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Über dieses Buch

Sexuell übertragbaren Erkrankungen gehören zu den häufigsten übertragenen Infektionen, mit denen sich Gynäkologen und Geburtshelfer in ihrer Praxis konfrontiert sehen. Während die "klassischen Geschlechtskrankheiten" (Syphilis, Gonorrhoe, Ulcus molle und Lymphogranuloma venereum) aufgrund der geringen Inzidenz in unseren Breitengraden zwar eine wichtige, aber mittlerweile untergeordnete Rolle spielen, nimmt die Bedeutung von Hepatitis B, HIV-Infektion und AIDS, Herpes genitalis, Infektionen mit Chlamydia trachomatis oder HPV weiter zu. Viele dieser Infektionen bleiben primär ohne Symptome, können jedoch weiterreichende Konsequenzen wie ungewollte Kinderlosigkeit, Fehlgeburten oder sogar Krebserkrankungen haben.

Die einzelnen Infektionen werden systematisch und übersichtlich in eigenen Kapiteln aufbereitet. Zu finden sind alle wichtige Fakten und Details zu Erreger, Inzidenz, Risikofaktoren, Epidemiologie, Klinik, Diagnostik, Komplikationen, Therapie sowie Prophylaxe und – wo relevant – zur Bedeutung in der Geburtshilfe und Neonatologie.

Den schnellen Zugriff auf die gesuchte Information gewährleisten viele übersichtliche Algorithmen und Tabellen für Diagnostik und Therapie unter Berücksichtigung der aktuellen nationalen und internationalen Leitlinien und Empfehlungen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Grundlagen

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1. Geschichte sexuell über tragener Infektionen in Gynäkologie und Geburtshilfe

Für die Frauenheilkunde waren die Geschlechtskrankheiten sowie das Kindbettfieber früher von ganz besonderer Bedeutung. Schon im Alten Testament finden sich Hinweise auf Geschlechtskrankheiten. Das Kapitel gibt einen interessanten Überblick über die Geschichte und Erforschung der wichtigsten sexuell übertragbaren Infektionen sowie einen Einblick in die große politische und kulturelle Bedeutung dieser Erkrankungen. Einflussreiche Persönlichkeiten, die unter Geschlechtskrankheiten litten, werden vorgestellt, ebenso wie namhafte Forscher, die entscheidend zur Eindämmung der sexuell übertragbaren Infektionen beigetragen haben.

Ioannis Mylonas

2. Was sind sexuell übertragene Infektionen?

Infektionen gehören auch im 21. Jahrhundert zu den wichtigsten Erkrankungsursachen. Insgesamt sterben weltweit jährlich ca. 52 Mio. Menschen. Davon erliegen ca. 17,3 Mio. den Folgen einer Infektion. Dies bedeutet, dass jeder 3. Todesfall infektionsbedingt ist. In diesem Zusammenhang spielen Infektionserkrankungen, die über den Sexualverkehr übertragen werden, eine wichtige Rolle. Sexuell übertragbare Infektionen (STI) wurden in der Vergangenheit auch als Geschlechtskrankheiten, venerische Infektionen oder sexuell übertragene Erkrankungen (STD) bezeichnet. STI sind eine heterogene Gruppe von Infektionen, deren gemeinsames Merkmal darin besteht, dass sie hauptsächlich bzw. zusätzlich durch Geschlechtsverkehr übertragen werden.

Ioannis Mylonas

3. Praktisches Vorgehen

Die Diagnose einer sexuell übertragenen Erkrankung stellt eine große Herausforderung für den behandelten Arzt dar. Obwohl sich viele dieser Erkrankungen zwar im Genitalbereich manifestieren, zeigen einige von ihnen eine Vielfalt an oft uncharakteristischen Symptomen, wodurch eine schnelle Diagnose erschwert wird. Der Verdacht auf sexuelle Übertragung von genitalen Erkrankungen besteht insbesondere bei jüngeren Menschen, akutem Beginn, spontaner Angabe eines sexuellen Kontakts als mögliche Ursache und früherem Vorliegen von vergleichbaren Krankheitsepisoden. Die gleichzeitige Übertragung mehrerer sexuell übertragener Erkrankungen ist möglich und sollte bei den differenzialdiagnostischen Überlegungen berücksichtigt werden.

