, damit in Medizinischen Einrichtungen eigentlich selbstverständliche (und seit Langem bekannte) Handlungsempfehlungen endlich beachtet und umgesetzt werden. In diesem Kapitel werden die für den Hygienebeauftragten Arzt besonders hygienerelevanten Gesetze und Verordnungen so wie untergesetzliche Regelwerke wie Richt- u. Leitlinien, Empfehlungen zusammengefasst und kommentiert. Hierzu gehören in erster Linie das Infektionsschutzgesetz, die Hygieneverordnungen der Länder, die Empfehlungen von KRINKO und ART sowie die Biostoffverordnung, die TRBA und das Sozialgesetzbuch V.

H.-M. Just

2. Hygieneplan

Der Hygieneplan ist ein gesetzlich verankertes zentrales Instrument der Krankenhaushygiene zum Schutz der Patienten und des Personals vor Infektionen. Er dient der Infektionsprävention und der Sicherung der Qualität der Behandlung in einer Einrichtung. Er enthält alle einrichtungsinternen Vorgaben zur Infektionsprävention sowie zu deren Umsetzung und Überwachung in verbindlicher Form. Als solches dient er der Beweissicherung bei Haftungsfragen bei Hygienemängeln und ist eine wichtige Praxisanleitung zum sicheren Arbeiten und ein betriebsinternes Schulungsinstrument. Seine Erstellung und Führung liegt in der Eigenverantwortung der Träger und Leiter der dazu verpflichteten Einrichtungen. Als Grundlage, Hilfestellung und Empfehlung für die Erstellung von Hygieneplänen dienen die Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention des Robert Koch-Instituts (KRINKO) und die Technischen Regeln für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA). Darüber hinaus sind Gesetzesvorschriften aus verschiedenen Rechtsbereichen maßgeblich.

E. Göttlich-Fligg

3. Psychologie der Hygiene

Der Alltag im Krankenhaus ist durch die Interaktionen zahlreicher Personen geprägt, die nicht immer nach streng rationalen Grundsätzen erfolgen. „Es menschelt“, heißt es nicht umsonst im Volksmund, und in der praktischen Krankenhaushygiene spielt die „Psychohygiene“, insbesondere wenn es um die Compliance mit Hygieneregeln, aber auch um die Änderung von Verhalten („change management“) oder das tägliche Miteinander auf Station geht, eine wichtige Rolle. Aspekte der Arbeitspsychologie, Motivationspsychologie, Erwachsenenbildung und des Konfliktmanagements sollen daher in diesem Kapitel angesprochen werden, um die Patientensicherheit durch effektive und effiziente Krankenhaushygiene zu verbessern.

S. Schulz-Stübner

4. Ausbruchsmanagement

Ausbrüche nosokomialer Infektionen sind Notfälle, die schnelles Handeln erfordern. Wichtig ist es zunächst, den Ausbruchsverdacht zu bestätigen und einen Pseudoausbruch auszuschließen. Darüber hinaus sollte das Gesundheitsamt unverzüglich über den Ausbruch informiert werden. Im klinischen Alltag liegen meist schon bei Bekanntwerden eines nosokomialen Ausbruchs wesentliche Informationen über die Art des Ausbruchs und den Erreger vor. Aufgrund dieser Informationen kann das Ausbruchsteam meist schnell Vermutungen über die wahrscheinlichsten Infektionsquellen und Übertragungswege aufstellen, sodass man meist gezielt und ohne große Zeitverzögerung mit den Interventionsmaßnahmen beginnen kann. Zu den interventionsbegleitenden Maßnahmen zählen die deskriptive Epidemiologie, Laboruntersuchungen, Ortsbesichtigungen und aktive Fallsuche (Screening). Das Ende des Ausbruchs sollte vom Ausbruchsteam festgestellt und bekannt gegeben werden. Hilfreich ist oft ein schriftlicher Abschlussbericht.

