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13.03.2020 | Rotatorenmanschette | Nachrichten

Trendwende

Ruptur der Rotatorenmanschette: Naht doch überlegen!

Autor:
Dr. Elke Oberhofer

Nach einer Ruptur der Rotatorenmanschette zahlt es sich langfristig meist aus zu nähen. Prof. Felix Zeifang, Heidelberg, berichtete auf dem Ortho-Update über eine aktuelle Trendumkehr und gab praktische Tipps für die Nachsorge.

Eine Kehrtwende um 180° gab es im letzten Jahr bei den Empfehlungen zur Rotatorenmanschettenruptur. War man bis dato noch davon ausgegangen, dass sich mit einer rein physiotherapeutischen Versorgung Erfolgsraten von bis zu 75% erzielen lassen (Kuhn et al., JSES 2013), müssen sich die Fachleute jetzt eingestehen, dass diese Hoffnungen wohl verfrüht waren. Nach Prof. Felix Zeifang, Heidelberg, hatten die Autoren der 2013 publizierten, preisgekrönten Studie zur Effektivität der Physiotherapie bei RM-Ruptur wohl ein zu kurzes Zeitfenster für die Nachbeobachtung gewählt. Zeifang: „Was sind in der Schulterchirurgie schon zwei Jahre?“

Nachbeobachtung über zehn Jahre

Aufschluss darüber, wie es längerfristig mit den Patienten weitergeht, gibt dem Schulterexperten zufolge die aktuelle randomisierte Studie von Stefan Moosmayer et al. (JBJS 2019) mit insgesamt 103 Teilnehmern: Nach zehnjährigem Follow-up war die RM-Naht bei kleinen bis mittelgroßen Rupturen der alleinigen Physiotherapie signifikant überlegen, und zwar sowohl im Hinblick auf Kraft und Schmerzen als auch bezüglich ASES*- und Constant-Score. Dabei waren die Resultate anfangs noch ähnlich, nach einigen Jahren aber gingen die Kurven deutlich auseinander.

Nicht operierter Riss wird größer

Was sich auch klar abzeichnete: Die nicht operierten Rupturen vergrößerten sich mit der Zeit. In der konservativ behandelten Gruppe zeigten 41% der Patienten im Lauf der Studie eine Rissvergrößerung um mehr als 1 cm. 27% mussten letztlich doch noch operiert werden.

Eine solche verzögerte Op. schnitt laut Zeifang letztlich nicht besser ab als die reine Physiotherapie. Letztere hatte durchaus dem europäischen Standard entsprochen: Zweimal pro Woche wurden 40 Minuten lang gezielte Übungen durchgeführt, dies über drei Monate.

Patienten aufklären!

Nach Zeifang bedeuten die Ergebnisse jedoch nicht, dass man auch Patienten mit schmerzfreier, funktioneller und vollständig kompensierter RM-Ruptur unbedingt operieren müsse. Wichtig sei vor allem eins: „Sie müssen aufklären!“ Generell gelte, dass kleine Rupturen besser heilen als große. Das habe die Moosmayer-Studie bestätigt. Überraschend wenig Einfluss auf die Heilung hatte dagegen das Alter des Patienten („mancher 70-Jährige hat Sehnen wie andere mit 50“), und auch das Rauchverhalten schien keine nennenswerte Rolle zu spielen.

Für die postoperative Phase empfiehlt Zeifang bei kleinen bis mittleren Rupturen die frühe Mobilisation. Nach einer Woche mit Kissen oder Sling sei bereits einiges an Bewegung möglich, vorausgesetzt, dass die Naht nicht unter Spannung stehe: „Die Patienten können rausgehen, am PC arbeiten, sich etwas zu essen machen.“ In der entsprechenden Literatur sehe man mit diesem Vorgehen kaum Nachteile, dafür „einen großen Zugewinn an Lebensqualität“.

*American Shoulder and Elbow Surgeons

Basierend auf Zeifang F: „Rotatorenmanschette.“ OrthoTrauma-Update, 6./7. März 2020 in Berlin

Literatur