Ioannis Mylonas

Klinische Syndrome

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4. Vulvitis und Vaginitis

Eine Entzündung von Vulva und Introitus vaginae wird als Vulvitis bezeichnet. Beschwerden im Vulva- und Vaginalbereich sind sehr häufig, wobei allerdings nicht alle durch Infektionen verursacht werden. Trotz unterschiedlicher Genese ist das entzündliche Reaktionsmuster einheitlich mit Juckreiz (Pruritus), brennenden Schmerzen, Schwellung, Rötung und verstärktem genitalem Fluor. Durch eine genaue Anamnese, Charakterisierung der Beschwerden und sorgfältige Untersuchung können zahlreiche infektiologische Probleme im vulvovaginalen Bereich erkannt und therapiert werden.

Ioannis Mylonas

5. Ulzerationen im anogenitalen Bereich

Sexuell übertragene Erkrankungen manifestieren sich in zahlreichen Fällen mit Ulzerationen im Anogenitalbereich. Ein Ulkus stellt einen Substanzdefekt in einer vorgeschädigten Haut dar, welcher meist nur unter Narbenbildung abheilt. Neben lokalen Infektionen können auch Granulome und Tumoren ulzerieren. Ulzerative Erkrankungen ermöglichen, v. a. wegen der tiefen Hautschädigung, die Besiedelung mit anderen Erregern. In zahlreichen Fällen besteht eine Mischinfektion. Patientinnen mit anogenitalen Ulzerationen haben ein höheres Risiko für eine Infektion und eine Transmission von HIV.

Ioannis Mylonas

6. Fluor genitalis

Fluor genitalis ist ein häufiges Symptom unterschiedlicher Erkrankungen. Prinzipiell kann die Ursache der vermehrten Schleimbildung im unteren Genitalbereich (Vagina, Zervix, Urethra) oder im oberen Genitalbereich (Uterus, Adnexe) liegen. Die Ursachen von vermehrtem Ausfluss sind vielfältig, die häufigste ist eine Infektion oder Kolonisation mit unterschiedlichen Mikroorganismen, zu denen auch sexuell übertragbare Infektionserreger zählen. Während vaginaler und zervikaler Fluor sicherlich das häufigste klinische Erscheinungsbild in der Praxis darstellen, sollten bei der gynäkologischen Untersuchung auch andere Lokalisationen berücksichtigt werden.

Ioannis Mylonas

7. Zervizitis

Die klassischen Erreger der Zervizitis sind Chlamydia trachomatis und Neisseria gonorrhoeae. Es ist davon auszugehen, dass die meisten Zervixinfektionen von Chlamydia trachomatis, Herpes-simplex-Virus (HSV) Typ II und Papillomviren verursacht werden. Auch Trichomonaden und Pilze können eine Zervizitis hervorrufen. Neben einer primären Infektion können verschiedene Faktoren wie Zervixerkrankungen (z. B. Erosion, Zervixriss, Zervixpolypen), die Aszension vaginaler Infekte (z. B. bakterielle Vaginose) und psychogene Ursachen (z. B. frustrane Libido, Anorgasmie) eine Zervizitis verursachen bzw. beeinflussen. Die akute Zervizitis ist von anderen Erkrankungen des weiblichen Genitale klinisch z. T. schlecht abzugrenzen und verläuft gelegentlich symptomarm, was die Ausbreitung der Erreger erleichtert.

