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Über dieses Buch

Spielen ohne Grenzen ...

Erst das Geld verleiht dem Glücksspiel seine eigentliche Bedeutung. Geld verkörpert das "Maß aller Dinge" in unserer Gesellschaft; es ermöglicht die Befriedigung vielfältiger Bedürfnisse, lässt Träume wahr werden.

Auf der Jagd nach dem Glück können die Spieler die Kontrolle über ihr Spielverhalten verlieren und süchtig werden.

Die Autoren informieren umfassend über die Ursachen des Suchtproblems, beschreiben ausführlich und praxisnah die Behandlungsmöglichkeiten und zeigen vorbeugende Maßnahmen auf.

Anhand zahlreicher Fallbeispiele werden Therapieschritte und Fragestellungen verständlich beschrieben und konkret besprochen. Im Mittelpunkt der Therapie steht nicht der "Verzicht", sondern das konkrete Umsetzen von Alternativen. Nur so ist das Ziel - dauerhafte Abstinenz - erreichbar.

Die schädlichen Auswirkungen des Glücksspiels verlangen nach geeigneten präventiven Maßnahmen; das haben inzwischen auch politische Entscheidungsträger erkannt. Das Buch listet eine Reihe proaktiver Handlungsoptionen auf und beurteilt sie hinsichtlich ihrer Effektivität.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Einführung

Spielen ist menschlich – wer würde diesem Werbeslogan der Glücksspielanbieter nicht zustimmen, ist doch das Spielen seit den Anfängen der Menschheit eine primäre Lebenskategorie. Es gehört zu den Grundelementen der individuellen und sozialen Reifung. Kinder lernen spielerisch, sich in unserer Welt zurechtzufinden. Im Spielen können sie Selbstständigkeit, Kreativität, soziale Identität und Belastbarkeit entfalten und stärken. Es lässt sich als eine zweckfreie Tätigkeit charakterisieren, die um ihres eigenen Anregungspotenzials willen aufgesucht und ausgeführt wird (Heckhausen, 1974). Aber nicht nur in den ersten Lebensjahren, sondern auf jeder Altersstufe sollte das Spielen als Lebensbereicherung einen entsprechenden Freiraum haben, da es u. a. Distanz zum Alltag ermöglicht, Zeit und Raum entgrenzt, das Gefühl anspricht und fördert, Spannung und Risiko vermittelt sowie Gemeinschaft bewirkt (Schilling, 1990). Dieser Freiraum ist in der heutigen Zeit – mit zunehmender Freizeit – einmal mehr gegeben, daher gewinnt auch das Spielen als Ausdruck von Lebensfreude an Bedeutung.

Gerhard Meyer, Meinolf Bachmann

2. Glücksspiel: Allgemeine Hintergrundinformationen

Erste Zeugnisse von Glücksspielen sind aus der ägyptischen Kultur etwa um 3000 v. Chr. überliefert. Eines der ältesten Glücksspiele ist das Würfeln, wie der Fund von Würfeln aus Elfenbein aus dem Jahr 1573 v. Chr. in Ägypten belegt (Wykes, 1967). In historischen Niederschriften der indischen Hochkultur werden Schicksale von Spielern beschrieben, die ihr ganzes Vermögen beim Würfelspiel verloren.

Gerhard Meyer, Meinolf Bachmann

3. Pathologisches Glücksspiel – Spielsucht

Der Begriff impliziert, dass süchtiges Verhalten im Kontext des Spiels generell auftritt. Bei näherer Betrachtung der Schicksale »Spielsüchtiger«, die ihr gesamtes Hab und Gut »verzockt« haben, wird allerdings deutlich, dass sie einer bestimmten Form des Spiels nachgegangen sind: dem Glücksspiel. Der Begriff »Glücksspielsucht« (Petry, 1996) erscheint vor diesem Hintergrund eher geeignet, den Gegenstandsbereich zu erfassen, ist jedoch in der Bevölkerung bisher kaum gebräuchlich.

Gerhard Meyer, Meinolf Bachmann

4. Entstehungsbedingungen pathologischen Glücksspiels: Das Drei-Faktoren-Modell der Suchtentwicklung als übergeordnetes Rahmenkonzept

Der Entwicklung süchtigen Spielverhaltens liegt ein komplexes System unterschiedlichster Einflussgrößen zugrunde.