R. Schulze-Röbbecke

5. Bauhygiene

Eine Reihe von Empfehlungen zu baulichen Maßnahmen für Einrichtungen zur medizinischen Versorgung von Patienten orientiert sich an technischen Regelwerken. Häufig werden Forderungen an die baulich-funktionelle Ausstattung von Krankenhäusern zur Prävention nosokomialer Infektionen aufgrund von Ergebnis aus Untersuchungen zur Umgebungskontamination gestellt, obwohl diese nicht notwendigerweise mit dem Infektionsgeschehen korrelieren. Baulich-funktionelle Gegebenheiten können jedoch unterstützend auf die Einhaltung essenzieller Hygienestandards wirken und auf diesem Weg zur Prävention beitragen. Tatsächlich führen jedoch eine prozessdienliche Bauplanung in Kombination mit einem adäquaten Personalschlüssel sowie die konsequente Compliance bei der Umsetzung der hygienischen Standards bei der Patientenversorgung zu einer Reduktion der Rate nosokomialer Infektionen. Zu einer sorgfältigen Bauplanung gehört von Anfang die Einbeziehung der Hygiene. So können Hygienefehler und unnötige Ausgaben vermieden werden.

E. Tabori, S. Schulz-Stübner

6. Grundlagen der Keimreduktion von Flächen und Medizinprodukten

Der Mensch ist von einer Vielzahl von Mikroorganismen umgeben, die sich teilweise auf und in ihm befinden (z. B. auf der Haut oder im Gastrointestinaltrakt) und ohne die der Mensch nicht überleben könnte. Aber auch die den Menschen umgebende Umwelt ist mit zahlreichen Erregern behaftet, die für den immungesunden Menschen meist apathogen sind. Manche von ihnen jedoch können zu Infektionen führen, die es v. a. im Gesundheitswesen (nosokomiale Infektion) zu vermeiden gilt. Um eine Erregerübertragung aus der Umgebung medizinischer Einrichtungen auf den Menschen bzw. Patienten zu vermeiden, stehen unterschiedliche Reinigungs-, Desinfektions- und Sterilisationsmethoden zur Verfügung. Wann welche Methode sinnvoll einzusetzen ist und welche formalen und praktischen Vorgaben zur korrekten Anwendung zusätzlich erfüllt sein müssen, wird in diesem Kapitel in Bezug auf Flächen und Medizinprodukte erläutert.

S. Axmann

7. Lebensmittelhygiene

In Krankenhäusern werden tagtäglich viele Menschen verpflegt, vor allem auch speziell empfindliche Personengruppen. Diese Tatsache erfordert eine besondere Aufmerksamkeit bei der Auswahl von Rohstoffen, Zubereitung von Speisen und der abschließenden Ausgabe an die Patienten. Für die Betreiber der Einrichtungen besteht auf diesem Gebiet eine hohe Verantwortung, da über die zentrale Lebensmittelversorgung rasch und weitreichend Krankheitserreger verteilt werden können und eventuell fatale Folgen für bestimmte Patientengruppen zu erwarten sind. Die Anforderungen an die Lebensmittelhygiene unterscheiden sich aufgrund des Risikopotenzials in Großküchen und Krankenhäusern entscheidend von denen im Privathaushalt. Im Folgenden werden daher neben den lebensmittelspezifischen Erregern auch rechtliche Aspekte sowie die Besonderheiten von Großküchen und der Versorgung auf der Station erläutert.

E. Fritz

8. Mikrobiologische Diagnostik und Infektiologie

Die erfolgreiche Therapie von Infektionskrankheiten setzt in vielen Fällen eine sachgerecht durchgeführte mikrobiologische Diagnostik voraus. Dabei werden die diagnostischen Möglichkeiten im klinisch-mikrobiologischen Labor entscheidend von der Präanalytik beeinflusst. Sie wird ergänzt durch die Bestimmung klinisch-chemischer Parameter, die häufig erst den Anlass für eine entsprechende weitere Diagnostik geben. Im Rahmen der Infektionsprävention und zur Dokumentation einer einwandfreien Medizinprodukteaufbereitung werden Untersuchungen von unbelebten Materialien wie Wasser, Luft, Oberflächen oder kontaminierten Prüfkörpern durchgeführt. In allen Fällen sollte auf eine standardisierte Probenentnahme geachtet werden. Dies beginnt mit der Auswahl geeigneter Abstrichtupfer und Transportgefäße, setzt sich fort in der korrekten Entnahme und – falls notwendig – Lagerung des Materials und endet mit dem möglichst raschen Transport in das Labor.