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8. Urethritis

Der klassische Urethritis-Erreger ist Neisseria gonorrhoeae. Wird eine Urethritis nicht durch diesen Keim verursacht, spricht man von einer nichtgonorrhoischen Urethritis (NGU). Ein weiterer charakteristischer Urethritis-Erreger ist Chlamydia trachomatis. Falls eine Urethritis weder durch Neisseria gonorrhoeae noch durch Chlamydia trachomatis bedingt ist, spricht man häufig von einer nichtgonorrhoischen nichtchlamydialen Urethritis (NGCU). Eine Harnröhrenentzündung ist charakterisiert durch eine inflammatorische Reaktion der Urethra mit oder ohne urethralen Ausfluss (Fluor urethralis). Diese Inflammation kann mit Dysurie oder urethralem Juckreiz einhergehen. Der urethrale Ausfluss kann sowohl eitrig als auch mukös sein. Eine isolierte Urethritis tritt hauptsächlich bei Männern auf, während bei Frauen häufig gleichzeitig eine Zystitis vorkommt.

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9. Adnexitis

Als Adnexitis werden Entzündungen des inneren weiblichen Genitale bezeichnet. Eine Adnexitis entwickelt sich typischerweise dann, wenn Bakterien aus dem unteren Genitaltrakt in das Abdomen gelangen und den Uterus, die Salpingen und die Ovarien infizieren. Somit handelt es sich in den meisten Fällen um eine aszendierende, seltener um eine deszendierende oder postoperative Infektion. Die Adnexitis wird im angloamerikanischen Sprachraum auch als pelvic inflammatory disease (PID) bezeichnet. Eine Vielzahl von Bakterienarten kann das klinische Bild einer Adnexitis hervorrufen. Im Vordergrund stehen Chlamydia trachomatis und Neisseria gonorrhoeae, aber auch Keime, die sich in der Vaginalflora finden. Anaerobier, Gardnerella vaginalis, Haemophilus influenzae, Enterobakterien und Streptococcus agalactiae wurden in einen kausalen Zusammenhang mit der Erkrankung gebracht.

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10. Proktitis

Die isolierte entzündliche Erkrankung des Rektums wird als Proktitis bezeichnet. Sie kann entweder durch eine lokale Infektion oder als Begleitsymptom einer anderen gastrointestinalen Erkrankung auftreten (z. B. Gastroenteritis, Colitis ulcerosa). Sowohl Bakterien als auch Viren können eine Proktitis verursachen. Selten sind auch Parasiten anzutreffen. Neben den sexuell übertragenen Infektionen, welche meist durch eine direkte Infektion der anorektalen Schleimhaut während des Analverkehrs auftreten, können auch Entamoeba histolytica und Gardia lamblia angetroffen werden. Die Infektionsrate steht in Zusammenhang mit den jeweiligen Sexualpraktiken, der Benutzung von Kondomen sowie der Anzahl der Sexualpartner.

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Klassische sexuell übertragene Erkrankungen

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11. Syphilis (Lues)

Die Syphilis ist eine zyklisch verlaufende Infektionskrankheit, bei der sich klinisch auffällige mit klinisch unauffälligen Stadien abwechseln. Die Symptome können sehr vielgestaltig sein. Aufgrund der unterschiedlichen klinischen Manifestationen wird die Syphilis häufig als »Chamäleon« bezeichnet. Der Erreger, die Spirochäte Treponema pallidum ssp. pallidum, ist ausschließlich humanpathogen und weltweit verbreitet. Der häufigste Übertragungsweg ist mit > 95% der Fälle der Geschlechtsverkehr. Die Entdeckung des Penicillins und seine industrielle Herstellung haben zu einem deutlichen Rückgang der Syphilis-Erkrankung nach dem Zweiten Weltkrieg geführt. Allerdings nehmen die Fälle in Europa und Deutschland seit 1998 wieder kontinuierlich zu.

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12. Gonorrhö

Eine Infektion mit Neisseria gonorrhoeae tritt meist im Urogenitaltrakt auf, sie kann jedoch auch im anorektalen, pharyngealen oder konjunktivalen Bereich vorkommen. Ohne rechtzeitige Behandlung kann sie zu einer disseminierten Gonokokkeninfektion und septischer Arthritis sowie zu Endokarditis, Myokarditis oder Meningitis führen. Bei Frauen kann eine Entzündung des oberen Genitaltrakts resultieren. Während der Neugeborenenperiode und des 1. Lebensjahrs können die Erreger eine neonatale Konjunktivitis (Ophthalmia neonatorum) verursachen. Obwohl für die Gonorrhö mittlerweile keine Meldepflicht mehr besteht, lassen Schätzungen eine steigende Inzidenz auch in unseren Breitengraden annehmen.

