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Der Schmerz

Der Zusammenhang von Intelligenz und Schmerz bei Kindern und Jugendlichen mit schwer beeinträchtigenden chronischen Schmerzen

Eine retrospektive Analyse

Erschienen in:

Zusammenfassung

Hintergrund

Bislang existieren kaum Studien, die sich mit dem Intelligenzniveau von Kindern und Jugendlichen mit chronischen Schmerzen beschäftigen. Die wenigen bereits vorhandenen Studien deuten auf eine intellektuelle Leistungsfähigkeit pädiatrischer Schmerzpatienten im durchschnittlichen Bereich (IQ 85–115) hin. Über die Zusammenhänge von Schmerzeigenschaften und intellektueller Leistungsfähigkeit gibt es jedoch nur wenige Erkenntnisse.

Ziel

Ziel der vorliegenden Studie ist es, die im Rahmen der Routinediagnostik erhobenen Intelligenzwerte schwer beeinträchtigter pädiatrischer Schmerzpatienten retrospektiv zu untersuchen, um ein besseres Verständnis des Zusammenhangs von Schmerz und intellektueller Leistungsfähigkeit zu erlangen und die Grundlage für weitere prospektive Studien zu schaffen.

Material und Methoden

In die explorative Auswertung flossen die Daten von N = 180 Patienten ein, die im Jahr 2016 aufgrund einer Schmerzstörung stationär am Deutschen Kinderschmerzzentrum in Datteln behandelt wurden. Durch die Normierung der IQ-Werte konnten neben Vergleichen innerhalb der Stichprobe auch Vergleiche mit einer Normstichprobe berechnet werden.

Ergebnisse

Das Intelligenzniveau schwer beeinträchtigter pädiatrischer Schmerzpatienten lag im durchschnittlichen Bereich (M = 99,32; SD = 14,13). Es zeigten sich weder Unterschiede im Intelligenzniveau in Abhängigkeit verschiedener Hauptschmerzorte noch bestand ein Zusammenhang zwischen IQ und emotionaler Beeinträchtigung oder Schmerzparametern (wie bspw. Schmerzintensität). Verglichen mit der Normstichprobe hatten pädiatrische Schmerzpatienten eine höhere Arbeitsgeschwindigkeit. Im intraindividuellen Vergleich ergab sich ein signifikant geringerer Verbal- als Handlungs-IQ sowie ein geringeres Sprachverständnis im Vergleich zur Wahrnehmungsorganisation und der Arbeitsgeschwindigkeit. Darüber hinaus zeigte sich ein negativer Zusammenhang zwischen der Schmerzintensität und dem Verbal-IQ sowie dem Sprachverständnis.

Diskussion

Die Studie bekräftigt das Vorliegen eines durchschnittlichen Intelligenzniveaus pädiatrischer Schmerzpatienten. Die Ergebnisse weisen jedoch auf eine eingeschränkte verbale Abstraktionsfähigkeit sowie Ausdrucksfähigkeit pädiatrischer Schmerzpatienten hin, die im Zusammenhang mit der Schmerzintensität steht. Weiterführende Studien, die kausale Zusammenhänge prüfen, sind erforderlich.
Titel
Der Zusammenhang von Intelligenz und Schmerz bei Kindern und Jugendlichen mit schwer beeinträchtigenden chronischen Schmerzen
Eine retrospektive Analyse
Verfasst von
Britta Zepp
Susanne Grothus
Boris Zernikow
Dr. rer. nat. Dipl.-Psych. Julia Wager
Publikationsdatum
30.05.2019
Verlag
Springer Medizin
Schlagwort
Schmerztherapie
Erschienen in
Der Schmerz / Ausgabe 4/2019
Print ISSN: 0932-433X
Elektronische ISSN: 1432-2129
DOI
https://doi.org/10.1007/s00482-019-0382-2
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