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Update 2025 der S3-Leitlinie: „Sepsis – Prävention, Diagnose, Therapie und Nachsorge“

Was ist neu?

  • Open Access
  • 30.10.2025
  • Sepsis
  • Leitlinien und Empfehlungen
Erschienen in:

Zusammenfassung

Am 25.07.2025 wurde das Update der S3-Leitlinie „Sepsis – Prävention, Diagnose, Therapie und Nachsorge“ veröffentlicht. Die neue Leitlinie adressiert 29 neue und 16 geänderte Empfehlungen, wobei 43 Empfehlungen zur Vorversion unverändert blieben. Das 2025-Update ist eine gezielte Anpassung an die international anerkannten Empfehlungen der Surviving Sepsis Campaign von 2021. Schwerpunkte sind eine frühzeitige, individualisierte und evidenzbasierte Therapie, die Integration strukturierter Nachsorge nach der Krankenhausentlassung und eine stärkere Ausrichtung auf patientenzentrierte Gesamtbetreuung über die akute Behandlung hinaus. Trotz Fortschritten in der Früherkennung, Antibiotikatherapie und intensivmedizinischer Betreuung von Patienten bleiben die Sepsis und der septische Schock potenziell lebensbedrohliche Erkrankungen, was die Notwendigkeit einer frühzeitigen Diagnosestellung und der Einleitung einer bedarfsgerechten Therapie unterstreicht.

Zusatzmaterial online

Die Online-Version dieses Beitrags (https://doi.org/10.1007/s00101-025-01609-3) enthält die Tab. 2 mit den Empfehlungen zur kalkulierten antimikrobiellen Initialtherapie der Sepsis als PDF zum Download. Bitte scannen Sie den QR-Code.
Die originale Onlineversion dieses Artikels wurde aufgrund einer rückwirkenden Open Access-Stornierung geändert.
C. Neumann und D. Ebert haben zu gleichen Teilen zum Manuskript beigetragen und teilen sich die Erstautorenschaft.
M. Bucher und M. Bauer haben zu gleichen Teilen zum Manuskript beigetragen und teilen sich die Letztautorenschaft.
Zusatzmaterial online – bitte QR-Code scannen
Zu diesem Beitrag ist ein Erratum online unter https://doi.org/10.1007/s00101-025-01615-5 zu finden.

Hinweis des Verlags

Der Verlag bleibt in Hinblick auf geografische Zuordnungen und Gebietsbezeichnungen in veröffentlichten Karten und Institutsadressen neutral.

Hintergrund

Die Sepsis, eine akut lebensbedrohliche Organdysfunktion, die durch eine inadäquate Wirtsantwort auf eine Infektion ausgelöst wird [1], fordert jährlich bis zu 68.000 Todesfälle in Deutschland [2, 3] und 11 Mio. Todesfälle weltweit [4]. Sie stellt damit die dritthäufigste Todesursache in Deutschland dar. Die INSEP-Studie zeigte eine sepsisassoziierte Sterblichkeit von 34,3 % auf deutschen Intensivstationen [5]. Aufgrund der Alterung der Bevölkerung und der fortschreitenden Nutzung intensivmedizinischer und invasiver Therapieverfahren ist eine Zunahme der Sepsisinzidenz in klinischen Versorgungskontexten zu erwarten. Das frühzeitige Erkennen und eine evidenzbasierte Therapie tragen deshalb entscheidend dazu bei, die Erkrankungsschwere zu verringern und das Überleben zu verbessern.

Was ist neu?

Rezent erfolgte eine Aktualisierung der S3-Leitlinie: „Sepsis – Prävention, Diagnose, Therapie und Nachsorge“ der Deutschen Sepsis Gesellschaft (DSG) vom 31.12.2018. Dabei wurde das Update der „Surviving Sepsis Campaign (SSC): International Guidelines for management of sepsis and septic shock“ [6] vom 04.10.2021 als Referenzleitlinie zugrunde gelegt. Tab. 1 zeigt eine Gegenüberstellung der wichtigsten Änderungen in 2025. Insgesamt wurden 29 neue und 16 geänderte Empfehlungen (Tab. 1) in die aktualisierte Leitlinie aufgenommen, basierend auf den aktuellen Publikationen mittels systematischer Literaturrecherche und -bewertungen unter Befolgung des Regelwerkes des GRADE-Systems [7]. Abb. 1 skizziert eine Auswahl wichtiger Neuerungen nach DSG 2025 sowie eine Zusammenfassung der zentralsten Komponenten der Sepsistherapie.
Tab. 1
Gegenüberstellung der Sepsisleitlinie 2018 und 2025 – die wichtigsten Änderungen und Neuerungen
 
