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01.06.2014 | Leitthema | Ausgabe 6/2014

Monatsschrift Kinderheilkunde 6/2014

Sekundäre Prävention im Kindes- und Jugendalter in Deutschland

Die Früherkennungsuntersuchungen U1–J2

Zeitschrift:
Monatsschrift Kinderheilkunde > Ausgabe 6/2014
Autor:
Prof. Dr. U. Thyen

Zusammenfassung

Hintergrund

Acht Früherkennungsuntersuchungen für Kinder (U1–U8) wurden 1971 eingeführt und seitdem um 3 Untersuchungen erweitert. Das Programm ist der Krankheitsfrüherkennung verpflichtet, eine Erweiterung auf Anliegen der primären Prävention und Gesundheitsförderung wird vielfach gefordert, ist bisher aber nicht realisiert.

Fragestellungen

Es sollte untersucht werden, welche Entwicklungen sich seit der Einführung der Früherkennungsuntersuchungen ergaben und auf welche Zielsetzungen sie zurückgeführt werden können.

Methoden

Die Literatur, die Kinderrichtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen, die Ländergesetzgebungen sowie die Schuleingangsdaten des Landes Schleswig-Holstein wurden bezüglich obiger Fragestellung gesichtet.

Ergebnisse

Nur wenige Untersuchungsinhalte des Programms wurden hinsichtlich ihrer Wirksamkeit evidenzbasiert untersucht, insbesondere bei Seh- und Hörstörungen wird ein fehlender Nutzen vermutet. Grundlage der Einführung neuer Untersuchungsinhalte und deren Zeitpunkte war der nachgewiesene oder vermutete Nutzen für die Versicherten, z. B. beim Screening auf Hüftdysplasie oder Hörstörungen bei Neugeborenen. Die Einführung der U7a am Ende des 2. Lebensjahrs im Jahr 2011 erfolgte aufgrund der zunehmenden Rate an Entwicklungs- und Verhaltensstörungen.

Diskussion

Deutschland verfügt über ein umfassendes Früherkennungsprogramm für Kinder und Jugendliche, das von der Bevölkerung außerordentlich gut angenommen wird. Eine Verbesserung des gesundheitsbezogenen Nutzens und der Effizienz bei der Früherkennung und Behandlung von Entwicklungsstörungen kann durch eine stärkere Public-Health-Orientierung und multidisziplinäre Kooperation erreicht werden.

Schlussfolgerung

Aus ethischen, aber auch ökonomischen Gründen müssen der Nutzen des Programms und insbesondere der Einschluss von Gesundheitsförderung durch große, langfristige Kohortenstudien und qualifizierte Versorgungsforschung für Kinder nachgewiesen werden.

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