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13. Lymphogranuloma venereum

Das Lymphogranuloma venereum wird durch Chlamydia trachomatis L1–L3 verursacht. Chlamydien der Gruppe L zeigen ein invasives Wachstum und eine Dissemination in das Bindegewebe und in die regionalen Lymphknoten. Weder die Infektiosität der Erreger noch das Erregerreservoir sind derzeit bekannt. Lymphogranuloma venereum ist in unseren Breiten eine seltene Erkrankung. In Deutschland wird mit einer Erkrankung pro 1 Mio. Einwohner pro Jahr gerechnet. Allerdings sind in den letzten Jahren kleinere Epidemien beobachtet worden, die v. a. unter homosexuellen Männern (men who have sex with men, MSM) auftraten. In einzelnen Fällen wurde in Europa auch eine heterosexuelle Übertragung beobachtet.

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14. Ulcus molle

Ulcus molle ist eine klassische Geschlechtskrankheit und wird nur bei sexuellem Kontakt übertragen. Es verursacht schmerzhafte Ulzera, welche konfluieren können, sodass das Bild einer großen Läsion mit granulomatösem Grund entsteht. Bei 50% der betroffenen Frauen findet sich ebenfalls eine inguinale Lymphadenopathie. Der Erreger dieser Geschlechtskrankheit ist das gramnegative Stäbchenbakterium Haemophilus ducreyi. Einziges Erregerreservoir ist der Mensch. Für eine Manifestation der Erkrankung sind bereits existierende Mikroläsionen der Haut oder Schleimhaut notwendig, da die intakte Haut kein Eindringen des Erregers ermöglicht. Das Ulkus kann durch die verursachte Gewebeschädigung als Eintrittspforte für andere Krankheitserreger (z. B. HIV) dienen.

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Andere sexuell übertragene Erkrankungen

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15. Trichomoniasis

Trichomoniasis ist mit geschätzten 174 Mio. Fällen pro Jahr die häufigste sexuell übertragbare Erkrankung. Der Erreger, das Protozoon Trichomonas vaginalis, ist ein obligat pathogener Keim und vermehrt sich ausschließlich in der Vaginal- und Urethralschleimhaut. Meist hat der Mann als Träger nur eine inapparente Infektion, die Frau ist dagegen unterschiedlich hoch kontagiös. Das klinische Bild ist gekennzeichnet durch eine Kolpitis, übelriechenden Fluor sowie Brennen und Juckreiz in der Vagina. Es können heftige erosive Entzündungen auch an Portio und Zervix auftreten. Außerdem werden Urethra, paraurethrale Drüsen und die Harnblase befallen. Die Trichomonaden-Symptomatik kann durch mitbestehende andere Infektionen modifiziert werden. Die Infektion geht meist auch mit einer vermehrten anaeroben bakteriellen Begleitflora einher.

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16. Chlamydia-trachomatis- Infektion

Weltweit zählt die urogenitale Chlamydia-trachomatis-Infektion zu den häufigsten bakteriell bedingten, sexuell übertragbaren Erkrankungen. Chlamydia trachomatis ist der am häufigsten vorkommende sexuell übertragbare Mikroorganismus in Deutschland. Als urogenitale Chlamydien-Infektion wird der Befall der Cervix uteri und/oder der Urethra mit Chlamydia trachomatis der Serotypen D–K bezeichnet. Das Erscheinungsbild reicht vom typischen mukopurulenten Ausfluss aus der Cervix uteri bis zur unspezifisch wirkenden Zervizitis oder sogar bis zu völlig asymptomatischen Verlaufsformen. Eine akute Entzündung der Cervix uteri geht häufig mit einem eitrigen, manchmal stark riechenden Ausfluss aus dem Zervikalkanal einher, während chronische oder unspezifische Gebärmutterhalsentzündungen oft keine oder nur geringe Symptome wie leichten Ausfluss oder abnorme Blutungen aufweisen.

