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Über dieses Buch

Dieser Leitfaden setzt sich anhand zahlreicher klinischer Fallberichte mit möglichen somatischen Differenzialdiagnosen auseinander und ist somit bestens geeignet für das multiprofessionelle Behandlungsteam psychisch kranker Kinder und Jugendlicher.

Aufgrund der Komplexität und der fachübergreifenden Krankheitsbilder fällt es häufig schwer, die verschiedenen Aspekte psychischer Erkrankungen auf der einen Seite und körperlicher Erkrankungen auf der anderen Seite einzuschätzen.

Das Buch richtet sich an Kinder- und Jugendlichenpsychiater und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten, Ergo-, Physio- und Kunsttherapeuten und an alle Menschen, die mit psychisch kranken Kindern und Jugendlichen arbeiten.

Zusätzlich ist das Buch auch für Kinderärzte, die differenzialdiagnostische Überlegungen bei psychischen Symptomen anstellen wollen, nützlich. So wurde Wert darauf gelegt, die psychischen und somatischen Beschreibungen der Krankheiten für die jeweils fachfremde Gruppe verständlich zu gestalten.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Einleitung

Kinder und Jugendliche, die psychisch erkrankt sind, werden von einem vielseitigen Helfersystem betreut. Das Buch Somatische Differenzialdiagnosen psychischer Symptome im Kindes- und Jugendalter soll dem Helfersystem ein Leitfaden durch die möglichen somatischen Differenzialdiagnosen sein. Angesprochen sind: Kinder- und Jugendpsychiater, Kinderärzte, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten, Musiktherapeuten, Kunsttherapeuten, Physiotherapeuten, Pädagogen, Lehrer, Ergotherapeuten, Logopäden, Sozialarbeiter, Einzelfallhelfer und Familienhelfer.

Nico Charlier

2. Störung des Denkens (schizophrene Psychose)

Störungen des Denkens und Halluzinationen können auf eine schizophrene Erkrankung hinweisen. Allerdings können auch somatische Erkrankungen, besonders in der Anfangsphase, eine ähnliche Symptomatik aufweisen. So sollte der Arzt zum Beispiel auch an Enzephalitiden aufgrund von Infektionen oder an Autoimmunerkrankungen denken und diese in die differenzialdiagnostischen Überlegungen einbeziehen.

Nico Charlier

3. Manie

Manische Episoden sind Veränderungen der Stimmung und des Antriebes in einem umschriebenen Zeitraum. Dieser Zustand kann Teil einer Symptomatik der psychiatrischen Erkrankung der bipolaren Störung sein. Die wichtigsten Differenzialdiagnosen sind Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis und Substanzmissbrauch. Aber auch eine multiple Sklerose und Formen der Epilepsie können für eine solche Symptomatik verantwortlich sein.

Nico Charlier

4. Depression

Das psychiatrische Erkrankungsbild der gedrückten Stimmung ist die Depression. Zusätzlich zur gedrückten Stimmung kommen der Verlust von Interessen und eine erhöhte Ermüdbarkeit hinzu. Je jünger die Kinder allerdings sind, desto unterschiedlicher kann die Symptomatik sein. Differenzialdiagnostisch sind Erkrankungen die zu einer Schilddrüsenunterfunktion führen, Infektionserkrankungen wie die Borreliose, aber auch Stoffwechselerkrankungen wie der Morbus Wilson in Erwägung zu ziehen. Sogar Nahrungsmittelunverträglichkeiten scheinen bei der Depression eine Rolle zu spielen.

Nico Charlier

5. Angststörungen

Bei Angststörungen handelt es sich um übermäßig ausgeprägte, unrealistische Ängste. Diese Ängste können frei flottierend und unspezifisch, aber auch als wiederkehrende Angstattacken im Sinne einer Panikstörung auftreten. Differenzialdiagnostisch muss bei einer Angststörung immer auch an eine Erkrankung mit einer Schilddrüsenüberfunktion gedacht werden. Aber auch die tachykarden Herzrhythmusstörungen können eine solche Symptomatik bewirken. Ein klassischer Fall der Pädiatrie ist auch eine Fallgeschichte eines Mädchens mit Panikattacken, Herzrasen und Kopfschmerzen aus dem Jahre 1884, bei der die Symptomatik eines Phäochromozytoms beschrieben wurde.

