Schulterdystokie
Leitliniengerechtes Management einer bei jeder Geburt drohenden Notfallsituation
- Open Access
- 19.11.2025
- Schulterdystokie
- CME
Zusammenfassung
Lernziele
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können Sie die verschiedenen Formen der Schulterdystokie erklären.
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können Sie Risikofaktoren der Schulterdystokie benennen.
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erkennen Sie eine symphysäre Schulterdystokie klinisch zuverlässig.
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führen Sie die empfohlenen Notfallmaßnahmen gemäß AWMF(Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften)-Leitlinie durch.
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wenden Sie effektive Manöver zur Schulterentwicklung sicher an.
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können Sie schwangere Frauen kompetent zum Thema Schulterdystokie beraten.
Einleitung
Definition und Einteilung
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Hoher Geradstand der Schultern:Der Kopf wird über den Damm geboren. Die Schultern befinden sich im geraden Durchmesser und treten nicht in den querovalen Beckeneingang der Mutter ein. Der Geburtsstillstand ist Folge der auf der Symphyse festsitzenden vorderen Schulter und wird auch als symphysäre Schulterdystokie bezeichnet. Das „turtle sign“ beschreibt die Retraktion des kindlichen Kopfes gegen das mütterliche Perineum.
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Tiefer Querstand der Schultern:Der Kopf wird über den Damm geboren, die äußere Rotation des Kopfes bleibt jedoch aus. Die Schultern verharren in Beckenmitte im queren Durchmesser, sodass sie am längsovalen Beckenausgang blockiert sind.
Risikofaktoren
Antepartale Risiken | Intrapartale Risiken |
|---|---|
Zustand nach Schulterdystokie (Wiederholungsrisiko 10–15 %; [2]) | Protrahierte Eröffnungsperiode |
Makrosomie | Protrahierte Austrittsperiode |
Diabetes mellitus/Gestationsdiabetes | Sehr schneller Geburtsverlauf |
Maternale Adipositas | Unterstützung der Wehentätigkeit mit Oxytocin |
Übermäßige maternale Gewichtszunahme | Vaginal-operative Entbindung |
Geburtseinleitung | Periduralanästhesie |
Terminüberschreitung/Übertragung | Fundusdruck („Kristeller“) |
Multiparität | |
Fetaler Kopfumfang < fetaler Abdomenumfang (∆ > 2,5 cm) | |
Maternale Körpergröße < 160 cm | |
Erhöhtes Alter der Mutter | |
Männlicher Fetus | |
Beckenanomalien |
Management
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Rubin-ManöverRotation des Schultergürtels durch Druck von dorsal auf das Schulterblatt der vorderen oder hinteren Schulter
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Woods-ManöverRotation des Schultergürtels durch Druck von ventral auf die vordere oder hintere Schulter
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Kombination von Rubin- und Woods-Manöver
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Shoulder-Shrug-ManöverUmschließen der hinteren Achsel mit Daumen und Mittelfinger und Rotation der Schulter zur Brustseite des Kindes
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Vordere ArmlösungVon der Seite des Bauches kommend Eingehen mit Zeige- und Mittelfinger entlang des vorderen kindlichen Oberarms, Flexion des Ellbogens, Aufsuchen der Hand, Entwicklung des vorderen Arms
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Umgekehrter SchuhlöffelSchienung der vorderen Schulter durch Einlegen von Zeige- und Mittelfinger des Geburtshelfers zwischen Schulter und Symphyse
Dokumentation
Folgen einer Schulterdystokie
Mütterliche Komplikationen
Kindliche Komplikationen
Beratung und Prävention
Prophylaktische Sectio
Fazit für die Praxis
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Eine Schulterdystokie kann bei jeder Geburt auftreten, unabhängig vom Vorliegen von Risikofaktoren.
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Klare Kommunikation im geburtshilflichen Team und situationsgerechte Information der Gebärenden sind essenziell.
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Die First-line-Manöver (z. B. McRoberts, Gaskin) unterliegen keiner festen Reihenfolge.
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Eine Episiotomie kann das Durchführen interner Manöver erleichtern, ist bei der Behandlung der Schulterdystokie aber nicht obligat.
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Als Second-line-Manöver sollen prioritär der hintere Achselzug oder die hintere Armlösung versucht werden.
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Die fetale Asphyxie und persistierende Plexusparesen sind schwerwiegende Folgen der Schulterdystokie. Röhrenknochenfrakturen heilen in der Regel ohne Spätfolgen.
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Eine Plexusparese kann auch ohne Schulterdystokie und ohne geburtshilfliche Manöver auftreten.
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Die Beratung einer Schwangeren in Bezug auf ihr Schulterdystokierisiko soll anhand der geburtshilflichen Gesamtsituation erfolgen.
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Das empfohlene Vorgehen bei vermuteter fetaler Makrosomie unterscheidet sich im internationalen Vergleich.