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17. Condylomata acuminata

Condylomata acuminata (genitale Warzen) werden durch das humane Papillomvirus (HPV) verursacht, das die Epithelzellen der Haut bzw. Schleimhaut befallen und zu unkontrolliertem Wachstum führen kann. Es folgt eine Warzenbildung am Ort der Infektion, einige HPV-Typen können auch maligne Veränderungen verursachen. Ein Befall mit HPV ist zwar eine wichtige Voraussetzung für die Entstehung eines Karzinoms, aber für seine Ausprägung müssen zusätzlich endogene und exogene Faktoren einwirken. In den letzten Jahrzehnten wurden bahnbrechende Errungenschaften in der Pathogenese, Diagnose und Therapie erzielt. Vor allem hat die Entwicklung von prophylaktischen Impfstoffen gegen spezifische HPV-Typen zur Prävention von Condylomata acuminata und Krebsvorstufen der Zervix in den letzten Jahren den medizinischen Alltag beeinflusst.

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18. Herpes genitalis

Das Herpes-simplex-Virus Typ 2 (HSV-2) ist die Hauptursache des genitalen Herpes, wobei Infektionen des Genitaltrakts auch bei HSV-1 vermehrt beobachtet werden. Die Infektion mit HSV ist weltweit eine der häufigsten durch Geschlechtsverkehr übertragenen Viruserkrankungen. Etwa 75–90% der mit HSV-2 infizierten Personen sind sich einer Infektion nicht bewusst. Da fast 75% aller Patientinnen mit genitalem Herpes – unabhängig davon, ob es sich um eine Primärinfektion oder ein Rezidiv handelt – keine oder sogar atypische Symptome aufweisen, gestaltet sich eine korrekte Diagnose recht schwierig. Die primäre Gefahr in der Schwangerschaft besteht in der Übertragung des Virus auf den Feten bzw. Neugeborenen mit teils schweren klinischen Verläufen.

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19. Molluscum contagiosum

Molluscum contagiosum wird durch das Molluscum-contagiosum-Virus (MCV) verursacht und sowohl sexuell als auch nichtsexuell übertragen. Es handelt sich um eine gutartige Erkrankung, welche i. Allg. selbstlimitierend ist. Die durchschnittliche Dauer einer einzelnen Läsion beträgt ca. 2 Monate. Da sich die Läsionen durch Autoinokulation (z. B. Kratzen oder Trauma) jedoch sehr leicht ausbreiten, liegt die mittlere Infektionsdauer bei ca. 8 Monaten, in Einzelfällen 12 Monaten oder länger.

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20. Mycoplasma-genitalium- Infektion

Der Erreger Mycoplasma genitalium gilt als eine relativ neue Ursache von sexuell übertragbaren Infektionen. Mehr als 25 Jahre nach seiner ursprünglichen Isolierung bei Männern mit Nichtgonokokken-Urethritis (NGU) wurde er mit einigen urogenitalen Infektionen bei Männern und Frauen assoziiert. Während der Zusammenhang zwischen der Urethritis und diesem Erreger mittlerweile als gesichert gilt, ist dessen Bedeutung für weitere entzündliche Erkrankungen, v. a. bei Frauen sowie während der Schwangerschaft, noch weitgehend unklar.

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21. Granuloma inguinale

Granuloma inguinale, auch Donovanosis oder Granuloma venereum genannt, ist eine infektiöse Geschlechtskrankheit und verursacht genitale Ulzera, die bei Berührung sofort bluten. Der Erreger Calymmatobacterium granulomatis, ein gramnegatives, bekapseltes, unbewegliches Bakterium, vermehrt sich intrazellulär. Er findet sich in großen mononukleären Zellen und bildet sog. Donovan-Körperchen. Ein Wirtsreservoir außerhalb des Menschen ist derzeit nicht bekannt. Die Aufmerksamkeit für Granuloma inguinale hat in den letzten Jahren zugenommen, da genitale Ulzera als Kofaktoren für HIV-Infektionen eine bedeutende Rolle spielen.