P. Weißgerber

9. Antibiotika-Stewardship

Mit Antibiotika-Stewardship (ABS) ist ein programmatisches, nachhaltiges Bemühen einer medizinischen Institution um Verbesserung und Sicherstellung einer rationalen Antiinfektivaverordnungspraxis gemeint. Darunter werden Strategien bzw. Maßnahmen verstanden, die die Qualität der Antiinfektivabehandlung bezüglich Auswahl, Dosierung, Applikation und Anwendungsdauer sichern, um das beste klinische Behandlungsergebnis unter Beachtung einer minimalen Toxizität für den Patienten zu erreichen. Unter ABS ist also nicht nur die Erstellung von Leitlinien für die Therapie oder die Diagnose von Infektionserkrankungen zu verstehen, sondern auch deren Umsetzung im Einzelnen, also die Strategien zum rationalen Einsatz von Antiinfektiva.

E. Meyer

10. Entwicklung hausinterner Leitlinien zur Antiinfektivatherapie

Hausinterne Antiinfektivaleitlinien werden auf der Grundlage evidenzbasierter Empfehlungen der Fachgesellschaften und der Analyse des eigenen Patientenkollektivs, einrichtungsspezifischer Risikofaktoren und der einrichtungsbezogenen Resistenzstatistiken erstellt. Sie stellen eine wichtige Komponente eines jeden Antibiotika-Stewardship-Programms dar. Punktprävalenzvisiten können nicht nur bei der Implementierung dieser Leitlinien, sondern auch zur allgemeinen Bewusstseinsbildung und Schulung im Umgang mit Antiinfektiva genutzt werden und erlauben die direkte Kommunikation mit den behandelnden Klinkern in einer strukturierten Form.

S. Schulz-Stübner

11. Antibiotika-Stewardship-Visiten und Fallkonferenzen

Mit dem Antibiotika-Stewardship soll der rationale Einsatz von Antibiotika erzielt und verbessert werden. Die Antibiotika-Stewardship-Visiten im multiprofessionellen Team bilden das Herzstück dieser Initiative. Der Krankenhaushygieniker liefert im Vorfeld bereits mit der Bewertung der Erreger- und Resistenzstatistik wichtige Informationen. Während der Visite geht es um individuelle Einzelfalldiskussionen, die unter Berücksichtigung der lokalen Gegebenheiten und der wissenschaftlichen Expertise für den Patienten Hinweise zur Diagnostik und Therapie geben.

J. Bierwirth

12. Surveillance

Die Akzeptanz von nosokomialen Infektionen als medizinisches Problem ist eine wichtige Voraussetzung dafür, die Notwendigkeit von Präventionsmaßnahmen zu erkennen und erforderliche Infektionskontrollmaßnahmen zu etablieren und aufrechtzuerhalten. Nosokomiale Infektionen können zeitlich und örtlich gehäuft im Rahmen von Ausbrüchen auftreten und führen dann meist unmittelbar zur Wahrnehmung der Infektionen als krankenhaushygienisches Problem. Ganz überwiegend treten nosokomiale Infektionen jedoch sporadisch auf und werden dann als solche häufig gar nicht wahrgenommen. Es ist somit notwendig, ein Verfahren zur Verfügung zu haben, mit dem Daten auch für diese weitaus größere Zahl der nosokomialen Infektionen außerhalb von Ausbrüchen zur Problemidentifikation und nachfolgenden qualitätsverbessernden Maßnahmen zur Infektionsprävention genutzt werden können. Das Verfahren zur Erkennung infektiologischer Probleme anhand des Auftretens von nosokomialen Infektionen oder besonderen Erregern wird Surveillance genannt.

