Variablen
Schwangerschaftsabbrüche sind für die Betroffenen in der Regel ein sensibles Thema. Daher besteht bei der Erfassung von Schwangerschaftsabbrüchen im Rahmen von Befragungen das Problem, dass die Antworten durch soziale Erwünschtheit verzerrt sein können [
3,
18]. Um den Einfluss sozialer Erwünschtheit zu minimieren, werden im
pairfam die Fragen zum Schwangerschaftsabbruch mittels CASI (computergestütztes Selbstinterview) erhoben.
3 Bei dieser Erhebungsmethode bedienen die Befragten den von dem oder der Interviewer*in zur Verfügung gestellten Computer selbst, ohne dass Dritte ihre Antworten einsehen können. Empirische Evidenz deutet darauf hin, dass die Untererfassung von Schwangerschaftsabbrüchen bei computergestützter Selbstbefragung erheblich reduziert wird [
19]. Darüber hinaus haben die Befragten die Möglichkeit, auch die Antwortkategorie „Ich möchte das nicht beantworten“ auszuwählen und haben somit die Option, das Frageitem zu beantworten, ohne sensible Informationen preiszugeben oder falsche Angaben zu machen. Zusammengenommen ist davon auszugehen, dass diese Maßnahmen eine mögliche Verzerrung des Antwortverhaltens durch soziale Erwünschtheit reduzieren.
Eine methodische Schwierigkeit besteht darin, aus den Daten den genauen Zeitpunkt des Schwangerschaftsabbruchs zu bestimmen. Die Frageformulierung für weibliche Befragte lautet: „Haben Sie seit der letzten Befragung einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lassen?“, das heißt es liegt nur die Information vor, dass zwischen dem letzten Interview (t-1) und dem aktuellen Interview (t) ein Schwangerschaftsabbruch stattgefunden hat, der genaue Zeitpunkt ist jedoch unbekannt. Um dennoch die aus der Datengenese logische zeitliche Abfolge zu berücksichtigen, wurde die Variable zum Schwangerschaftsabbruch jeweils aus der aktuellen Welle (t) entnommen, während die meisten Variablen zu individuellen Lebensumständen aus der Befragung stammen, die ein Jahr vor den Angaben zu Schwangerschaftsabbrüchen (t-1) stattfand.
Lebenslagen wurden zunächst anhand individueller Merkmale operationalisiert. Neben dem Alter in Kategorien (< 20 Jahre, 20–25 Jahre, 26–29 Jahre, 30–34 Jahre, 35–40 Jahre und > 40 Jahre), ob und wie oft eine Religionsstätte besucht wird sowie der subjektiven Einschätzung des eigenen Gesundheitszustandes (sehr schlecht/schlecht, zufriedenstellend oder sehr gut/gut) wurde auch die Anzahl der leiblichen Kinder in Kategorien (keine Kinder, ein Kind, 2 oder mehr Kinder) berücksichtigt.
Zur Operationalisierung der individuellen ökonomischen Situation wurden subjektive Geldsorgen sowie die Zufriedenheit mit den Haushaltsfinanzen herangezogen. Letztere wurde auf einer Skala von 0 („sehr unzufrieden“) bis 10 („sehr zufrieden“) erhoben und für die folgenden Berechnungen in 3 Quantile unterteilt. Darüber hinaus wurde zur Messung der wirtschaftlichen Situation eine mögliche Arbeitslosigkeit von mindestens einem Monat berücksichtigt. Diese Variable wurde mithilfe des Event-History-Kalenders in pairfam erhoben und umfasst den Zeitraum zwischen der letzten (t-1) und der aktuellen Befragungswelle (t).
Darüber hinaus wurden Partnerschaftsmerkmale untersucht. Analysiert wurden der Beziehungsstatus sowie die Zufriedenheit mit der beruflichen und häuslichen Arbeitsteilung. Außerdem wurde die Beziehungszufriedenheit, gemessen auf einer Skala von 0 („sehr unzufrieden“) bis 10 („sehr zufrieden“) und für die vorliegenden Analysen in 3 Quantile unterteilt, untersucht. Weiterhin wurde mithilfe des Event-History-Kalenders erhoben, ob es zwischen der letzten und der aktuellen Welle zu einer Trennung von dem oder der Partner*in kam.
Stichprobe
Die Ausgangsstichprobe, bestehend aus allen
pairfam-Basisbefragten,
4 enthält 80.010 Beobachtungen, welche wiederum von 12.402 Befragten stammen. Zunächst wurden alle Personen, die sich nicht als weiblich identifizierten, aus der Stichprobe entfernt, was 37.692 Beobachtungen ausmachte. Um den Personen, die sich gegen das Austragen der Schwangerschaft entschieden hatten, eine aussagekräftige Vergleichsgruppe gegenüberzustellen, wurden die Personen, die ihre Schwangerschaft abgebrochen haben, nicht nur innerhalb ihrer eigenen Gruppe verglichen, sondern auch mit sich als weiblich identifizierende Befragte, die zwischen der letzten (t-1) und der aktuellen Befragung (t) ein Kind bekommen haben. Daher wurden alle Beobachtungen entfernt, bei denen zwischen der aktuellen und der letzten Welle weder ein Schwangerschaftsabbruch noch eine Geburt vermerkt wurde. Die Zahl der Beobachtungen verringert sich dadurch um 40.557 Fälle. Schließlich wurden alle Beobachtungen gelöscht, bei denen das letzte Interview mehr als ein Jahr zurücklag, was 127 Beobachtungen entspricht. Außerdem wurden 108 Beobachtung aufgrund fehlender Werte auf der Schwangerschaftsabbruchvariablen gelöscht. Schließlich wurden 15 Fälle ausgeschlossen, für die in den Daten sowohl eine Geburt als auch ein Schwangerschaftsabbruch im letzten Jahr vermerkt war, da dies zwar möglich, aber eher unwahrscheinlich ist.
Die endgültige Stichprobe enthält damit 1511 Beobachtungen von 1082 Befragten, bestehend aus 216 Abbrüche und 1295 Geburten. Da die Fallzahlen der folgenden deskriptiven Analysen aufgrund unterschiedlicher Anzahl fehlender Werte auf den verschiedenen Variablen variieren, ist in jeder Abbildung auch die Anzahl der gültigen Beobachtungen („n“) angegeben.