Vasoaktive Substanzen im septischen Schock – individualisierte Strategien
- Open Access
- 24.04.2025
- Septischer Schock
- Leitthema
Zusammenfassung
Hintergrund
Vasoaktive Standardtherapie
Individualisierte Therapie
Medikament | Rezeptoraktivität | Hämodynamische und organspezifische Effekte | Aspekte für spezifische Patient:innengruppen |
|---|---|---|---|
Noradrenalin | α1-, α2-, β1- und β3-Rezeptor-Agonist | Deutlicher Anstieg des MAP | Erste Wahl für die meisten Patient:innen |
Minimale Erhöhung von CO und HF | |||
Adrenalin | β1-, β2- und dosisabhängige α1-Rezeptor-Aktivität | Deutlicher Anstieg von MAP und HF | Bei vermuteter anaphylaktischer Komponente Bradykardie im septischen Schock Refraktärer septischer Schock mit myokardialer Dysfunktion |
Moderater Anstieg des CO | |||
Tachykardie und Arrhythmien | |||
Abnahme der Splanchnikusperfusion bei hohen Dosen | |||
Wichtige metabolische Effekte (z. B. Beschleunigung der Glykolyse, thermogene Wirkung, Hypokaliämie) | |||
Phenylephrin | Reiner α1-Agonist | Deutlicher Anstieg des MAP | Falls Noradrenalin nicht verfügbar ist |
Abnahme des CO | |||
Abnahme der Splanchnikusperfusion | |||
Vasopressin | VPR1- und VPR2-Agonist | Deutlicher Anstieg des MAP | Patient:innen mit Arrhythmien Patient:innen mit AKI 0–I Vermeidung bei Patient:innen mit peripherer Ischämie |
Minimale Erhöhung der HF und geringere Inzidenz von Arrhythmien | |||
Verbesserung der GFR | |||
Erhöhtes Risiko für digitale Nekrosen | |||
Potenziell prokoagulatorische Effekte | |||
Angiotensin II | Angiotensin-I- und Angiotensin-II-Rezeptor | Deutlicher Anstieg des MAP | Patient:innen mit refraktärem septischem Schock Patient:innen mit AKI III, RRT und hohem Reninwert |
Minimaler Anstieg des CO | |||
Tachykardie | |||
Verbesserung der GFR – geringere RRT-Dauer | |||
Erhöhtes Risiko für Lungenembolien | |||
Erhöhtes Risiko für Pilzinfektionen |
Initialtherapie
Kombination vasoaktiver Substanzen – Breitspektrumvasopressoren
Kombination von Noradrenalin mit Vasopressin
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früher Beginn von Vasopressin (< 12 h nach Beginn des Schocks),
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niedrige Noradrenalindosis (< 15 µg/min),
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niedriges Laktat (< 2 mmol/l) und
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AKI im Stadium ≤ 1 [21].
Kombination von Noradrenalin mit Angiotensin II
Mehrfachkombinationen
Kardiale Dysfunktion
Tachykardie
Resümee
Fazit für die Praxis
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Nach einer adäquaten Volumentherapie wird der Einsatz von Noradrenalin als primäre vasoaktive Substanz empfohlen.
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Wann die Volumentherapie als adäquat anzusehen ist, bedarf einer individuellen Einschätzung.
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Bei hohem Noradrenalinbedarf könnte es vorteilhafter sein, andere vasoaktive Substanzen zu ergänzen, anstatt die Noradrenalindosis weiter zu steigern. Eine frühzeitige Kombinationstherapie im Sinne einer Breitspektrumvasopressortherapie könnte hierbei von Vorteil sein.
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Patient:innen mit niedrigem Laktat und ohne akutes Nierenversagen (AKI) oder mit AKI I scheinen geeignete Kandidat:innen für den Einsatz von Vasopressin zu sein, während Patient:innen mit AKI III, die eine Nierenersatztherapie (RRT) benötigen und hohe Reninlevel aufweisen, eher von einem AT-II-Einsatz zu profitieren scheinen.
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Die adjunktive Therapie mit Hydrokortison und Fludrokortison kann vorteilhafte hämodynamische Effekte bringen.
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Bei kardialer Dysfunktion kann eine Ergänzung mit Dobutamin versucht werden. Gegebenenfalls kann, z. B. bei Erfolglosigkeit von Inotropika, unter Berücksichtigung der kardialen Funktion auch eine Umstellung von Noradrenalin auf Adrenalin erwogen werden. Auch Inodilatatoren, wie Levosimendan oder Milrinon, können in Einzelfällen erwogen werden.
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Bei Patient:innen mit inadäquater Sinustachykardie oder supraventrikulären Arrhythmien kann ein Therapieversuch mit kurzwirksamen β‑Blockern gerechtfertigt sein.
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In hämodynamisch komplexen Situationen empfiehlt es sich, neben einem erweiterten hämodynamischen Monitoring zusätzliche Parameter, wie die zentralvenöse Sättigung (ScvO2), die Differenz zwischen zentralvenösem und arteriellem pCO2 (pV – aCO2, Delta-CO2) sowie die Echokardiographie in die Entscheidungsfindung und die Evaluierung der Therapieeffekte einzubeziehen.