C. Geffers

13. Impfungen für medizinisches Personal

Während Impfungen im Kindesalter für die meisten Mitarbeiter ebenso wie bei der übrigen Bevölkerung normal bzw. selbstverständlich sind, werden Impfangebote im Erwachsenenalter deutlich weniger angenommen. Im medizinischen Bereich steht vor allem die Impfung gegen Hepatitis B im Vordergrund. Auch wenn hierfür die Impfbereitschaft bei Mitarbeitern groß ist, wird der Schutz vor anderen Infektionskrankheiten, wie beispielsweise Keuchhusten oder Influenza, als weniger wichtig angesehen. Der Aspekt der Vermeidung nosokomialer Infektionen durch ausreichenden Impfschutz beim Personal bleibt oft unberücksichtigt. In diesem Kapitel werden die für medizinisches Personal sinnvollen und zum Schutz ihrer eigenen Gesundheit, aber auch der ihnen anvertrauten Patienten aufgeführt.

V. Hoch

14. Nadelstichverletzungen

Nadelstichverletzungen rangieren unter den arbeitsbedingten Unfällen im Gesundheitswesen an erster Stelle. In Europa kommt es schätzungsweise zu 1 Million Nadelstichverletzungen pro Jahr, wobei nicht nur Beschäftigte im Gesundheitswesen betroffen sind, sondern insbesondere auch Mitarbeiter in der Wäscherei oder im Reinigungsdienst. Unter Nadelstichverletzungen fallen alle Stich-, Schnitt- oder Kratzverletzungen mit scharfen oder spitzen medizinischen Instrumenten, die mit Blut oder anderen potenziell infektiösen Körperflüssigkeiten kontaminiert sein können. Außerdem werden Blutkontakte mit nicht intakter Haut oder mit Schleimhaut in diesem Kapitel behandelt.

V. Hoch

15. Allgemeine Hygienemaßnahmen

Standardhygienemaßnahmen sind allgemeine Hygienemaßnahmen, die vom gesamten medizinischen Personal bei allen Patienten unabhängig von ihrem Kolonisations- oder Infektionsstatus durchgeführt werden. Sie gelten diagnoseunabhängig und somit auch bei (noch) fehlendem Nachweis von Infektionserregern. Damit soll eine Übertragung von Infektionserregern auf den Patienten und das Personal verhindert und das Risiko einer nosokomialen Weiterverbreitung von Krankheitserregern minimiert werden. Zur Standardhygiene (auch als Basishygiene bezeichnet) gehören vor allem die hygienische Händedesinfektion und der situationsbedingte Einsatz von speziellen Barrieremaßnahmen sowie die sichere Injektions- und Infusionstechnik. Konsequent angewendet schützen sie auch vor Übertragung bei unerkannt mit multiresistenten Erregern besiedelten Patienten. Ein Zusammenhang multimodaler Präventionskampagnen mit nachhaltig verbesserter Händehygiene und – wichtiger noch – mit einer Reduktion nosokomialer Infektionsraten konnte gezeigt werden.

T. Hauer

16. Spezielle Erreger und Infektionen

Durch das konsequente Einhalten und Anwenden der Standardhygienemaßnahmen lassen sich die meisten Transmissionen zwischen Patienten, aber auch Übertragungen auf das Personal vermeiden. Das folgende Kapitel widmet sich den Besonderheiten einzelner Erreger und Infektionskrankheiten und den ggf. erforderlichen zusätzlichen Schutzmaßnahmen. Es hilft bei der individuellen Risikoanalyse hinsichtlich Erregertyp, Übertragungsweg, Streupotenzial und exponierter Personen. Eine erregerspezifische Übersicht zum Nachschlagen ermöglicht eine schnelle Orientierung.

S. Schulz-Stübner

17. Punktionen und Injektionen

Invasive Maßnahmen stellen stets ein Infektionsrisiko dar, wobei neben endogenen Risikofaktoren auch die Art und Komplexität des Eingriffs eine entscheidende Rolle spielen. Hier greifen klassische Hygienemaßnahmen im Hinblick auf ein aseptisches Vorgehen und gezielter Einsatz von Barrieremaßnahmen, wie sie in diesem Kapitel bezüglich verschiedener klinisch relevanter Punktions- und Injektionstechniken erläutert werden, ineinander.

