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22.09.2020 | Schielen | Originalien | Ausgabe 10/2020 Open Access

Der Ophthalmologe 10/2020

Kostenträgerrechnungen von strabologischen Operationen an einer Universitäts-Augenklinik

Zeitschrift:
Der Ophthalmologe > Ausgabe 10/2020
Autoren:
FEBO, MBA Prof. Dr. med. C. Framme, J. Gottschling, T. Kuiper, W. Lobbes, T. Palmaers, D. Brockmann, W. A. Lagrèze, K. Hufendiek

Zusammenfassung

Hintergrund

Strabologische Operationen werden häufig in universitären Zentren durchgeführt. Ziel dieser Arbeit ist es, die Kosten dieser chirurgischen Leistung an einer Universitätsklinik zu ermitteln und die Kostenkompensation für den ambulanten Bereich zu überprüfen.

Material und Methode

Von allen Strabismusoperationen an der Medizinischen Hochschule Hannover wurden in den Jahren 2018 und 2019 relevante OP-Daten wie Alter des Patienten, Anzahl der operierten Muskeln, Schnitt-Naht-Zeit, Präsenzzeiten der Chirurgen und Anästhesisten sowie der entsprechenden Funktionsdienste auf Basis des klinikeigenen Informationssystems evaluiert. Im Rahmen einer Kostenträgerrechnung wurden dabei die Kosten für Personal, Material, Raummiete und Overhead kalkuliert.

Ergebnisse

Insgesamt wurden 302 Operationen (stationärer Anteil: 92,1 %) bis auf wenige Ausnahmen unter Vollnarkose durchgeführt. Das mittlere Alter der Patienten betrug 31 Jahre (Median: 26 Jahre), wobei 33 Patienten Kinder unter 6 Jahren waren. Im Mittel wurden 1,84 Muskeln pro Eingriff operiert. Die mittlere Schnitt-Naht-Zeit betrug 51,5 min, die mittlere Anästhesiezeit 85 min, die Präsenzzeit des Funktionsdienstes OP und auch die des Funktionsdienstes Anästhesie belief sich auf jeweils 104 min, die zusätzliche Aufwachraumzeit auf 66 min. Die am Gesamtprozess durchschnittlich entstandenen Personalkosten summierten sich auf 642,14 € zuzüglich durchschnittlich 109,23 € Material‑/Medikamentenkosten (Operation und Anästhesie) sowie Reinigung und Raumkosten (inklusive Infrastrukturkosten) von 178,71 €. Somit betrugen die Gesamtkosten einer durchschnittlichen strabologischen OP in unserem Kollektiv 930,08 € (Minimum: 491,01 €, Maximum: 1729,29 €). Kostenkalkulationen von Untergruppen ergaben aufgrund unterschiedlicher Behandlungszeiten (37 min für 1 Muskel bis 72 min für 3 und mehr Muskeln) respektive Anästhesiezeiten insbesondere bei Kindern <6 Jahren (durchschnittlich 22 min länger als bei Erwachsenen und Kindern >5 Jahren; Differenz 11 min [1 Muskel], 25 min [2 Muskeln] und 30 min [3 und mehr Muskeln]) deutlich höhere Kosten bei Kindernarkosen und einer höheren Anzahl operierter Muskeln. Das reine Kostenniveau einer Strabismusoperation an unserer Klinik erscheint durchschnittlich um den Faktor 2 höher als das Entgelt, welches für Strabismusoperationen über EBM (einheitlicher Bewertungsmaßstab) im ambulanten Bereich erlöst wird.

Schlussfolgerungen

Die rein betriebswirtschaftlich errechneten Kosten für strabologische Operationen an einer Universitätsklinik sind signifikant höher als die im ambulanten Bereich nach Paragraf 115b, Absatz 1, SGB V aktuell zu erzielenden Erlöse. Unter diesen Bedingungen können solche Operationen ambulant nicht kostendeckend erbracht werden.

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Literatur
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