Gerhard Meyer, Meinolf Bachmann

5. Theoretische Erklärungsansätze zur Entstehung und Aufrechterhaltung pathologischen Spielens

Wie sich auf der Basis glücksspielspezifischer Wirkungen, individueller Eigenschaften (Anlage und Persönlichkeit, Motive und Bedürfnisse, Denkgewohnheiten und Erwartungen) und sozialer Umwelt eine Suchtentwicklung manifestieren kann, versuchen theoretische Modelle der Neurobiologie, Psychoanalyse, Verhaltensanalyse (Lerntheorie), Kognitions- und Sozialwissenschaften zu erklären. Sie enthalten jeweils wissenschaftlich begründete Aussagen, die für sich genommen jedoch keine hinreichende Erklärung dieses komplexen Phänomens liefern. Integrative Modelle, die im Anschluss dargestellt werden, verknüpfen einzelne Aspekte der verschiedenen Ansätze miteinander und erzielen damit eine größere Reichweite.

Gerhard Meyer, Meinolf Bachmann

6. Individuelle und soziale Folgen

Die Spielsucht belastet nicht nur die betroffenen Spieler und ihr familiäres Umfeld, sondern verursacht auch soziale Folgeschäden. Aus der Vielfalt potenzieller, individuell und sozial schädlicher Auswirkungen sollen einige Aspekte im Folgenden näher erläutert werden: finanzielle Situation und Verschuldung,emotionale Belastungen und Suizidrisiko,Auswirkungen auf die Familie,Beschaffungskriminalität (einschließlich der strafrechtlichen Beurteilung),Geschäftsfähigkeit (zivilrechtliche Beurteilung),volkswirtschaftliche Kosten.

Gerhard Meyer, Meinolf Bachmann

7. Selbsthilfe

Nach empirischen Befunden nimmt nur ein kleiner Teil (maximal 12 %) der süchtigen Spieler professionelle Hilfeangebote in Anspruch (Slutske, 2006; Clarke, 2007; Clarke et al., 2007a; Suurvali et al., 2008; Ladouceur et al., 2009). Die Verhältnisse in Deutschland bestätigen diese Erkenntnis (Queri et al., 2007; Laging, 2009). Nur 3–10 % der süchtigen Spieler haben im Jahr 2009 eine ambulante Suchtberatungsstelle aufgesucht (Meyer, 2011). Von den pathologischen Spielern aus einer Telefonstichprobe hatten 76,9 % in ihrem Leben nie Kontakt zu irgendeiner Form von Hilfe wegen des Glücksspiels. Klinische Interviews belegen, dass nur etwa jeder Zehnte formelle Hilfe in mehr als geringfügiger Form in Anspruch genommen hat (Meyer et al., 2011a).

Gerhard Meyer, Meinolf Bachmann

8. Telefon-Hotline und Online- Beratung

Im Zuge des technischen Fortschritts und der veränderten Kommunikationsgewohnheiten haben telefon- und internetgestützte Beratungskonzepte weltweit an Bedeutung gewonnen (Überblick bei Clifford, 2008; Monaghan & Wood, 2010). So gibt es inzwischen auch in Deutschland mehrere kostenlose Informations- und Beratungstelefone (»Helplines«) für Spieler und Angehörige, wie beispielsweise das Glücksspielsucht-Telefon der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA: 08001372700) und die Infoline Glücksspielsucht in Nordrhein-Westfalen (08000776611). Durch das Merkmal der Anonymität garantieren sie jedem Anrufer ein hohes Maß an individueller Sicherheit, Distanz und Unverbindlichkeit. Weitere Vorteile telefonischer Beratung sind die hohe Verfügbarkeit des Angebots, seine einfache Zugänglichkeit sowie die niedrigen Kosten und der geringe Zeitaufwand.