Ioannis Mylonas

22. Filzläuse

Filzläuse (Phthirus pubis) benötigen die menschliche Körpertemperatur und sind ausschließlich an den Menschen als Wirt gebunden. Die Übertragung von Filzläusen erfolgt fast immer durch engen Körperkontakt, wie z. B. beim Geschlechtsverkehr. Obwohl eine unmittelbare Transmission durch gemeinsame Benutzung von Matratzen, Wäsche oder Betten möglich ist, spielt dieser Übertragungsweg eine geringere Rolle. Filzläuse sind insbesondere in den behaarten Partien der Scham- und der Perianalregion anzutreffen. Die primäre klinische Symptomatik besteht aus einem ausgeprägten Juckreiz und den daraus resultierenden Kratzdefekten in der Schamregion oder auch in den anderen befallenen Körperregionen. Filzläuse kommen in Mitteleuropa relativ häufig vor, v. a. unter schlechten hygienischen Bedingungen sind sie sehr häufig anzutreffen.

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23. Skabies (»Krätze«)

Skabies ist eine juckende Hauterkrankung, welche durch die Krätzmilbe verursacht wird. Sie wird auch »Krätze« genannt, ist schon seit dem Altertum bekannt und zeigte insbesondere in Kriegs- und Notzeiten große Verbreitung. Da diese Epizoonose v. a. durch engen körperlichen Kontakt übertragen wird, gilt auch Geschlechtsverkehr als eine Übertragungsmöglichkeit.

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Sexuell übertragbare Erkrankungen mit Erkrankung auf anderen Organen

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24. HIV-Infektion und AIDS

Epidemiologische und klinische Untersuchungen führten 1981 zur Definition des erworbenen Immundefizienzsyndroms (acquired immune deficiency syndrome, AIDS). In den Studien wurde deutlich, dass homosexuelle Männer, i.v.-Drogenkonsumenten und Empfänger von Bluttransfusionen oder Blutprodukten ein hohes Risiko für diese Erkrankung haben. Die Ursache wurde 1983 isoliert und trägt heute, nach eindeutiger Identifikation als RNA-Retrovirus, die Bezeichnung humanes Immundefizienzvirus (HIV). Der Virustyp HIV-2 verdankt seine späte Entdeckung dem Umstand, dass es im Vergleich zu HIV-1 einen leichteren und längeren Verlauf nimmt und schwerer auf sexuellem oder perinatalem Weg übertragbar ist. Durch verbesserte therapeutische Möglichkeiten ist die Reduktion der fetomaternalen Transmissionsrate des HI-Virus in der westlichen Welt von ca. 15–20% ohne Therapie auf < 2% gelungen. Eine HIV-Infektion stellt heute keine Kontraindikation für die Austragung einer Schwangerschaft dar.

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25. Hepatitis B und Hepatitis D

Hepatitis B wird vom Hepatitis-B-Virus (HBV) verursacht, ist weltweit verbreitet und mit 300–350 Mio. chronisch infizierten Menschen die zahlenmäßig häufigste Form der Hepatitis. Sie ist von enormer Bedeutung durch die in Abhängigkeit von der Virusreplikation erhöhte Gefahr der vertikalen Transmission, kann aber in den westlichen Ländern durch verfügbare Vakzine beherrscht werden. Hepatitis D ist eine durch das Hepatitis-Delta-Virus (HDV) hervorgerufene Infektionserkrankung. Erst 1973 konnte ein neues Antigen (D) in Hepatozyten von Patienten mit besonders schweren Hepatitis-B-Verläufen nachgewiesen werden. Während dieses Antigen anfänglich für eine neue Variante des Hepatitis-B-Core-Proteins angesehen wurde, stellte sich in den 1980er Jahren die Eigenständigkeit des Erregers heraus.