DSG 2025
Status zu 2018
DSG 2018
Screening und Erstmaßnahmen
Screening
Empfehlung der regelmäßigen Anwendung eines geeigneten Screeninginstrumentes außerhalb von ICU bei V. a. Infektion für frühzeitige Erkennung von Sepsis (Empfehlungsgrad: stark)
Änderung
Empfehlung der regelmäßigen Bestimmung des quickSOFA-Scores außerhalb von ICU bei V. a. Infektion für frühzeitige Erkennung von Risikopatienten mit vitaler Bedrohung (Expertenkonsens)
Empfehlung eines Sepsisqualitätssicherungsprogrammes, inkl. Sepsisscreening für Hochrisikopatienten und SOP für die Therapie (Empfehlungsgrad: stark)
Empfehlung von Programmen zur Implementierung der Leitlinien, inkl. Risikopatientenscreening (Empfehlungsgrad: Expertenkonsens)
Laktatmonitoring
Laktatmessung im Blut bei Sepsisverdacht (Empfehlungsgrad: stark)
Neu
Keine Empfehlung
Initiale hämodynamische Stabilisierung
Peripher venöse Gabe von Vasopressoren für Ziel-MAP ≥ 65 mm Hg (keine Verzögerung bis Anlage eines ZVK) (Empfehlungsgrad: Expertenkonsens)
Keine Empfehlung
Flüssigkeitstherapie
Rekapillarisierungszeit zur Beurteilung der Gewebeperfusion (Empfehlungsgrad: schwach)
Keine Empfehlung
Infektion und antimikrobielle Therapie
Beginn der antimikrobiellen Therapie
I.v.-Gabe von Antiinfektiva bei Sepsis so schnell wie möglich, bei septischem Schock idealerweise innerhalb 1 h (Empfehlungsgrad: stark)
Änderung
I.v.-Gabe von Antiinfektiva so schnell wie möglich, idealerweise innerhalb 1 h nach Diagnose von Sepsis oder septischem Schock (Empfehlungsgrad: stark)
Zeitnahe Zusatzdiagnostik bei V. a. Sepsis ohne Schock; bei Fortbestehen des V. a. Infektion Beginn der antiinfektiven Therapie innerhalb von 3 h (Empfehlungsgrad: Expertenkonsens)
Neu
Keine Empfehlung
Auswahl der Substanz
Nach initialem Bolus prolongierte/kontinuierliche Infusion von β‑Lactam-Antibiotika bei Sepsis oder septischem Schock (Empfehlungsgrad: stark)
Keine Empfehlung
Kein „double gram-negative coverage“* in der Initialtherapie bei Sepsis/septischem Schock ohne erhöhtes Risiko für multiresistente Erreger (Empfehlungsgrad: schwach)
Keine Empfehlung
Empirische antimykotische Therapie bei Sepsis/septischem Schock nur bei hohem Risiko für Pilzinfektion (Empfehlungsgrad: schwach)
Änderung
Überprüfung der Indikation einer zusätzlichen kalkulierten antimykotischen/antiviralen Therapie bei Risikopatienten entsprechenden fokusbezogener Leitlinie (Empfehlungsgrad: Expertenkonsens)
Kreislauftherapie
Flüssigkeitstherapie
Additive Gabe von Albumin bei Verwendung großer Mengen balancierter Kristalloide für hämodynamische Stabilität (Empfehlungsgrad: schwach)#
Änderung
Ergänzende Gabe von Albumin oder Gelatine nur bei Nicht-Erreichen hämodynamischer Stabilität durch adäquate Flüssigkeitstherapie mit Kristalloiden alleine (Empfehlungsgrad: schwach)
Keine Gelatine bei Sepsis/septischem Schock (Empfehlungsgrad: schwach)#
Neu
Keine Empfehlung
Vasoaktive Substanzen: Vasopressin
Additive Gabe von Vasopressin im septischen Schock, wenn durch Noradrenalin allein kein ausreichender Blutdruck zu erzielen ist (Empfehlungsgrad: schwach)
Änderung
Additive Gabe von Vasopressin oder Epinephrin im septischen Schock, wenn durch Noradrenalin allein kein ausreichender Blutdruck zu erzielen ist (Empfehlungsgrad: schwach)
Vasoaktive Substanzen: Methylenblau
Indifferente Empfehlung zu Methylenblau im therapierefraktären septischen Schock (Empfehlungsgrad: Expertenkonsens)
Neu
Keine Empfehlung
Vasoaktive Substanzen: Terlipressin
Kein Terlipressin im septischen Schock (Empfehlungsgrad: schwach)
Keine Empfehlung
va-ECMO
Indifferente Empfehlung zur va-ECMO im therapierefraktären septischen und kardiogenen Schock (Empfehlungsgrad: Expertenkonsens)
Keine Empfehlung
Keine va-ECMO im septischen Schock (Empfehlungsgrad: Expertenkonsens)
Keine Empfehlung
Beatmungstherapie
Ventilatoreinstellung
Tidalvolumen bei ARDS um 6 ml/kg IBW (4–8 ml/kg IBW) (Empfehlungsgrad: stark)
Änderung
Tidalvolumen bei ARDS ≤ 6 ml/kg Standard-KG (Empfehlungsgrad: stark)
Inspiratorische Druckdifferenz ≤ 14 cm H2O bei Sepsis, septischem Schock und ARDS anstreben (Empfehlungsgrad: schwach)
Endinspiratorischer Atemwegsdruck (PEI) ≤ 30 cm H2O bei ARDS (Empfehlungsgrad: stark)
PEEP
Individualisierte PEEP-Einstellung mit bettseitigen Methoden bei moderatem oder schwerem ARDS (Empfehlungsgrad: schwach)
Neu
Keine Empfehlung
FiO2
SaO2 bzw. SpO2 von 92–96 % bzw. paO2 zwischen 70 und 90 mm Hg (9,3–12 kPa) bei invasiver Beatmung (Empfehlungsgrad: schwach)
Keine Empfehlung
Rekrutierungsmanöver
Keine Durchführung prolongierter Rekrutierungsmanöver (> 60 s) (Empfehlungsgrad: stark)
Änderung
Keine Rekrutierungsmanöver bei invasiv beatmeten ARDS-Patienten (Empfehlungsgrad: schwach)
Keine Durchführung kurzer Rekrutierungsmanöver (< 60 s) (Empfehlungsgrad: schwach)
Keine Rekrutierungsmanöver bei invasiv beatmeten ARDS-Patienten mit endinspiratorischen Drücken > 50 cm H20 (Empfehlungsgrad: stark)
NIV, CPAP oder HFNO
Anwendung bei milder bis moderater akuter hypoxämischer Insuffizienz (paO2/FIO2 100–300) (Empfehlungsgrad: stark)
Keine Empfehlung im Sepsis-induzierten ARDS (Statement)
Bauchlagerung
Frühzeitiger Beginn und unverzügliche Umsetzung nach Indikationsstellung, Intervall mind. 12 h, vorzugsweise 16 h (Empfehlungsgrad: stark)
Frühzeitiger Beginn mit unverzüglicher Umsetzung nach Indikationsstellung, Intervall mind. 16 h (Empfehlungsgrad: schwach)
vv-ECMO
Erwägen bei schwerem ARDS nach Ausschöpfen konservativer Therapiemaßnahmen (einschließlich Bauchlagerung) und persistierender schwerer GAST (Empfehlungsgrad: schwach)
Neu
Keine Empfehlung
Nierenersatztherapie
Indikation und Durchführung
Indikation RRT durch Intensivmediziner und/oder Nephrologen (Empfehlungsgrad: Expertenkonsens)