S. Schulz-Stübner

18. Parenteralia und Notfallmedikamente

Das Anrichten und die Applikation parenteraler Medikamente stellen besondere Anforderungen an die Hygiene, da die Substanzen direkt in den Körper eingebracht werden und Kontaminationen entsprechend dramatische Folgen haben können. In diesem Kapitel werden die einschlägigen Leitlinien und Empfehlungen sowie arzneimittelrechtliche und von ergangenen Urteilen abgeleitete Aspekte zusammengefasst.

S. Schulz-Stübner

19. Wundmanagement

Die Zahl von Patienten mit chronischen Wunden nimmt jährlich zu. Insbesondere Wunden vom Typ Dekubitus, Ulcus cruris venosum/arteriosum/mixtum oder das diabetische Fußsyndrom führen zu Schmerzen, erheblicher Beeinträchtigungen der Lebensqualität durch Mobilitätseinschränkung und Geruchsbelästigung durch Wundexsudat. Eine sachgerechte Wundbeurteilung und phasengerechte Wundversorgung steht hier im Vordergrund. Durch eine lückenlose Dokumentation bei der Wundversorgung kann das Heilungsgeschehen mittels Fotodokumentation aufgezeigt und die Versorgung der chronischen Wunde phasengerecht angepasst werden. Die fachübergreifende Behandlung erfolgt am besten in einem interdisziplinären Team durch speziell geschulte Fachärzte (Internisten, Neurologen, Chirurgen), gut ausgebildetes Pflegepersonal, Physiotherapeuten und ggf. den Sozialdienst.

G. Ertelt

20. Vermeidung postoperativer Wundinfektionen

Voraussetzung zur Vermeidung postoperativer Wundinfektionen ist eine optimale präoperative Vorbereitung des Patienten, eine schonende Operationstechnik und das Aufrechterhalten der intraoperativen Homöostase sowie eine sachgerechte Wundversorgung in der postoperativen Phase. Etwas provokativ und selbstkritisch formulierte schon der berühmte Chirurg August Bier (1861–1949): „Der größte Feind der Wunde ist die Hand des Arztes“. Die Präventionsstrategien und Maßnahmen leiten sich von der Risikoanalyse, der Beeinflussbarkeit und dem Risiko- bzw. Kosten-Nutzen-Verhältnis der Intervention ab.

S. Schulz-Stübner

21. Vermeidung katheterassoziierter Infektionen

Katheter stehen nach wie vor häufig im Zusammenhang mit nosokomialen Infektionen. Auf Grundlage einer Datenmenge von 134 Krankenhäusern mit fast 40.000 Patienten werden 22,4 % der Harnwegsinfektionen und 6,0 % der primären Sepsisfälle als katheterassoziierte nosokomiale Infektionen beschrieben. Für Deutschland wurde für 2010 eine ZVK-assoziierte, laborbestätigte Sepsisrate von 1,215:1000 ZVK-Tage berichtet. In den USA werden pro Jahr ca. 15 Millionen Kathetertage für zentrale Venenkatheter (ZVK) gezählt und etwa 80.000 ZVK-assoziierte Septikämien. Das Healthcare Infection Control Practices Advisory Committee (HICPAC) der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) gab 2011 neue Präventionsrichtlinien heraus, deren Fokus vor allem auch auf der Umsetzung der evidenzbasierten Empfehlungen im Alltag durch entsprechende Arbeitsorganisation liegt.

