Schutz mit System: Öffentliche Sonnenschutzspender als Baustein der Hautkrebsprävention
- 14.07.2025
- Online-Artikel
Ultraviolette Strahlung gilt als einer der maßgeblichen exogenen Risikofaktoren für die Entstehung nicht-melanozytärer Hauttumoren. Prof. Dr. Thomas Dirschka, Experte für klinische Dermatologie, Dermatoonkologie und Dermatohistologie, weist darauf hin, dass vor allem Personen mit hoher kumulativer UV-Belastung besonders gefährdet sind – darunter beruflich exponierte Menschen wie Outdoor-Arbeitende, aber auch Freizeitaktive sowie ältere Patient:innen.
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Gerade bei älteren Patient:innen spielt die sogenannte Immunseneszenz eine zentrale Rolle: Die altersbedingte Schwächung der immunologischen Tumorüberwachung begünstigt die Entstehung UV-induzierter Hautneoplasien. Die Konsequenz ist ein stetiger Anstieg von Keratinozytenkarzinomen, allen voran aktinischer Keratosen und kutaner Plattenepithelkarzinome.
Neue Evidenz: Öffentliche Spender als niederschwellige Präventionsmaßnahme
Eine aktuelle prospektive Beobachtungsstudie aus Summerside, Kanada, bringt neuen Erkenntnisgewinn: Drei kontaktlose Sonnenschutzspender wurden in stark frequentierten Bereichen – darunter ein Kinderspielplatz, eine Strandpromenade und ein Baseballfeld – installiert. Über 17 Tage hinweg wurden 1.202 Personen erfasst, von denen 209 die Spender aktiv nutzten (17,4 %). Besonders hoch war die Nutzung im Kinderpark (40 %) sowie an sonnigen Tagen (durchschnittlich 52,2 %). Diese Ergebnisse zeigen: Zugänglichkeit, Umgebung und Wetterbedingungen beeinflussen das Verhalten maßgeblich.
Prävention dort, wo sie gebraucht wird – nicht erst in der Praxis
Die Ergebnisse verdeutlichen: Öffentliche Schutzmaßnahmen wirken. Sie sind niederschwellig, alltagsnah und erreichen auch Personen, die nicht regelmäßig dermatologische Beratung aufsuchen. Die S3-Leitlinie zur Prävention von Hautkrebs, an deren Erstellung Dirschka maßgebend beteiligt war, fordert explizit strukturbezogene Maßnahmen – diese Studie zeigt exemplarisch, wie solche Interventionen konkret umgesetzt werden können. Der Standort der Spender und die Wetterlage hatten direkten Einfluss auf das Verhalten, was eine gezielte Planung zukünftiger Einsätze erleichtert.
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Vernetzte Strategien: Prävention, Diagnostik, Innovation
Zwar ersetzt kein Spender das ärztliche Gespräch oder die klinische Diagnose, doch die Verbindung mit technologischer Innovation eröffnet perspektivisch neue Synergien. Künftig könnten KI-gestützte Tools, die Hautmerkmale analysieren, zur Ergänzung etablierter Präventionsmaßnahmen beitragen – etwa durch gezielte Information oder das Erkennen verdächtiger Läsionen im Frühstadium. Auch moderne bildgebende Verfahren wie die optische Kohärenztomografie (OCT) gewinnen an Bedeutung, insbesondere bei der Differenzierung proliferierender aktinischer Keratosen. Prävention beginnt im Alltag – und setzt sich in der klinischen Versorgung konsequent fort.
Fazit: Prävention konkret denken – und konsequent umsetzen
Die kanadische Studie liefert keinen disruptiven Durchbruch, aber einen praktikablen, evidenzbasierten Impuls für die moderne Hautkrebsprävention. Öffentliche Sonnenschutzspender könnten auch in Deutschland einen Beitrag zur Prävention leisten. Denkbar wären Einsätze in Freibädern, Schulhöfen oder bei Open-Air-Veranstaltungen, begleitet durch ärztliche Beratung und digitale Aufklärung.
Literatur:
mdm MedienDiensteMedizin Verlagsgesellschaft mbH (2025), Interview: „Die Welt der Dermatologie wandelt sich schneller, als wir es für möglich gehalten haben“, Aktuell Derma.
Farag, S. et al. (2024): A prospective study analyzing the use of free public sunscreen dispensers. Canadian journal of public health. Revue canadienne de santé publique, DOI: 10.17269/s41997-024-00946-x.
S3-Leitlinie „Aktinische Keratose und Plattenepithelkarzinom der Haut“, Stand 31. Dezember 2022.