Neu
Keine Empfehlung
Beginn
Unverzüglicher Beginn bei lebensbedrohlichen Veränderungen des Flüssigkeits‑, Säure-Base- oder Elektrolythaushaltes (Empfehlungsgrad: Expertenkonsens)
Keine Empfehlung
Konservative Maßnahmen unter RRT-Vermeidung und regelmäßige Reevaluation des Beginns bei Unklarheit einer zu erwartenden RRT und bei nichtlebensbedrohlichen Veränderungen des Flüssigkeits‑, Säure-Base- oder Elektrolythaushaltes (Empfehlungsgrad: schwach)
Keine Empfehlung
Diffusion vs. Konvektion
Diffusive vs. konvektive vs. kombinierte Verfahren sind gleichwertig (Empfehlungsgrad: schwach)
Keine Empfehlung
Regionale und systemische Antikoagulation
Regionale Zitrat- oder systemische Heparinantikoagulation des ECKL sind gleichwertig (Empfehlungsgrad: stark)
Keine Empfehlung
Dosis
CVVH mit mittlerer Dosis von 20–25 ml/kg KG und h (Empfehlungsgrad: stark)
Keine Empfehlung
Keine High-volume-Hämofiltration (Empfehlungsgrad: stark)
Keine Empfehlung
Adjunktive Maßnahmen
Kortikosteroide im septischen Schock
HC (200 mg/Tag i.v.) mit oder ohne FC (50 μg/Tag enteral) bei anhaltendem Vasopressorbedarf (≥ 0,25 μg/kgKG und h über mind. 4 h) trotz ausreichender Volumengabe (Empfehlungsgrad: schwach)
Änderung
Kein intravenöses HC, wenn durch adäquate Flüssigkeits- und hochdosierte Vasopressortherapie eine hämodynamische Stabilisierung erreicht werden kann (Empfehlungsgrad: schwach)
Falls diese durch diese Maßnahmen nicht erreichbar: Dosis 200 mg/d (Empfehlungsgrad: schwach)
Unselektive Adsorptionsverfahren
Kein Einsatz (Empfehlungsgrad: stark)
Neu
Keine Empfehlung
Polymyxin-B-Hämoperfusion
Indifferente Empfehlung (Empfehlungsgrad: Expertenkonsens)
Keine Empfehlung
Plasmapherese (PLEX)
Indifferente Empfehlung (Empfehlungsgrad: Expertenkonsens)
Keine Empfehlung außerhalb klinischer Studien (Expertenkonsens)
Weitere Maßnahmen
Antikoagulation und Thromboseprophylaxe
NMH zur pharmakologischen Prophylaxe einer VTE (Empfehlungsgrad: stark)
Änderung
NMH oder UFH zur pharmakologischen Prophylaxe einer VTE, sofern keine KI vorliegen (Empfehlungsgrad: stark)
Keine Empfehlung zur Bevorzugung von NMH gegenüber UFH zur VTE-Prophylaxe (Statement)
Einsatz von NMH unter engmaschiger Anti-Xa-Kontrolle oder UFH bei hochgradig eingeschränkter Nierenfunktion und/oder septischem Schock (Empfehlungsgrad: Expertenkonsens)
Neu
Keine Empfehlung
Glucose-Management
Beginn einer Insulintherapie bei BZ ≥ 180 mg/dl (≥ 10 mmol/l) (Empfehlungsgrad: stark)
Änderung
Erstellung eines Protokolls für BZ-Management mit dem Beginn der Insulintherapie (2 aufeinanderfolgender Messungen mit BZ-Spiegel > 180 mg/dl) mit dem Ziel eines oberen BZ-Spiegels ≤ 180 mg/dl anstatt 110 mg/dl (Empfehlungsgrad: stark)
Stressulkusprophylaxe (SUP)
Gabe von PPI für Patienten mit Risikofaktoren für gastrointestinale Blutungen (Empfehlungsgrad: stark)
Neu
Gabe von PPI oder H2RA bei Indikation für SUP (Empfehlungsgrad: schwach)
Vitamine
Keine Verwendung von hochdosiertem Vitamin C als Monotherapie oder in Kombination mit Hydrocortison und hochdosiertem Vitamin B1 (Empfehlungsgrad: schwach)
Keine Empfehlung
Behandlungsziele und Spätfolgen
Behandlungsziele und Palliativversorgung
Möglichst frühe Festlegung der Behandlungsziele, innerhalb von 72 h (Empfehlungsgrad: Expertenkonsens)
Neu
Keine Empfehlung
Entlass-Management
Sepsisüberlebende und deren Angehörige sollen über das Beratungsangebot von Selbsthilfegruppen informiert werden (Empfehlungsgrad: Expertenkonsens)
Keine Empfehlung
Im Entlassbrief Hinweis auf Entwicklung eines PICS (Empfehlungsgrad: Expertenkonsens)
Keine Empfehlung
DSG Deutsche Sepsis-Gesellschaft, ICU intensive care unit, quickSOFA quick Sequential Organ Failure Assessment, SOP standard operating procedure, MAP mittlerer arterieller Druck, ZVK zentraler Venenkatheter, i.v. intravenös, h Stunde, va-ECMO venoarterielle extrakorporale Membranoxygenierung, IBW ideal body weight, PEI endinspiratorischer Atemwegsdruck, PEEP positiver endexspiratorischer Druck, ARDS acute respiratory distress syndrome, SpO2 periphere Sauerstoffsättigung, paO2 arterieller Sauerstoffpartialdruck, FIO2 inspiratorische Sauerstofffraktion, GAST Gasaustauschstörung, RRT renal replacement therapy, vs. versus, ECKL extrakorporaler Kreislauf, CVVH kontinuierliche venovenöse Hämodialyse, HC Hydrocortison, FC Fludrocortison, NMH niedermolekulares Heparin, UFH unfraktioniertes Heparin, VTE venöse Thromboembolie, BZ Blutzucker, PPI Protonenpumpeninhibitor, H2RA Histamin-2-Rezeptor-Antagonist, SUP Stressulkusprophylaxe, PICS post-intensive care syndrome
* Antimikrobielle Therapie mit 2 verschiedenen gegen gramnegative Erreger wirksamen Substanzen
# Diese Empfehlungen wurden bei Vorlage der Konsultationsfassung durch die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e. V. (DGAI) abgelehnt. Eine wissenschaftlich-fachliche Begründung befindet sich im Leitlinienreport (Kap. 5, Verabschiedung durch die Vorstände der herausgebenden Fachgesellschaften/Organisationen)
Abb. 1
Überblick über wichtige Neuerungen der Sepsisleitlinie 2025 in Screening, Erstmaßnahmen und organspezifischer Therapie. (Tool*: qSOFA quick Sequential Organ Failure Assessment, MEWS Modified Early Warning Score, NEWS/NEWS2 National Early Warning Score, AB Antibiotika, KG Körpergewicht, MRE multiresistente Erreger, PEEP positive endexpiratory pressure, NIV non-invasive ventilation, HFNO high flow nasal oxygen, CPAP continuous positive airway pressure, vv-ECMO venovenöse extrakorporale Membranoxygenierung, UFH unfraktioniertes Heparin, VTE venöse Thromboembolie, PPI Protonen-Pumpen-Inhibitor, PICS Post-Intensive Care Syndrome)
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Fallvignette