S. Schulz-Stübner

22. Vermeidung nosokomialer Pneumonien und Atemwegsinfektionen

Nosokomiale Pneumonien sind mit einer erhöhten Letalität, einer verlängerten Liegedauer und erhöhten Kosten verbunden. Der überwiegende Teil der wissenschaftlichen Literatur zum Thema nosokomiale Pneumonie bezieht sich auf invasiv beatmete Patienten. In der aktuellen S3-Leitlinie „Epidemiologie, Diagnostik und Therapie erwachsener Patienten mit nosokomialer Pneumonie“ wird aber darauf hingewiesen, dass die HAP („hospital acquired pneumonia“) aufgrund zunehmender Morbidität bei hospitalisierten Patienten auch bei spontan atmenden bzw. nicht invasiv beatmeten Patienten als ein zunehmendes Problem einzuschätzen ist. Dieses Kapitel gibt eine Übersicht über das Erregerspektrum und die Pathogenese und fasst Empfehlungen zur mikrobiologischen Diagnostik und zur Therapie zusammen.

J. Großmann, S. Schulz-Stübner

23. Infektionsprävention in der Anästhesie

Dem Anästhesieteam kommt eine wichtige Bedeutung in der Vermeidung postoperativer Wundinfektionen durch Aufrechterhaltung der perioperativen Homöostase und zeitgerechte Gabe der perioperativen Antibiotikaprophylaxe zu. Aber auch die Grundlagen zur Vermeidung von katheterassoziierten Infektionen von peripheren Venenverweilkanülen und zentralen Venenkathetern oder beatmungsassoziierten Pneumonien werden nicht selten im Operationssaal gelegt. Hinzu kommt die Vermeidung von Transmission im Sinne von Kolonisationen in einem Bereich mit hohem Patientenfluss und je nach Größe der Einheit häufig wechselndem Personal. Hierbei kann die als besonders aseptisch empfundene Umgebung des Operationssaals nicht selten zu einem Gefühl der falschen Sicherheit führen, wodurch das Anästhesiepersonal in Gefahr gerät, elementare Aspekte der Standardhygiene und insbesondere die Händehygiene zu vernachlässigen. Dieses Kapitel gibt allgemeine Empfehlungen zur Hygiene am Anästhesiearbeitsplatz sowie speziell bei Regionalanästhesie und der Verwendung von Schmerzkathetern.

S. Schulz-Stübner

24. Infektionsprävention in der Intensivmedizin

Besonders in der Intensivmedizin kommt der konsequenten Einhaltung der Standardhygienemaßnahmen und der Händedesinfektion eine überragende Bedeutung zu, um die Übertragung von Erregern zu verhindern und nosokomiale Infektionen bei primär aseptischen Tätigkeiten zu minimieren. Die allgemeinen, erregerspezifischen sowie die eingriffsspezifischen Maßnahmen werden in diesem Kapitel beschrieben. Um ihre Umsetzung zu ermöglichen, sind im Bereich der Intensivmedizin vor allem arbeitsorganisatorische Aspekte entscheidend, aber auch die baulichen Strukturen sollten die Trennung in reine und unreine Arbeitsschritte, die sichere Lagerung von Sterilgütern und Medizinprodukten sowie den sicheren Umgang mit Medikamenten ermöglichen. Auch spezielle Aspekte der Station, wie z. B. der Einsatz von Therapietieren oder häufiges Rooming-in, müssen bei Bauvorhaben berücksichtigt werden. Einzelzimmer sollten, wann immer möglich, auch unter dem Aspekt der Wahrung der Intimsphäre von Patienten und Angehörigen bevorzugt werden, sie erleichtern gleichzeitig das hygienisch korrekte Arbeiten.

S. Schulz-Stübner

25. Infektionsprävention bei immunsupprimierten Patienten

Infektionen gehen für immunsupprimierte Patienten mit einem besonderen Risiko einher, das auch einen erheblichen Einfluss auf die Morbidität und Mortalität in dieser Patientengruppe hat. Die Gründe hierfür liegen sowohl in dem zugrunde liegenden Leiden als auch in den therapeutischen Maßnahmen, die in der modernen Hämatologie/Onkologie zur Anwendung kommen. Allerdings herrschte in der Vergangenheit häufig Unklarheit bezüglich der Definitionen des Schweregrads der Immunsuppression sowie der darauf abgestimmten Hygienemaßnahmen. Die Einteilung in Risikogruppen durch die KRINKO stellt hier einen erheblichen Fortschritt dar. In diesem werden die wichtigsten Präventionsmaßnahmen in Abhängigkeit von der jeweiligen Risikogruppe vermittelt. Neben der Betonung der Standardhygienemaßnahmen, die auch bei immunsupprimierten Patienten die Grundlage der Infektionsprävention darstellen, liegen besondere Schwerpunkte auf den baulichen und raumlufttechnischen Voraussetzungen sowie dem Umgang mit Nahrungsmitteln und Wasser.