Gerhard Meyer, Meinolf Bachmann

9. Grundsätzliches zur Spielertherapie

Das folgende Kapitel informiert über die Grundpositionen und »Eckpfeiler« des hier vertretenen Behandlungsansatzes (Bachmann, 2004; Bachmann & El-Akhras, 2010). Aufbauend auf den Ausführungen der vorhergehenden Kapitel, bilden die Abschnitte über Behandlungsangebote und ihre Vernetzung,das Suchtmodell als Therapieplan,Therapieziele und Fragestellungen,den theoretischen Behandlungsansatz,die Behandlung in Gruppen undBesonderheiten in der Klientel

Gerhard Meyer, Meinolf Bachmann

10. Ambulante Behandlung

Ambulante Behandlungsstellen gehören neben den Selbsthilfegruppen zu den wichtigsten ersten Anlaufstellen im Behandlungssystem pathologischen Glücksspiels. Das therapeutische Angebot reicht von der Entwöhnungsbehandlung im Einzel- oder Gruppensetting, der Vorbereitung, Vermittlung und Nachsorge stationärer Therapieaufenthalte bis hin zur Begleitung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen.

Gerhard Meyer, Meinolf Bachmann

11. Spieler in stationärer Therapie

Insbesondere wenn ambulante Behandlungsversuche erfolglos bleiben oder die Spielsucht von massiven psychosozialen Problemen begleitet wird, ist eine stationäre Therapie in Betracht zu ziehen. In verschiedenen Fachkliniken besteht inzwischen die Möglichkeit, pathologische Glücksspieler in speziellen Gruppen oder gemeinsam mit anderen Suchtkranken zu behandeln.

Gerhard Meyer, Meinolf Bachmann

12. Der pathologische Glücksspieler und die Familie

Die Familie des Glücksspielers ist in unterschiedlicher Weise in das Krankheitsgeschehen und den Therapieprozess involviert. Einige bedeutende Faktoren dazu sind in der ◘ Abb. 12.1 dargestellt.

Gerhard Meyer, Meinolf Bachmann

13. Rückfälligkeit

Ein großer Teil der Forschung in der Suchttherapie konzentriert sich auf die Prävention von Rückfällen (Bachmann & El-Akhras, 2010). Da das Suchtgedächtnis nicht vollständig löscht, besteht die Gefahr des Rückfalls nach einer Therapie fort. Insbesondere kurze Zeit danach ist die größte Unsicherheit vorhanden, neu Gelerntes auf die reale Lebenssituation zu übertragen. Es gibt verschiedene Modelle und wissenschaftliche Erkenntnisse, wie Rückfälligkeit entsteht und zu verhindern ist (vgl. Marlatt, 1985; Bachmann, 1999; Lindenmeyer, 2005a; Koerkel & Schindler, 2003; Meyer & Bachmann 2005). Hier gibt es kaum Unterschiede zwischen den Suchtformen. Die Ursachen sind vielfältig und reichen vom »Leichtsinn« bis zu schwierigen »Problemsituationen «. Ein wichtiger Grundsatz lautet, dass die Abstinenz nur beibehalten wird, wenn sie letztlich einen Vorteil darstellt. Es geht bei der Rückfallprävention weiterhin darum, persönliche Gefahrensituationen zu erkennen und dafür Bewältigungsstrategien zu erarbeiten. Eine intensive Auseinandersetzung mit diesen Themen ist obligatorisch.

Gerhard Meyer, Meinolf Bachmann

14. Ansatzpunkte präventiver Maßnahmen

Unter Prävention versteht Perrez (1991) Maßnahmen, die unerwünschten psychischen oder physischen Zuständen vorbeugen oder sie verhindern sollen. Die Zieldefinition präventiven Handelns besteht in dem Ersetzen fehlangepasster durch angepasste Entwicklungsverläufe, die als interaktive Prozesse zwischen dem Individuum und seiner Umwelt aufgefasst werden und damit in vielfacher Weise als beeinflussbar gelten. Grundsätzlich fußen die Ansatzpunkte der Gesundheitsförderung und Suchtprävention auf zwei Säulen (Gutzwiller et al., 2000): 1.Stärkung und Förderung der Individuen inclusive der Verbesserung der Rahmenbedingungen und2.Verhinderung von Suchterkrankungen und ihren negativen Begleiterscheinungen.

Gerhard Meyer, Meinolf Bachmann

Backmatter

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