Bei Eintreffen des Notarztes zeigt sich ein 23-jähriger männlicher Patient (170 cm, 59 kg, BMI 20,4 kg/m2) tachypnoisch (Atemfrequenz 24/min), hypoton (RR 70/30 mm Hg), sinustachykard (140 bpm) und komatös (GCS 5, Blutglucose 1,2 mmol/l). Daraufhin erfolgten nach Applikation von hochdosiertem Sauerstoff und Anlage eines i.v.-Zugangs die Gaben von 200 ml Glucose 20 % und 2000 ml kristalloider Flüssigkeit sowie die kontinuierliche Gabe von Noradrenalin. Die anschließend notwendige Narkoseinduktion war problemlos. Der Patient wurde umgehend in die Notaufnahme eines Universitätsklinikums gebracht. Bei Aufnahme in der Klinik war der Patient analgosediert, kontrolliert beatmet und hämodynamisch nur unter hochdosierter Gabe von Noradrenalin (0,5 μg/kgKG und min) stabil. Eine Kontrolle der Blutglucose zeigte einen Wert von 7 mmol/l. Die initiale Blutgasanalyse zeigte folgende Parameter: pH-Wert 7,02; Base excess (BE) −12 mmol/l, Standardbikarbonat (SBE) 16 mmol/l, paO2 28 kPa, paCO2 7,8 kPa, Laktat 14,6 mmol/l. Die Rekapillarisierungszeit betrug 4 s. Unter dem Verdacht eines septischen Schockes wurden neben weiteren 3000 ml Kristalloiden nach Abnahme von Blutkulturen kalkuliert 9 g Piperacillin + Tazobactam als Loading dose verabreicht und zur Fokussuche eine Angio-CT-Diagnostik von Kopf, Thorax und Abdomen durchgeführt. Diese zeigte unter dem Bild einer ausgeprägten Kolitis massiv freie Luft holoabdominell, sodass der Patient unmittelbar in den OP transportiert wurde. Intraoperativ imponierte eine eitrig-fibrinöse Vierquadrantenperitonitis mit interenterischen Abszessen und einem großen entzündlichen Pseudotumor mit Abszess sowie bereits eingetretener Perforation im Bereich des Zäkums. Es erfolgten deshalb die Resektion des terminalen Ileums und rechten Hemikolons mit Anlage eines Ileostomas und ein Kolonblindverschluss. Postoperativ wurde der Patient im fulminanten septischen Schock auf die operative Intensivstation übernommen. Dort wurde die antibiotische Therapie mittels prolongierter Gabe (Dosis jeweils über 4 h) fortgeführt. Sowohl die Blutkulturen als auch der intraabdominelle Abstrich erbrachten den Nachweis von E. coli, des häufigsten Erregers bei abdomineller Sepsis. Die antibiotische Therapie wurde daraufhin nach 4 Tagen (bereits initiale adäquate Fokussanierung, regredientes Prokalzitonin und klinische Besserung des Patienten) auf Ceftriaxon deeskaliert und für weitere 3 Tage fortgeführt (antiinfektive Gesamttherapiedauer 7 Tage).
Die kontrollierte Beatmung erfolgte problemlos (maximaler Beatmungsdruck 21 mbar mit 360 ml Tidalvolumen, PEEP 8 cm H2O, FIO2 0,4). Zur hämodynamischen Beurteilung wurde bettseitig eine transthorakale Echokardiographie durchgeführt, in der sich alle Herzhöhlen schlecht gefüllt zeigten. Es imponierte ein hyperkontraktiler linker Ventrikel („kissing papillary muscles sign“) bei kollaptischer V. cava inferior. Das erweiterte hämodynamisch-volumetrische Monitoring mittels PICCO® zeigte einen hyperdynamischen Kreislauf. Trotz der Gabe von kumulativ 5000 ml kristalloider Flüssigkeit und 60 g Humanalbumin (300 ml einer 20 %igen Lösung als Bolus, Serum-Albumin des Patienten 7 g/l), der Ergänzung um Vasopressin (3 IE/h) bei mittlerweile weiter eskalierter Noradrenalindosis auf 0,7 μg/kgKG und min sowie adjunktiver Therapie mit Hydrocortison (100 mg Bolus, 200 mg kontinuierlich über 24 h) persistierte eine schwere Vasoplegie. Deshalb erfolgte zusätzlich die probatorische Gabe von 2 mg/kg Methylenblau (120 mg) über 10 min, gefolgt von einer über 24 h kontinuierlichen Gabe (240 mg kumulativ). Im Kontext der schweren metabolischen Acidose (pH-Wert 6,9, BE −24 mmol/l, SBE 10 mmol/l, Laktat 14 mmol/l) wurde unmittelbar eine kontinuierliche Nierenersatztherapie initiiert. Letztendlich stabilisierte sich der Kreislauf nach 72 h unter maximaler intensivmedizinischer Therapie. Nach initialer hämodynamischer Stabilisierung erfolgte bei Zeichen eines volume overload (Ödeme, Pleuraergüsse) 72 h nach Aufnahme des Patienten die Negativbilanzierung mittels Schleifendiuretika bei mittlerweile wieder einsetzender Eigendiurese. Im weiteren prolongierten intensivmedizinischen Verlauf imponierte eine schwere Critical-illness-Polyneuropathie/Polymyopathie, sodass der Patient erst nach 23 Tagen (über ein Tracheostoma intermittierend spontan atmend) zur weiteren Behandlung in eine Rehabilitationsklinik verlegt werden konnte.