Nico Charlier

6. Dissoziative Störungen

Die dissoziativen Störungen wurden früher als verschiedene Formen der Konversionsneurose oder Hysterie bezeichnet. Meist steht dabei der Verlust von normalerweise willkürlich beherrschbaren Körperfunktionen im Vordergrund, ohne dass eine organische Störung vorliegt. Auch dissoziative Krampfanfälle sind möglich. Allerdings ist es oft gar nicht so einfach, eine organische Erkrankung auszuschließen. So können zahlreiche Erkrankungen zu peripheren, aber auch zentral ausgelösten Paresen führen. Ursächlich können auch Muskelerkrankungen oder Infektionserkrankungen sein. Bei Krampfanfällen ist im Kindesalter immer auch an Fieberkrämpfe und spezifische Epilepsiesyndrome zu denken. Aber auch Synkopen können psychogener Genese sein oder aber kardiogen verursacht werden.

Nico Charlier

7. Somatoforme Störungen

Als somatoforme Störungen werden körperliche Beschwerden bezeichnet, die sich nicht oder nicht hinreichend auf eine organische Erkrankung zurückführen lassen. Ursächlich sind meist biologische, psychische oder soziale Faktoren. Allerdings ist bei somatoformen Störungen das Risiko hoch, eine psychogene Ätiologie zu schnell für die Beschwerden verantwortlich zu machen. Besonders bei Bauchschmerzen, die im Kindes- und Jugendalter häufig sind, gibt es zahlreiche somatische Erkrankungen, die schwer zu diagnostizieren sind, aber durchaus für die Symptome verantwortlich sein können. Besonders wenn zusätzlich noch psychosoziale Schwierigkeiten hinzukommen oder wenn es sich um junge Damen handelt, neigen doch viele Ärzte zu schnell dazu, eine psychogene Ursache anzunehmen. Hinzu kommen die funktionellen Bauchschmerzen, die vermutlich keine psychogene Ursache haben, aber denen auch keine bekannte somatische Erkrankung zugrunde liegt. Differenzialdiagnostisch kommen für Bauchschmerzen zahlreiche Erkrankungen infrage. Besondere Schwierigkeiten machen dabei Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Nahrungsmittelallergien. Auch Kopfschmerzen, Herzrasen, Herzstolpern können Ausdruck einer somatoformen Störung sein.

Nico Charlier

8. Essstörungen

Zu den klassischen Essstörungen gehören die Anorexia nervosa und die Bulimia nervosa. Aber auch die Adipositas kann zu den Essstörungen gezählt werden. Alle Erkrankungen sind gute Bespiele für einen psychischen Konflikt, der zu somatischen Folgeerscheinungen führt. Die Gewichtsabnahme bei der Anorexia nervosa erfolgt in der Regel absichtlich, und es besteht eine Körperschemastörung. Allerdings gibt es auch zahlreiche somatische Erkrankungen, die zu einem Untergewicht führen können. So kann es neben verminderter Nahrungszufuhr auch zu enteralen Verlusten wie bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen kommen, oder aber auch zu einem erhöhten Energieverbrauch wie beispielsweise bei der Tuberkulose. Auch chronisches Erbrechen oder Adipositas können Folge von zahlreichen somatischen Erkrankungen sein.

Nico Charlier

9. Störung des Sozialverhaltens

Von einer Störung des Sozialverhaltens spricht man, wenn dissoziale, aggressive und aufsässige Verhaltensweisen entgegen der altersentsprechenden sozialen Erwartung bestehen. Meist kommt diese Störung gleichzeitig mit schwierigen psychosozialen Umständen vor und kann noch mit weiteren kinder- und jugendpsychiatrischen Erkrankungen zusammen auftreten. Die somatische Differenzialdiagnostik bezieht sich meist auf mögliche zusätzliche Symptome wie Drogenkonsum, eine Einschränkung der kognitiven Leistungsfähigkeit und deren Ursachen oder anderweitige genetische Erkrankungen.

Nico Charlier

10. Intelligenzminderung

Bei einer Intelligenzminderung handelt es sich um eine Beeinträchtigung der Kognition, der Sprache, der motorischen und sozialen Fähigkeiten. Dadurch ist die Anpassung an die Anforderung des alltäglichen Lebens erschwert. Die Intelligenzminderung wird in 3 Schweregrade eingeteilt. Auch wenn die Intelligenzminderung eine Diagnose der psychischen Störungen nach ICD-10 ist, handelt es sich doch meist um eine somatische Grunderkrankung oder die Folge einer somatischen Erkrankung oder Schädigung. Zu den häufigsten Ursachen zählen Chromosomenstörungen, ZNS-Fehlbildungen, Fehlbildungssyndrome, neurometabolisch-degenerative Störungen oder perinatale Läsionen. Zahlreiche Symptome, wie kleine Fehlbildungen oder eine veränderte Muskelspannung, können schon frühzeitig auf eine Chromosomenstörung hinweisen. Anamnestisch ist eine intrauterine Schädigung genau zu erfragen. So können u. a. Infektionen in der Schwangerschaft oder auch Alkoholkonsum der Mutter in der Schwangerschaft zu einer Schädigung mit der Folge einer Intelligenzminderung führen.

