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02.11.2018 | Originalarbeit

Sexualisierte Gewalt gegen Minderjährige im medizinischen Ambiente und das Problem von Paternalismus und Täuschung

Zeitschrift:
Ethik in der Medizin
Autoren:
Prof. Dr. phil. Mathias Wirth, Prof. Dr. med. Heinz-Peter Schmiedebach

Zusammenfassung

Es ist ein Standard-Verfahren der Medizinethik, auf die Möglichkeit des Missbrauchs solcher Instrumente hinzuweisen, die im lege-artis-Gebrauch legitim sein können. Ein etabliertes Instrument der medizinischen Praxis sind paternalistische Handlungen, die bei geringer Reichweite individueller Entscheidungskompetenz, etwa bei Minderjährigen, verantwortliches Handeln absichern sollen. In der bisherigen Debatte wird Paternalismus als Problem eines ungerechtfertigten oder übermäßigen Gebrauchs („Paternalismus-Exzess“) diskutiert. Bislang erscheint in der medizinethischen Paternalismus-Debatte das Problem des scheinbaren Paternalismus zu wenig reflektiert. Auch die Thematik der sexualisierten Gewalt gegen Minderjährige im medizinischen Setting ist bisher wenig beachtet worden. Für diese spezifische Form der Gewalt gibt es verschiedene Ermöglichungsbedingungen. Eine wichtige liegt in der Akzeptanz paternalistischer Handlungen im medizinischen Kontext. Denn ein scheinbarer Paternalismus im Zusammenhang mit sexualisierter Gewalt gegen Minderjährige profitiert von der Praxis des passageren Übergehens des aktuellen Willens eines Kindes. Der prominente Fall Larry Nassars, der als Teamarzt der US-Kunstturnerinnen in hunderten Fällen junge Patientinnen sexualisierter Gewalt ausgesetzt hat, macht auf die Möglichkeit sexualisierter Gewalt durch medizinisches Personal aufmerksam. Geht es in der Paternalismus-Debatte um die Frage, in welchen Zusammenhängen Paternalismus problematisch oder unproblematisch ist, so trägt diese Studie den Problemaspekt der Täuschung im Zusammenhang mit sexualisierter Gewalt bei. Sie leistet damit einerseits einen Beitrag zur Thematisierung sexualisierter Gewalt im klinischen Kontext, und sie trägt zum anderen zur medizinethischen Diskussion des Paternalismus bei, die nicht von der Möglichkeit des Schein-Paternalismus absehen sollte. Unter Schein-Paternalismus oder fingiertem Paternalismus wird hier eine Haltung und Praxis verstanden, die in der Gestalt eines Paternalismus eigene Interessen des Agierenden zum Schaden der in Abhängigkeit befindlichen Person verfolgt und Fürsorgepflichten ignoriert. Denn die kindliche Gewöhnung an die Unterordnung des eigenen Willens und Körpers im asymmetrischen klinischen Kontext kann dazu genutzt werden, fingierten Paternalismus zu etablieren. Die Rede vom Schein-Paternalismus soll dabei aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Grenzziehung zwischen Paternalismus und Nicht-Paternalismus in der Praxis ebenso komplex ist wie diejenige zwischen körperlich-asexueller und körperlich-sexueller Gewalt. Ein präzises und transparentes lege-artis-Modell des Paternalismus soll hier als Basis für die Prävention sexualisierter Gewalt im klinischen Kontext diskutiert werden. Methodisch basiert diese Arbeit auf einer Auswertung der interdisziplinären Fachliteratur zur sexualisierten Gewalt im klinischen Kontext (A) und zum Paternalismus (B). Es folgt dann eine Zusammenfügung der so gewonnenen Erkenntnisse, sodass am Ende eine komplexere Aussage AB über das Verhältnis von sexualisierter Gewalt und Schein-Paternalismus steht.

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