Bewertung des Falls unter fokussierter Berücksichtigung der Neuerungen der DSG 2025

Screening und Erstmaßnahmen

Aufgrund der Heterogenität klinischer Symptome einer Sepsis sind deren Diagnosestellung und die konsekutiv frühzeitige Einleitung therapeutischer Maßnahmen eine fortwährend große Herausforderung im klinischen Alltag. Im dargelegten Fallbericht wurde bei klaren Hinweisen auf eine vitale Bedrohung und einem qSOFA-Score von 3 Punkten (GCS 5, Atemfrequenz 24/min, RR 70/30 mm Hg) bereits präklinisch unverzüglich mit einer hämodynamischen Stabilisierung unter dem V. a. einen septischen Schock begonnen. Welches Sepsis-screening-Tool am besten verwendet werden soll, ist aktuell nicht abschließend geklärt. Eine aktuelle Metaanalyse von Kim et al. zeigte, dass Sepsis-Screening-Tools in der Notaufnahme signifikanten Einfluss auf die Reduktion der Mortalität, der Krankenhausverweildauer und der Adhärenz zu Sepsisbündeln haben [8]. Auch wenn in den letzten Jahren zahlreiche Sepsis-Screening-Tools untersucht wurden (z. B. qSOFA, MEWS, NEWS/NEWS2), gibt es derzeit jedoch keine ausreichende Evidenz für die Überlegenheit eines speziellen. Mit nunmehr starkem Empfehlungsgrad wird deshalb vorgeschlagen, regelmäßig ein geeignetes Screening-Tool zur frühzeitigen Erkennung von Sepsis anzuwenden.
Die frühzeitige Bestimmung von Serum-Laktat bei Sepsisverdacht wird ebenfalls zum Screening empfohlen, obgleich dies bereits seit 2018 Bestandteil des 1‑h-Bündels bei Sepsis ist [9]. Ein hoher Laktatspiegel und eine fehlende Laktat-Clearance < 12 h als Ausdruck der anhaltenden anaeroben Glykolyse im Rahmen der sepsisbedingten Gewebshypoxie sind bei kritisch kranken Patienten mit einer hohen Mortalität assoziiert [10]. Neu empfohlen wird bei V. a. Sepsis auch die Messung der Rekapillarisierungszeit als Ausdruck der Mikrozirkulationsstörung, die beim beschriebenen Patienten mit 4 s deutlich verlängert war und ebenfalls ein starker Prädiktor für Mortalität im septischen Schock ist [11]. Des Weiteren sollen Vasopressoren frühzeitig auch über einen peripher-venösen Zugang appliziert werden, um schneller einen adäquaten mittleren arteriellen Druck ≥ 65 mm Hg zu erreichen. Damit kann überbrückend bis zur Anlage eines zentralen Venenkatheters, wie im Fallbeispiel aufgezeigt, die Zeit bis zum Beginn einer Vasopressortherapie verkürzt [12] und die Mortalität reduziert werden [13].

Antimikrobielle Therapie und Diagnostik

Die frühzeitige breite empirische antiinfektive Therapie im septischen Schock ist Outcome-relevant [1416] und soll nach Gewinnung mikrobiologischer Proben ohne zeitliche Verzögerung erfolgen. Die Therapiedauer der antiinfektiven Therapie in der Sepsis sollte individualisiert erfolgen und richtet sich maßgeblich nach dem Infektfokus (mit entsprechender Fokussanierung), dem Erreger und dem klinischen Verlauf sowie konsequenter täglicher Reevaluation. Erfolgt ein spezifischer Erregernachweis, ist eine Deeskalation der Therapie erforderlich. Bei der Entnahme von Blutkulturen sollten folgende Aspekte besondere Beachtung finden, um die Nachweisrate von Erregern zu erhöhen: Abnahme von mindestens 2 Blutkultur-Sets (40–60ml Blut) [17, 18], wobei die erforderlichen Blutkulturen zeitgleich aus derselben Punktionsstelle entnommen werden können, was die Kontaminationsgefahr senkt [19]; keine sequenzielle Abnahme, mehrfache Punktion oder die Abnahme im Temperaturanstieg, da diese nicht zu einer höheren Nachweisrate in der Blutkultur führen [20, 21].
Differenziert betrachtet wird in der neuen Leitlinie der Beginn der antimikrobiellen Therapie. Im Gegensatz zur Vorversion von 2018 wird nur noch für den septischen Schock empfohlen, eine antiinfektive Therapie innerhalb 1h zu beginnen, wohingegen bei Patienten mit Sepsis ohne Schock so schnell wie möglich (innerhalb von 3h) therapiert werden soll. Im Sinne eines rationalen Antibiotikaeinsatzes sollte bei V.a. eine Sepsis ohne Schocksymptomatik zunächst eine zeitnahe Zusatzdiagnostik durchgeführt und erst bei Fortbestehen des Infektionsverdachts mit der antiinfektiven Therapie begonnen werden. Der Beginn einer antimikrobiellen Therapie mit einem oder mehreren Antiinfektiva bei Sepsis oder septischem Schock mit dem Ziel, alle vermuteten Erreger zu erfassen, bleibt unverändert zur Empfehlung von 2018 [22]. Mit starkem Empfehlungsgrad wird in der neuen Leitlinie die prolongierte Gabe von β‑Lactam-Antibiotika empfohlen, wie in der Kasuistik zeitgerecht appliziert. Bei Sepsis oder septischem Schock gibt es zudem erstmals die Empfehlung, auf eine routinemäßige doppelte gramnegative Abdeckung zu verzichten, wenn keine Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für multiresistente Erreger bestehen. Weiterhin wird aufgrund der heterogenen Datenlage vorgeschlagen, nur bei hohem Risiko für eine Pilzinfektion mit einer empirischen antimykotischen Therapie zu beginnen [23, 24]. Aufgrund der entscheidenden Bedeutung einer adäquaten antiinfektiven Therapie sind hier noch einmal die Empfehlungen zu Substanzen in der kalkulierten antimikrobiellen Initialtherapie der Sepsis aufgezeigt (Tab. 2).
Tab. 2
Empfehlungen zur kalkulierten antimikrobiellen Initialtherapie der Sepsis. Diese Tabelle gibt es auch als PDF zum Download an der online verfügbaren Version des Artikels
 