Ioannis Mylonas

26. Hepatitis C

Hepatitis C ist die häufigste durch Blut oder Blutprodukte parenteral übertragene Krankheit. Weltweit sind ca. 170 Mio. Menschen (ca. 3% der Bevölkerung) chronisch mit dem Hepatitis-C-Virus (HCV) infiziert. Aufgrund der hohen Chronifizierungstendenz, der nur geringen klinischen Apparenz der Erkrankung und des schlechten Ansprechens auf eine antivirale Therapie ist eine rechtzeitige Diagnose und Überwachung wichtig. Eine akute HCV-Infektion verläuft überwiegend symptomarm und bleibt daher zumeist inapparent. In > 80% der Fälle wird ein chronischer Verlauf beobachtet, häufig mit Leberzirrhose bzw. der Gefahr der nachfolgenden Entstehung eines Leberzellkarzinoms. Ferner können bei chronischer Hepatitis C extrahepatische Manifestationen auftreten.

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27. Zytomegalie

Die Bedeutung der Zytomegalie hat in den letzten Jahren zugenommen. Die Infektion wird durch das Zytomegalievirus (CMV) aus der Gruppe der Herpesviren verursacht. Während es bei immunkompetenten Personen nur in seltenen Fällen zur CMV-Mononukleose führt, sind v. a. Patienten mit einer erworbenen oder angeborenen Immunschwäche gefährdet (bei Organtransplantation, HIV-Infektion, Tumorerkrankungen u. a.). Während der Schwangerschaft kann eine Infektion zur Virusübertragung auf das ungeborene Kind führen, die in ausgeprägten Erkrankungen mit kindlichen Fehlbildungen bzw. Spätfolgen resultiert. Weltweit sind ca. 0,2–2,3% aller Neugeborenen mit CMV infiziert. CMV ist der häufigste Verursacher kongenitaler Infektionen mit Erkrankung des Kindes bei Geburt sowie kindlichen Spätschäden.

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Mögliche sexuell übertragene Infektionen

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28. Bakterielle Vaginose

Die bakterielle Vaginose stellt eine Milieustörung der Vagina dar. Im klassischen Sinn ist diese Infektion keine venerische Erkrankung. Allerdings wird in den letzten Jahren eine sexuelle Übertragung vermehrt diskutiert. Es handelt sich um eine Mischinfektion der Vagina, und je nach Kulturbedingungen und Methode lassen sich meist zahlreiche bakterielle Erreger nachweisen. Allerdings kommt nur einigen Mikroorgansimen entscheidende Bedeutung in der Pathogenese der bakteriellen Vaginose zu. Einer der wichtigsten Erreger scheint Gardnerella vaginalis zu sein. Obwohl mittlerweile ein gesicherter Zusammenhang zwischen Infektion und Frühgeburt besteht, stellen Prophylaxe und Therapie immer noch eine Herausforderung dar. Beträchtliche Anstrengungen wurden in den letzten Jahren unternommen, um eine bessere Identifizierung und Differenzierung von schwangeren Hochrisikogruppen für eine urogenitale Infektion zu ermitteln.

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29. Vulvovaginalkandidose

Die Vulvovaginalkandidose, eine Infektion der Vagina und des Vestibulums mit Pilzen der Gattung Candida, ist am äußeren Genitale, in der Scheide, der Interkruralregion sowie der Perianalregion anzutreffen. Fast jede prämenopausale Frau macht wenigstens einmal in ihrem Leben eine Vulvovaginalkandidose durch. Etwa 5–8% dieser Frauen erleiden mit < 4 Episoden pro Jahr chronisch rezidivierende Vulvovaginalkandidosen. Wegen der östrogenabhängigen Bedingungen in der Vagina und des Vorhandenseins von Östrogenrezeptoren bei Candida albicans bekommen Kinder und postmenopausale Frauen eher nur Vulvakandidosen, wenn Morbiditätskriterien dazu disponieren. Es besteht zwar ein Zusammenhang zwischen Vulvovaginalkandidose und Geschlechtsverkehr, die hohe Rezidivrate und die zahlreichen anderen Risikofaktoren, die bei einer Manifestation der Infektion eine entscheidende Rolle spielen, sind aber nicht allein durch sexuellen Kontakt erklärbar.

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Backmatter

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