H. Gartmann

26. Infektionsprävention in der Hämodialyse

Nach Angaben des statistischen Bundesamts waren im Jahr 2006 allein in Deutschland etwa 66.000 Patienten auf eine Dialysebehandlung angewiesen, davon ca. 63.000 auf eine Hämodialyse. Im Rahmen des demographischen Wandels handelt es sich bei diesen Patienten oft um ältere und multimorbide Personen, die meist über viele Jahre auf eine chronische Dialysebehandlung angewiesen sind. An Verfahren stehen die Hämodialyse und die Peritonealdialyse zur Verfügung. Bei der Hämodialyse werden das Blut des Patienten und eine Dialyseflüssigkeit gleichzeitig an einer semipermeablen Membran (Dialysator) entlanggeführt. Durch ein Konzentrationsgefälle diffundieren die harnpflichtigen Substanzen aus dem Blut in das Dialysat. Das Blut kann den Patienten entweder über einen zentralvenösen Katheter oder über einen arteriovenösen Shunt entnommen werden. Bei der Peritonealdialyse wird den Patienten ein getunnelter, in der Peritonealhöhle endender Katheter implantiert, über den ein Dialysat in die Bauchhöhle eingefüllt wird und dort für mehrere Stunden verbleibt. In diesem Kapitel sollen Ursachen und Präventionsmöglichkeiten für Infektionen sowohl bei der Hämodialyse als auch bei der Peritonealdialyse vorgestellt werden.

K. Lewalter, S. Lemmen

27. Physiotherapie, Balneologie und Ergotherapie

Die verschiedenen Verfahren der Physiotherapie dienen der Wiederherstellung der Patientengesundheit und der Prophylaxe. Des Weiteren können mit der physiotherapeutischen Behandlung auch spezifische Komplikationen während des Krankenhausaufenthalts minimiert bzw. vermieden werden. Invasive Maßnahmen werden im Rahmen der Physiotherapie nicht durchgeführt, eine adäquate Desinfektion oder Reinigung der Flächen und Geräte ist im Allgemeinen problemlos durchführbar, daher ist eine Infektionsgefährdung für die Patienten bei der Physiotherapie als eher gering einzustufen. Dennoch müssen wie in allen Bereichen der Pflege und Therapie auch durch zunehmende Behandlung immunsupprimierter Patienten die Standardhygienemaßnahmen unbedingt eingehalten werden. Eine Übertragung von Krankheitserregern über Oberflächen, Schwimm- und Badebeckenwasser, Inhalationsgeräte, Apparate, Instrumente und durch das Personal selbst ist möglich. Dieses Kapitel stellt die notwendigen Hygienemaßnahmen in diesen Bereichen vor.

W. Schleipen

28. Rettungsdienst, Intra- und Interhospitaltransporte

Intensivpatienten benötigen in zunehmendem Maße spezielle diagnostische oder therapeutische Maßnahmen, die einen Transport innerhalb des Krankenhauses (Intrahospitaltransport) oder eine Verlegung in eine andere Einrichtung erforderlich machen (Interhospitaltransport). Löw und Jaschinski (2009) beschreiben in ihrem Übersichtsartikel die primär intensivmedizinischen Probleme und Maßnahmen beim Transport kritisch Kranker. In diesem Kapitel sollen die primär krankenhaushygienisch relevanten Aspekte und Maßnahmen der Infektionsprävention bei derartigen Transporten beleuchtet werden.

S. Schulz-Stübner

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