Nosokomial erworben
Ambulant erworben
Fokus
Septischer Schock
Sepsis
Septischer Schock
Sepsis
Pulmonal
Meropenem oder PipTaz* oder
Cefepim
±1
Ciprofloxacin oder Levofloxacin9
PipTaz
oder
Cefepim
PipTaz oder
Cefepim
+
Azithromycin oder
Moxifloxacin oder Levofloxacin
Cefotaxim oder Ampicillin/Sulbactam
+
Azithromycin oder
Moxifloxacin oder Levofloxacin
Urogenital
PipTaz oder
Meropenem oder Imipenem
±1
Ciprofloxacin oder Levofloxacin
Cefotaxim oder
Cefepim oder
PipTaz
PipTaz oder
Meropenem oder
Imipenem
Cefotaxim oder
Cefepim oder
PipTaz
Abdominal
PipTaz oder
Meropenem oder Imipenem
+ Linezolid
PipTaz
±2
Linezolid
alternativ:
Tigecyclin + Ceftazidim8
PipTaz
±2,3
Linezolid
Cefotaxim + Metronidazol
oder
PipTaz
Haut/Weichgewebe5
PipTaz oder Meropenem
+ Clindamycin6 oder + Linezolid
PipTaz
+ Clindamycin6 oder
+ Linezolid
PipTaz oder Meropenem
+ Clindamycin6 oder + Linezolid
PipTaz
+ Clindamycin6
Katheterassoziiert
Daptomycin7
+ PipTaz oder + Cefepim oder
+ Meropenem
Daptomycin7
±4
Cefepim oder PipTaz
Fokus unbekannt
PipTaz
±2
Linezolid
PipTaz oder Cefepim oder Meropenem10
±2
Linezolid
±1
Ciprofloxacin oder Levofloxacin9
PipTaz oder Cefotaxim
Quelle: adaptiert aus der S2K Leitlinie „Kalkulierte parenterale Initialtherapie bakterieller Erkrankungen bei Erwachsenen“ AWMF Registernummer 082006 [25]
1 Nur bei Risikofaktoren für MRGN addieren
2 Nur bei Risikofaktoren für MRSA addieren
3 Bei Risikofaktoren für VRE addieren
4 Wenn gramnegative Erreger erfasst werden sollen
5 Kombinationstherapie insbesondere bei nekrotisierender Fasziitis
6 Zur Hemmung der Proteinbiosynthese sollte Linezolid statt Clindamycin bei MRSA-Risiko oder hoher lokaler Clindamycinresistenzrate verwendet werden
7 Alternativ kann Vancomycin (mit Spiegelbestimmung) verwendet werden
8 Alternativ kann Eravacyclin + Ceftazidim verwendet werden
9 In Abhängigkeit von der regionalen Resistenzsituation kann Fosfomycin eine Alternative sein
10 Bei Risikofaktoren für 3MRGN Meropenem bevorzugen
* PipTaz: Piperacillin-Tazobactam

Volumen- und Kreislauftherapie

Kumulativ erhielt der Patient in der prähospitalen Phase 2000 ml balancierte kristalloide Infusionslösung (ca. 30 ml/kgKG). Diesen soll in Orientierung an die SSC-Leitlinien von 2021 gegenüber 0,9 %iger NaCl-Lösung Vorzug gegeben werden. Die Gabe von Kristalloiden gilt nach wie vor als Flüssigkeitstherapie der 1. Wahl, und deren Effekt sollte engmaschig durch Kontrollen des hämodynamischen Status (bettseitige Echokardiographie, dynamische Variablen des hämodynamischen Monitorings) reevaluiert werden. Die Evidenz hinsichtlich des exakt zu infundierenden Volumens ist jedoch eingeschränkt, wobei ein Überlebensvorteil beobachtet wird, wenn 30 ml/kgKG innerhalb von 3 h appliziert werden [6, 26]. Im Gegensatz zur Vorversion der Leitlinie schlagen die Autoren aufgrund der neu bewerteten Datenlage [27, 28] die additive Gabe von Albumin vor (Empfehlungsgrad schwach), wenn zur Herstellung einer hämodynamischen Stabilität große Mengen an Flüssigkeit benötigt werden, und sprechen sich bei unzureichender Evidenz [29] gegen die Gabe von Gelatine aus (Empfehlungsgrad schwach). Diese beiden Empfehlungen wurden bei Vorlage der Konsultationsfassung durch die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e. V. (DGAI) jedoch abgelehnt.
Hervorgehoben werden soll die Empfehlung für eine individualisierte Volumentherapie und einen frühzeitigen Beginn von Vasopressoren, um eine Volumenüberladung zu vermeiden. Der beschriebene Patient erhielt bei instabiler Hämodynamik eine differenzierte Vasopressortherapie. Unverändert bleibt in der neuen Leitlinie die Verwendung von Noradrenalin als Vasopressor der 1. Wahl. Unter Beachtung pharmakologischer Vorteile und der verfügbaren Daten zu Vasopressin empfehlen die Autoren der neuen S3-Leitlinie in Übereinstimmung mit der SSC-Leitlinie [6] eine Ergänzung um Vasopressin ab Noradrenalindosierungen von 0,25–0,5µg/kgKG und min, wobei die Gabe von Epinephrin aufgrund negativer Effekte (gesteigerte Laktatbildung, erhöhte Mortalität im kardiogenen Schock, Arrhythmien) nicht empfohlen wird. Wie im Fallbericht skizziert, wurde bei therapierefraktärer Vasoplegie unter hochdosierter Noradrenalin- und Vasopressindosis Methylenblau, ein Inhibitor der löslichen Guanylatzyklase, mit konsekutiv vasokonstriktorischer Wirkung appliziert. Neu in die Leitlinie aufgenommen, sprechen sich die Autoren aufgrund der unzureichenden Datenlage aktuell weder für noch gegen den Einsatz von Methylenblau im septischen Schock aus, sodass trotz möglicher Vorteile [30] eine weitere Bewertung zum Stellenwert von Methylenblau im septischen Schock abzuwarten bleibt. Die Datenlage zur Verwendung von Terlipressin im septischen Schock ist klarer: kein Terlipressin im septischen Schock (schwacher Empfehlungsgrad).
Der septische Schock kann mit einer myokardialen Dysfunktion assoziiert sein. Unverändert zu den Empfehlungen der S3-Leitlinie 2018 wird Dobutamin als Inotropikum der 1. Wahl empfohlen und sich aufgrund der aktuellen Literatur gegen die Verwendung von Levosimendan ausgesprochen [31]. Eine indifferente Empfehlung zur Durchführung einer venoarteriellen extrakorporalen Membranoxygenierung (va-ECMO) im therapierefraktären septischen und kardiogenen Schock wurde erstmals neu in die Leitlinie aufgenommen (Expertenkonsens). Nach Konsens der Experten gibt es aktuell keine Empfehlung einer va-ECMO im therapierefraktären septischen Schock.
Auf die Notwendigkeit einer fokussierten bettseitigen Echokardiographie zu Beurteilung und Differenzierung des Schockgeschehens sei an dieser Stelle noch einmal hingewiesen. Etwaige Foci und/oder kardiale Differenzialdiagnosen im Sinne hämodynamisch relevanter Strukturveränderungen, die den septischen Schock aggravieren, sind so frühzeitig zu erkennen. Auch die Steuerung der Therapie mittels Echokardiographie gelingt bettseitig einfach und nichtinvasiv.