Nico Charlier

11. Autismus

Der Autismus gehört zu den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen und wird beschrieben als eine Gruppe von Störungen mit unangemessenem Einschätzen sozialer und emotionaler Signale, einer qualitativen Beeinträchtigung der Kommunikation, eingeschränktem Interesse und stereotypen Verhaltensmustern. Die Abweichungen können im Ausprägungsgrad allerdings sehr variieren. Differenzialdiagnostisch sind neben einigen genetischen Syndromen auch alle Störungen der Wahrnehmung, aber auch Deprivation und Hospitalismus mit in Erwägung zu ziehen.

Nico Charlier

12. Ticstörungen

Tics sind nichtrhythmische und weitgehend unwillkürliche Bewegungen oder Lautäußerungen, ohne dass ein Zweck zu erkennen ist. Man unterscheidet vorübergehende von chronischen Ticstörungen und diese wiederum vom Tourette-Syndrom. Differenzialdiagnostisch wird in den letzten Jahren zunehmend ein Zusammenhang zwischen Tics und Streptokokkeninfektionen beschrieben. Auch die Chorea minor im Rahmen des rheumatischen Fiebers kann Tic-ähnliche Symptome hervorrufen. Des Weiteren ist bei Tics an zahlreiche neurometabolisch-degenerative Erkrankungen zu denken.

Nico Charlier

13. Enuresis

Die Enuresis gehört zu den häufigen im Kindesalter auftretenden funktionellen Reifungs- und Entwicklungsstörungen. Die Ursachen sind aufgrund der heterogenen Gruppe der Störungsbilder sehr unterschiedlich. Psychisch-psychiatrisch relevant sind v. a. willkürliches Einnässen und sekundäre Enuresis. Eine primäre Enuresis ist meist eine typische funktionelle Reifungsstörung. Eine somatische Abklärung sollte in der Regel vor einer kinder- und jugendpsychiatrischen Diagnostik erfolgen. Differenzialdiagnostisch sind mechanische oder neurogene Ursachen, aber auch Infektionen oder Syndrome mit in Erwägung zu ziehen.

Nico Charlier

14. Enkopresis

Eine Enkopresis wird definiert als ein willkürliches oder unwillkürliches Absetzen von Faeces an Stellen, die dafür nicht vorgesehen sind. Wichtig ist dabei die Unterscheidung der Enkopresis mit Obstipation und einer Enkopresis ohne Obstipation. Weiter können auch angeborene Erkrankungen des Dickdarms, Stoffwechselerkrankungen und zahlreiche weitere Erkrankungen zu einer Enkopresis führen.

Nico Charlier

15. Regulationsstörungen im Säuglings- und Kleinkindalter

Unter einer Regulationsstörung versteht man eine für das Alter des Säuglings bzw. Kleinkindes außergewöhnliche Schwierigkeit, sein Verhalten angemessen zu regulieren. Dabei geht es um Schreien, Schlafen, Füttern oder die Reaktion auf eine kurze Trennung. Im Rahmen der unterschiedlichen Symptomatik sollte auch immer eine somatische Erkrankung als mögliche Ursache für die Regulationsstörung in Erwägung gezogen werden. So können, wie der Begriff der Dreimonatskolik bereits nahelegt, gastrointestinale Ursachen eine Ursache für Schreien oder Schlafstörungen sein. Bei Fütterproblemen, besonders gepaart mit einer Gedeihstörung, muss besonders auf eine somatische Erkrankung geachtet werden.

Nico Charlier

Backmatter

In b.Flat Sozialpädiatrie enthaltene Bücher

In b.Flat Kinder- & Jugendpsychiatrie/psychotherapie enthaltene Bücher

In b.Flat SpringerMedizin.de Gesamt enthaltene Bücher

Weitere Informationen

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Herausgeber:
Dietrich Abeck, Hansjörg Cremer
Bildnachweise