Beatmungstherapie

Die Empfehlungen zur Beatmungstherapie resultieren weitestgehend aus der neuen S3-Leitlinie (LL) „Invasive Beatmung“ [32] und adressieren einige Veränderungen. Bei dem Patienten der Kasuistik war die Beatmungssituation sowohl initial als auch im klinischen Verlauf unproblematisch. In der neuen S3-Leitlinie wird orientierend an den Empfehlungen der internationalen Fachgesellschaften empfohlen, Patienten mit Sepsis oder septischem Schock und akutem Lungenversagen mit einem Tidalvolumen um 6 ml/kg Idealgewicht (4–8 ml/kg IBW) zu beatmen. Klar formuliert, allerdings mit schwacher Empfehlung, ist ein individualisierter PEEP mit bettseitigen Methoden (s. LL „Invasive Beatmung“) bei moderatem oder schwerem ARDS mit einer inspiratorischen Druckdifferenz („driving pressure“) von 14cm H20.
Welche Sauerstoffzielwerte bei der invasiven Beatmung von Patienten mit Sepsis oder septischem Schock anzustreben sind, ist aktuell noch nicht abschließend geklärt [33], wobei eine periphere arterielle oder kapillare Sauerstoffsättigung von 92–96% bzw. ein paO2 zwischen 70 und 90mmHg (9,3–12kPa) anzustreben sind, um sowohl Hypoxämie als auch Hyperoxämie zu vermeiden. Zudem wurden die Erkenntnisse aus zahlreichen Untersuchungen zu Rekrutierungsmanövern angepasst. Entsprechend den Empfehlungen der S3-LL „Invasive Beatmung“ werden eine starke Empfehlung gegen die Durchführung von prolongierten (>60s) Rekrutierungsmanövern und eine schwache Empfehlung gegen routinemäßige kurze Rekrutierungsmanöver (<60s) ausgesprochen, da bei erhöhtem Komplikationsrisiko keine Reduktion der Mortalität oder Krankenhausverweildauer zu beobachten ist. Wurde in der Vorversion der Leitlinie keine Empfehlung hinsichtlich der Verwendung einer nichtinvasiven Beatmung mit sepsisinduziertem ARDS ausgesprochen, so wird nunmehr aufgrund neuer Daten [34] und Erkenntnissen aus der Pandemie vorgeschlagen, bei milder bis moderater akuter hypoxämischer respiratorischer Insuffizienz primär eine nichtinvasive Atmungsunterstützung (NIV, HFNO, CPAP) anzuwenden. Klinisch relevant ist zudem die angepasste Empfehlung zur Bauchlagerung, die über mindestens 12h, vorzugsweise 16h, frühzeitig erwogen und nach Indikationsstellung unverzüglich durchzuführen ist. Führen konservative Maßnahmen bei Patienten mit Sepsis oder septischem Schock und schwerem ARDS nicht zum Erfolg, kann die Implantation einer venovenösen ECMO in Erwägung gezogen werden, wobei die Datenlage mit nur 2 randomisierten Studien eingeschränkt ist [35, 36].

Nierenersatztherapie

Die Empfehlungen zur Nierenersatztherapie in der aktualisierten Sepsisleitlinie orientieren sich an den Empfehlungen der S3-LL „Nierenersatztherapie in der Intensiv- und Notfallmedizin“ [37]. Obwohl es keine Daten zur Indikationsstellung und Durchführung einer Nierenersatztherapie auf der Intensivstation gibt, wird empfohlen, dass dies durch einen Intensivmediziner oder Nephrologen erfolgen sollte. In Analogie zum kritischen Zustand des hier beschriebenen Patienten wird bei Patienten mit Sepsis oder septischem Schock und lebensbedrohlichen Veränderungen der Homöostase neu empfohlen, unverzüglich mit einer Nierenersatztherapie zu beginnen. Bei nichtlebensbedrohlichen Veränderungen kann unter regelmäßiger Reevaluation zur Vermeidung einer Nierenersatztherapie zugewartet werden. Ebenfalls neu ist die Empfehlung zu diffusiven und konvektiven Verfahren bzw. eine Kombination aus beiden, die gleichwertig eingesetzt werden können. Gegenstand zahlreicher Studien war die Frage nach der richtigen Antikoagulationsstrategie [38, 39]. Mit starkem Empfehlungsgrad wird der gleichwertige Einsatz einer systemischen Antikoagulation mit Heparin oder einer regionalen Zitratantikoagulation befürwortet. Mit starkem Empfehlungsgrad wird eine mittlere Dosis von 20–25ml/kgKG und h bei kontinuierlichen Verfahren empfohlen. Des Weiteren wird keine Empfehlung einer kontinuierlichen hochvolumigen Hämofiltration gegeben.

Ernährungstherapie

Keine Neuerungen gibt es 2025 zum Beginn der Ernährungstherapie im Rahmen einer Sepsis oder septischen Schocks. Aufgrund der niedrigen Evidenz [40] für oder gegen den frühzeitigen Beginn einer Ernährung bleiben die bis dato gültigen Empfehlungen, nach primärer Stabilisierung eine frühe enterale oder parenterale Ernährung in Abhängigkeit von der gastrointestinalen Verträglichkeit und metabolischen Toleranz durchzuführen, unverändert. Angepasst wurde allerdings die Empfehlung zur Blutglucosekontrolle (Beginn der Insulintherapie erst bei ≥180mg/dl; ≥10mmol/l), da Studien keinen Vorteil, jedoch ein größeres Risiko für Hypoglykämien bei einer intensivierten Glucosekontrolle zeigten [41].

Weitere Maßnahmen

Die neue S3-Sepsis-Leitlinie empfiehlt in Übereinstimmung mit den amerikanischen Leitlinien [42] erstmals die Gabe von 200mg Hydrokortison mit oder ohne Fludrokortison, wenn bei septischem Schock trotz adäquater Volumengabe und anhaltendem Vasopressorbedarf (Noradrenalin >0,25µg/kgKG und min über 4h) keine hämodynamische Stabilisierung erzielt werden kann. Dann schlagen die Leitlinienautoren vor (schwacher Empfehlungsgrad), die Gabe von Hydrokortison (200 mg/Tag) mit oder ohne Fludrocortison (50µg/Tag enteral) einzusetzen. Postoperativ erfolgte im dargelegten Fall keine zusätzliche Gabe von Fludrokortison, welches in Studien jedoch positive Effekte bei additiver Gabe zu Hydrokortison hatte [43], auch wenn die Evidenz diesbezüglich noch gering ist.
Neu bewertet wurde außerdem auch die Bedeutung von Blutreinigungsverfahren bei Sepsis und septischem Schock, die bei diesem Patienten jedoch nicht zur Anwendung kamen. So wird sich aufgrund von Negativstudien [44] mit starkem Empfehlungsgrad dagegen ausgesprochen, unselektive Adsorptionsverfahren einzusetzen. Eine Empfehlung für oder gegen die Anwendung einer Polymyxin-B-Hämoperfusion oder Plasmapherese kann aktuell aufgrund der noch heterogenen Datenlage trotz positiver Trends nicht ausgesprochen werden, sodass die Ergebnisse aktuell laufender RCT abgewartet werden müssen (TIGRIS, https://clinicaltrials.gov/study/NCT03901807, EXCHANGE‑2, https://clinicaltrials.gov/study/NCT05726825).
Hinsichtlich der venösen Thromboembolieprophylaxe (VTE) präferieren aktuelle Daten die Gabe von niedermolekularen Heparinen (NMH) [45], die Verwendung von NMH zur VTE-Prophylaxe wird deshalb in der neuen S3-Sepsis-Leitlinie mit starkem Empfehlungsgrad gegeben. In diesem Kontext wird neu vorgeschlagen, bei hochgradig eingeschränkter Nierenfunktion und septischem Schock bei Verwendung von NMH eine engmaschige Kontrolle des Anti-Xa-Spiegels durchzuführen oder unfraktioniertes Heparin zu verwenden.
Mit ebenfalls starker Empfehlung wird aufgrund neuer Daten [46] im Gegensatz zu der Vorversion von 2018 empfohlen, dass Patienten mit Risikofaktoren für eine gastrointestinale Blutung (invasive Beatmung > 48 h, akutes Nierenversagen, INR > 1,5 oder Thrombozytenzahl < 50.000/µl) eine Stressulkusprophylaxe mit Protonenpumpeninhibitoren erhalten sollen. Ebenfalls neu ist die klare Empfehlung gegen die Gabe von hochdosiertem Vitamin C, da in Studien kein signifikanter Mortalitätsvorteil gezeigt werden konnte [47].

Therapieziele

Sepsis und septischer Schock gehen mit einer hohen Morbidität und Mortalität einher. Für das Behandlungsteam ist es initial oft schwierig, Aussagen über die Prognose zu treffen. Aus diesem Grund ist die frühzeitige und einfühlsame Kontaktaufnahme mit den Angehörigen elementare ärztliche Tätigkeit, um realistisch zu erreichende Therapieziele unter Beachtung der persönlichen Integrität und des mutmaßlichen Patientenwillens interdisziplinär zu definieren. Auch wenn große randomisierte Studien zu diesem Thema fehlen, hat die neue S3-Leitlinie dieses Thema neu adressiert und empfiehlt, Behandlungsziele innerhalb von 72h nach Aufnahme auf die Intensivstation festzulegen. Um auf mögliche Spätfolgen der Intensivbehandlung zu fokussieren, wird zudem neu empfohlen, im Entlassbrief auf die Möglichkeit der Entwicklung eines Post-Intensive-Care-Syndroms hinzuweisen und Patienten sowie Angehörige über Beratungsangebote von Selbsthilfegruppen zu informieren.

Präventionsmaßnahmen und Impfungen

Da nosokomiale Infektionen eine große Rolle bei Sepsis spielen, wird der Infektionsprävention ein eigenes Kapitel gewidmet. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass diese in Deutschland in hohem Maß durch Gesetze reguliert werden. Kenntnis und Beachtung dieser Vorgaben sind somit die Grundlage der Infektionsprävention und damit auch der Sepsisprävention. Die Implementierung eines Antimicrobial-Stewardship(AMS)-Programms zur Sicherung der rationalen Antiinfektiva-Anwendung im Krankenhaus (zusätzliche DSG-Leitlinienempfehlung) erfuhr eine Konsensstärke von 100 %.
Auch die Umsetzung der Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut, insbesondere die Impfungen gegen Influenza, COVID-19, Respiratory Syncytial Virus (RSV), Pneumokokken, Meningokokken und Haemophilus influenzae B, wird ebenso empfohlen wie die jährliche Impfung gegen Influenza und COVID-19 für medizinisches Personal, um Patienten vor nosokomialen Infektionen und konsekutiver Sepsis zu schützen (Konsensstärke: 100 %).

Fazit für die Praxis

  • Sepsis ist ein akuter Notfall, der schnelles Handeln erfordert.
  • Ein geeignetes Screening-Tool soll außerhalb der Intensivstation bei V. a. eine Infektion für die frühzeitige Erkennung der Sepsis angewandt werden.
  • Eine klare Antibiotikastrategie, basierend auf den vermuteten Erregern und der klinischen Situation, ohne unnötige Wirkstoffkombinationen ist wichtig, um Resistenzentwicklungen und Nebenwirkungen zu minimieren.
  • Eine konsequente Unterstützung der Organfunktionen sowie eine engmaschige Reevaluation der Hämodynamik sind entscheidend, um die Therapie bei Bedarf anzupassen und die bestmöglichen Ergebnisse für den Patienten zu erzielen.
  • In der neuen Leitlinie wird erstmals die Integration einer systematischen Nachsorge nach der Krankenhausentlassung betont sowie eine stärkere Fokussierung auf eine patientenzentrierte Gesamtbetreuung, die über die akute Behandlung hinausgeht und auf die individuellen Bedürfnisse des Patienten abgestimmt sein soll.

Einhaltung ethischer Richtlinien

Interessenkonflikt

C. Neumann, D. Ebert, M. Bucher und M. Bauer geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
Für diesen Beitrag wurden von den Autor/-innen keine Studien an Menschen oder Tieren durchgeführt. Für die aufgeführten Studien gelten die jeweils dort angegebenen ethischen Richtlinien.

Hinweis des Verlags

Der Verlag bleibt in Hinblick auf geografische Zuordnungen und Gebietsbezeichnungen in veröffentlichten Karten und Institutsadressen neutral.

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Titel
Update 2025 der S3-Leitlinie: „Sepsis – Prävention, Diagnose, Therapie und Nachsorge“
Was ist neu?
Verfasst von
Dr. med. Caroline Neumann, DESA, EDIC, Infektiologin (DGI)
Daniel Ebert
Michael Bucher
Michael Bauer
Publikationsdatum
30.10.2025
Verlag
Springer Medizin
Erschienen in
Die Anaesthesiologie / Ausgabe 12/2025
Print ISSN: 2731-6858
Elektronische ISSN: 2731-6866
DOI
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